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Der Ehrbare Kaufmann" - Neuauflage eines LeitbildesDer Ehrbare Kaufmann" - Neuauflage eines Leitbildes

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Hosted by:Walter Manns

Die Revitalisierung des Leitbildes "Ehrbarer Kaufmann" soll die alte Idee von Prinzipien im geschäftlichen Verhalten wieder modern machen.

Eigentlich sollte das keine so große Überraschung sein. Mal abgesehen von dem sicher nicht gerade positiven Umfeld, ist es doch absolut "Manager-Usus", dass der Neue zunächst mal die wirtschaftlichen Konsequenzen der Fehler des Alten (über)deutlich macht. Das schafft Raum zukünftig die eigene Leistung wesentlich besser darzustellen. Also alles business as usual.

Sehr geehrter Herr Manns,

die Frage "warum ist das Leitbild wichtig?" lässt sich mit dem wichtigsten Ziel eines Unternehmens in der Marktwirtschaft beantworten: Dessen Zukunft in ihr. Die Zukunft seines Kapitals und seiner Arbeitsplätze.

Dafür müssen wir in jeweils unserer Firma wettbewerbsfähiger sein als unsere härtesten Konkurrenten.

Dazu müssen wir mehr Verschwendung erkennen und abstellen als diese - und diese Kunst des Erkennens und Abstellens von Verschwendungen schneller ausbauen als diese.

Dazu müssen wir ein Chaos an Verhaltensweisen, Prozessen und Gewohnheiten vermeiden und uns statt dessen auf "Best Practices" einigen. Und wo es um das Denken geht und um die Absichten, da müssen wir uns auf Leitlinien einigen.

Im Straßenvekehr ist das gut gelungen durch die Straßenverkehrsordnung. Sogar so gut, wie die Geisterfahrer und Rüpel nur geringe Schäden anrichten.

In der Politik war das hierzulande auch so gut gelungen, wie das Grundgesetz die "Leitlinie des Unternehmens Deutschland" ist.

ABER, Herr Manns - das Wie ist wichtig.

„Wenn die Leute nicht immer per wir in Geschäftsangelegenheiten sprechen, nicht Gelegenheit haben, sich bei Ehren und Sorgen des Geschäfts beteiligt zu fühlen, so kann man kein treues Festhalten, auch in trüberen Zeiten, verlangen und erwarten.“ (Werner von Siemens)

Er ist mein Vorbild, für solch einen Charismatiker würde ich gern arbeiten.

Auch für diesen:

"Niemand ist gut genug, einen anderen ohne dessen Zustimmung zu regieren." (Abraham Lincoln)

Wer das Lincoln'sche Qualitätsmerkmal erfüllt, der erreicht mit seinen Leute im Miteinander weit mehr als seine Konkurrenten im Gegeneinander mit ihren Arbeitnehmern.

Die Lincoln'sche Zustimmung gefährdet aber,

1. Wer seinen Mitarbeitern oder Arbeitnehmern Leitlinien diktiert, die diese ablehnen. Oder die ihnen nicht einleuchten.

2. Wer unrealistische Leitlinien festlegt und deren Einhaltung fordert. (Ob eine Straßenverkehrsordnung Links- oder Rechtsverkehr fordert, ist gleichwerig. Aber wer fordern sollte, alle fahren auf der Mittelspur, der schürt Frontalkollisionen. Sondern: Wer ein System konstruiert, ob technisch oder sozial, der muss die Systemelemente so einplanen, wie sie sind. Und eben nicht so, wie er sie sich erträumt hat.)

3. Wer seinen Mitarbeitern oder Arbeitnehmern Leitlinien diktiert, gegen die er selbst verstößt, wenn sie ihm mal unangenehm sind.

Mir ist nicht bekannt, dass Werner von Siemens damals Unternehmensleitlinien gebraucht hätte. Er hat sie gelebt, ja. Auch durchgesetzt durch seine Entscheidungen und die Festikeit seines höchsten Zieles. Auch in Hausnormen. Es wird eine gegeben haben, die den Wickelsinn von Induktivitäten festgelegt hat.

Daraus die These: Wer das Vertrauen seiner Arbeitnehmer will, gar deren Lincoln'sche Zustimmung, der verzichte auf die Vorschrift von Unternehmensleitlinien - sondern handele erst mit sichtbarem Erfolg und dokumentiere denn die Prinzipien seines erfolgreichen Denkens und Handelns.

Etwa nach dieser Regel:

„Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“ (Kategorischer Imperativ, Immanuel Kant)

Nun zum Konstruktiven, Herr Manns: Mir scheint der Hype zu Ende zu gehen, in dem "Berater" mit Vertretern der Belegschaft "Unternehmensleitbilder" entworfen haben, als wenn Kinder Weihnachtswunschzettel schreiben - wunderschön, aber leider unrealistisch.

Hier ist eine Menge zu tun, wie Vorstände und Geschäftsführungen wieder Leitlinien finden, die sie auch leben und die sie durch ihr Vorleben überzeugend vermitteln.

Ich habe Grundlagen dazu erarbeitet - ein realistiches und naturwissenschaftliches Verhaltensmodell des Berufstätigen. Das steht im Gegensatz zu allen religiös geprägten Menschenbildern. Es ist leider nicht schön, sondern erklärt auch, wie Unbeherrschte kriminell und sogar gewalttätig werden können. Die Welt ist nun mal kein Streichelzoo, sondern wir sind alle Kinder der Evolution.

MfG

Wolfgang Horn

Alle Welt beneidet Deutschland um den Mittelstand. Sogar hier zu lande werden die mittelständischen Unternehmen, "das Herzstück der deutschen Industrie", oft positiv und besonders hervorgehoben. Und das zu Recht. Schließlich werden in diesen Unternehmen:

- der höchste Anteil am BIP erwirtschaftet

- die meisten Mitarbeiter beschäftigt

- Innovationen und weltweit anerkannte Entwicklungen getätigt

- das "Made in Germany" gelebt und erhalten usw.

Nur dem Wirtschaftsminister scheint das nicht klar zu sein. Oder schlimmer: egal zu sein.

Für ihn scheinen nur die Großen wichtig. "....deren dauerhafter Erfolg im nationalen wirtschaftlichen Interesse von Bedeutung sei - dazu zählen unter anderem Siemens, die großen Automobilhersteller, ThyssenKrupp oder die Deutsche Bank. Um deren Zukunft zu sichern, müssten Zusammenschlüsse und Übernahmen leichter möglich sein."

Da wird dann oft auch mal das schicke Wort der "Systemrelevanz" benutzt, um zu rechtfertigen, was nicht zu rechtfertigen ist. Denn eines sollte man bei einer Strategie nicht vergessen: Auch die Frage nach dem System muss gestellt werden. Was nicht mehr und nicht weniger heißt, dass man sich durchaus auch fragen darf/muss: "ist das System noch richtig" oder erhaltenswert?

Ganz abgesehen davon, ob es dann tatsächlich einzelne Unternehmen (und man schaue sich die Liste in Ruhe an) es "verdient" haben, als relevant betrachtet zu werden. Möglicherweise kommt man dann zu ganz anderen stratgeischen Schlussfolgerungen als Herr Altmeier.

Ein psychologischer Hintergrund für dieses Verhalten der Politiker, gestützt durch die öffentliche Meinung, ist unser Bedarf an Geschichten und Gesichter. Den Deutschen Mittelstand gibt es nicht, es gibt nur abertausende von Unternehmen, eine anonyme Masse. Dafür gibt es einen Herrn Kaeser oder einen Herrn Zetsche (usw), die man Fotografieren und zitieren kann. Es gibt das Image der "Großen" und ihren gefühlten Einfluß auf unser Leben. Damit lässt sich einfach viel leichter Marketing und Pressearbeit machen.
Lieber Herr Bopp, da haben Sie sicherlich recht und einen wesentlichen Punkt des menschlichen (auch politischen) Verhaltens getroffen. Auch leicht und für jeden nachvollziehbar. Und trotzdem frage ich mich immer wieder: kann das sein? Da wird eine strategische Ausrichtung für die nächsten gut 10 Jahre vorgestellt, und in dieser werden explizit Unternehmen genannt, die "schützens- und unterstützungswert" sind. Da sind dann auch Unternehmen, die.. - Gesetze gebrochen haben, - die sich mti illegalen Geschäftstransaktionen bereichert haben, - die keinerlei Hemmung haben ihren politischen Einfluss einzusetzen, um ordnungspolitische Regelungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen - die Lieferanten und Dienstleister bis zur Exitenzgefährdung auspressen, - die Kunden betrügen etc. Und diese Unternehmen sollen dann mit dem Geld der Steuerzahler gefördert und unterstützt werden? Oder noch einfacher ausgedrückt: das/die Opfer von kriminellen Taten sollen dafür bezahlen, dass es den Tätern weiterhin gut geht und sie ihre kriminellen Machenschaften weiter ausüben können? Und das ist Teil der strategischen Ausrichtung der deutschen Industriepolitik? Ein Schelm wer dabei Böses denkt.

Im Zusammenhang mit großen Banken wird immer wieder von "Systemrelevanz" gesprochen. Kann es sein, dass das damit gemeint ist?

Sehr geehrter Herr Manns, Ir Unbehagen teile ich nicht nur, sondern halte es für absolut notwendig in einer Zeit, in der hemmungsloser Egoismus Mode ist. > ..."Systemrelevanz" gesprochen. Kann es sein, dass das damit gemeint ist? "Als systemrelevant (... ‚zu groß zum Scheitern‘) werden Unternehmen bezeichnet, die eine derart bedeutende wirtschaftliche Rolle spielen, dass ihre Insolvenz vom Staat oder der Weltgemeinschaft nicht hingenommen werden kann. Droht diese dennoch, wird sie in der Regel mit öffentlichen Mitteln durch eine Rettungsaktion abgewendet." (Wikipedia v. 12.02.2019) Diese "Systemrelevanz" war eine phantastische Gaukelei, fast so toll wie der Verkauf von Ablaßbriefen ("Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt", Tetzlaff, Ablaßprediger), ein Raubzug zum Nachteil der Steuerzahler und deren Vertreter. Wenn wir Steuerzahler die "Firma X" schon retten müssen, weil ihre vorherigen Eigentümer versagt haben, dann müssen die ihre Anteile komplett dem Fiskus übereignen - und müssen Hausverbot bekommen wegen erwiesener Inkompetenz, Überheblichkeit und Anmassung. Ein zorniges Ciao Wolfgang Horn P.S.: Mein Vorbild ist Werner von Siemens während der Siemens & Halske GmbH: „Wenn die Leute nicht immer per wir in Geschäftsangelegenheiten sprechen, nicht Gelegenheit haben, sich bei Ehren und Sorgen des Geschäfts beteiligt zu fühlen, so kann man kein treues Festhalten, auch in trüberen Zeiten, verlangen und erwarten.“ (Werner von Siemens) W.H.

Ich fürchte wir sehen noch immer nur die Spitze des Eisbergs. Massive Veränderungen sind angesagt.

Noch ein Leitbild.....wer braucht das schon?

Die Frage wird mir oft gestellt und ich kann das nur aus fester Überzeugung bejahen. Es ist ja auch kein wirklich neues Leitbild. Ganz im Gegenteil. Der Ehrbare Kaufmann hat eine lange Tradition. Mit diesem Leitbild sind Generationen von "Kaufleuten" aufgewachsen, groß und erfolgreich geworden. Die Prinzipien des Ehrbaren Kaufmanns stellten über viele Jahrzehnte die Basis für Geschäftsbeziehungen dar. Meistens unausgesprochen, ungeschrieben.....und doch immer präsent.
In den letzten 1-2 Jahrzehnten ist diese Basis jedoch immer mehr verloren gegangen....hat an Bedeutung verloren. In den Vordergrund traten immer mehr und häufiger: Eigensucht, Gewinnen um jeden Preis, Tricksen wo es nur geht, kurzfristig "erfolgreich" sein auch wenn es nicht lange hält..etc.etc. Man braucht ja nur ein bißchen die Medien verfolgen und man findet jede Menge Beispiele für Kriminalität, Korruption, Mißwirtschaft, Dilettantismus.......
Das Ziel dieser Gruppe ist dieser Entwicklung etwas entgegen zu setzen und die Werte und Prinzipien des Ehrbaren Kaufmanns wieder zu reaktivieren.