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Deutsch für Profis

Unser Thema ist die deutsche Sprache in all ihren Erscheinungsformen, in Literatur, Werbung, Medien und täglichem Gebrauch.

Jörg Lenau Die substanzielle Differenzierung der Andersartigkeit
Gegenüber einer Naturwissenschaft, welche ein Weltbild uns vor Augen hält, worin angeblich einzig das existent sei, was physikalisch ermessbar ist und gar die anmaßende Behauptung aufstellt, ALLES bestände einzig aus Atomen, befasse ich mich vor allem mit der Weite dessen, was NICHT durch deren Weltbild in Erscheinung tritt.
Felix Hasler hat kürzlich ein Buch veröffentlicht ( Neuromythologie - Eine Streitschrift gegen die Deutungsmacht der Hirnforschung - https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-1580-7/neuromythologie/), in welchem dieser vor allem auch die gegenwärtigen Auswirkungen auf die Geisteswissenschaften zum Ausdruck bringt, indem diese Entwicklung nämlich Derartiges ganz einfach verdrängt. Was überhaupt und wie viel von dem, was sich als geisteswissenschaftlich stellt, läßt sich überhaupt in dieses Ordnungssystem eingliedern, wird hierüber zu einer unausweichlichen Fragestellung. Und bereits im Ansatz der Erörterung ergibt sich vor allem die Infragestellung, was aus dem wird, was dort nicht hinein paßt.
Als maßgeblichen Aspekt der Mißachtung ersehe ich vor allem aber auch die Bandbreite dessen, worüber sich uns auch sprachlich vor Augen führt, was sich demgegenüber als nicht dem zugehörig aufweist. Hierbei geht es um die Vielfalt dessen, was sich als gegenstandslose Sachlichkeit aufweist. Glaube, Liebe, Hoffnung und auch der Status einer Person, sowie die vielfältigen Eigenschaftsverhältnisse, welche unser Lebensrepartoire ausfüllen, weisen selbst keine physikalische Substanz auf, jedoch weisen deren Wirkungen darauf hin, daß sie keineswegs substanzlos sind. In einer Sprache, wie der Englischen, worin man die Substantive, wie alles andere klein schreibt, mag es nicht derart auffallen, wie es sich damit verhält. In unserem Sprachverhältnis hingegen, worin wir die Substantive spezifisch daraufhin ausdrückend, daß sie Substanz aufweisen (eine selbständig existierende Entität aufweisen), auch demgemäß groß schreiben, weist sich darüber doch schon eine unübersehbare Weite an Widersprüchlichkeit auf.
Wie ich ersehe, hat man jedoch bisher noch keine derartige Unterscheidung sprach-sachlicher Gegebenheiten und auch Begrifflichkeit vorgenommen, oder doch? Zumindest konnte ich bisher nichts Derartiges ausfindig machen. Aufgrund dieser Entwicklung kommen wir nämlich gar nicht mehr umhin, eine solche Unterscheidung vorzunehmen. Diese bestehende sprachliche Undifferenziertheit zeigt sich z.B. über den Begriff der Gegegenstandslosigkeit, für den es noch nicht einmal eine Beschreibung gibt:
https://www.duden.de/rechtschreibung/Gegenstandslosigkeit
https://de.wiktionary.org/w/index.php?title=Gegenstandslosigkeit&action=edit&redlink=1
Jörg Lenau Ronald M. Filkas
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Ronald M. Filkas

>Gegenfrage, Herr Filkas: wozu gehört das Sprachwesen, zur Naturwissenschaft oder zur Geisteswissenschaft?
Nun, auch die Beantwortung diese Frage ist müßig, Herr Lenau. In dieser Gruppe geht es nämlich nicht um „Sprachwesen“ im Allgemeinen oder Besonderen, sondern ganz konkret um die deutsche Sprache, und zwar ganz unabhängig von Natur- oder Geisteswissenschaften. Lesen Sie mal den Untertitel mit der Beschreibung der Gruppe!
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Michael Kühn Hier mal was passendes zum Thema...
Michael Kühn Käthi Zeugin
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Jürgen W. Goldfuß Ohne Englisch ist Deutsch nicht mehr zu verstehen
Nix mehr Deutsch?
Dass Personalabteilungen sich Human Resource Management nennen, obwohl in vielen Fällen laut den Mitarbeitern gar keine Ressourcen gemanaged werden, daran hat man sich mittlerweile gewöhnt. Welche intelligent klingenden Wortschöpfungen in der Branche sonst noch herumgeistern, das zeigt der Blick in eine Personalzeitung. (Übrigens: die folgenden Begriffe wurden nicht erfunden, sondern existieren schwarz auf weiß in gemischter Groß/Kleinschreibung, nachlesbar in einer HRS-Publikation).
Da werden recruiter informiert über Chatbots, Candidate Experience, Employer Branding, Active Sourcing und Mobile Recruiting. Wichtig ist auch der Handlungsbedarf bei den Touch Points. Top-Performer berichten über ihre Social-Media-Strategie und die Zusammenarbeit mit Job- und Talent-Recommendern. Die Kreativität bei der Titelfindung scheint unbegrenzt zu sein. Da gibt es den Head of Employer Branding and Social Innovation und den Global Director Employer Branding. Da berichtet der Director Group Human Resources über Employer Value Proposition, oldschool Personaler und Hiring Manager.
Im “War for Talents” geht es dann um Employer-Branding-Strategien, Bullet-Point-Listen und Soft-Skill-Wunschbilder. Ein Head of Sales und ein Head of Key-account-Management informieren über Technologie-Cluster, ein anderer über die Virtual Reality-Panorama-Galerie. Ein Vice President Strategy and Innovation klärt über zielgruppengerechten Content auf, ein weiterer Experte berichtet über Candidate Experience, CV-Parsing und Matching-Algorithmen. Sie entwickeln z.B. EVP, die Employer Value Proposition mit der eine moderne, authentische Employer Brand entwickelt werden kann.
Der Mitarbeiter einer Abteilung Labour Law, Labour Relations and Pensions Group informiert über Active Sourcing, Social Media Monitoring, automatisierte Matching-Verfahren und Predictive Analytics. Ein Fachmagazin bietet Informationen im Recruiting von Inbound Marketing bis Social Referral, von Big Failure bis Best Practice und von People Business bis Chatbots. Beim Thema Team ist Team-Involvement und der Onboarding-Prozess ganz wichtig. Der Head of Recruitment Process Services macht auf Compliance-Checks und Sourcing-Methoden aufmerksam. Entscheidend scheint der Recruiting-Workflow bei der Suche nach Talent Scouts zu sein.
Im Internet of Things darf auch die Artificial Intelligence und die State-of-the-Art Cloudlösung mit einem Bewerber-Feedbackmodul nicht zu kurz kommen. Wichtig ist, dass das gesamte Hosting dann zu 100 Prozent Made in Germany ist. Auf der Content-Plattform findet man dann „Talentry Jobs“ und „Talentry Stories“. Der Vorteil: geringere cost-per-hire und die Verkürzung der Time-to-hire. Beim innovativen recruiting ist das Employer Branding Profil wichtig, um innovatives Candidate Relationship Management zu betreiben.
Da gibt es im Bereich Recruiting Content-Autoren und Frontend-Entwickler, die eine Vorauswahl mittels Code-Challenge entwerfen, um die optimalen Mitarbeiter-Benefits sicherzustellen. Letzendes sollen Mitarbeiter sich nicht mit der Work-Life-Balance, die Arbeit und Freude trennt, auseinandersetzen, sondern mit dem Work-Life-Blend, der beides verbindet. Schließlich geht es um das wellbeing, das das commitment der Mitarbeiter fördert. Mit dem Tool Total Reward Optimization werden nach der Conjoint-Analyse die Präferenzen der Mitarbeiter ermittelt. Das search-Business wird schließlich beim Thema Gender Diversity im Executive Search echt herausgefordert. Zum rechtskonformen, operativen Doing gehören auch eine Car policy, ein konsistentes Grading-System, kurz von den Basics bis zum Long Term Incentive Plan, vielleicht auch ein Retention-Plan, so ein HR-Steering-Partner.
Wer nun glaubt, nur die HR-Branche leide unter einer babylonischen Sprachverwirrung, nein, auch in der Gastronomie finden sich kreative Wortschöpfungen. So suchte ein Hotelbetrieb einen Backgroundprofi (gemeint war ein Hausmeister, der auch spülen kann) und einen Foodrunner (einen Aushilfskellner). Dass man Begriffe aus anderen Sprachen übernimmt (Portemonnaie, Boulevard usw.) ist nicht ungewöhnlich. Dass Sprache sich im Laufe der Zeit verändert, gehört zur Evolution. Aber muss es unbedingt im Sekundentakt sein?
Ronald M. Filkas
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Ronald M. Filkas
Sehr geehrter Herr Goldfuß,
haben Sie vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag! Ich habe diesen gestern Abend noch zum Anlass genommen, dem meine eigenen Berufserfahrungen gegenüberzustellen und dabei Ihren in meinem Blogbeitrag verlinkt:
https://ronaldfilkas.de/sprechen-wir-bald-nur-noch-denglisch/
Ich möchte die Diskussion hier nun nicht auf meinen Beitrag „umleiten“, über ein Interesse (und auch über Kommentare dort) freue ich mich dennoch.
Mit freundlichem Gruß
Ronald M. Filkas

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