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Digital Connection

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René Kiem Die Digitalisierung ist schuld an den Arbeitslosen! Ist das so?
Kürzlich erschien von uns ein Artikel zum Thema „Arbeit 4.0“. https://www.xing.com/communities/posts/arbeitswelt-4-punkt-0-arbeiten-4-punkt-0-arbeitsplatz-4-punkt-0-was-genau-ist-das-alles-eigentlich-1014316244 Die erste, leicht panisch angehauchte Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Und sie ist insofern interessant, als sie ein paar Dinge durcheinander wirft, die man nicht durcheinanderwerfen sollte. Da sie jedoch durchaus stellvertretend für eine große Gruppe von Meinungen ist, die ähnlich gestrickt sind, gehen wir einmal etwas näher darauf ein.
Argument Nummer 1: Arbeitslose durch Digitalisierung?
Der Kommentator schrieb:
Wie wollen Sie die neu erzegten Digitaliesierten Arbeitslosen bezahlen? Bereits heute kann eine vernünftige Bezahlung der Arbeitslosen nicht mehr garantiert werden. Und das, bei den weiteren Zuwachs an "Fachkräften".
(Hinweis: Die Rechtschreibung haben wir original übernommen.)
Da muss man doch mal nachfragen. Wer bitte sind die „neu erzeugten digitalisierten Arbeitslosen“? Sicher, es gibt Jobs, die durch die Digitalisierung weggefallen sind, und es werden weitere hinzukommen. Aber auf der anderen Seite entstehen auch neue Jobs. Der Knackpunkt aber ist ein anderer.
Die „vernünftige Bezahlung von Arbeitslosen“ bezieht sich auf wen genau? Auf Menschen ohne Arbeit? Auf Menschen, die aufstocken müssen, weil ihre Arbeit so schlecht bezahlt wird? Auf Alleinerziehende, die ohne staatliche Hilfen nicht mehr auskommen? Man weiß es nicht genau, aber eines ist sicher: die Digitalisierung ist ganz sicher nicht die Ursache für das vom Kommentator angesprochene Problem. Es ist vielmehr ein bis auf die Knochen deregulierter Arbeitsmarkt, der Löhne und Gehälter zahlen kann, die ins Abgrundtiefe gerutscht sind.
Schließlich darf nicht vergessen werden, dass dank Digitalisierung die Produktivität von Unternehmen in ungeahnte Höhen geschnellt ist. Die Gewinne übrigens auch. Doch auf die Lohnentwicklung hatte das keinen positiven Einfluss, weil die Politik die Arbeitsmärkte gewissermaßen von der Leine gelassen hat. Es ist eine Binsenweisheit, aber leider wahr, dass die meisten Unternehmen – erst recht die großen Global Player – nur die Löhne zahlen, die sie zahlen müssen. Und da sie in diesem Bereich nahezu vollständig eigenständig agieren können, haben wir „den Salat“. Die Digitalisierung kann hier nur hilf- und schuldlos mit den Schultern zucken.
Fehlen noch die in Anführungszeichen gesetzten „Fachkräfte“. Was mag der Kommentator mit ihrem „weiteren Zuwachs“ meinen? Den Fachkräftemangel? Arbeitslose Fachkräfte? Man weiß es nicht, aber wenn wir unterstellen, es gäbe einen Mangel an Fachkräften, müsste der Arbeitsmarkt komplett anders gestaltet sein. http://www.wiwo.de/erfolg/management/fachkraeftemangel-der-fachkraeftemangel-ist-ein-mythos/20504844.html Ein Mangel führt naturgemäß hier zu höheren Löhnen, zumindest müsste das so sein. Doch genau die gibt es eben nicht. Nicht nur der kleine Fließbandarbeiter ist niedrigen Löhnen ausgesetzt, auch Fachkräfte leiden darunter. So wie übrigens auch Lehrer, Professoren und Doktoren. Sie alle verdienen heute weniger als früher und müssen sich oft von Job zu Job hangeln. Insbesondere weil Leiharbeit und Zeitverträge, oder gleich Stellen auf Honorarbasis, die die Unternehmen von den Sozialabgaben befreien, Planungssicherheit verhindern. Auch hier spielt die Digitalisierung keine große Rolle.
Argument Nummer 2: Von der Unmöglichkeit selbstfahrender Autos
Der Kommentator schrieb:
Autonomes fahren. Das ich nicht lache. Die Regirungen waren und sind nicht in der Lage, heute einen vernünftigen ÖPNV bereit zustellen. Aber autonomes fahren fördern. 
Wie hoch sind eigentlich die Fördergelder, die z. B. BMW dafür erhält? 
Was soll der Zweck dessen sein? Den Bürger noch mehr an der Kandarre zu haben? Oder die Überwchung noch lückenloser zu haben?
In einem Punkt hat er recht: Die Regierungen waren und sind wirklich kaum in der Lage, das öffentliche Verkehrssystem zu organisieren. Allerdings haben sie diese auch weitgehend in private Hände gelegt, und diese arbeiten nun einmal profitorientiert. Gleiches gilt für die Post oder die Telekommunikation. Doch mit dem autonomen Fahren hat das nichts zu tun, es ist eine ganz andere Baustelle.
Und wir wollen doch ehrlich sein. Das autonome Fahren wird kommen! Warum? Weil es möglich ist, und was möglich ist, setzt der Mensch um, das ist seine Natur. Wie hoch die Fördergelder für BMW sind, darf man natürlich kritisch hinterfragen. Aber dafür „kann“ die Technik des autonomen Fahrens nichts.
Die Frage ist also nicht, ob das autonome Fahren kommen wird, sondern unter welchen Voraussetzungen. Und wie die am besten gestaltet werden, darf, sollte und muss diskutiert werden. Stattdessen jedoch so zu tun, als könnte man das selbstständige Fahren aufhalten, ist absurd und realitätsfern.
Und zum Thema der „lückenlosen Überwachung“: Ist der Kommentator auf Facebook unterwegs? Benutzt er ein Handy oder Google, um Informationen zu sammeln? Hat er etwas unternommen, als herauskam, dass die NSA massenhaft Menschen überwacht und ausspioniert?
Natürlich ist der Datenschutz ein allumfassendes Thema. Und natürlich betrifft er auch das autonome Fahren. Aber einmal mehr kann man nur sagen, dass auf den Boten geschossen wird, wenn die Technik kritisiert wird. Denn entscheidend ist der Umgang mit ihr, und für den ist nicht die Technik, also im weiteren Sinne die Digitalisierung verantwortlich, sondern die, die über sie verfügen.
Argumente Nummer 3 und 4: Die bösen ausländischen Unternehmen
Der Kommentator schrieb:
Selbst wir als Ortsansässiges Unternehmen dienen doch nur noch als Informationlieferanten für Amazon und Co. Stichwort "Beratungsdiebstahl"
Außer für bereits heutige Großunternehmen wie Siemens, Infinion, BMW und dergl. sehe ich für die Allgemeinheit keinerlei Vorteil. Ich denke, das auch Sie mir keinen nennen können.
Hier wird es schräg. Was soll aus dieser Aussage gefolgert werden? Dass Amazon & Co. ihre digitalisierte Arbeit einstellen müssen? Damit ortsansässige Unternehmen oder deutsche Großkonzerne erfolgreicher sind? Das ist nun wirklich naiv. Die Tatsache, dass Deutschland international in Sachen Digitalisierung schlecht aufgestellt ist – selbst bei den Breitbandverbindungen liegen wir lediglich im Mittelfeld hinter Ländern, von denen wir dachten, sie seien uns hoffnungslos unterlegen -, kann doch nicht auf die Schultern anderer abgeladen werden.
Wie gesagt: Der Mensch macht, was er machen kann. Oder er lässt es bleiben. Dann muss er allerdings damit klarkommen, den Anschluss zu verpassen.
Keine Frage, die Monopolisierung der Märkte durch Unternehmen wie Amazon, Google, Facebook oder Apple ist kritikwürdig. Doch auch sie hat nichts mit der Digitalisierung zu tun, sondern mit dem Umgang der Politik damit. Es geht ums Geld, nicht um die Digitalisierung, und die Regierungen sind weltweit mit der richtigen und verantwortungsbewussten Handhabung überfordert. Es ist wie mit den oben genannten Löhnen. Sie fallen so niedrig aus, wie es Unternehmen gestattet wird. Und Amazon & Co. agieren so lange so, wie sie es tun, bis ihnen die Politik einen Riegel vorschiebt und für mehr fairen Wettbewerb sorgt. Doch das tut sie eben nicht, wir müssen uns nur an die Bankenkrise erinnern. Folgte daraus etwa Regulierung? Mitnichten! Die Banken machen im Grunde so weiter wie vor der Krise. Warum? Weil sie es können!
Gegenfrage: Wie sieht die Alternative zur Digitalisierung aus?
Das ist eine rhetorische Frage. Es gibt keine Alternative. Die vierte industrielle Revolution hat stattgefunden, sie umzukehren oder gar auszulöschen, ist eine völlig absurde Vorstellung. Das wäre, als würde man Autos wieder abschaffen und auf Kutschen umsteigen.
Unkritisch sollte die Digitalisierung deshalb nicht betrachtet werden. Alles, was neu ist (wobei man darüber im Zusammenhang mit der alles andere als neuen Digitalisierung durchaus streiten könnte), muss erprobt werden, muss geprüft werden auf Fehler oder Nachteile. Nur so können Verbesserungen herbeigeführt werden. Wenn das Urteil dann aber lautet: „Das ist nicht gut, das muss weg“, ist das von der Wirklichkeit meilenweit entfernt.
Amazon beispielsweise ist ein Marktgigant, der schalten und walten kann, wie er will. Das ist schlecht und muss dringend geändert werden. Aber ganz sicher nicht dadurch, dass man die Digitalisierung abschafft. Da könnte man auch das Wasser abschaffen, wenn man Regen nicht mag.
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René Kiem
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