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Filmkritiker

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Alexander Kiensch The Meg
Man nehme: einen berühmten Action-Star, in diesem Falle Jason Statham; den größten bekannten Hai aller Zeiten, nämlich den Megalodon, der mit ansehnlichen Computereffekten zum Leben erweckt wird; und eine hauchdünne Story, die sich von so Sachen wie Glaubwürdigkeit oder Detailgenauigkeit nicht stören lässt, dafür aber reichlich Gelegenheiten bietet, den Kampf mit dem riesigen Urzeit-Hai aufzunehmen. Dass aus diesen Zutaten kein großes Kino entsteht, dürfte klar sein - für einen unterhaltsamen Sommer-Reißer reicht es aber allemal.
Tatsächlich ist das Duell Statham - Riesen-Hai kein Unterhaltungs-Blockbuster, wie es etwa Alexandre Ajas extrem blutiger "Piranha" war. Dazu fehlen dem Megalodon der rechte Biss, der Mut zu krasser Gewalt oder originelle Storyideen. Konzipiert als familienfreundliche Action-Unterhaltung für Fans der großen Raubfische, dümpelt "The Meg" so vor sich hin. Die Story ist echt Banane, wirft den Zuschauer ohne jede Einleitung in die erste Begegnung mit dem Megalodon, kommt im weiteren Verlauf mit hanebüchenen Erklärungen zum Überleben des Urzeit-Monstrums daher (ganz zu schweigen von derben Logikschnitzern: Man zeige mir das Tiefsee-Wesen, das einfach mal so in obere Meeresschichten wechseln kann, ganz ohne Probleme mit dem Druckausgleich zu bekommen) und hält sich auch sonst nicht lange mit störendem Unrat wie Figurenzeichnung, Tiefgang oder Bedeutung auf. Wo Filme wie "Jurassic World" ihre Monster als Ausgangspunkt für kluge Gedanken zum Verhältnis Mensch - Bestie nutzen, beschränkt sich "The Meg" ausschließlich auf Schauwerte.
Die allerdings können sich durchaus sehen lassen. Spezialeffekte auf der Höhe ihrer Zeit lassen das Urzeitmonster überzeugend zum Leben erwachen und bieten besonders Hai-Freunden einiges an Augenfutter. Wenn das gut getrickste CGI-Monster das Riesenmaul aufreißt und auf Angriff geht, stockt einem schon mal kurz der Atem. Die Zeiten, in denen Hai-Filme mit peinlich einmontierten Dokumentaraufnahmen arbeiten mussten, scheinen glücklicherweise vorbei zu sein. Stattdessen wird hier mit reichlich Effekten auf die unvergänglichen Genre-Klassiker angespielt: Wie bei Spielbergs "Der weiße Hai" wuchtet sich hier das Monster auf das Heck eines Bootes, nur dass es in diesem Fall einfach dreimal so groß ist! Und das Bild, wenn ein kleines Mädchen in einem gläsernen Unterwassertunnel Auge in Auge dem Megalodon gegenüber steht, ist eine echte Wucht.
Visuell hat "The Meg" also einiges zu bieten. Wer allerdings einen blutigen Reißer à la "Deep Blue Sea" erwartet, wird eher enttäuscht sein. Wie gesagt, "The Meg" ist als Familienunterhaltung konzipiert (schon die FSK-Freigabe ab 12 sollte eine Warnung sein), mehr als einige blutige Walkadaver und im ganzen verschluckte Nebenfiguren gibt es hier kaum zu sehen. Selbst die obligatorischen Horden badender Teenies, die dem Megalodon als Zwischenmahlzeit dienen, kommen vergleichsweise unblutig davon (speziell in dieser Szene drängt sich ein Vergleich zu "Piranha" auf, allerdings bleibt "The Meg" weit entfernt von dessen brachialer Gewalttätigkeit) - sogar das kleine Hündchen taucht am Ende lebend und unverletzt auf!
Dafür bietet das Drehbuch einen gebrochenen Helden, der doch Recht hatte, einige unsympathische Nebenfiguren, deren Gier ihnen zum Verhängnis wird, und aufrechte Charaktere, die den Helden unterstützen und dank deren Hilfe sich alles zum Guten wendet. Kurzum: eine 08/15-Geschichte ohne neue Ideen oder irgendwie geartete originelle Einfälle. Hauptargument für diesen Ozean-Thriller sind und bleiben der riesige Megalodon, der schon ziemlich cool ausfällt, und Jason Statham, dessen unverwüstliches Charisma ihn auch hier wieder ohne echtes Schauspieltalent durch den Film trägt. Wer Klischees, unlogische Details en masse und bedeutungsleere Dialoge verträgt, kann sich mit "The Meg" einen leidlich unterhaltsamen Sommer-Blockbuster geben. Oder einfach auf den nächsten, hoffentlich besseren Monster-Reißer warten.
Hans-Carsten Stenzel
Die publikumswirksamen Blockbuster dieser Tage zeichnen sich, meiner Meinung nach, soundso durch großartige CGI und weniger durch gut durchdachte Stories aus. Wer also auf große Hai steht, dem wird hier etwas geboten. Und, Jason Statham ist leider einer jener wenigen Action-Darsteller dieser Tage. Hätte der Megalodon vor zwanzig Jahren die Leinwand bevölkert, gäbe es sicher Arnold Schwarzenegger der uns gerettet hätte. Für mich ist der MEG einfach Popkorn-Kino. Zwei Stunden Spaß und danach... vergessen.
Martin Rudolph „Theo gegen den Rest der Welt“: Kultfilm, immer noch frisch
Der Film aus dem Jahr 1980 von Peter F. Bringmann mit Marius Müller-Westernhagen erscheint jetzt nach 4k-Abtastung wieder auf Blu-ray und DVD.
Ich hatte den Film nur einmal - damals beim Kinostart - gesehen und war neugierig, wie er nach fast vierzig Jahren wirkt…
Als Fernfahrer Theo („aus Herne, vielleicht hast Du schon von mir gehört“) von einer Pinkelpause an der Raststätte zurückkommt, ist sein neuer LKW weg. Um die letzte Rate bezahlen zu können, hatte er eine illegale Fuhre übernommen, also muss er auf eigene Faust hinterher.
Kurzerhand kapert er einen Fiat 500 mitsamt der Schweizer Medizinstudentin Ines (Claudia Demarmels), während sein Kompagnon Enno (Guido Gagliardi) mit einem geliehenen Kombi voller Zuchthühner zur Unterstützung eilt.
Getreu Theos Motto „Hauptsache, es geht immer weiter“ geht es dann für das Trio immer weiter - quer durch Europa. Immer auf der Jagd nach dem LKW und immer verfolgt von einem recht humorlosen Geldeintreiber…
Die Tour d’Europe führt über Lüttich, Schweiz, Mailand, Genua -
das gibt viel Raum für Theos lockere Sprüche und schräge Begegnungen. Natürlich wirken bedrohliche Situationen heute eher bieder, manches ist klamaukig, aber Theo und Enno sind immer authentisch und manches wäre auch heute noch so ähnlich. Allerdings war der Roadtrip damals ohne Handy („Gib‘ mir mal 20 Pfennig, ich muss telefonieren“) und ohne Navi („auf der Karte ist Genua nur 2cm neben Mailand“).
Der starke Soundtrack von Lothar Meid, mit dem Westernhagen später bei einigen seiner Studioalben zusammenarbeiten sollte, liefert eine stets passende Ergänzung; mal dynamisch treibend, mal entspannt heiter à la
„Oliver Onions“.
Regisseur Bringmann hatte mit Drehbuchautor Matthias Seelig und dem Duo Westernhagen/Gagliardi bereits „Aufforderung zum Tanz“ gedreht, der die Vorgeschichte von Theo und Enno erzählt und 1977 im WDR ausgestrahlt wurde. „Theo“ schaffte es dann ins Kino und wurde 1980 mit fast 3,5 Millionen Zuschauern zum bei weitem erfolgreichsten deutschen Film des Jahres.
Fazit: Leicht angestaubter Kultfilm, der wenig von seinem Unterhaltungswert eingebüßt hat. Beim ersten Wiedersehen nach fast vierzig Jahren wurde ich bestens unterhalten; jüngere (Erst-)Seher müssen zeitbedingt leichte Abstriche machen.
Die 4k-Abtastung liefert erwartungsgemäß eine ausgezeichnete Bildqualität.
Alexander Kiensch Slender Man
Allen gerne geglaubten Internet-Mythen zum Trotz begann es 2009: Der Fotograf Eric Knudsen reichte zwei von ihm bearbeitete Schwarz-Weiß-Fotos bei einem Wettbewerb ein, auf denen die Figur des Slender Man zu sehen war. Ein Internet-Hype war geboren - in den folgenden Jahren sprudelten die Legenden rund um die unheimliche Figur nur so hervor, zahlreiche weitere Fotomontagen und Schauergeschichten machten die Runde, Online-Spiele kamen auf den Markt, Fan-Foren füllten sich und der Slender Man nahm immer skurrilere Gestalt an.
Mit der Kinoverfilmung erklimmt dieser Hype nun eine weitere Stufe. Klar, die Geschichte um ein mysteriöses Schattenwesen, das unbedarften Teenagern nachstellt, bietet sich ja geradezu für eine mediale Vermarktung im Horrorgenre an. Und so wird der Slender Man auf eine Mädels-Vierergruppe losgelassen, die ihn nichts ahnend (per Internet-Video!) beschwören. Dass diese dünne Story deutliche Parallelen zum Horror-Klassiker "The Ring" aufweist - wenn du das Video schaust, wird der Geist/das Monster/was auch immer dich holen - sei nur einmal am Rande erwähnt. Denn die Zielgruppe dieses Grusel-Spektakels entspricht wohl ziemlich genau dem Alter der Hauptfiguren, und ob die noch sonderlich viel mit einem Horrorfilm über VHS-Kassetten anzufangen wissen, ist die Frage.
Tatsächlich ist "Slender Man" ein inhaltlich dünner, visuell aber durchaus gelungener Teenie-Schocker geworden, der in Sachen Originalität leider ziemlich blass bleibt. Kaum eine Szene, die man als erfahrener Zuschauer nicht schon dutzendfach so gesehen hätte: dunkle Flure und Zimmer, knarrende Dielen, Schocksequenzen mit hämmernder Musik, wenn die Figuren sich nichts ahnend umdrehen. Wer irgendeinen beliebigen Horrorfilm seit den 80ern gesehen hat, wird hier nichts Neues in Sachen Grusel entdecken. Aber wie gesagt, die eigentliche Zielgruppe dürfte das wohl nicht stören.
Auch bleibt "Slender Man" inhaltlich deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. So gibt es die eine oder andere Andeutung darauf, dass der fiktive Horror eine Chiffre für reale Jugend-Probleme sein könnte, aber dieser Hauch an Symbolik wird nie ernsthaft verfolgt. Dafür gelingen die Teenie-Figuren durchaus überzeugend, inklusive permanentem Herumfummeln am Smartphone. Auch die eher bedeutungsfreien Dialoge erreichen zumindest das Ziel, die Figuren glaubhaft zu machen - auch wenn der eine oder andere Genre-Klischee-Satz nicht ausgespart wird. Insgesamt dürfte "Slender Man" ein für junge Zuschauer goutierbarer, weil mit Identifikationsmöglichkeiten aufwartender Grusler sein, der Themen wie elterliche Vernachlässigung, erste Liebe und das Auseinanderentwickeln kindlicher Freundschaften streift.
Voll und ganz überzeugen kann der Film allerdings mit seiner Bildästhetik. Besonders in der ersten Hälfte gefällt er mit sehr atmosphärischen Eindrücken nächtlicher Kleinstadt-Einsamkeit oder dunkler Wälder, die ganz im altmodischen "Akte X"-Stil mit blauem Hintergrundlicht und wabernden Nebelschwaden beleuchtet werden. Bilder wie das eines einsam im kahlen Wald stehenden Eisentores können durchaus für Gänsehaut sorgen und auch die Tonspur leistet außerhalb der üblichen Schockmusik-Explosionen gute Arbeit: Knarrende Bäume, bedrohliche Knurr- und Ächz-Geräusche und schrille Funkstörungen machen mitunter nervös. Am allerbesten wird der Film immer dann, wenn er sich am subtil verstörenden Anspruch der Ursprungsbilder orientiert und die beunruhigend falsch proportionierte Gestalt des Slender Man nur als Schatten in dunklen Räumen oder zwischen kahlen Bäumen durchschimmern lässt.
Von dieser Subtilität verabschiedet sich "Slender Man" allerdings mit fortgehender Laufzeit immer mehr, um stattdessen in polterige Effekt-Schock-Sequenzen zu verfallen - grelle Visionen, übertriebene, wenn auch gelungene Bild-Verzerrungen und zum Finale eine nur noch lächerliche Verwandlung des Monsters zeugen einmal mehr vom verbreitetsten aller Genre-Fehler: dem Zuviel. Zu viele Effekte, zu viel donnernde Spannungsmusik, zu viele Schreie (an denen die Hauptdarstellerin Julia Goldani Telles noch dringend arbeiten sollte, wenn sie es zur Scream-Queen schaffen will).
Am Ende bleibt damit ein größtenteils effekthascherischer, oft klischeehafter und inhaltlich dünner Grusel-Streifen, den Genre-affine Teenies sicher gut konsumieren können, der aber filmisch eher schwach aufgestellt bleibt. Da helfen dann auch die schön düsteren Bilder ebenso wenig wie der kluge Schachzug, selbst auf den Internet-Hype einzugehen und sogar einmal kurz die Originalbilder aufblitzen zu lassen. Aber sei's drum, dem Mythos wird auch ein eher lahmer Kinofilm kaum schaden können.
Alexander Kiensch Jurassic World 2
Eine der berühmtesten und einträglichsten Blockbuster-Reihen des modernen Hollywood-Kinos geht in die nächste Runde: Der insgesamt fünfte „Jurassic“-Film über die Folgen künstlich erschaffener Dinosaurier und ihres Aufeinandertreffens mit den Menschen dürfte erneut für volle Kinosäle und Kassen sorgen. Inhaltlich setzt er jedenfalls punktgenau am Ende des Vorgängers an: Die verwilderte Dinosaurier-Insel droht von einem Vulkanausbruch zerstört – und damit die geklonten, einzigartigen Tiere erneut ausgerottet – zu werden. Während Politik und Wissenschaft noch darüber debattieren, ob man hier für viel Geld eingreifen oder der Natur ihren Lauf lassen sollte, macht sich ein Team aus Forschern, Abenteurern und Söldnern auf den Weg, um so viele Spezies wie möglich zu evakuieren. Aber natürlich sind zum einen die Dinosaurier selbst eine nicht zu unterschätzende Gefahr und zum anderen nicht jedes Motiv, die Tiere zu retten, so edelmütig, wie es scheint.
Mit einem für Blockbuster dieses Formats durchaus erwartbaren, gewaltigen Aufwand an Settings, Technik und Spezialeffekten erzeugt auch „Jurassic World 2“ ein temporeiches Überwältigungs-Feeling, das mit zahllosen Riesen-Dinos, krachender Action und rasanter Handlungsentwicklung für Unterhaltung sorgt. Im Gegensatz zu anderen Action-Reißern dieser Größenordnung – man denke etwa an die „Transformers“-Reihe – bleibt hier aber durchaus genug Zeit für eine kluge Einbettung der Oberflächen-Aktion in eine faszinierende Hintergrund-Story. Schon die ethische Diskussion um die Verantwortung des Menschen für seine Schöpfung fällt spannend und vielseitig aus – darf man hier wirklich der Natur ihren Lauf lassen oder sollte man mehr Aufwand betreiben, um den Tod von Lebewesen zu verhindern, die ohne den Menschen gar nicht mehr existieren würden? In diesem Rahmen fällt auch der viel diskutierte Gastauftritt des „Jurassic“-Urgesteins Jeff Goldblum aus, wenn auch leider viel zu kurz und irgendwie unpassend eingezwängt.
Auch bleibt sich die Reihe in ihrem sarkastischen Hinweis auf die moralischen Unzulänglichkeiten der Spezies Mensch treu. Gier, Egozentrismus und Machtwahn sind seit dem legendären Erstling von Steven Spielberg die immer wieder alten Gründe für das krachende Scheitern der Agierenden ihren eigenen Kreationen gegenüber. Auch hier wird eine so spannende wie clevere Parabel auf Artenschutz und durch Menschen verursachtes Tierleid erzählt – wobei den beiden „Jurassic World“-Filmen eine gewisse Akzentverschiebung im Vergleich zu den „alten“ Teilen zu attestieren ist: Die Sympathie der Erzählung wird immer eindeutiger auf Seiten der Dinosaurier gelegt, die Menschen, die einst als ums Überleben kämpfende Helden inszeniert wurden, werden immer mehr zu vorrangig böswilligen Antagonisten. Ein interessanter Schwerpunkt, der immer wieder Raum für kritische Reflexionen und Metaphern öffnet.
Aber natürlich gibt es auch hier heldenhafte menschliche Akteure – wie könnte es in einem Hollywood-Blockbuster auch anders sein? Chris Pratt etwa, der nicht nur noch dramatischere Stunts zu überstehen hat – etwa den Sturz von einer Klippe, halb gelähmte Flucht vor heranfließender Lava oder gar den Sprung durch ein aufgerissenes T-Rex-Maul – sondern einmal mehr den charismatischen, im altmodischen Sinn männlichen Draufgänger geben darf. Im Zusammenspiel mit Bryce Dallas Howard als tougher Managerin und Saurier-Retterin sorgen sie für die richtige Prise Romantik und Sexappeal und geben ein wirklich tolles Leinwandpaar ab.
Dramaturgisch fällt besonders im direkten Vergleich mit dem Vorgänger auf, dass der Action-Anteil erstaunlicherweise etwas zurückgefahren und auf beinahe punktuelle Szenen verschoben wurde. Zwar klotzt diese Action dann ganz besonders – vor allem beim spektakulären Vulkanausbruch – dennoch wird sich hier wirklich viel Zeit für Charaktere und Entwicklung der Handlung genommen. Und für das Finden großartiger Bilder: Ob ein verzweifelter Brachiosaurus, dessen Silhouette sich im Vulkanrauch auflöst, der Ritt auf einem fixierten Tyrannosaurus oder das mitunter an Horrorfilme erinnernde Finale mit dem wieder mal kreuz und quer gezüchteten Indoraptor – mehrmals dürfte hier für Gänsehaut und intensive Emotionen, von Trauer bis Angst, gesorgt sein.
Auch wenn „Jurassic World 2“ also ein wenig zu glatt poliert vom Fließband rollt, nicht jeder Handlungssprung dramaturgisch gelungen erscheint und einige arg unrealistische Details auftauchen, ist auch der fünfte Film der Reihe ein enorm unterhaltsames Stück Popcorn-Kino, das mit brillanten Effekten, einer vergleichsweise tiefgründigen Story, sympathischen Figuren und auflockerndem Humor zu überzeugen weiß. Und auch wenn sich manche Klischees hartnäckig halten – die Bösen werden am Ende halt gefressen – werden andere Erwartungen dafür mit ironischen Brechungen gekonnt unterlaufen. Das alles mit immer wieder faszinierenden Bildern und Kamerafahrten, einem grandiosen Soundtrack und einer Unmenge an genial getricksten Dinosauriern – fertig ist der Sommer-Hit für alle großen und kleinen Urzeit-Fans.
Martin Rudolph Auguste Rodin: Missglücktes Porträt
Biografisches über bildende KünstlerInnen hat Konjunktur im Kino: Turner, Schiele, Cezanne, Klimt, Lou Andreas-Salome, Paula Becker und Giacometti waren unter den zuletzt Dargestellten. Filme über Bildhauer sind eher selten, umso spannender der Versuch, sich einem der bedeutendsten Bildhauer filmisch zu nähern.
Rodin, 1880 als Künstler mit 40 Jahren arriviert, hat seinen ersten öffentlichen Auftrag erhalten – die Bebilderung von Dante’s Inferno. Der Film konzentriert sich in der ersten Hälfte auf die Schaffung des „Höllentors“. Dieses Werk wird ihn über Jahrzehnte beschäftigen, es wird neben unzähligen anderen Darstellungen seine berühmtesten Skulpturen enthalten, den Denker, der Kuss – und es wird bis zu seinem Tod 1917 unvollendet bleiben.
In der ersten Hälfte bleibt der Film bei Rodins besessener Arbeit am Höllentor mit Camille Claudel (Izia Higelin). Zunächst seine Assistentin, dann Geliebte und Muse und später seine mindestens ebenbürtige Kollegin (und Rivalin?). Aber Rodin anerkennt sie nie als gleichwertig, verweigert ihr diesen Status. Es wirkt, als sähe er in ihr nur die Geliebte…
Die Welt draußen findet fast nicht statt. Der Film konzentriert sich sehr stark auf das Atelier oder die Wohnräume. Auch die Reaktion auf seine Werke findet nur innen und nur in Gesprächen statt. Das ist auch konsequent – er verschanzt sich hinter seinen Skulpturen. Es betont immer, es ginge ihm nur um Wahrhaftigkeit, egal, was andere davon denken. Da er kein großer Redner ist, bittet er andere, ihn bei Kontroversen öffentlich zu verteidigen.
Aber Rodins Unsicherheit, sein Streben nach Perfektion bleiben beiläufig und wirken fast selbstverständlich, nie als ständiger Teil seines inneren Kampfes. Der Künstler wirkt irgendwie weichgespült. Die einzige heftige Begegnung findet bezeichnenderweise zwischen Camille und Rodins Frau (Séverine Caneele) statt.
Vincent Lindon spielt Rodin nahezu perfekt. Aber er kann nur so gut sein, wie man ihn fordert und so wirkt er bei aller Hingabe oft auch seltsam unbeteiligt. Dieser lebenswütige, zweifelnde, geniale, perfektionistische Titan, der Rodin wohl war – nein, zu dem wird Lindon nur selten und das liegt nicht an ihm.
Bildgestaltung, Kamera, Licht sind bemerkenswert. Einzelne Einstellungen sind in ihrer Komposition großartig. Atelier und Wohnräume wirken absolut authentisch, die Ausstattung ist perfekt. Zum Teil konnte an Originalstätten gedreht werden und durch den gleichzeitigen Einsatz mehrerer Kameras werden fließende, harmonische Szenen möglich.
Aber dann, mitten im Film, zerbricht die Beziehung von Auguste und Camille - ob aufgrund seiner Dominanz oder ihrer fragilen Lebensgeschichte lässt der Film offen.
Und damit, in der zweiten Hälfte, verliert der Film seine Spannung und sein Thema, das ihn bis jetzt noch ganz passabel getragen hat. Es wirkt, als wisse Doillon nicht, was er jetzt noch alles erzählen solle – und wie. Es folgen nur noch viele episodenhafte Szenen, die zur Charakterisierung Rodins wenig beitragen, es gibt Zwischenblenden und zu viele Abblenden, als hätte er nicht gewusst, wie er manche Szenen hätte auflösen sollen. Das verstärkt den dann nur noch sprunghaften Charakter des Films und lässt durch diese Brüche keinen Fluss mehr aufkommen.
Rodin sagt in einer Szene des Films sinngemäß, dass auch unvollständige Skulpturen vollkommen sein könnten, denn wenn sie gut wären, würde ihnen nichts fehlen.
Das gilt leider nicht für diesen Film.