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Filmkritiker

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Alexander Kiensch Three Billboards outside Ebbing, Missouri
Wer die beiden bisherigen Langspielfilme des irischen Regisseurs Martin McDonagh, "Brügge sehen ... und sterben" und "7 Psychos", kennt, dürfte gespannt auf seine dritte Kinoproduktion sein. Und wer etwas Ähnliches wie in diesen beiden Vorgängern erwartet, dürfte überrascht werden. Denn "Three Billboards outside Ebbing, Missouri" bietet neben dem üblichen skurrilen bis schwarzen Humor eine tieftraurige Geschichte, die ungeheuer intensiv daher kommt und noch lange nach Ende des Films nachwirkt.
Frances McDormand spielt die alleinerziehende Mutter Mildred, die drei Werbetafeln an einer einsamen Landstraße vor den Toren ihres Heimatstädtchens Ebbing mietet - und mit provozierenden Plakaten beklebt, auf denen sie dem Sheriff (grandios verkörpert von Woody Harrelson) Untätigkeit im Falle ihrer vergewaltigten und ermordeten Tochter vorwirft. Natürlich schlägt solch ein Affront hohe Wellen in dem gemütlichen Kaff.
Tatsächlich sind die Plakate Anstoß für eine ganze Reihe skurriler, heiterer und weniger heiterer Ereignisse, denn schnell treffen hier diverse Ansichten und Beweggründe aufeinander: Ob der so trottelige wie zu Brutalität neigende Cop Dixon (Sam Rockwell), ein junger, unerfahrener Werbeunternehmer, Mildreds gewalttätiger Ex-Mann oder ihr Sohn, der unter der Erinnerung an das Schicksal seiner Schwester ebenso leidet wie unter ihrer Plakataktion - eine ganze Reihe von latenten Konflikten kommen hier an die Oberfläche und werden von der exzellenten Darstellerriege brillant auf die Leinwand übertragen. McDormand spielt die zwischen Verzweiflung und Kampfeslust pendelte Mutter mit einer inneren Kraft, die staunen lässt; Woody Harrelson ist so intensiv wie eh und eh, egal ob er gerade den harten Cop oder den verängstigten Familienvater hervorkehrt; und Sam Rockwell als von Frustration und Hass getriebener Versager gibt eine der stärksten Leistungen seiner Karriere. Wobei niemand besonders hervorsticht, so glaubwürdig, mitreißend und vielschichtig wie hier jeder einzelne Charakter bis in die kleinsten Nebenrollen verkörpert wird. Schauspielerisch ist der Film ein absolutes Highlight.
Aber auch auf der Drehbuchebene punktet er mit einem nahezu perfekten Spagat zwischen schrägem Humor, tiefer Melancholie und klugem Humanismus. Bitterernste Themen wie der Umgang mit Verlust, Krankheit und Tod, Polizeigewalt, Dummheit und Ignoranz werden mit einem unglaublich feinsinnigen Gespür in den teils herrlich absurden Dialogen behandelt. Permanent schwankt man als Zuschauer zwischen Kichern oder auch lautem Lachen und tiefer Betroffenheit, wenn die seelischen Wunden der Agierenden hervortreten. Dabei wird auch eine Unterteilung in Gut und Böse vermieden - auch Rockwells zu Gemeinheit neigende Figur ist ein emotional angeschlagener Mensch, auch die positiven Identifikationsfiguren begehen Fehler, laden Schuld auf sich und verletzen ihr Umfeld. So vielschichtig und intelligent wurde selten das alltägliche Spannungsfeld zwischen den Menschen, ihren Handlungen und den dahinter liegenden Motivationen ausgeleuchtet.
Auch hat McDonagh ein fantastisches Gespür für originelles Erzählen und überraschende Szenenauflösungen: Speziell eine Verhörsequenz zwischen McDormand und Harrelson findet ein derart unvorhersehbares Ende, dass einem noch lange danach der Mund offen stehen kann. Durch diese Glanzleistung in Drehbuch- und Dialogarbeit entwickelt sich sehr schnell eine unterschwellige Spannung, die durchgehend auf hohem Niveau unterhält. Die schweren Themen, die der Film verhandelt, werden auch durch diese Dialoge aufgelockert - und mit Mut zum politisch Unkorrekten ins Absurde verdreht: Da steht Peter Dinklage vom Tisch auf und lässt beiläufig fallen: "Ich gehe mal für kleine Jungs." Und der Cop, dem man Gewalt gegen Farbige nachsagt, murmelt, als ihn ein dunkelhäutiger Vorgesetzter als Weißbrot bezeichnet: "Ist das nicht rassistisch?"
"Three Billboards outside Ebbing, Missouri" ist ein hochintelligenter, ungeheuer vielschichtiger und emotional tief berührender Beitrag über die Schwere von Schicksalsschlägen und die Kraft, die es braucht, um diese zu bewältigen. Er verpackt seine Aussagen in großartig komponierte Dialoge und wunderbar ironische Szenen, die von der ruhigen Kamera in schlichten, unaufgeregten Bildern eingefangen werden. Und er ist mit seiner Besinnung auf grundlegende humanistische Werte, auf die Verwundungen, die die Menschen sich gegenseitig zufügen und die sie auch gegenseitig heilen können, ein komplexer, kluger Kommentar zu einer Welt, die von allgegenwärtigen Anfeindungen, Hassbotschaften und Niveaulosigkeiten erschüttert wird. Das alles wird verbunden mit viel schrägem Humor und emotionaler Tiefe - ein lange nachhallendes Kinoerlebnis.
Alexander Kiensch The Killing of a Sacred Deer
Nachdem der griechischstämmige Regisseur Yorgos Lanthimos mit „The Lobster“ für einiges Aufhorchen in der Welt des Kunstfilms gesorgt hat, kehrt er nun mit einer modernen Interpretation des Iphigenie-Mythos zurück: Colin Farrell und Nicole Kidman spielen ein Medizinerpaar, dessen heile Oberschicht-Welt zerbricht, als der Sohn eines verstorbenen Patienten sich immer stärker in ihr Familienleben einzumischen beginnt. Die schleichende Unterwanderung mündet schließlich in einen so bizarren wie grausamen Racheakt.
Was genau es mit dieser Rache auf sich hat, bleibt eines der zahlreichen Vexierspielchen, mit denen Lanthimos sein Werk auflädt und es in eine immer zwingendere, bedrohliche Atmosphäre steigert. Diese dichte Inszenierung ist der größte Pluspunkt des Films: Ob die elegante Kameraführung, die den Figuren oft aus einer erhöhten Position durch lange Krankenhausgänge oder Zimmerfluchten folgt, oder der Score, dessen grelle Geigenklänge mit steigender Eskalationsstufe in immer schrillere Dissonanzen verfallen – durch die stringente formale Umsetzung baut „The Killing of a Sacred Deer“ ziemlich schnell eine finstere, subtil bedrohliche Atmosphäre auf, die das Interesse des Zuschauers bis zum Schluss trotz allerlei Schwächen aufrecht erhält.
Und das ist auch bitter nötig. Denn bei aller formalen Strenge scheitert der Film letztlich an seinen eigenen Ansprüchen. Das beginnt schon bei den Dialogen, die enorm gestelzt und unglaubwürdig daher kommen. Auch die deutsche Synchronisation trägt hier ihren Anteil daran, wenn sie die Charaktere in einer gestochenen, deutlich ausformulierten Betonung selbst die heftigsten Streitereien austragen lässt. Diese in jeder Sekunde künstlich und aufgesetzt wirkende Art der Kommunikation scheint anfangs noch theaterhaft und leicht bizarr, und der Verdacht ist nicht weit her, dass damit die Differenz symbolisiert werden sollte zwischen der blitzsauberen, niveauvollen Oberfläche der Figuren und den dunklen Trieben, die dicht unter dieser Oberfläche brodeln und sich immer mehr Bahn brechen. Aber je länger der Film läuft, desto klarer wird, dass sie dieses unterstellte Ziel verfehlen. Anstatt zur surrealen Ausrichtung der Handlung beizutragen, nerven diese viel zu klaren Dialoge bald enorm und nehmen so manch eigentlich intensiver Szene viel von ihrer Spannung.
Der Mangel an Glaubwürdigkeit, der durch diese sterile Art der Schauspielerführung hervorgerufen wird, passt dann auch zur inhaltlichen Unausgegorenheit. Je klarer wird, wohin die Reise geht, desto mehr verschwimmt der Kern der Handlung. Zwar nimmt sie surreal-mystische Elemente auf, aber eigentlich bleibt der Schwerpunkt eher auf der psychologischen Demaskierung des niveauvoll-erfolgreich wirkenden Paares. Was etwa bei Kafka funktioniert, führt hier nur zu Verwirrung: Auf scheinbar übernatürliche Ereignisse reagieren die Figuren mit einer kalten Selbstverständlichkeit und Intellektualität, die in keiner Weise passt. Besonders Colin Farrell bleibt in seiner Rolle so lange unterkühlt-zurückhaltend, dass seine Wutausbrüche im letzten Filmdrittel kaum mehr überzeugend sind. Zu lange schon hat man als Zuschauer den Eindruck gewonnen, hier keinen realen Menschen beizuwohnen, sondern eben theaterhaft dargestellten Mystik-Figuren. Das macht selbst so drastische Sequenzen wie die im Billard-Keller, wenn der Arzt den Spieß umzudrehen versucht, nur bedingt spannend.
Und ausgerechnet im eigentlich enorm tragischen Finale gipfelt diese Verliebtheit ins Künstliche bis ins Lächerliche: Die Opferung, die hier vorgenommen wird, erfolgt dermaßen unrealistisch, dass man eher geneigt ist, über die ganze Szenerie zu schmunzeln. Von der tiefen Emotionalität, die hier offensichtlich angestrebt wird, ist kaum etwas zu spüren, dafür wirkt alles viel zu gespreizt und aufgesetzt.
So entpuppt sich „The Killing of a Sacred Deer“ als ein in großen Teilen prätentiöses Beispiel für künstliches, nicht künstlerisches Kino, das die an sich faszinierend-böse Story durch Formverliebtheit, schwache Schauspielerführung, missratene Dialoge und mangelhafte Überzeugungskraft des Sujets verwässert. Was bleibt, sind eine immerhin dichte Atmosphäre und elegante Bildkompositionen und Kamerafahrten, die genau das untermauern, was Lanthimos auch mit allen anderen Elementen hauptsächlich aussagen will: Seht her, das ist ein echter, anspruchsvoller Kunstfilm.
Hans-Carsten Stenzel Star Wars - Die großen Erwartungen und die Realitäten
Alle Jahre wieder fließen Buchstaben in Richtung Horizont über die Kinoleinwand. Die Erwartungen an einen neuen Star Wars Film sind so gigantisch wie die Sternenzerstörer des Imperiums.
Dann kommen die Kritiken und diese gehen oft weit auseinander. Am Ende bekommt der neueste Film dann doch ausreichend gute Kritiken um einen weiteren Film zu rechtfertigen. Na ja, vielleicht sind es dann doch nur die Besucherzahlen.
Was nun zum Thema Qualitäten von Star Wars.
Star Wars (A new Hope)... natürlich das Original. Innovativ und originell. Nun, es ist zwar ein Sammelsurium alter Western und Eastern, aber OK, immerhin spielt es in einer Galaxie, weit, weit entfernt.
Das Imperium schlägt zurück... Gut, und kein langweiliger zweiter Teil. Da bleibt auf jeden Fall hängen das...."Luke, ich bin dein Vater!"
Und dann fängt es an Un-Originell zu werden.
Rückkehr der Jedi-Ritter: Ehrlich.. der alte Todesstern ist kaputt...mhh, ach, bauen wir einen neuen, noch größeren Todesstern (Originell...nicht wirklich). Und, seufz, Teddy-Bären im Weltall.
Lange, lange Pause...
Cut...
Die Prequels... Technisch perfekt, Darth Maul...prima... und doch irgendwie konnten diese drei Filme die Erwartungen der alten Fans nicht so recht erfüllen.
Das Erwachen der Macht... Die selbe, alte Geschichte nur etwas anders erzählt.
Die letzten Jedi... Sorry, hab ich noch nicht gesehen.
Aber, Rogue One...
Hier war ich wirklich angenehm überrascht. Die Vorgeschichte zu "A new Hope". Ich fand diesen Film wirklich gut.
Leia und Grand Moff Tarkin... von den Toten auferstanden. Wirklich nett.
Tja, das Fazit:
Selten gab es ein Franchise das so sehr von der Nostalgie in den Köpfen der Fans und Kritikern lebte wie dieses. Und so lange die Kassen klingeln, so lange wird Hollywood auch weitere Filme und Serien von Star Wars produzieren.