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Mit "FMEA konkret" ist seit geraumer Zeit ein von viel Engagement der Herausgeber getragenes Fachmedium auf dem Markt. Dies ist in jedem Falle zu begrüßen.

Aber einige der auf den Seiten 30-35 der aktuellen Magazin-Ausgabe 12/2021 aufgestellten Behauptungen können und dürfen nicht unwidersprochen bleiben:

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ISHIKAWA

Da wäre zunächst der Beitrag auf Seite 30 unter dem Titel "Ist das Ishikawa-Diagramm oder das Fehlernetz besser?".

Da bereits die Frage falsch gestellt wird, gelangen die Autoren schon im einleitenden Passus zu der von vorneherein intendierten Aussage, daß selbstverständlich das Fehlernetz in allen Belangen überlegen und damit alternativlos sei, zusammengefaßt als Conclusio im letzten Absatz:

"Demnach bietet das Ishikawa-Diagramm nichts, was das Fehlernetz nicht auch leisten kann".

Der blindgläubige Methoden-Kult um das Fehlernetz zieht sich ohnehin wie ein roter Faden durch sämtliche Ausgaben des Magazins.

Daß ein Ishikawa-Diagramm im Gegensatz zum Fehlernetz eben gerade nicht den Makel aufweist, die Ursachen für Fehlfunktionen der Fokuselemente in Form eines Verschiebebahnhofes auf die nächst niedrigere Strukturebene abzuwälzen (z.B Einzelteil-Fehlfunktion ist verantwortlich für Baugruppen-Fehlfunktion) bleibt selbstredend unerwähnt.

Gerade das Fischgrät-Diagramm bietet die Chance, methodische, auslegungstechnische, kombinatorik-immanente (nicht an ein einzelnes Sub-Element gebundene), planerische und organisatorische Wurzelursachen unmittelbar auf das Teile-Kollektiv der Fokus-Komponente bezogen anzugeben.

Kein Wort findet sich in dem Beitrag auch darüber, wie sich u.a. in dem gezeigten Beispiel in einem Fehlernetz die Ungenauigkeiten von Ebene zu Ebene aufschaukeln. Zu finden sind in der Illustration signifikanterweise äußerst interpretationsfähige Adjektive wie "zu gering" (Was nun? Ein bißchen, ziemlich oder erheblich zu gering?), "defekt" und "abgenutzt".

Diese holzschnittartigen Knotenpunkt-Beschreibungen müssen im Netz als Anlaufpunkte für eine Vielzahl von Folgen (Fehlfunktionen der höheren Ebene) und Ursachen (Fehlfunktionen der niedrigeren Ebene) herhalten.

Denn ein kontextgerechter Einzelfall-Bezug würde aufgrund der erforderlichen Differenzierungen das Fehlernetz sprengen und vollständig überfordern.

Das Fehlernetz klammert sich zudem an das ebenso schwammige Funktionsnetz, welches auf dem undefinierbaren Kunstbegriff "Funktionsbeitrag" basiert. Die dort hergestellten Netzrelationen geben jedoch keinerlei Aufschluß über die tatsächliche Dimension der Abhängigkeiten zwischen den Funktionen.

Man darf sich lebhaft vorstellen, welch suspekte Aussagen sich aus der Kumulation solcher Unschärfen über mehrere System-Ebenen hinweg ergeben. Die 'all inclusive' Lösung für falsche Schlußfolgerungen und Maßnahmen.

Das Ishikawa-Diagramm hingegen kann an exakten Fehlerbeschreibungen des Fokus-Elementes kontextbezogen mit einer nach 7M kategorisierten Ursachenanalyse unter Beachtung des Prinzips "frage mindestens 5 x warum" zielgerichtet ansetzen.

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P-DIAGRAMM

Auch der zweite Aufsatz unter dem Titel "FMEA-konformeres P-Diagramm" ist von dem Ansinnen geprägt, ein sinnvolles Werkzeug mutwillig in das Fehlernetz-Schema zu pressen.

Nun also ist das Parameter-Diagramm an der Reihe. Direkte Korrelationen sind freilich nicht ableitbar, so kommt es zu dem Fazit:

"Da aber die Funktionsnetzverknüpfungen keine Entsprechung im P-Diagramm haben, ist zumindest keine bidirektionale Abhängigkeit der beiden Darstellungen 'in erreichbarer Nähe'"

Das Resümee gipfelt dann in der Schmäh-Kritik am Parameter-Diagramm: "Damit sinkt der 'Bedarf' und die 'Nutzbarkeit' für den Anwender". ( ? ? )

In der Herleitung dieser vernichtenden 'Erkenntnis' finden sich zudem zahllose Ungereimtheiten:

So werden Störgrößen zum Zwecke der Einbindung in das als obligatorisch begriffene Fehlernetz entweder zu Fehlerursachen oder als Fehlerfolgen(!) der Fokus-Ebene umdeklariert.

Richtig jedoch ist: Störgrößen selbst stellen überhaupt keine Fehlfunktionen dar, denn sie sind - wie der Name schon sagt - "Einflußfaktoren" (Parameter), wie z.B. die UV-Licht-Einwirkung der Sonne, welche das Auftreten einer Fehlfunktion (Fehlerart, z.B. Materialverfärbung) antriggern oder begünstigen können.

Genausowenig sind Steuergrößen (Lenkungsgrößen) "Vermeidungs-, Entdeckungs- oder Reaktionsmaßnahmen", wie im Beitrag behauptet. Vielmehr handelt es sich bei dieser Kategorie um z.B. positiv gegen Störgrößen wirkende Design-Parameter, deren mangelnde Berücksichtigung im Entwurfskonzept denkbare Fehlerursachen sein können (um beim obigen Beispiel zu bleiben, etwa UV-Stabilisatoren im Kunststoff-Matertial).

Aber:

Nicht jede angelistete Steuergröße führt zu einer Maßnahme (Nutzen/Kosten/Machbarkeit...) und die Formulierung sowie inhaltliche Ausgestaltung von Maßnahmen hat auch nicht Gegenstand des P-Diagrammes zu sein.

Meine Schlußfolgerung:

Bei unvoreingenommener Betrachtung besteht am P-Diagramm durchaus ein 'Bedarf' als 'nutzbarem' und vor allem nutzbringendem Instrument zur Ergänzung der FMEA.

Was übrigens in dem sehr guten Artikel von Herrn Kleideiter ("Das P-Diagramm, ein unterstützendes Werkzeug?") in Ausgabe 11/2019, Seite 16/17 dezidiert nachzulesen ist.

Quintessenz dort: "Die Anwendung dieses übersichtlichen, kompakten Werkzeugs ist häufig ein Erfolgsfaktor in der FMEA Moderation und Entwicklung ...".

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https://www.fmea.wiki/wiki/schwarmintelligenz-in-der-fmea-nutzen/

https://www.fmea.wiki/wiki/vernetzte-zusammenarbeit-in-der-fmea/

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