Für Verantwortung in der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft. ForumFür Verantwortung in der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft. Forum

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Die Entwicklung der Digitalisierung ist von ihrem Ende her zu denken. Dies erfordert klare ökonomische und gesellschaftliche Konzepte.

Covid-19 hat uns alle vor ziemlich ungewöhnliche Herausforderungen gestellt. Für mich bedeutet dies, dass ich teilweise auch ganztags einen fünfjährigen Jungen mit Wurzeln in Kamerun betreue. Die Kita war vor Weihnachten durch einen Coronafall geschlossen und die alleinerziehende Mutter hat gerade eine Ausbildung begonnen.

Der Junge ist schon ein hervorragender Breakdancer und Kickboxer – mit einem verdammt harten Schlag. Als er mich kürzlich zu einem Fight herausgefordert hat, habe ich ihm geantwortet, ich möchte nicht gegen ihn kämpfen. Einen Moment musste er überlegen, dann erklärte er mit tiefer Überzeugung: »Wir spielen jetzt anders. Wir kämpfen nicht mehr gegeneinander, wir kämpfen jetzt gemeinsam gegen die Monster!« Was wir seitdem ausgiebigst tun.

Monster haben wir in der realen Welt gerade genügend, für den Jungen ist es Corona, das alles aus den Fugen geraten lässt, die Folgen des Klimawandels und viele andere Umbrüche, deren Ausgang wir gerade schwer abwägen können. Was wir brauchen sind Game Changer, nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander zu kämpfen, gerade auch in unserer eigenen Arbeit.

»Wir spielen jetzt anders« ist für mich für das neue Jahr ein Motto. Regeln zu einem Besseren zu verändern, auch den Moment des Innehaltens, um alte Regeln zu hinterfragen. Momente, die wir durch unsere Arbeit schaffen können.

Dieser kleine Satz ist auch spontan für etliche meiner Freunde und Kollegen zum Jahresmotto für 2021 geworden:

»Many thanks for those encouraging words. "Wir spielen jetzt anders" is wonderful motto for a re-start. I will try to put it into practice.«

Vielleicht finden auch Sie einen persönlichen Zugang zu diesen vier Worten. Ich wünsche Ihnen ein gelingendes Jahr 2021.

Beim Einsatz digitaler Techniken bleiben wir immer wieder hinter unseren eigenen (menschlichen) Fähigkeiten zurück. Dieser kurze Einspruch skizziert dies am Beispiel der Frage: »Brauchen wir noch gedruckte Bücher?« und der persönlichen Einsicht, dass Lesen mehr sein könnte als nur Lesen. When using digital techniques, we are always falling short of our own (human) abilities. This short objection outlines this using the example of the question: "Do we still need printed books?" and the personal insight that reading could be more than just reading.

https://www.researchgate.net/publication/344778653_Brauchen_wir_noch_gedruckte_Bucher

Fast jeden Samstag gehen wir als Familie in die Stadt - das bedeutet in Wien in die Innenstadt, in den 1. Bezirk -, unter anderem auch um uns in die Buchhandlung Bücher auszusuchen. Die Kinder Jugend- /Kinderbücher oder Comix und wir halt Sachbücher oder einfach Bücher zum Entspannen. Bücher wert zu halten , ist auch eine Erziehungsfrage.

Die Plattform-Ökonomie zeichnet sich nach ihrem Selbstverständnis durch ihre digitalen Vermittlungsmonopole als einzigen wertschöpfenden Wirtschaftssektor aus. Menschliche Arbeit wird damit faktisch wertlos, damit auch ihre Anerkennung als Leistung.

Der komplette Beitrag ist bei Researchgate verfügbar:

https://www.researchgate.net/publication/344596409_Andreas_Seidel_Leistung_in_der_digitalen_Okonomie

Guter Begriff: "Anstrengungsgesellschaft" "Wir beginnen statt in einer Leistungsgesellschaft vielmehr in einer Anstrengungsgesellschaft zu leben, die eine nach oben offene Skala ausweist, deren Grenzen sich wohl individuell in Burnout und Depressionen und gesellschaftlich im Klimawandel, in der Erschöpfung unserer natürlichen Ressourcen ausdrücken."

Beim teilautonomen Fahren (Level 3) soll der Fahrzeugführer nur noch in kritischen Situationen eingreifen. Dies führt zu dem Paradox: kompetentes Handeln ist nur durch Fahrpraxis möglich, genau die verliert ein Fahrer im autonomen Betrieb. Ein weiteres Problem ist, selbst in Versuchsumgebungen hält die Aufmerksamkeitsspanne nur eine kurze Zeit. Für einen Regelbetrieb ein kaum beherrschbares Risiko.

Der gesamte Beitrag kann hier aufgerufen werden_

https://www.researchgate.net/publication/344595616_Ein_Irrtum_auf_dem_Weg_zum_autonomen_Fahren

Ja, dies ist wirklich ein Paradox: kompetentes Handeln ist nur durch Fahrpraxis möglich, genau die verliert ein Fahrer im autonomen Betrieb.

Die Digitalökonomie wird hier im Zusammenhang mit den Interessen ihrer Investoren dargestellt. Gleichzeitig wird der Stand der Digitalisierung hinterfragt. Und die Frage aufgeworfen, ob die Industrie nicht zu früh totgesagt wurde: wir brauchen nicht weniger Realgüter als früher, doch die müssen auch nachhaltig produziert und nutzbar sein. Nachhaltige Wirtschaft braucht daher andere Leitbilder, Konzepte und Lösungen, die nicht aus der Gedankenwelt der Digitalisierer kommen.

Der Link zum Download:

https://www.researchgate.net/publication/339831773_Digitalokonomie_Feudalismus_oder_doch_ein_neues_industrielles_Bewusstsein

Eine repräsentative Umfrage unter Bundesbürgern Anfang 2016 hat gezeigt, dass z.B. 80 % der Jugendlichen wie Erwachsenen Begriffe wie Industrie 4.0 oder Internet der Dinge unbekannt sind. Auch unter Führungskräften und Fachleuten besteht noch viel Un- oder Missverständnis. Zum Thema digitaler Transformation oder Disruption finden sich selbst am gleichen Tag Artikel, deren Aussage entgegengesetzter nicht sein könnten.

Über allem steht die drohende Warnung: Es gibt keine Alternative. Kann man in einem solchen Umfeld für Unternehmen und Gesellschaft verantwortlich handeln?

Grund genug mehr über Themen wie Verantwortung, Ethik oder auch Normen zu sprechen.

Buch MENSCHpunktNULL erschienen

Das aus einer Zusammenarbeit im Forum entstandenen Buch MENSCHpunktNULL - Gestaltungsansätze für die digitale Gesellschaft ist erschienen. Im Rahmen einer Creative Commons Lizenz kann es hier gratis heruntergeladen und geteilt werden.
Das Buch enthält vielfältige Beiträge zu der Frage, wie eine menschengemäße Gestaltung der digitalen Transformation möglich ist. Wir wünschen anregende Lektüre und freuen uns über Diskussionen innerhalb und außerhalb dieses Forums. Die Herausgeber Andreas Schiel und Andreas Seidel.