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Für Verantwortung in der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft. ForumFür Verantwortung in der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft. Forum

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Hosted by:Andreas Seidel

Die Entwicklung der Digitalisierung ist von ihrem Ende her zu denken. Dies erfordert klare ökonomische und gesellschaftliche Konzepte.

Die Digitalökonomie wird hier im Zusammenhang mit den Interessen ihrer Investoren dargestellt. Gleichzeitig wird der Stand der Digitalisierung hinterfragt. Und die Frage aufgeworfen, ob die Industrie nicht zu früh totgesagt wurde: wir brauchen nicht weniger Realgüter als früher, doch die müssen auch nachhaltig produziert und nutzbar sein. Nachhaltige Wirtschaft braucht daher andere Leitbilder, Konzepte und Lösungen, die nicht aus der Gedankenwelt der Digitalisierer kommen.

Der Link zum Download:

https://www.researchgate.net/publication/339831773_Digitalokonomie_Feudalismus_oder_doch_ein_neues_industrielles_Bewusstsein

Morgen ist Weihnachten: heute bestellt morgen geliefert - Amazon macht's möglich. Doch die immer mehr um sich greifende Amazon-Logik in Politik und Wirtschaft bietet leider keine Lösung für die Herausforderungen der Transformation.

Mehr dazu unter:

http://managerismus.com/themen/arbeitswelt-bwl-consulting/denkzettel-nr-57

Liebe Gruppenmitglieder,

gemeinsam mit KollegInnen habe ich im Auftrag des Fraunhofer Instituts für Arbeits- und Organisationsforschung bis in die ersten Jahreshälfte an einer Szenariostudie gearbeitet, die jetzt erschienen ist.

Es geht um die Frage, wie der bereits heute stattfindende Einsatz von Künstlicher Intelligenz - also in Teilbereichen weit gehend autonom und selbstlernend arbeitender Softwaresysteme - zukünftig unsere Arbeitswelt verändern wird.

Klar geht aus allen unseren sechs Szenarien hervor, dass kognitive Routinetätigkeiten, die heute noch einen nicht unwesentlichen Teil der sogenannten Sachbearbeitung in vielen Unternehmen ausmachen, im kommenden Jahrzehnt vielfach von Maschinen übernommen werden dürften. Wie Wirtschaft und Gesellschaft diesen Prozess allerdings ausgestalten - als rein effiziengesteuerten Automatisierungsprozess oder als Chance zur Neu- und Umgestaltung unserer Arbeits- und Lebensweisen, das ist eine offene Frage, die wir in unseren Szenarien mitberücksichtigt und in unserer Studie diskutiert haben.

Ich freue mich, wenn die Thematik bei Euch und Ihnen auf Interesse stößt und bin natürlich auch gerne für Rückfragen erreichbar.

Hier der Link zur Studie:

http://publica.fraunhofer.de/documents/N-562084.html

Ich wünsche allen erholsame und schöne Feiertage und alles Gute für das kommende Jahr!

Herzliche Grüße

Andreas Schiel

Spät, doch immer mehr wird bewusst, dass die Digitalisierung die Stellung von Nutzern/Konsumenten und den Bereitstellern von Diensten radikal verschoben hat. Das geht so weit, dass der ‚private Raum‘ marginalisiert wird. Die angeblich neutrale Digitalisierung wurde nahezu unbemerkt zum mächtigsten Instrument der Beherrschung in Wirtschaft und Gesellschaft. In diesem Teil (nach Denkschrift 35) des dreiteiligen Zyklus zur Postindustriellen Revolution steht der Faktor Macht im Zentrum.

In meiner neuen Managerismus-Denkschrift beleuchte ich die Zusammenhänge näher:

https://managerismus.com/themen/internet-industrie-4-0-it/denkschrift-nr-36

In einem Roboterauto der Zukunft, das möglicherweise gar kein Lenkrad mehr hat, muss ich – ob ich will oder nicht – mit einer Geschwindigkeit von 130 Stundenkilometer leben. Denn nicht mehr ich bin autonom, sondern das Fahrzeug. Und dessen Code sagt ihm: An die Geschwindigkeitsbegrenzung muss man sich halten. Nun klingt das gar nicht schlecht: eine Zukunft, in der sich alle Autos an die Regeln halten. Der Straßenverkehr würde dadurch um einiges sicherer werden. Doch der Preis, den wir dafür bezahlen, ist die Aufgabe menschlicher Entscheidungsfreiheit. Oder mit anderen Worten: Die Autonomie der Maschinen – und mit ihr viele gerettete Menschenleben – bekommen wir nur, wenn wir die Autonomie der Menschen, die in den Autos fahren, einschränken oder aufgeben. https://1e9.community/t/die-ethik-der-roboterautos-wer-autonome-fahrzeuge-will-muss-eigene-autonomie-abgeben/2598
Wahrscheinlich kommt Tempo 130 durch Klimapolitik schneller als durch autonomes Fahren. Mit dem Smartphone haben wir auf andere Weise viel Autonomie abgegeben, weshalb wir jetzt von Digital-Detox sprechen müssen. In Österreich ist es z.B. jetzt schon erlaubte Höchstgeschwindigkeit, die man zwar mit freiem Willen überschreiten kann, aber auch mit allen Sanktionen, wenn man erwischt wird. In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bin ich auch nicht hinsichtlich eines Rechtes auf unbegrenzten Fahrspaßes fündig geworden. Eine Gesellschaft basiert darauf, das der Wille des Individuums in vielen Bereichen eingehegt wird, Führerscheinpflicht und Straßenverkehrsordnung kamen bald nach dem Aufkommen des Autoverkehrs. Heute unterliegen de facto viele motorisierte Fahrzeuge einer ggf. auch technisch regulierten Geschwindigkeitsbegrenzung. Mancher Brummifahrer wird über sein Tempolimit 90 km/h sagen: Das ist gegen meinen frei Willen. In den USA bleibt man wohl bei den dort bestehenden Tempolimits gelassen, es würden aber sprenge Waffengesetze wohl einen Volksaufstand auslösen. Jede technische Erweiterung unserer Gesellschaft verschiebt die Aufgabenteilung zwischen Mensch und Technik. Die leistungsfähigen frühindustriellen Webstühle haben die Autonomie der Handweber hinweggefegt. Da war das Problem aber nicht die Erleichterung des Webens, sondern die damit ausgelöste soziale Verwerfung (wenn in Deutschland incl. ÖPNV in 10 Jahren bis weit über 150.000 Berufskraftfahrer fehlen, wird es da auch kaum zu Verwerfungen kommen). Was bleibt ist eigentlich nicht ein Verlust von Autonomie durch Automatisierung - die Klimaschutzpläne der Großstädte sehen ohnehin eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs um 50 - 55 % vor, z.B. Essen, Köln), sondern der Verlust eines Fetischs also etwas ganz irrationalem, was die Sache - gefühlt - natürlich viel schlimmer macht (hierfür würden sich amerikanische Waffenfanatiker und deutsche Autonarren glatt verbünden, um mich für diese Feststellung zu steinigen). Es gibt ja auch schon einen Aufschrei, wenn es Forderungen gibt, das Tempo in Städten von 50 auf 30 Km/h zu reduzieren. Die in Düsseldorf gemessene reale Geschwindigkeit - wohl repräsentativ für viele Städte beträgt tatsächlich aber nur 13,7 km/h. Man läuft auch da schon einer Fiktion von Autonomie nach, die es so überhaupt nicht mehr gibt. Im Zuge der Digitalisierung müssen wir uns gewiss ganz viel über Autonomie Gedanken machen, die persönlichen Freiheiten werden tatsächlich an ganz vielen Stellen gravierend eingeschränkt, nur taugt das Beispiel Auto vielleicht zur öffentlichen Erregung, ich fürchte zu sonst aber kaum. Zumindest ist es das geringste unserer Probleme.

Neu bei Managerismus.com: Denkschrift 35

DIE 4. INDUSTRIELLE REVOLUTION – EIN TRUGSCHLUSS

Dieses Mal ein eigener Beitrag, der beleuchtet, warum es falsch ist, die aktuelle Digitalisierung in historische Muster zu ordnen. Revolutionär ist der Versuch, die Industrie unter eine digitale Hegemonie zu zwingen, die einer anderen, eben nichtindustriellen Logik gehorcht. Das ist mehr als Grund genug, die Stellung der Industrie in Wirtschaft und Gesellschaft neu zu vermessen. Dazu liefert diese Denkschrift Ansatzpunkte.

https://managerismus.com/themen/internet-industrie-4-0-it/denkschrift-nr-35

Eine repräsentative Umfrage unter Bundesbürgern Anfang 2016 hat gezeigt, dass z.B. 80 % der Jugendlichen wie Erwachsenen Begriffe wie Industrie 4.0 oder Internet der Dinge unbekannt sind. Auch unter Führungskräften und Fachleuten besteht noch viel Un- oder Missverständnis. Zum Thema digitaler Transformation oder Disruption finden sich selbst am gleichen Tag Artikel, deren Aussage entgegengesetzter nicht sein könnten.

Über allem steht die drohende Warnung: Es gibt keine Alternative. Kann man in einem solchen Umfeld für Unternehmen und Gesellschaft verantwortlich handeln?

Grund genug mehr über Themen wie Verantwortung, Ethik oder auch Normen zu sprechen.

Buch MENSCHpunktNULL erschienen

Das aus einer Zusammenarbeit im Forum entstandenen Buch MENSCHpunktNULL - Gestaltungsansätze für die digitale Gesellschaft ist erschienen. Im Rahmen einer Creative Commons Lizenz kann es hier gratis heruntergeladen und geteilt werden.
Das Buch enthält vielfältige Beiträge zu der Frage, wie eine menschengemäße Gestaltung der digitalen Transformation möglich ist. Wir wünschen anregende Lektüre und freuen uns über Diskussionen innerhalb und außerhalb dieses Forums. Die Herausgeber Andreas Schiel und Andreas Seidel.