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65 Tern Symbole für die Verwendung auf österreichischen Verkehrsschildern verbindlich vorgeschrieben.

Am 16. März 2020 erklärte das Österreichische Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität die Richtlinie RVS 05.02.12 als verbindlich für das untergeordnete Straßennetz. Damit wurden auch 64 Tern Symbole für die Anwendung auf Wegweisern und Zusatztafeln vorgeschrieben.

Darüber hinaus ist die für Autobahnen geltende RVS 05.02.13 seit 3. Juli 2019 verbindlich. Enthaltene Tern Symbole umfassen einen Teil der 64 Symbole, plus TS2440.

Mehr unter:

https://stkegger.wordpress.com/2020/04/09/tern-symbole-fur-osterreichische-verkehrsbeschilderung-ubernommen/

Wir haben vor kurzem einen podcast begonnen zum Thema "Information und Raum" www.geraumt.com.

Ist jemand von Euch schon mal über Studien, Artikel, etc. gestolpert, oder kann eigene Erfahrungen teilen - zum Weiterbildungsverhalten und vielleicht im Speziellen Hörverhalten von uns Informationsdesignern? Welche Themen werden gehört vs. welche lieber gelesen? Wann hört man? Optimale Längen? Rolle von Audiolösungen im Weiterbildungsmix?

Danke für die Hilfe. Freue mich auf Rückmeldung.

Und warum man heutzutage leider niemals modernen Datenvisualisierungen vertrauen kann - auch wenn sie großartig aussehen.

Die jüngsten deutschen Infografik-Preisträger beim DPA-Infografik-Award zu sehen, war tatsächlich ein eher schockierendes Ereignis. Bereits bei der bloßen Betrachtung einiger Stichproben enthielten alle, wirklich alle kurz analysierten Grafiken elementare Fehler, die von den Experten der Jury überhaupt nicht erkannt wurden (die Beispiele waren online einfach schnell abrufbar. Hier kann man nicht so viele Grafiken hochladen. Wer sich dafür interessiert kann die Grafiklinks aber beim DPA-Award finden).

Zunächst mag man es kaum glauben, denn es klingt einfach zu absurd. Aber die einfachsten Überprüfungen fördern sofort schwerwiegende Verhältnisverzerrungen ans Licht und stellen die Grafiken damit sofort bloß. Das ist eigentlich der Alptraum eines jeden Infografikers. Aber dass dieser Umstand bei gleich 6 Testgrafiken von 3 verschiedenen Infografikern ohne Ausnahme zutrifft, die zuvor von einer Experten-Jury bewertet worden sind, war zumindest überraschend.

Die ersten beiden Beispiele stammen aus "The Infographic Energy Transition Coloring Book": Zwei untersuchte Testseiten zeigen selbst bei den einfachsten Diagrammen komplett falsche Visualisierungen und dabei war dieses Buch auch ein Preisträger bei Malofiej 2018. Dem sogenannten Purlitzerpreis der Infografik!

Die erste Grafik nennt sich "Emission per Head" (Es handelt sich um die Grafik mit den Ballonen und die roten Kreise zeigen die eigentlich richtigen Größenverhältnisse für diese beiden Werte an).

Das dargestellte Verhältnis der Ballone von 16,1 zu 39,7 entspricht dabei leider fast dem Verhältnis von 16:90! Das ist wirklich keine statistische Abweichung mehr oder grafische Ungenauigkeit, das ist schlicht falsch. Es siehts so aus als hätten sich alle Mitglieder der Jury fasziniert nur mit der Frage beschäftigt, dass das ganze Diagramm eben toll aussieht, aber das reicht nun einmal nicht. Wenn ein Schüler die Gleichung 3 + 4 = 5 in der ersten Klasse als Lösung an eine Tafel schreibt, würde kein Lehrer - und auch kein Mitschüler - das als richtiges Ergebnis akzeptieren und ihn später dafür sogar auszeichnen, nur weil er es besonders ausgefallen und schön an die Tafel geschrieben hat. Die Rechnung bleibt falsch, egal wie künstlerisch er es umsetzt. Und genauso verhält es sich auch mit Infografiken.

Das zweite Beispiel nennt sich "Strommixer" und zeigt ebenso ein komplett falsches Verhältniss auf der linken Seite. Kein einziger Wert passt zu den grafischen Verhältnissen (die bunten Balken im mittleren Bereich der Seiten zeigen die richtigen Abmessungen).

Aber ist das wirklich so schwer zu sehen (und vor allem richtig zu machen)? Warum wurde auch dieser Fehler von keinem Experten gesehen? Wie aber kann ein solches Projekt bei mehreren Infografik-Wettbewerben vor unterschiedlichen Fachpubliken bestehen und dort überall gewinnen? Es gleicht einer Vertrumpung der Infografikszene.

Zugegeben die beiden Seiten kann man als schöne Illustrationen begreifen, aber genau das reicht eben nicht. Wenn man Informationen visualisieren will sind die Verhältnisse immer eindeutig und immer präzise vorgegeben. Alles andere hätte ja auch keinen Sinn. Wenn man die Verhältnisse nach Belieben verfälschen könnte, dann bräuchte man ja keine zu Grunde liegenden Zahlen heranziehen (oder zu erheben).

Und wenn man Infografiken als Übersetzungen textlicher informationen versteht, die Inhalte besser zugänglich machen als das ohne Infografiken der Fall ist, dann darf man auf keinen Fall falsche Darstellungen wählen und auszeichnen. Denn dann ist die grundlegendste aller Anforderungen an diese Infografiken nicht erfüllt, die Frage: Sind die dargestellten Werte richtig und präzise visualisiert?

Wenn diese Grundbedingung nicht erfüllt ist, ist die gesamte Grafik obsolet. Nur wenn diese Frage mit "Ja" beantwortet wird, kann man sich im weiteren mit der Gestaltung und dem Design beschäftigen. Aber zuallererst müssen die Daten richtig umgesetzt sein.

Dies gilt erst recht für komplexere Datenvisualisierungen. Nur dass es hier noch viel schwerer wird zu überprüfen, ob Fehler gemacht wurden. Aber wie kann man noch anspruchsvolleren Datenvisualisierungen vertrauen, wenn Infografiker und Experten schon die einfachsten Fehler in den herkömmlichsten Charts nicht erkennen können? (Es gab auch hier im Wttbewerb noch andere hier nicht zitierte Einreichungen, die eine einfache Analyse nicht überstanden haben...)

Ein weiteres Beispiel ist die Grafik "Generation Ruhestand": Die Legende der Karte oben links zeigt einen anderen Farbcode als in der gesamten Karte verwendet wird. Als Betrachter kann man so gut wie keinen Wert ablesen, man weiß nicht wofür die Farben in der Karte stehen. Sobald sie sich die Karte ansehen ist es also die reinste Spekulation wie sie die Werte interpretieren. Probieren Sie es aus: Was bedeutet es wenn ein Wert rosa ist? Es lässt sich nicht zuordnen. Die Karte sieht dicht und wichtig aus, ist aber so in dieser Form komplett wertlos und sinnfrei. Und das nur durch einen einzigen, aber elementaren Fehler in der Legende. Kann man eine solche Grafik dann dennoch auszeichnen?

Und die letzten drei zufälligen Beispiel meines kurzen Spot-Checks stammen von "32-Freunde --- In-62-Grafiken-zur-WM".

Im ersten, linken Bild findet sich schon mal keine Beschriftung, was die Werte 128/31 sind, man kann nur anfangen zu raten. Aber bei einer Infografik soll man Informationen besser lesen und nicht erraten. Denn sobald die Betrachter anfangen zu raten, errät es eben ein erheblicher Teil genau falsch! Und genau dieser Teil der Betrachter beschäftigt sich dann mit einer Grafik die ihnen dann auch komplett falsche Inhalte offenbart, weil sie ja von einer völlig falschen Annahme ausgehen.

In der zweiten, mittleren Grafik starten die Y-Werte dann bei 60 und nicht bei 0. Das war noch nie eine gute Idee, da es die realen Beziehungen vollständig verzerrt, aber es sieht natürlich viel dramatischer aus. Wenn die Werte nicht dramatisch sind, muss man sie eben dramatischer machen. Ein Leitfaden, der in vielen Redaktionen zum guten Handwerkszeug gehört. Aber nur weil man genau das andauernd macht, wird es noch lange nicht richtig!

Damit aber nicht genug, denn die Grafik sagt, dass ein Wert mit 60 "nicht sehr genau" war, aber das ist eigentlich totaler Unsinn. Der Wert 60 sagt, dass nur 60% aller Versuche überhaupt erfolgreich waren. Die anderen 40% sind beim Mitspieler gar nicht angekommen. Es gibt also nur die Unterscheidung "voller Erfolg" oder "gar kein Erfolg". Das ist dann aber etwas anderes als "nicht sehr präzise", denn das könnte z.B. bedeuten, dass 40% der Pässe zwar unpräzise waren aber womöglich dennoch angekommen sind. Oder es bedeutet dass insgesamt sogar alle Pässe angekommen sind, nur eben nicht so genau wie sie hätten sein sollen. Man kann also auch mit einer falschen Beschriftung eine Grafik noch komplett zerstören.

Und in der letzten, rechten Grafik werden dann ganz unterschiedliche grafische Formen anhand ihren Flächen miteinander verglichen, was praktisch unmöglich für das menschliche Gehirn ist. Menschen können die Inhalte von verschiedenen Flächenformen nicht gut abschätzen und erst recht nicht miteinander vergleichen. Und selbst wenn es schön aussehen würde, so etwas kann man nicht machen. Ja und wäre das nicht schon genug, ist das Verhältnis von ca. 1:3 auch noch völlig falsch dargestellt, denn was man sieht ist eher das Verhältnis von 1:9, ein typischer Fehler wenn man mit Flächevergleichen arbeitet.

Aber wie konnte man auch diese Grafiken auszeichnen? Hier wurde wohl eher die Quantität ausgezeichnet als die Qualität. Aber genau diese Herangehensweise hat bei Infografik-Preisen nun wirklich nichts verloren.

Dies sind nur beliebig ausgewählte Beispiele, die einfach greifbar waren, da ich nicht vor Ort bei der Präsentation war. Eines der Beispiele hat wie erwähnt sogar bei drei verschiedenen, internationalen Wettbewerben Auszeichnungen gewonnen.

Tatsächlich gibt es noch viel mehr Beispiele innerhalb desselben Preises oder auch der anderen Preise. Aber eine so große Fehlerquote zu finden, kommt einem infografischen Konkurs gleich. Und damit hätte ich nun wahrlich nicht gerechnet.

Was läuft falsch, wenn selbst die "Experten" die einfachsten Diagramme nicht mehr beurteilen können. Wie können Infografiker anspruchsvolle Datenvisualisierungen entwickeln, die noch weit komplexer sind und noch mehr Wissen benötigen, um diese richtig zu übersetzen, wenn schon die einfachsten und vor allem "besten" Grafiken solch elementare Fehler aufweisen? Eine Antwort, die Stunden dauern würde, um Sie adäquat zu diskutieren ...

Trauen Sie als ersten Schritt also keiner Statistik mehr, deren Visualisierung sie nicht selbst verfremdet haben und vertrauen Sievor allem keinem Preis mehr, wenn Sie ihn nicht selbst vergeben haben.

Viel Glück, Stefan Fichtel

P.S.: Alle Grafiken lassen sich über den Infografik DPA-Award online finden.

Mag sein, dass das was für Nerds ist… aber ich als Infografik-Nerd habe gerade festgestellt, dass die Bubbles im XING-Profil, die die Dauer einer Station im beruflichen Werdegang visualisieren nicht flächenproportional sind. Das führt dazu, dass längere Station überproportional betont werden. *)

Wie findet Ihr das?

*) Ganz simpel ausgedrückt: Aktuell passt die 6-Monate-Bubble im Beispiel unten viel öfter als 4x in die 2-Jahres-Bubble (=24 Monate).

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Darüber hatte ich mir ebenfalls schon Gedanken gemacht. Ergebnis war für mich, dass es gerade nicht um die geometrisch korrekte Darstellung gehen sollte, sondern um eine Verhinderung der Übertreiberung längerfristiger Tätigkeiten bzgl. Bedeutung in der Karriere. Wenn ich nebenbei eine kleine Softwareschmiede laufen habe, wird die vielleicht weniger Einfluss auf mein Gesamtprofil haben sollen als meine aktuelle Consultingtätigkeit im neuesten Hype-Bereich. Aber interessant allemal.
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