"Mit Blick auf Digitalisierung und Automatisierung, liegt die Zukunft menschlicher Arbeit darin, Dinge zu tun, die einem selbst und anderen helfen, sich zu entfalten. Das können Maschinen nicht.
Wenn klar ist, wo es hingehen soll und was man beitragen will, muss das artikuliert werden. Sonst findet Wandel nicht statt. Dabei ist es wichtig, Grenzen im Denken zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft, Staat und Familie zu überwinden.
Wirkung liegt im Zusammenführen dieser Bereiche, nicht in der Trennung."
Dr. Gorgi Krlev
Centrum für soziale Investitionen & Innovationen (CSI)
Die Klimakrise ist längst eine reale Bedrohung für unsere Zukunft. Wir werden die Leidtragenden des Klimawandels sein. Auch politische Polarisierung und ein Brüchigerwerden unseres sozialen Zusammenhalts stellen Probleme dar, die es zu lösen gilt. Bevor wir also über Digitalisierung der Wertschöpfung nachdenken, sollten wir über Wertschöpfung an sich nachdenken. Was ist darin Wert? Wie wollen wir leben und arbeiten?
Die große Herausforderung ist dabei, dass es unendlich viele Stellschrauben gibt. Die Zahl der Menschen, die ihren Beitrag leisten wollen, steigt. Doch ist das, was wir tun, das Richtige? Ist es genug? Wie können wir das wissen?
Sprich: Wie können wir die Wirkung gesellschaftlicher Innovationen valide, aber praktikabel messen? Ist die Welt nicht zu komplex, zu unvorhersehbar und ungewiss, um eine Wirkungsmessung insbesondere in sozialen Fragen sinnvoll umzusetzen?
Oder gibt es vielleicht auch ganz andere Gründe, weswegen wir den Wert dessen, was wir tagtäglich (nicht) tun, bemessen sollten?
Gorgi vom Centrum für soziale Investitionen & Innovationen (CSI) treibt um, wie wir gesellschaftliche Probleme adressieren können:
"Zum Beispiel wie wir Menschen mit Behinderungen, die sich unter Umständen als besondere Begabung herausstellen, für alle Seiten gewinnbringender ins Leben und die Arbeitswelt mitaufnehmen können. [...] Das gilt genauso für ökologische Herausforderungen und die Bekämpfung von Armut.
Die 'Ziele für Nachhaltige Entwicklung' haben hierfür einen guten Rahmen gesetzt. Diesen müssen wir mit Leben, sprich mit konkreten Taten füllen. Ob das jetzt Kaffeekapseln aus Holzspänen sind, um Plastikmüll zu vermeiden, oder Ansätze, die in der Behandlung von psychischen Krankheiten auf die 'Expertise' von denjenigen setzen, die die Erkrankung erfolgreich überwunden haben – die Anwendungsfälle innovativen Denkens sind schier endlos.
Wir nennen das soziale Innovation, also Innovation, die den Menschen dient. Wir sehen in der Forschung täglich und an vielen Stellen Beispiele. Das fasziniert mich – vor allem die Frage: Wie machen wir das zum Standard? Denn daran mangelt es.
Zu viele hervorragende Projekte und Organisationen haben einen nur sehr begrenzten Wirkungskreis, nicht zuletzt, weil oft der Wissenstransfer oder Mittel zu Verbreitung fehlen. Das gilt es zu ändern.
Wir müssen darauf hinarbeiten, dass jede Organisation Nachhaltigkeit, gutes Arbeiten und einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zum Kern ihrer Strategie macht."
Dr. Gorgi Krlev
Centrum für soziale Investitionen & Innovationen (CSI)
Ich unterhielt mich mit Gorgi darüber, wie uns dies gelingen kann. Dabei erkunden wir folgende Fragen und geben erste Antworten:
* Nachhaltige Entwicklung: Die Dringlichkeit, aktiv zu werden, steigt - was heißt das genau?
* Welche Folgen hat eine mangelnde Fundierung der praktischen Arbeit? (Spoiler: Es führt zu Green / White / Social Impact Washing und damit einer schlechten Reputation)
* Wenn wir Social Impact (= Wirkung auf die Gesellschaft) wirtschaftlich bemessen wollen - was braucht es dafür?
* Inwiefern bestimmt die Antwort auf die Frage “Wie wollen wir leben und arbeiten?” die gesellschaftliche Wirkung unseres Tuns?
* Warum sollten wir uns diese Frage im unternehmerischen Kontext überhaupt stellen?
"Der Paradigmenwechsel betrifft nicht nur die Arbeit nach außen, sondern auch die Frage wie Unternehmen es schaffen, für ihre Mitarbeiter*innen attraktiv zu sein, Sinn zu schaffen und Erwerbstätigkeit und Privatleben ein besseres Zusammenspiel zu ermöglichen.
Die Herangehensweise, um festzustellen, ob etwas passiert, was passiert und wieso das eine funktioniert und das andere nicht, sind hier dieselben wie bei der Wirkung von Unternehmen in die Gesellschaft hinein. Wichtig ist die Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen. Und auch die gewohnten Wege zu verlassen, sich auf Neues einzulassen."
Dr. Gorgi Krlev
Centrum für soziale Investitionen & Innovationen (CSI)
Hier geht es zum ersten Teil meines Gesprächs mit Gorgi, wo wir uns mit den Grundlagen, dem Nutzen und ersten Fallbeispielen aus Deutschland beschäftigen:
Gorgi und ich freuen uns auf den Diskurs, den Wissens- und Erfahrungsaustausch. Meldet Euch gern auch für Anregungen, Fragen, Wünsche.
Bleibt neugierig,
Franziska