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Bernd Späth Über Ordnung im Job.
Der Heini liebte die Ordnung. So sehr, dass er damit alles durcheinander brachte.
Der große gesellschaftliche Vorteil mancher öffentlich-rechtlichen Institutionen – so jedenfalls meine Erkenntnis aus 20 Jahren Zusammenarbeit mit Bundesministerien und Bundestag - besteht ja darin, dass sie eine Art von Personal lebenslang versorgen, das in der freien Wirtschaft keine zwei Wochen überleben würde und dann ohnehin den Sozialkassen zur Last fiele. Wie auch insgesamt die Arbeit dort sich nach Kriterien richtet, die sich mir nach über vierzig Jahren Berufserfahrung bisher nicht erschlossen haben. Leistung und Erfolg jedenfalls können es nicht sein, was man schon den Klagegesängen derer entnehmen kann, die mit frischem Schwung versucht haben, etwas zu ändern und dann feststellen mussten, „dass Jedem von uns irgendwann das Rückgrat ausgebaut wird.“ – Das Bamf ist eine aktuelle Version dieses Prinzips.
Der Heini also arbeitete in der HR-Abteilung einer Kirchenbehörde und galt dort als krasser Problemfall: Er war zuständig für bestimmte HR-Vorgänge der Gottesmänner, die er jedoch nicht bearbeitete, sondern nach allen denkbaren und undenkbaren Kriterien sortierte. Als man schließlich nicht mehr anders konnte als ihn im Haus umzusetzen, weil die Betroffenen der Vorgänge ob der unendlich langen Bearbeitungsdauer stinkig wurden, machte man eine interessante Feststellung: Es war kein einziger Fall bearbeitet; dafür hatte „der Heini“ – so nannte ihn Jeder im Haus – unzählige penibelst erstellte Tabellen über die zu bearbeitenden Fälle erstellt, denen man bis ins kleinste Detail alles entnehmen konnte, was kein Mensch brauchte. Heini war tief verbittert, dass seine Arbeit nicht gewürdigt wurde, aber er wurde trotzdem umgesetzt ins Archiv, wo er wahrscheinlich heute noch sortiert. Seine Nachfolgerin brauchte nur drei Wochen, bis sie wieder einen sauberen Schreibtisch hatte. – Heini also war der Idealbürokrat schlechthin, der so ausgiebig mit der Verwaltung von sich selbst beschäftigt ist, dass er keine wirkliche Aufgabe mehr benötigt. – Schon der kürzlich verstorbene Verhaltensforscher Prof. Irenäus Eibl-Eibesfeldt schilderte in seinen Werken den Fall einer bayerischen Behörde, die gegründet wurde, um zwei bestimmte Sümpfe trockenzulegen. Nachdem diese Arbeit erledigt war und man folglich die Auflösung der Behörde zu befürchten hatte, legte man einfach weitere Sümpfe trocken, was das Zeug hielt, bis man diesem bürokratischen Wüten von außen ein mühevolles Ende setzte. Inzwischen renaturiert man ja wieder, und niemand ist´s gewesen.
Tja, die sogenannten Anankastiker, Menschen mit Zwangsstörung also. Es bleibt ja zu fragen, was in solchen Köpfen abgeht? Tatsächlich sind es Menschen mit eingebauter Veränderungssperre, die mit panischen Ängsten alles unternehmen, um das Leben daran zu hindern, weiterzuschreiten. Das tut es aber trotzdem, und darum werden die Veränderungsängste immer massiver und der Mensch immer starrer. In seinem Klassiker „Grundformen der Angst“ beschreibt Fritz Riemann es so: „Man wird an Meinungen, Erfahrungen, an Einstellungen, Grundsätzen und Gewohnheiten eisern festhalten und sie nach Möglichkeit zum immer gültigen Prinzip, zur unumstößlichen Regel, zum ‚ewigen Gesetz‘ machen wollen. Neuen Erfahrungen wird man ausweichen, oder, wenn das nicht möglich ist, sie umdeuten und versuchen, sie an das schon Bekannte und Gewusste anzugleichen. Das kann bis zur bewussten oder unbewussten Unredlichkeit gehen.“ Ca y est.
Nichts also gegen Menschen mit Ordnungssinn, ich zähle mich selbst dazu. Wer seinen Job gut erledigen will, der muss organisiert sein, und solche Menschen an den richtigen Positionen können für jedes Unternehmen eine Bereicherung sein. Anders hingegen, wenn die Ordnung zum blanken Selbstzweck wird, womit immer nur die bestehende Ordnung gemeint ist, die notfalls aufs Neue immer wieder hergestellt, respektive erzwungen wird. Dann nämlich dient sie ausschließlich dem eigenen, zwanghaften Weltbild und nicht der Arbeit, die ja die tatsächliche Aufgabenstellung verkörpert und, wie das Leben selbst, Flexibilität verlangt.
Nicht wirklich verwunderlich also, dass die Zwanghaften dorthin gehen, wo sie am schönsten regeln und zwingen können: Staatliche Verwaltung, Armee, Polizei, Justiz, das sind die Biotope derer, die so strukturiert sind. Pauschale Verunglimpfung? Mitnichten, die gesamte Fachliteratur ist voll davon, Wilhelm Reich hat sich schon 1930 in seinem Klassiker „Charakteranalyse“ ausführlich darüber geäußert. Was nicht bedeutet, dass es dort nicht auch hervorragende Leute gibt. – Aber eben zum Zwecke des Zwangs. Denn der Staat ist seit jeher Zwangsstaat.
Was nun Heini angeht, so wird man nicht fehlgehen anzunehmen, dass er unter einer Vielzahl internalisierter Zwänge zu leiden hatte, die offenbar zu einer vollständigen Handlungsblockade führten. Solche Menschen, die ja ebenfalls nützlich sein und ihr Dasein gestalten wollen, produzieren dann Ausweichstrategien: Entweder versteigen sie sich in absurdeste Ordnungssysteme, die den Versuch repräsentieren, die Kontrolle über die verlorene Realität zurückzugewinnen. Oder sie konzentrieren sich auf völlig belanglose Einzelheiten, die sie mit impertinenter Beharrlichkeit verfolgen: Die Lage des Lineals auf dem Schreibtisch; die unerwünschte Farbe eines Lichtschalters, der „unbedingt“ ausgetauscht werden muss; ein penibel einzuhaltendes Frühstücksritual, etc. – Alles zu deuten als Versuch, den von innen her anflutenden eigenen Triebimpulsen ein möglichst starres Bollwerk entgegenzusetzen. Ein früherer, hochgradig zwanghafter, Nachbar von mir entwickelte ein bizarres „Konzept“, seinen Pool im Garten „aufzuheizen“, indem er gut zehn Meter eines transparenten Schlauchs mit Wasser füllte und ihn stundenlang in praller Sonne liegen ließ, um dann das bisschen „Heißwasser“ in den Pool zu füllen, wo es sich selbstredend verlor. Da er den Schlauch aus meiner Gartenhütte geklaut hatte, wurde ich ziemlich schrappig. Jedenfalls: solche Menschen verzetteln sich oft restlos in – für sie wenigstens überschaubaren – Unwichtigkeiten.
Zurecht verweist die Fachliteratur darauf, dass ein derart unbewegliches System gelegentliche Triebdurchbrüche regelrecht produziert. Das werden dann die peinlichen Ausraster, über die am nächsten Tag bitte niemand mehr sprechen soll. Dann wird das Korsett wieder strammgezogen und „die Ordnung wieder hergestellt.“ Der aggressive und sexuelle Triebüberschuss allerdings bleibt und baut sich weiter auf. – Bis zum nächsten Ausraster.
Wie aber kommt so etwas zustande? Zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr. Fritz Riemann hat es wunderbar beschrieben: „Die ersten wichtigen und bestimmte Verhaltensweisen bereits tief einspurenden Möglichkeiten für Erlebnisse seines Eigenwillens oder aber des Gehorchenmüssens bietet die Sauberkeitserziehung. Hier kann bereits der Grund gelegt werden sowohl für eine gesunde Selbstbestimmung des Kindes als auch für Trotzhaltungen oder aber für nachgiebige Gefügigkeit…. Je nachdem, ob man ihm Zeit lässt, diesen Schritt allmählich zu vollziehen, ob man seinen Trotz konstelliert durch zu forcierte Dressur oder ob man schließlich seinen Eigenwillen ganz früh bricht durch Erzwingen und Strafen…. Bei den später zwanghaften Persönlichkeiten finden wir mit großer Regelmäßigkeit, dass in ihrer Kindheit altersmäßig zu früh und zu starr die lebendigen, aggressiven, affektiven, die gestalten und verändern wollenden Impulse, ja oft jede… Äußerung gesunden Eigenwillens gedrosselt, gehemmt, bestraft oder unterdrückt wurden.“
Und das in der Entwicklungsphase, die zu größerer Eigenständigkeit und Unabhängigkeit führen soll. Zwänge und Ängste der Eltern also werden dem Kind aufgezwungen. So erklärt sich diese Struktur, die in den klassischen „Beamtenfamilien“ oder „Juristendynastien“ oft generationenweise tradiert wird.
Bisweilen bringt das Leben allerdings Schläge, die diese Zwangsordnung kollabieren lassen. Besteht dann die Bereitschaft, sich selbstkritisch zu reflektieren, kann die Krise überwunden und ein neuer, deutlich freierer, Lebensweg gefunden werden. Diese Menschen erreichen darüber – gerade vor dem Hintergrund ihrer bisherigen Erfahrungen – eine völlig neue Lebensqualität. Zu fragen allerdings bleibt, ob man unbedingt erst auf die Schläge warten will oder schon vorher aktiv wird.

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