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Uwe Lück Fachhochschule Bielefeld: Ausgründung bietet Innovation für die Oberflächenbearbeitung
Summary: Absolvent der Fachhochschule Bielefeld gründet in Sennestadt Unternehmen „TriPURIS“. Beraten wurde er von FH-Professoren und der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen. Zudem erhielt er ein Gründungsstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums.
Murat Kurt, Wirtschaftsingenieur mit Bachelorabschluss der Fachhochschule (FH) Bielefeld, hat jetzt den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und sein eigenes Unternehmen gegründet: TriPURIS mit Firmensitz in Sennestadt. Die TriPURIS GmbH bietet Ingenieurdienstleistungen an, Lohnfertigung, TriPURIS Planeten-Aggregate und eine Vielzahl von Maschinen zum Entgraten, Polieren, Entzundern, Entlacken, Entrosten, Oxid-Entfernung und Schaffung von definierten Oberflächen. „Dabei können besondere Anforderungen in puncto Rauheit und Glanz erfüllt werden und es ist ebenso für den kleinen Handwerksbetrieb wie für die industrielle Serienproduktion konzipiert“, verspricht Kurt.
Die Geschäftsidee hat seine Partner überzeugt. Zum einen ist das Prof. Dr. Reinhard Kaschuba, der an der FH Bielefeld am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik in der Produktentwicklung lehrt und forscht. Kaschuba: „Als Herr Kurt nach ein paar Jahren Industrietätigkeit zu mir kam und mich fragte, ob ich ihn als Mentor bei der Gründung eines Unternehmens unterstützen würde, freute ich mich sehr, denn er hat mich als Ingenieur voll überzeugt. Es war erstaunlich, in welcher Geschwindigkeit und mit welchem Erfolg er die Entwicklung der TriPURIS-Gerätefamilie vorangetrieben hat“. Weiterer Partner ist die heimische Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen, vertreten durch Referatsleiter Uwe Lück, die Kurts Gründungsprojekt als so genannter Gründernetzwerk-Partner unterstützt. Einen solchen Partner braucht man, wenn im Rahmen des Förderprogramms EXIST Geld fließen soll. EXIST ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), mit dem das Gründungsklima an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen verbessert und die Anzahl und der Erfolg technologieorientierter und wissensbasierter Unternehmensgründungen erhöht werden soll. Die Gründungskultur möge, hofft das Ministerium, „lebendiger und nachhaltiger werden“.
Beim EXIST-Gründerstipendium erhalten Studierende, die mindestens die Hälfte ihres Studiums absolviert haben, 1.000 Euro pro Monat, technische Mitarbeiter 2.000 Euro, Absolventen mit mindestens einem Hochschulabschluss erhalten 2.500 Euro. Für Teamgründungen betragen die Sachmittel bis zu 30.000 Euro.
„Schon bei der Erstberatung in der Gründersprechstunde in der Fachhochschule waren wir schnell von der innovativen Geschäftsidee überzeugt“, erinnert sich Lück, „so konnten wir Herrn Kurt zum Beispiel beim Finden der geeigneten Förderprogramme unterstützen und haben auch Hinweise zum Businessplan gegeben“. Auch in Zukunft stehe, so Lück weiter, die IHK als Partner für das Jungunternehmen zur Verfügung.
Gründung PriPURISDie IHK berät im Rahmen einer Kooperation mit der Fachhochschule monatlich gründungsinteressierte Studierende und Wissenschaftler. Dabei gibt sie Hinweise, zum Beispiel zur Geschäftsidee, zu regionalen Netzwerken oder Fördermöglichkeiten. Professor Kaschuba sieht die FH im Verbund mit der IHK in einer komfortablen Beraterfunktion: „Wir kennen unsere Studierenden genau, können ganz gezielt unterstützen und auch einen längeren Weg gemeinsam gehen.“ Startups sind an der FH Bielefeld somit Teil des Tagesgeschäfts neben Lehre, Forschung und Transfer.
TriPURIS wird sich jetzt auf dem Markt behaupten müssen. Murat Kurt ist optimistisch. Neben standardisierten Dienstleistungen setzt er auf selbst entwickelte Produkte: „Alle Maschinentypen sind mit den robusten und vielseitig einsatzbaren TriPURIS Planeten-Aggregaten ausgestattet.“ Die Bearbeitung der meisten Materialien wird realisiert durch den Einsatz von Standard-Bürsten, dies ermögliche „einen sehr kostengünstigen Betrieb und somit hohe Ersparnisse in den Betriebskosten“. Weiteres TriPURIS-Plus: das Serviceangebot „im Haus bei Ihnen vor Ort oder bei uns zu arbeiten“. Und wer sein Projekt selber verwirklichen will, dem kann auch geholfen werden: TriPURIS-Planeten-Aggregate können in bestehende Anlagen integriert werden.
Was ihn besonders zuversichtlich stimmt, steckt im Detail: „Kombiniert mit einem 5-Achs-Industrieroboter und einem Drucksensor ist das High-Speed-Entgraten, -Schleifen und -Polieren mit dem Planeten-Aggregat von TriPURIS eine Neuheit.“ Eine Weltneuheit, wohlgemerkt. Aus Ostwestfalen-Lippe.
Anwendungsbeispiel Entrosten:
Großformatige Rohre, wie z. B. für Pipelines werden bis zu Ihrer Verwendung draußen gelagert, wo sie der Witterung ausgesetzt sind. Diese werden, bevor sie verlegt werden, außen gegen Korrosion beschichtet. Damit diese Beschichtung dauerhaft haftet, ist es dringend notwendig, dass das Metall blank und frei von Einschlüssen ist. Hierfür werden meist wartungsintensive Sandstrahlanlagen genutzt. TriPURIS bietet als Alternative mit dem „TUBOS-Monster“ eine mechanische Reinigung der Oberfläche mit Standard Drahtbürsten.
Anwendungsbeispiel Entgraten von Blechen, Stanzteilen, Feinschneidteilen:
Durch das Ausstanzen oder auch beim Laserschneiden der Bauteile aus dem Blech entsteht, ähnlich wie beim Plätzchen backen, auf der „Rückseite“ ein scharfkantiger Grat, der eine potentielle Gefahrenquelle für Mitarbeiter darstellt und die Funktion beeinträchtigt. Dieser Grat wird in den meisten Fällen mit Bandschleifern, Feilen oder ähnlichem händisch entfern. Dabei besteht nicht nur die Gefahr der ungleichmäßigen Bearbeitung und Schaffung eines Gegengrates (Sekundärgrat), sondern auch die Verletzung des Mitarbeiters. Hier besteht großes Optimierungspotential. TriPURIS hat vollautomatisierte Durchlaufanlagen zur Entgratung und Verrundung, sowie die einfache manuelle Maschine „Taifun“ im Portfolio. Mit der Taifun ist es möglich, auch bei Stückzahl 1 wirtschaftlich zu entgraten.
Bildunterschrift:
Freuen sich über die Gründung von TriPURIS: v. l. Dekan Prof. Dr.-Ing. Lothar Budde, Prof. Dr. Reinhard Kaschuba, Präsidentin Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk, Gründer Murat Kurt und Uwe Lück (Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen).