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Gabriel Fehrenbach Als gäbe es kein Ende
46 Quadratmeter Wohnfläche verbraucht jeder von uns inzwischen. Und die 13 Quadratmeter, die unser Auto braucht, sind unwesentlich weniger als jene 14,9 Quadratmeter, die die Menschen nach dem Krieg durchschnittlich zur Verfügung hatte. Wir leben auf immer mehr Platz mit immer weniger Menschen. Und zugleich haben wir Wohnungsnot. Wie geht das zusammen? Dabei sind die 46 Quadratmeter nur ein Bruchteil dessen, was wir tatsächlich verbrauchen. Denn wir machen immer weniger in unseren Wohnungen. Je weniger wir also Zeit in unseren Wohnungen verbringen, desto mehr Fläche brauchen wir außerhalb. Und dahinter verbergen sich auch handfeste wirtschaftliche Interessen. Denn Boden ist eine nicht vermehrbare Ressource. Boden ist inzwischen sehr knapp.
Unser Wohnen erzählt noch mehr. Denn die 46,5 Quadratmeter stehen noch für eine weitere Dimension, die unserer Kultur. Dann erzählt diese Zahl von der Art und Weise, wie wir uns das Wohnen vorstellen, wie wir konkret leben und welche Annahmen und Weltbilder wir damit ausdrücken. Kulturell hat sich dabei das bürgerliche Modell der Zwei-Generationen-Familie durchgesetzt. Und in der Welt unserer Neubaugebiete und in den Katalogen der Fertighaushersteller gilt dieses kulturelle Modell immer noch, obgleich die gesellschaftliche Realität längst eine andere ist. Da ist die Kernfamilie nur noch ein Lebensentwurf unter vielen, aber nicht mehr der dominante. In Großstädten überwiegen inzwischen die Single-Haushalte. Die Ehe für alle anerkennt auch andere Beziehungsformen als die von Mann und Frau. Und lebenszyklisch betrachtet ist das Modell, wenn es tatsächlich gelebt wird, nur eine Phase, die etwa 25 bis 30 Jahre umfasst. Das ist nicht einmal die Hälfte unserer durchschnittlichen Lebenszeit.
Realer Verbrauch, wirtschaftliche Interessen, kulturelle Bedingungen – diese drei Perspektiven auf die Komplexität unseres Wohnens helfen uns, die vielfältigen Prozesse und Dynamiken zu verstehen, die zu dem führen, was wir „unsere vier Wände“ nennen. Es sind eben nicht einfach nur Gewohnheiten und Bedürfnisse, die zu unserer Art des Wohnens führen. Denn auch sie sind geprägt und gestaltet, durch kulturelle Vorstellungen ebenso wie durch unser Rechtssystem, durch technische Entwicklungen ebenso wie durch den Reichtum, den wir erworben haben.
Jede Frage, die wir klären wollen, sei sie politisch, ökonomisch, sozial oder ökologisch, steht immer in einer solchen Komplexität. Wir entgehen ihr nicht. Und wenn wir meinen, die Welt herunterbrechen zu können auf das Einfache und Verständliche, richten wir Schaden an, an der Welt und an unserer Fähigkeit, in der Welt zu handeln. Antworten, die der Realität angemessen sind, finden wir dann, wenn wir uns dieser Komplexität aussetzen und unser Denken durch sie verändern lassen. Weshalb? Weil unser bisheriges Denken in Rastern, Details und Strukturen selbst Teil des Problems ist.
Neues Denken entsteht jedoch dann, wenn wir unser herkömmliches Denken an der ganzen Widersprüchlichkeit der Welt, die nur eine Widersprüchlichkeit dieses Denkens ist, zerschellen lassen. Wenn wir uns – wie es das Sprichwort beschreibt – auf Messers Schneide bewegen.
Was uns dabei hilft, sind Fragen. Fragen, die unser Denken öffnen, die uns unsere Blockaden, Annahmen und Sackgassen aufzeigen. Fragen, die uns helfen, unsere Ideen zu betrachten und erneut zu hinterfragen. Welche Fragen das sind, können Sie hier lesen:
Gabriel Fehrenbach Das unbekannte Mögliche
Regenerierend Handeln 3 - Potential
Dies ist der dritte Teil unserer Serie über Regenerierendes Handeln
Der zweite: Gleich niemand Anderen
Was ist mir möglich? In dem Zusammenhang, in dem ich lebe, mit dem, was alleine mich auszeichnet, jenseits dessen, was ich denke? Das ist die Frage nach dem Potential.
Gabriel Fehrenbach “Heimat ist immer auch gebrochene Heimat“
Ein Gespräch mit dem Publizisten und Heimatpfleger Norbert Göttler

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Was ist das, was wir Heimat nennen? Wir fragen jemanden, der tief verwurzelt und weit gereist zugleich ist. Norbert Göttler entstammt einer alten Bauernfamilie, seine Familie lebt seit mehr als 500 Jahren in der Nähe von Dachau. Eine Tradition, die er nicht als Landwirt, sondern als Philosoph und Schriftsteller weiterträgt.

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