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René Kiem Digitalisierung und Industrie 4.0: Wie geht es Ihnen in Ihrer digitalen Fabrik?
Oder, anders gefragt: Nutzen Sie die digitale Fabrik überhaupt schon? Wenn Sie etwas produzieren, liegt das nahe, aber gleichzeitig ist bei vielen Unternehmen diese Technologie noch nicht angekommen. Mal sind es Berührungsängste, mal die Sorge um zu hohe Investitionen. Und mal schlicht die Erkenntnis, dass die digitale Fabrik für das eigene Unternehmen keine Rolle spielt, einfach nicht passt. So der weit verbreitete Irrtum.
Denn tatsächlich bieten sich unzählige Möglichkeiten, wenn Sie beginnen, sich mit der digitalen Fabrik auseinanderzusetzen. Natürlich spielt die geeignete Software bei der digitalen Fabrik eine große Rolle. Sie sorgt für die Optimierung von Prozessen und deckt mögliches Verbesserungspotenzial auf. Aber sie ist längst nicht alles. Folgende Aufgabenstellungen muss eine gut funktionierende digitale Fabrik erfüllen:
Sie übernimmt die Produktplanungsdaten
Sie plant Prozesszeiten und Produktionsprozesse
Sie ist für die Betriebsmittel zuständig, also für Konstruktionsvorschläge, Festlegungen etc.
Sie organisiert die Planung des Einsatzfaktors sowie die Layoutplanung von Werk- und Arbeitsplätzen
Sie nimmt die Kostenbewertung vor
Sie sichert die Planungsergebnisse ab
Sie sorgt für verlässliche Planungsdaten
Vermutlich haben Sie schon jetzt, nach dem kurzen Lesen, erkannt, dass die digitale Fabrik auch Ihnen helfen kann. Dann sollten wir miteinander sprechen.
Oder aber Sie möchten mehr wissen, wollen sich ein umfassenderes Bild machen, um die Vorteile der digitalen Fabrik besser zu erfassen. Dann sollten Sie einfach weiterlesen.
Die digitale Fabrik: Höhere Produktivität, mehr Effizienz
Wir hören häufig, dass der Begriff der digitalen Fabrik abstrakt klingt, fast ein wenig exotisch. Gerade Unternehmen im produzierenden Bereich nehmen daher oft an, dass die digitale Welt nicht ihre Welt ist, stellen sie doch einfach „nur“ Produkte her. Doch es ist im besondere Maße die Produktion, die von der digitalen Fabrik profitiert. Schauen wir uns die Sache also einmal etwas genauer an.
Was genau steckt hinter der digitalen Fabrik?
Sie können sich die digitale Fabrik als einen Oberbegriff vorstellen, der für ein umfangreiches Netzwerk steht, das seinerseits digitale Methoden und Modele definiert und mit Instrumenten wie der Simulationssoftware und 3D-Visualisierungssoftware arbeitet. Dank dieser Hilfsmittel lässt sich die ganzheitliche Planung, Steuerung und Umsetzung realisieren und somit die entsprechenden Prozesse und Ressourcen optimal nutzen. Wenn Sie sich hierzu auf breiter Basis informieren wollen, empfehlen wir die VDI-Richtlinien, die das Thema intensiv und bis ins Detail behandeln und die die Grundlage für die digitale Fabrik darstellen.
Die Bereiche, in denen Sie durch den Einsatz der digitalen Fabrik profitieren können, gehen über die reine Produktion und ihre direkte Optimierung hinaus. Ebenfalls behandelt werden die Logistik, die Verkehrswege, die Materialflusssimulation bzw. die Materialflussplanung, die Lagerkapazitäten und nicht zuletzt die Personalplanung. Durch die entsprechende Software werden all diese und weitere Faktoren zueinander ins Verhältnis gesetzt und zu einem Gesamtbild zusammengefügt. So wird jeder wichtige Bereich mit in die Planungen einbezogen.
Produktion, Fertigung, Logistik und Industrie sind ohne die digitale Fabrik heute undenkbar
Niemand kann sich vor den Folgen der Globalisierung verstecken, kein Unternehmen darf sich neuen Technologien verschließen, die wachsenden Marktdynamiken sind ebenso Herausforderungen wie die Digitalisierung, die zwar in aller Munde ist, häufig jedoch kaum mit Leben gefüllt wird. Die Konkurrenzsituation hat durch rasante Marktentwicklungen und internationalen Druck in den letzten Jahren stetig zugenommen, und es wäre fatal, diesen Entwicklungen passiv gegenüber zu stehen. Die Produktionsziele erhöhen sich, die Arbeitszeiten müssen möglichst effizient gestaltet werden, der Kostendruck kommt hinzu. Es geht um Zeit und um Geld, die Prozesse müssen schnell und perfekt ablaufen, während gleichzeitig die Kosten reduziert werden. Perfekte Rahmenbedingungen also für die digitale Fabrik.
Denn die beschriebenen Herausforderungen führen zur Notwendigkeit, sich auf neue Gegebenheiten einzustellen und die Produktionsstätten den Anforderungen anzupassen. Gefordert ist die digitale Fabrik, die dank moderner Software die Planung schneller, flexibler und günstiger macht. Dabei geht es unter anderem darum, bereits im Vorfeld die Weichen so zu stellen, dass nachher alles bestens läuft. Fehler oder Störfaktoren, die vorzeitig erkannt werden, können keinen Schaden anrichten, weil sie rechtzeitig behoben wurden.
Die Vorteile der digitalen Fabrik zusammengefasst
Ein faktisch sofort spürbarer Vorteil der digitalen Fabrik ist die Planungssicherheit mittels integrierten Animationen und 3D-Simulationen. So können Produktionsprozesse, Bauten und vieles mehr optisch hervorragend dargestellt werden, und das bei einem minimalen Aufwand.
Wie bereits erwähnt, lassen sich durch den Einsatz der digitalen Fabrik auch Probleme, Fehler oder Störungen im Vorfeld der eigentlichen Prozesse analysieren. Unterschiedliche Szenarien können durchgespielt und auf Tauglichkeit untersucht werden. So können Maschinen, Anlagen, Verkehrswege und andere Faktoren schon am „Reißbrett“ auf Schwächen untersucht und gegebenenfalls angepasst werden.
Gleiches gilt für den Materialfluss der Produktion. Durch den Einsatz von Software im Zuge der digitalen Fabrik kann von Beginn an kostendeckend und ressourcenschonend geplant und gearbeitet werden. Dadurch wird die Produktion gestrafft, flexibel gestaltet und kann fließend alle Prozesse tragen.
Übrigens: Durch den Einsatz der digitalen Fabrik lässt sich auch spürbar Energie einsparen. Das schont nicht nur das Energiebudget, sondern auch die Umwelt.
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Qualität 4.0 Autor René Kiem, Inhaber KONTOR GRUPPE by René Kiem.
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Herzlichen Gruß
René Kiem
René Kiem
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Wir sollten reden...
… und zwar, wenn Sie Fragen zu unserem Einsatz als Trainer und Beater für Führungskräfteentwicklung haben, wenn Sie Informationen zu den Themen Qualitätsmanagement und / oder Industrie 4.0 (u. a. CAQ Software oder MES Einsatz) haben.
Oder wenn Sie unschlüssig sind. Nehmen Sie einfach Kontakt zu uns auf.
Wo erhalte ich weitere Informationen rund um die Themen Qualitätsmanagement, Leadership und Industrie 4.0?
Informationen zu den Themen Führungskräfteentwicklung und Leadership erhalten Sie hier: https://www.manager-plenum.de/ - https://www.mallorca-kontor.de/ - https://www.kraftwerk-kontor.de/
Informationen zum Thema Qualitätsmanagement im Automotive Umfeld erhalten Sie hier: https://www.automotive-kontor.de/ - https://www.iatf16949-kontor.de/
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Wo erhalte ich weitere Informationen rund um die Themen von Seminar-Terminen, Inhalten und Veranstaltungsorten?
Alle Informationen zu unseren Trainings und Seminaren erhalten Sie auf unserem Seminar- und Trainings-Portal Seminar Plenum
Wo erhalte ich Antworten auf häufig gestellte Fragen?
Alle Fragen und Antworten zu häufig gestellten Fragen erhalten Sie hier in https://www.kontor-gruppe.de/glossar.html. Sie haben Fragen oder Anregungen? Wir freuen uns auf Ihr Feedback und die Gespräche mit Ihnen. Gerne nehmen wir Ihre Anregungen und Fragen mit in die Datenbank auf.
Was bedeutet Qualitätsmanagement / ISO 9001?
Qualitätsmanagement (QM) bezeichnet alle organisatorischen Maßnahmen, die der Verbesserung der Prozessqualität, der Leistungen und damit den Produkten jeglicher Art dienen. Der Begriff Leistungen umfasst im QM die Dienstleistungen. Es geht über den üblichen Begriff hinaus und betrifft vor allem die innerorganisatorischen Leistungen. Qualitätsmanagement ist eine Kernaufgabe des Managements. Ein QMS / Qualitätsmanagementsystem kann nach der ISO 9001 zertifiziert werden.
Was ist eine FMEA?
Fehlermöglichkeits– und Einflussanalyse (FMEA) Die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse ist eine Methode zur Analyse von Fehlerrisiken im Produkt und Prozess. Sie dient der systematischen Risikoanalyse bei komplexen Systemen oder Prozessen.
Was bedeutet Führungskraft?
Unter Führungskraft versteht man Personen, die in einem Unternehmen, in Organisationen oder in der öffentlichen Verwaltung. Führungskräfte sind Mitarbeiter mit spezifischen Aufgaben und Führungsfunktionen.
Was bedeutet Industrie 4.0?
Industrie 4.0 ist die Bezeichnung für ein Zukunftsprojekt zur umfassenden Digitalisierung der industriellen Produktion, um sie für die Zukunft aufzustellen. Der Begriff geht zurück auf die Forschungsunion der deutschen Bundesregierung und ein gleichnamiges Projekt in der Hightech-Strategie der Bundesregierung. Die industrielle Fertigung soll mit moderner IT-, Informations- und Kommunikationstechnik verzahnt werden.
Was bedeutet Lean / Lean Management?
Der Begriff Lean bw. Lean Management (in der deutschen Übersetzung auch Schlankes Management bezeichnet) bezeichnet die Gesamtheit der Denkprinzipien / Lean Philosophie, Methoden und Verfahrensweisen zur effizienten Gestaltung der gesamten Wertschöpfungskette industrieller Güter und Services / Dienstleistungen.
Was leisten wir für Sie als Qualitätsmanagement Unternehmensberatung?
Als Qualitätsmanagement Unternehmensberatung sind wir zu den folgenden Themen aktiv:
Wir begleiten Sie bei der Einführung Ihres Qualitätsmanagementsystems (QMS) nach DIN EN ISO 9001, unterstützen sie bei der Erstellung eines Qualitätsmanagementhandbuches (QMH) und schulen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Umsetzung und Anwendung.
Dabei setzen wir auf Systematik - und natürlich auf unsere ausgewiesene Expertise. Inhalte einführender Workshops und Schulungen sind u.a.
✔ DIN EN ISO 9001 verstehen, Anforderungen klären und umsetzen
✔ Geschäftsprozesse analysieren und festlegen
✔ Qualitätskennzahlen (Klärung von Kennzahlen)
✔ Ablauf der Einführung eines QM-Systems
✔ Erfolgsfaktoren für ein QMS
Was ist ein MES?
Als Manufacturing Execution System (MES) wird eine prozessnah operierende Ebene eines mehrschichtigen Fertigungsmanagementsystems bezeichnet. Oft wird der deutsche Begriff Produktionsleitsystem synonym verwendet. Das MES zeichnet sich gegenüber ähnlich wirksamen Systemen zur Produktionsplanung, den sog. ERP-Systemen (Enterprise Resource Planning) aus. Dazu gehören unter anderem Daten aus den Bereichen Betriebsdatenerfassung (BDE), Maschinendatenerfassung (MDE), Qualitätsmanagement (QM) und Personalzeiterfassung (PZE).
Was bedeutet Shopfloor Management?
Der Begriff „Shopfloor“ bedeutet Werkstatt oder Fertigung. Unter dem Begriff „Management“ versteht man sämtliche Leitungs- und Führungsaufgaben zur Leistungserstellung. Unter dem Begriff Shopfloor Management werden die Leitungs- und Führungsaufgaben einer Fertigung verstanden. Weiter kann Shopfloor Management als Instrument zum „Führen am Ort der Wertschöpfung“ gesehen werden.
Nur für XING Mitglieder sichtbar Heute Abend in Sooß - Wir laden herzlich ein!
Gute Kontakte sind alles :)
Wir starten heute einen gemütlichen Netzwerkabend in Sooß / Niederösterreich und laden auch Dich dazu herzlich ein.
Ein unkompliziertes kennenlernen und sich untereinander Austauschen ist die Devise.
Würde mich freuen, wenn auch Du mit dabei bist. Unkompliziertes Networking in der Region bei einem guten Glaserl Wein.
Liebe Grüße
Gerald Hangweyrer
Unternehmerbund International
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Bernd Späth Wenn einer den Druck nicht mehr aushält.
Auch wenn es gut gemeint ist: Man kann natürlich nicht für eine andere Person einen Coachingtermin buchen. Nur wenn der/die Betroffene selbst den Wunsch verspürt, etwas zu verändern, macht das Ganze Sinn. Ein einziges Mal in meiner sechzehnjährigen Praxis habe ich mich – wenngleich unwissentlich – auf solch eine Situation eingelassen, als ein Mann mir seinen Lebenspartner Norman schickte, offenbar mit der Maßgabe, sich jetzt gefälligst einmal coachen zu lassen, damit die Partnerschaftsprobleme – die offenbar ausschließlich auf einer Seite verortet wurden – sich lösen sollten. Norman, der in der Partnerschaft zur Unterordnung neigte, hatte den Termin folgsam mit mir vereinbart, lebte nun aber seine Auflehnung in der Coachingsitzung aus, und erst nach einiger Zeit wurde mir klar, dass er das Gespräch in Wirklichkeit niemals gewollt hatte: Es war ein abgehobener Dauermonolog über den „Zustand der Welt“. Dieser mag in der Tat bisweilen beklagenswert sein, im konkreten Fall allerdings hieß es: „Dir sage ich überhaupt nichts, und von mir erzähle ich dir gar nichts!“ – Als ich diese Motivationslage erkannt hatte, sprach ich Norman darauf an, und er stimmte mir lebhaft zu und meinte, ich sollte es „nicht persönlich nehmen“. Tat ich auch nicht. Einvernehmlich beendeten wir das Gespräch vorzeitig. Norman wirkte erleichtert.
Umso erstaunter war ich, als er sich ein halbes Jahr später telefonisch meldete: Frank, sein Lebensgefährte, hatte mitten während der Arbeitszeit sein Büro verlassen und war seit Tagen verschwunden. Norman hatte bereits eine Vermisstenanzeige aufgegeben und war völlig aufgelöst. Er bat um einen Gesprächstermin. – Ich war nicht der Meinung, dass hier etwas zu coachen war, aber ich lud ihn auf eine Tasse Kaffee ein, denn offenbar brauchte er jemanden, mit dem er reden konnte. Frank hatte ich einmal flüchtig kennen gelernt, er schien mir ein maßloser Egozentriker zu sein, der unentwegt Auftritt und Selbstinszenierung brauchte und sehr unruhig wurde, wenn er aus dem Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit an deren Rand zu rutschen drohte. Wie viele Egozentriker war er der selbstkritischen Reflexion unfähig und verstand sich meisterhaft darauf, anderen – notfalls auch völlig Unbeteiligten – Schuld zuzuweisen. Insgesamt ein hysterisch strukturierter Charakter, kein Zweifel.
Im Gegensatz zum vorhergegangenen Gespräch sprudelte Norman dieses Mal förmlich: Die Partnerschaftsprobleme hatten kulminiert, da Norman mit Franks übersteigerter Eifersucht nicht mehr klarkam. Franks daraus resultierende Gesamtverfassung wiederum hatte sich auf seinen Vertriebsjob ausgewirkt, und er war in den letzten Monaten abgestürzt zum „low performer“, was ihm mehrere Rüffel eingebracht hatte. Er hatte auf altvertraute Weise reagiert und die Schuld ausschließlich bei seiner Vorgesetzten gesehen, die ihm dafür gleich noch eine drübergab. Der Druck in der Partnerschaft und im Job hatte sich gleichermaßen ins Unerträgliche gesteigert. Es lag also die Vermutung nahe, dass Frank unter der akuten Belastung in eine Kurzschlussreaktion verfallen war und die Flucht angetreten hatte. Norman hatte ausgiebig mit Franks Vorgesetzter telefoniert, die sich sehr einsichtig gezeigt und eine ähnliche Vermutung geäußert hatte. – Half aber alles nichts: Frank blieb verschwunden, und so war die Befürchtung eines Suizids nicht mehr ganz von der Hand zu weisen. Umso mehr, als die Polizei erst mal nicht weiterkam: Er und sein Auto blieben verschwunden, und nun machte Norman sich die bittersten Vorwürfe.
Die Geschichte fand eine bizarre Aufklärung: Frank wurde nach dreizehn Tagen in einer kleinen dänischen Pension in der Nähe von Sønderburg von der Polizei geschnappt. Er hatte sich dort vor wenigen Tagen unter falschem Namen eingebucht und sich bizarrerweise als Honiggroßhändler aus Dinslaken ausgegeben, trotz seines Regensburger Kennzeichens. Norman kriegte den Mund nicht mehr zu. Letztlich war Frank der Pensionsinhaberin aufgefallen, weil er auf sie oft seltsam trancehaft wirkte und trotz wiederholter Aufforderung seinen Pass nicht vorgelegt hatte. Sie hatte diesen allerdings mit weiblichem Wissensdrang in einer Schublade gefunden, als sie Franks Zimmer aufräumte, und daraufhin die Polizei verständigt. Frank war täglich sechs-sieben Stunden lang am Meer entlanggelaufen. In der amtlichen Vernehmung konnte er sich nicht erinnern, wie er hierhergekommen war, wo er längs gelaufen war, und er konnte auch keinerlei Angaben zu sich selber machen. Er war offenbar ziellos herumgereist, und man fand Tankrechnungen und Pensionsbelege, mittels derer man eine völlig widersinnige Reiseroute quer durch Deutschland bis nach Dänemark rekonstruierte. Frank schwieg dazu, denn er erinnerte sich an nichts. Anscheinend hatte er teilweise im Auto übernachtet. Norman erzählte mir alles am Telefon, er war verstört.
„Haben Sie denn eine Erklärung für sowas?“
„Paris, Texas.“, sagte ich.
„Was?“
„Wim Wenders, 1984. Grandioser Film. Harry Dean Stanton und Nastassja Kinski.“
„Sind Sie jetzt auch übergeschnappt?“
„Nein“, sagte ich. „Aber der Film beschreibt eine sogenannte ‚dissoziative Fugue‘. Und genau das ist bei Frank passiert.“
„Ja, um Himmels Willen, er ist doch mein Mann! Wird er denn wieder?“
„Ich denke schon.“, sagte ich. „Wenn´s wirklich nur die Fugue ist. – Ist er denn jetzt in Behandlung?“
„Die Polizei hat ihn in die Psychiatrie gesteckt. Entsetzlich!“
„Nein“, widersprach ich. „Er braucht Hilfe. Und da bekommt er sie.“
Dissoziative Fugue (früher: psychogene Fugue) ist ein seltenes Phänomen, aber für die Betroffenen hammerhart. In der Regel ist sie eine Reaktion auf eine extreme psychische Belastungssituation, in der unbewusste Fluchtwünsche durchbrechen. – Unbewusst deshalb, weil der/die Betroffene sich nicht rational zur Flucht entschließt, sondern dabei eher wie im Halbschlaf oder in einer Trance agiert: Es ist ein sinn- und zielloses Getriebensein, Herumirren und bisweilen auch Verbleiben. Die Betroffenen haben die Erinnerung verloren, wer sie sind und wo sie herkommen, und sie wirken verloren. Im Allgemeinen dauert der Zustand einige Tage. Es sind aber auch Fälle bekannt, wo die Betroffenen buchstäbliche eine neue, völlig wesensfremde Identität annahmen. Das kann so weit gehen, dass solche Menschen dann an sozialen Aktivitäten teilnehmen, die früher für sie undenkbar gewesen wären. - Nur ca. 0,2% der Bevölkerung sind von diesem Phänomen betroffen. Übrigens hat auch David Lynch seinen Film „Lost Highway“ als psychogene Fugue definiert.
Was die „retrograde Amnesie“ betrifft, also das rückwärtige Vergessen von Reiseroute, Herkunft, etc., so wird man nicht falsch gehen mit der Annahme, dass es sich um eine Schutzfunktion des psychischen Apparates handelt, der mit der Verarbeitung extremer Erlebnisinhalte massiv überfordert ist und diese ins Unbewusste abschiebt, wo sie nach besten Kräften randalieren. In der Regel ist diese Amnesie durch psychotherapeutische Maßnahmen lösbar. – Natürlich müssen andere Erkrankungen und Beeinflussung durch Drogen oder Medikamente ausgeschlossen werden.
Frank begann in der Psychiatrie nicht nur mit einer Aufarbeitung der jüngsten Geschehnisse, sondern er ging auch erstmalig im Leben die massiven Selbstwertstörungen an, die die tiefere Ursache seiner rasenden Eifersucht gewesen waren. Denn die Eifersüchtigen werden vom Gefühl gequält, per se erst einmal nicht liebenswert zu sein und deshalb ihren „Besitz“ mit allen Mitteln verteidigen zu müssen. Oft bewirken sie damit das Gegenteil. Norman jedenfalls nutzte Franks längeren Klinikaufenthalt, um sich in einigen Sitzungen bei mir mit seiner Tendenz zu Gehorsam und Unterwerfung zu befassen und wirkte danach befreiter. Die Beziehung hielt nicht mehr allzu lange, man trennte sich einvernehmlich. Frank, dem seine Chefin den Posten freigehalten hatte, fühlte sich durch seine Flucht in der Firma zu sehr desavouiert und wechselte in eine neue Position, wo niemand ihn und seine Geschichte kannte.
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