Orientierungsdesign

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Marc Jungmann
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Es ist zwar schon lange nichts mehr los. Vielleicht erreicht das den einen oder anderen. Wir haben einen podcast ins Leben gerufen zum Thema Information im Raum. Themen die bisher schon besprochen wurden - Overcrowding im Tourismus und die Rolle von uns Infodesignern, Nutzen von Orientierungssystemen, analoge und digitale Panoramakarten, Musik und Raum, etc. Heute geht das Thema barrierefreie Gestaltung online. Vielleicht für den einen oder anderen interessant. Wir würden uns auch über Feedback freuen. Welche Themen würdet ihr gerne hören? Viel Spass.

Hallo!

Jeder Entscheidung geht die Wahl zwischen mindestens zwei alternativen Wegen voraus. Nachdem wir einen von uns gewählten Weg ein Stück weit gegangen sind und Erfahrungen auf diesem Wegabschnitt gemacht haben, treffen wir auf eine neue ›Kreuzung‹. Dann steht wieder eine Entscheidung an und wir lösen den oft unbewussten Prozess aus, um die richtige Entscheidung ›zu finden‹: wahrnehmen, sondieren, abwägen und die Wahl treffen.

Eine Entscheidung hat immer direkte oder indirekte Folgen. Selbst wenn wir revidieren, hat die in der Vergangenheit getroffene Entscheidung Konsequenzen. Und wir haben hinzugelernt. So wie die Summe aller Verzweigungen die Form eines gewachsenen Baumes ausmacht, prägen Ihre getroffenen Entscheidungen alle nachfolgenden Handlungen.

Im Laufe der Jahre reiht sich Entscheidung an Entscheidung. Aus den Weggabelungen und Wegstrecken entsteht Ihr erfahrenes Leben. Entstehen Zyklen von Produktentwicklungen. Die Organisation des Unternehmens. Das Erscheinungsbild einer Marke.

Um eine »gute« Entscheidung treffen zu können, braucht man den Überblick. Man muss zurücktreten, die Sache ›mit Abstand betrachten‹. Ich hoffe, Sie hatten zwischen den Feiertagen die Möglichkeit dazu und wünsche Ihnen und mir für 2016, dass wir Gelegenheiten finden, unser Werk von Zeit zu Zeit mit der nötigen Distanz zu betrachten. In entscheidenden Fragen zur visuellen Identität Ihres Unternehmens stelle ich mich als Konzeptioner und Gestalter gerne an Ihre Seite.

Alles Gute für das kommende Jahr!

Mit den besten Grüßen

Heinz Hermann Maria Hoppe

Studio für Design und Orientierung, Ismaning bei München.

design-ist-dasein.de

Hallo! Mein Beitrag richtet sich eher an unsere potentiellen Kunden, ist aber vielleicht auch innerhalb dieses Forums interessant?

Orientierungsdesign hilft Menschen bei der Orientierung an noch unbekannten Orten und verbindet Architektur, Grafik-, und Produktdesign. Bekannt sind die Systeme auch unter den Bezeichnungen ›Leit-‹ oder ›Informationssysteme‹ sowie ›Signaletik‹.

Wer sich (neu) orientiert, braucht einen Bezugspunkt. Fast immer ist dieser Bezugspunkt der eigene, aktuelle Standpunkt. Von dieser Koordinate aus bewegt man sich persönlich, zeitlich und räumlich in noch unbekannte Richtungen, erweitert seinen Horizont und – lernt. Aus diesem ›Fortschreiten‹, wortwörtlichen Schritten nach vorne, ergeben sich neue Sichtweisen und Perspektiven. Visuelle Orientierung ist nicht nur für Menschenströme auf internationalen Flughäfen relevant, auch die Kunden des Einzelhändlers nebenan können visuell ›an die Hand genommen‹ und in eine Erlebniswelt geführt werden: von den Schaufenstern über den wichtigen Eingangsbereich in die gesuchte Abteilung.

Auf Reisen sucht man besonders intensiv nach neuen Horizonten. Neben den bereichernden Eindrücken fremder Kulturen und neuer Geschäftskontakte sucht man aber auch: den Anschlussflug, den nächsten Bus, den Besprechungsraum, eine Website, eine gezielte Information innerhalb der Website, die Toilette, das Hotel, das Stockwerk, die richtige Taste auf der Fernbedienung … Auf unbekanntem Boden wird Orientierungslosigkeit besonders bewusst; wenn zum Beispiel exotische, asiatische Schriftzeichen nicht zu entschlüsseln sind.

Der Herausforderung, den richtigen Weg intuitiver und anschaulicher zu weisen, stellen sich die Disziplinen Orientierungsdesign und Signaletik. Historische Leuchttürme innerhalb der Geschichte des Orientierungsdesigns sind zwei anschauliche Beispiele.

Beispiel 1: Die London Underground ist die älteste U-Bahn der Welt. Für viele Orientierungsdesigner stellt der durchgestaltete historische Streckennetz-Plan die ›Urmutter‹ unter den Fahrplänen dar. Die schematische Verlinkung der Strecken untereinander wurde zum Klassiker für Orientierungsdiagramme im ÖPNV. Bis heute ist die grafische Nähe zur Darstellung der Zugverbindungen in Plänen weltweiter Metropolen augenscheinlich.

Beispiel 2: Die babylonische Vielfalt in den Schriftsystemen kosmopolitischer Kulturkreise war für Otl Aicher 1972 Anlass, die Olympischen Spiele mit Sport-Piktogrammen auszustatten. Das damals revolutionäre Piktogramm-System führte Gäste aus der ganzen Welt zu ihren wechselnden Sitzplätzen in Münchens Stadien.

Im Alltag und im kleineren Rahmen hört die Suche nach dem richtigen Weg nicht auf. Welche Rolle visuelle Kommunikation in Form von Zeichen, Beschriftungs- und Farbleitsystemen für die eigene Orientierung spielt, wird auf der Suche nach richtigen Wegen beruflich wie privat augenscheinlich: am Bahnhof, im Museum, im virtuellen Raum eines Games, auf dem Firmengelände, im Krankenhaus oder im Bürokomplex. Beispiel: Die erste Aktion im Baumarkt ist für viele Kunden die Suche nach einem freien Mitarbeiter, der den Weg zum richtigen Warenregal weisen kann. In der Summe ergibt sich für Publikum und Mitarbeiter ein nicht zu unterschätzendes Zeitkontingent für die Suche nach passenden und zuverlässigen Informationen. (Beobachten Sie an einem Samstag einmal bewusst, wie sehr der Baumarkt-Mitarbeiter durch wegweisende Auskünfte gebunden ist und wie entnervt die Kunden sind, die keinen freien Mitarbeiter finden oder warten müssen!).

Wir suchen nicht nur in dreidimensionalen, städtischen und architektonischen Räumen. Zuverlässige und zügige Orientierung entscheidet beim Kunden über die Akzeptanz medialer Präsenz, über Konversion und Verkauf bei:

- Websites (Navigation, Struktur/Gliederung)

- Verpackungen (Produktinformationen)

- Außen- und Innenwerbung (Fassaden- und Schaufensterbeschriftungen, Messestand-Gestaltungen, Warenpräsentationen)

- Drucksachen (Gliederung und Aufbau von Büchern, Magazinen, Geschäftsberichten, Katalogen)

- Benutzeroberflächen, Interfaces und Displays, Menüs (Info- und Verkaufsterminal, Software, Applikationen)

- Farbleitsysteme und Codes (z. B. Flure in Unternehmen und Institutionen, Schiffsdecks, Tiefgaragen …)

- Produktdesign (Benutzerführung, Displaygestaltung, Haptik, Ergonomie). Produktdesign zeichnet sich unter anderem durch eine sich selbst erklärende Formensprache und intuitive Benutzerführung aus

Orientierungsdesign leitet Kunden und Mitarbeiter an unbekannten Orten, verbindet Architektur, Grafik- und Produktdesign, erklärt komplexe Systeme, berücksichtigt Barrierefreiheit, kulturelle Räume und Erkenntnisse aus der Wahrnehmungspsychologie.

Die saubere Gliederung der Informationen gehört zu den Hausaufgaben,

allein – sie kann emotional nicht berühren! Gutes Orientierungsdesign ist mehr als die Summe seiner Teile: Es verbindet Content mit stilistischen Merkmalen, gliedert sich in das Corporate Design ein und verhilft dem Absender zu einem ›Gesicht‹. Grafikdesign bildet mit Hilfe von Zeichen, Diagrammen, Icons, Typografie, Farbkombinationen und der Komposition aller Elemente ein individuelles Informations-System, dass logisch und emotional zugleich anspricht. Das Erscheinungsbild des Unternehmens wird dann auch durch das stilistisch passende Orientierungsdesign gestützt; Image, Unternehmenswerte, Produkte und Dienstleistungen werden emotional mit dem Markenbild verankert. Alles wirkt wie aus einem Guss.

Was tun?

-Geben Sie Ihren Kunden einen visuellen Ariadne-Faden an die Hand, der sie zu ihren und Ihren Zielen führt.

-Lassen Sie an Ihrem visuellen Erscheinungsbild (Corporate Design) feilen.

-Was muss und was kann der Kunde wissen? Brechen Sie mit internen Gewohnheiten der Visualisierung. Hinterfragen Sie die Art und Weise der Darstellung und streben Sie nach inhaltlicher und formaler Annäherung. Standardisierte Tortendiagramme aus der Textverarbeitung können im Ausdruck nicht individuell sein.

-Sind Ihre Informationen richtig gewichtet, sortiert und in den Details durchgearbeitet? Grafikdesign kann komplexe Strukturen visuell aufschließen und eingängig vermitteln.

-Lassen Sie die Darstellung inhaltlicher Informationen in Bezug auf emotionale Passgenauigkeit überprüfen. Passt die Darstellungsform zu Ihrer Marken-Erlebniswelt?

-Seien Sie nicht zu schnell mit Entwürfen zufrieden. Verlieben Sie sich ruhig in Details ohne sich zu verlieren.

-Bleiben Sie authentisch, unaufdringlich, glaubwürdig – aber prägnant – in Ihrer visuellen Kommunikation.

Dann wird daraus ein Schuh, der durch Ihre Kunden in die treffende Richtung getragen werden wird.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Mit freundlichen Grüßen aus Ismaning bei München

Heinz Hermann Maria Hoppe

Hier könnt Ihr gern schlechte Beispiele von Leit- / Informations- oder Orientierungssytemen beim Namen nennen, vorstellen und diskutieren.

Vielen Dank und schöne Grüße

Marc

Hallo zusammen,

hier würde ich gern eine Sammlung an geeigneten Schriften entstehen lassen, auf die man bei Bedarf zurückgreifen kann.

Welche Schriften sind nach Eurer Meinung für die Gestaltung von Leitsystemen geeignet?

Welche Schriften fallen euch dazu ein?

Danke

Marc

Ihr könnt die Liste gern erweitern: FF DIN pro FF Info Frutiger ZWO
Re: Ihr könnt die Liste gern erweitern: Marc Jungmann schrieb: FF DIN pro FF Info Frutiger ZWO Myriad pro