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Am Sonnabend, den 26.6.2021 um 15 Uhr treffen wir die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung des Landes Schleswig Holstein, Frau Michaela Pries, zum DOPANET Talk.

Moderation: Nicole Knudsen, wir pflegen! | Interessensvertretung und Selbsthilfe pflegender Angehöriger e.V. | Landesvertreterin Schleswig-Holstein

Die Veranstaltung steht exakt 100 Teilnehmern offen. Wir bitten um zügige Anmeldung unter anmeldung@dopanet.com, Sie erhalten dann in der Reihenfolge der Anmeldungen die Zugangsdaten zu unserem ZOOM-Raum.

Falls Sie Fragen an Frau Pries stellen wollen, so können sie diese gerne im Chat oder vorab per mail an info@dopanet.com senden. Wir werden uns bemühen, Antworten zu erhalten. Die Veranstaltung wird um 15.00 Uhr beginnen und eine Stunde dauern.

Das Video zur Veranstaltung bitten wir, in die eigenen Netzwerke zu multiplizieren.

All jenen, die am 26.6.21 keinen der 100 Teilnehmer-Zugänge erhalten können, wird anschliessend eine Zusammenfassung und redaktionelle Aufarbeitung zur Verfügung stehen.

Vielen Dank für das Interesse und die Aufmerksamkeit!

J.M.Mielert

https://youtube.com/shorts/iLIlC18GC9c?feature=share

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In der vorletzten Sitzungswoche verabschiedete der Bundestag das letzte Gesetz in der Gesundheitspolitik: Darin enthalten sind eine Pflegereform, neue Mindestmengenregelungen, Ansätze einer Notfallreform sowie neue Aufgaben für den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss.

Ein letzter Aufschlag in der gesundheitspolitischen Gesetzgebung für diese Legislatur: Als umfangreiches und kleinteiliges Regelwerk hat der Bundestag in seiner vorletzten Sitzungswoche das „Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“ (GVWG) mit den Stimmen von Union und SPD beschlossen. Darin werden neben einem zusätzlichen Bundeszuschuss für die gesetzlichen Krankenkassen in Höhe von sieben Milliarden Euro, auch Teile einer Pflegereform und viele weitere Projekte der Koalition beschlossen. Im Vorfeld der Schlussberatungen im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages lagen rund 300 Seiten Änderungsanträge vor. Auch die Oppositionsfraktionen hatten noch mehrere Themen eingebracht, über die noch abschließend im Plenum des Bundestages debattiert werden sollte.

Pflegereform im Mittelpunkt

Doch für diese vielen Vorhaben und für die Pflegereform blieb im Bundestag dann nur rund 30 Minuten für eine Plenardebatte. Das beklagte vor allem der gesundheitspolitische Sprecher der Linken, Harald Weinberg: „Für diese wichtigen Themen, die Pflege und all das andere, was da auf 200 Seiten versteckt ist, benötigt es mehr Debattenzeit.“ Aber der Linken-Abgeordnete hoffe noch auf einen Antrag der Grünen für die letzte Parlamentswoche, um noch einmal grundsätzlich über eine Reform der Pflegeversorgung diskutieren zu können.

Im Fokus der kurzen Aussprache stand dann auch die Pflegereform, die von der Regierung gelobt und gleich von zwei Bundesministern – Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) – begleitet wurde, von der Opposition als „Reförmchen“ tituliert. Als Ergebnis aus mehreren Jahren der Beratungen im Rahmen der „Konzertierten Aktion Pflege“ von drei Bundesministerien sei dies nun ein mageres Ergebnis, heißt es von den Grünen. Die FDP lehnte generell einen größeren staatlichen Einfluss auf die Pflege ab, die AfD forderte weniger Bürokratie und sieht keinen Grund für Tariflöhne in dem Berufsfeld (ausführlich zur Pflegereform siehe Seite 1206 in dieser Ausgabe).

Neben den ersten Schritten der Pflegereform enthält das Gesetz auch zahlreiche andere kleinere oder größere Reformprojekte, die noch in dieser Legislatur angegangen werden sollen: Dazu zählt die Erhöhung des Bundeszuschusses aus Steuergeldern für die gesetzlichen Krankenkassen von fünf Milliarden auf sieben Milliarden. Für Vertragsärztinnen und -ärzte sieht das Gesetz eine verpflichtende Haftpflichtversicherung mit einer Mindestversicherungssumme von drei Millionen Euro je Fall vor.

Neue Mindestmengenregelung

Das Gesetz verschärft beispielsweise die Mindestmengenregelung. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) prüft kontinuierlich die Evidenz zu bereits festgelegten Mindestmengen sowie die Evidenz für die Festlegung neuer Mindestmengen. Der G-BA muss einmal aufgenommene Beratungen zu einer Mindestmenge innerhalb von zwei Jahren abschließen. Miteinander in Beziehung stehende Mindestmengen werden zudem verknüpft. „So könnte beispielsweise die Zulässigkeit der Erstimplantation einer Prothese davon abhängig gemacht werden, dass die Einrichtung neben der für die Erstimplantation geltenden Mindestmenge auch Erfahrung bei dem Revisionseingriff am selben Gelenk durch Erfüllung der geltenden Mindestmenge darlegt“, heißt es dazu in der Gesetzesbegründung. Die bislang geltende Ausnahmeregelung, bei der „bei nachgewiesener hoher Qualität“ eine Unterschreitung der Mindestmengen möglich war, wird gestrichen. Die Bundesländer können jedoch weiterhin Ausnahmen von der Mindestmengenregelung für einzelne Krankenhäuser vornehmen – allerdings nur im Einvernehmen mit den regionalen Krankenkassenverbänden.

Stärkung von Qualitätsverträgen

Abgeschafft wird dagegen eines der Kernelemente des 2016 in Kraft getretenen Krankenhaus-Strukturgesetzes (KHSG): die qualitätsorientierte Vergütung in Form von Zu- und Abschlägen. Nach einhelliger Auffassung der gemeinsamen Selbstverwaltung hätten diese wegen unerwarteter Umsetzungshindernisse auch mittelfristig nicht umgesetzt werden können, heißt es zur Erklärung im GVWG. Stattdessen sollen die ebenfalls mit dem KHSG eingeführten Qualitätsverträge gestärkt werden, bei denen Krankenkassen und Krankenhäuser Anreize zur Erbringung höherwertiger Qualität vereinbaren können. Bislang können Qualitätsverträge in vier Indikationsbereichen geschlossen werden. Im GVWG wird nun ein jährliches Ausgabevolumen der Krankenkassen pro Versichertem für Qualitätsverträge vorgeschrieben. Zudem soll der G-BA bis zum Jahr 2024 weitere Anwendungsbereiche für Qualitätsverträge bestimmen.

Instrument Personalbemessung

Ebenfalls bis Ende 2024 sollen die Partner der Selbstverwaltung auf Bundesebene ein wissenschaftlich fundiertes Instrument zur Bemessung des Pflegepersonalbedarfs in der unmittelbaren Patientenversorgung im Krankenhaus erarbeiten. In der stationären Langzeitpflege wurde ein solches Instrument im GVWG gerade eingeführt. Die derzeit geltenden Pflegepersonaluntergrenzen sollen dabei ihre Gültigkeit behalten. Das neue Verfahren soll bedarfsgerecht, standardisiert, aufwandsarm, transparent, digital anwendbar und zukunftsfähig sein. Das Personalbemessungsverfahren müsse eine standardisierte, bundesweit einheitliche Anwendung sicherstellen, die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten, zum Beispiel hinsichtlich der Einordnung des Pflegebedarfs, keinen Raum lasse.

Einmal im Jahr geprüft und möglicherweise angepasst werden sollen die bestehenden Personaluntergrenzen im Krankenhaus. Zudem wird der Frist für die Vorlage des Evaluationsberichts zu den Pflegepersonaluntergrenzen wegen der Coronapandemie um ein Jahr auf Ende 2023 verschoben.

Ein weiteres Projekt für die Zukunft ist die Notfallversorgung. Dazu hatte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn eigentlich eine größer angelegte Reform geplant, die allerdings wegen der Coronapandemie nicht weiter verfolgt wurde. Stattdessen hat der Bundestag den G-BA dazu verpflichtet, eine standardisierte Ersteinschätzung in der ambulanten Notfallversorgung auf den Weg zu bringen. Diese soll unter anderem Vorgaben zur Qualifikation des medizinischen Personals enthalten, das die Ersteinschätzung vornimmt. Zudem sollen darin die Fälle bestimmt werden, „in denen bei der Feststellung des Nichtvorliegens eines sofortigen Behandlungsbedarfs ein Arzt oder eine Ärztin darüber zu entscheiden hat, dass die Patientin und der Patient nicht vor Ort versorgt werden muss“. Der G-BA soll dabei die bereits in den zentralen Notaufnahmen vorhandenen Verfahren zur Behandlungspriorisierung berücksichtigen.

Finanzierung für Beratung

Im Bereich der Krankenhausversorgung soll die Patientenbefragung weiterentwickelt sowie der Anspruch auf weitere planbare Eingriffe erweitert werden. Hier soll der G-BA die entsprechenden Indikationen festlegen. Auch bei der Tabakentwöhnung wird der G-BA künftig tätig: So sollen evidenzbasierte Entwöhnungsprogramme künftig einmalig für GKV-Versicherte gezahlt werden. Die Rahmenbedingungen wird der G-BA in den kommenden zwei Jahren festlegen. Dieses Programm kann nach drei Jahren noch einmal wiederholt werden. Ebenso soll der G-BA den Anspruch von Versicherten auf Zweitmeinungen bei weiteren planbaren Eingriffen festlegen.

Zusätzlich legt das Gesetz den Krankenkassen zwei weitere Finanzierungen auf: So sollen die Krebsberatungsstellen besser finanziert werden. Der Gesamtbetrag von derzeit 21 Millionen Euro wird auf 42 Millionen Euro verdoppelt, anteilig beteiligt sich nun auch die private Kran­ken­ver­siche­rung. Auch sollen sich die Krankenkassen künftig an der Finanzierung der Koordination von Aktivitäten in regionalen Hospiz- und Palliativnetzwerken beteiligen.

Außerdem: Patientenbefragungen im Krankenhaus werden weiterentwickelt und sollen künftig auch digital erfolgen können.

Vor Inkrafttreten wird das Gesetz Ende Juni vom Bundesrat zur Kenntnis genommen.

Rebecca Beerheide, Falk Osterloh

Quellenhinweis:

Bundestag: Sammelgesetz zum Abschluss

Dtsch Arztebl 2021; 118(24): A-1197

Beerheide, Rebecca; Osterloh, Falk

Bei einem digitalen Symposium am 17. Juni 2021 forderte der Sachverständigenrat Gesundheit, ein Anrecht von Patientinnen und Patienten auf bestmögliche Nutzung ihrer Gesundheitsdaten gesetzlich zu verankern. Das Gesetz soll sicherstellen, dass Gesundheitsdaten besser als bisher zum Schutz von Leben und Gesundheit verwendet werden. Zugleich soll der Missbrauch von Daten durch höhere technische Datensicherheit und härtere Strafen verhindert werden. Um diese Ziele zu erreichen, soll nach Ansicht des Rates die elektronische Patientenakte(ePA) grundsätzlich für alle Bürgerinnen und Bürger eingerichtet werden. Jeder Nutzer hätte allerdings das Recht, der Einrichtung jederzeit zu widersprechen (erste Opt-out-Option) oder Inhalte derselben gegenüber einzelnen Leistungserbringenden gezielt zu „verschatten“(zweite Opt-out-Option). So würden die Informationen nicht unwiederbringlich gelöscht, vielmehr kann der oder die Versicherte später bei Bedarf noch darauf zurückgreifen bzw. anderen den Zugriff wieder gewähren. Zugleich könnten diese Daten von einem Forschungsdatenzentrum treuhänderisch verwaltet, geschützt und Forschenden anonymisiert oder pseudonymisiert zur Verfügung gestellt werden. Derzeit gilt ein kompliziertes Verfahren, bei dem Versicherte immer wieder neu zustimmen müssen, ob einzelne Inhalte überhaupt in ihre Akte eingetragen werden und welcher von ihnen aufgesuchte Leistungserbringer diese einsehen darf.

Nach Einschätzung des Ratesführt dieses formalistische Verfahren zu einem Datenflickenteppich, über den Forschung und Versorgung immer wieder stolpern werden. Zu viele – oft lebenswichtige – Informationen für patientenwohldienliche Forschung und Versorgung fehlen oder sind nicht aktuell.

„Auch der Rat hält es für unerlässlich, dass Daten nicht in falsche Hände geraten. Aber sie müssen in die richtigen Hände gelangen können, in Hände, die Leben und Gesundheit schützen wollen,“ bekräftigte der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Prof. Dr. med.Ferdinand Gerlach. „Ob im Notfall, in der Regelversorgung oder in der Pflege: Patienten können dann am besten behandelt werden, wenn alle notwendigen Gesundheitsdaten vollständig und aktuell zur Verfügung stehen. Die bisherigen gesetzlichen Regelungen reichen dafür nicht aus. Das weltfremde Dogma der Datensparsamkeit erschwerte auch eine möglichst gezielte Pandemiebekämpfung. So konnten – neben Leben und Gesundheit –andere Werte wie Kultur, Bildung und Arbeit ebenfalls nicht optimal geschützt werden.“ Gerlach weiter: „Der Rat hält ein Umdenken in Sachen Digitalisierung für dringend geboten. Die Erfahrungen in anderen EU-Staaten zeigen, welche Vorteile für das Patientenwohl aus ähnlichen Regelungen entstehen können, wie wir sie vorschlagen. Der Schutz von Daten darf nicht länger losgelöst, ja getrennt werden von Leben und Gesundheit der Menschen, zu denen die Daten gehören. In Politik und Gesellschaft sollte hierüber offen diskutiert werden. Datenschutz ist nicht nur als Recht auf Schutz vor Datenmissbrauch zu verstehen, sondern vor allem als Recht auf verantwortliche Datenverarbeitung – zum Wohle des einzelnen wie aller Patientinnen und Patienten. Die bislang vertretenen Konzepte von Datensparsamkeit und unmittelbarer Zweckbindung sind lebensfremd, irreführend und manchmal sogar schädlich. Datensicherheit, technisch und rechtlich gewährleistet, sollte zur neuen Norm werden. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens muss daher strategisch weiter entwickelt werden. Der Rat hat die Ziele und notwendigen Rahmenbedingungen dafür skizziert. DieEU-Datenschutzgrundverordnung ermöglicht gesetzliche Regelungen, die den Menschen helfen – nicht Hilfe behindern.

Wir hoffen, dass der neu gewählte Bundestag dieseMöglichkeiten nutzt und ein Gesundheitsdatennutzungsgesetz verabschiedet. UnsereEmpfehlungen für eine patientenwohldienliche Digitalisierung der Gesundheitsversorgung liefern eine Blaupause. “Seine wichtigsten Konzepte stellte der Rat heute in einem Symposium vor und diskutierte siemit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende desGKV-Spitzenverbandes, Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KassenärztlichenBundesvereinigung und Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DeutschenKrankenhausgesellschaft. Fragen und Anmerkungen der digital Teilnehmenden übermittelten zwei Publikumsanwältinnen an die Podiumsrunde.

Grundsätzlich gab es viel Zustimmung zu den Empfehlungen des Rates: Der Grundgedanke, Gesundheitsdaten für bessere Forschung und Versorgung sicher nutzbar zu machen, wurde begrüßt. Zur Frage „Opt-out statt Opt-in?“ gab Frau Dr. Pfeiffer allerdings zu bedenken, ob eine gesellschaftliche Debatte hierüber die derzeitige Einführung der ePA nicht überfrachte. Minister Spahn konnte sich vorstellen, dass der Ratsvorschlag eines Gesundheitsdatennutzungsgesetzes in der nächsten Legislaturperiode politisch aufgegriffen werden wird.

Quelle: SVR Gesundheit, Pressemitteilung im Anschluss an die Sitzung vom 17.6.2021

Kommentar Bei dem am 17.6.2021 stattgefunden Symposium des Sachverständigenrates Gesundheit (SVR) unter Vorsitz von Prof. Gerlach wurde in Teilen erfrischend Klartext gesprochen. Ich war selbst Teilnehmer und berichte aus meiner Sicht. Sowohl Prof. Gerlach, als auch die Vertreter der Berufsstände und Organisationen bis hin zu Bundesgesundheitsminister Spahn plädierten für eine strukturelle Verbesserung der Datennutzung und Datentransparenz im Sinne von Versorgung- und Patientensicherheit, wohl und unverkennbar auch im Interesse von Kostendämpfung und zur Vermeidung unnötiger Doppel-Diagnostik und -therapie. Bei der Diskussion zur elektronischen Patientenakte gibt es in den politischen Lagern das Thema „Opt-in“ oder „Opt-out“. Bei „Opt-in“ entscheidet der Bürger, ob er die ePA angelegt wissen und benutzen will. Bei der „Opt-out“-Regel wird für jeden Bürger ab der Geburt oder Zuwanderung eine ePA angelegt und der Bürger hat dann die Option, die für ihn bestehende ePA abzulehnen. Frankreich hat bereits vor Jahren das „Opt-in“-Verfahren angewandt und ist damit gescheitert, weil zu wenige Bürger dem Ruf zur Benutzung digitaler Komponenten aus eigenem Antrieb folgten. Man änderte mithin das System und wandte dann die „Opt-out“-Regel an. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Digitalisierung des Gesundheitswesens in Frankreich erfolgreich. Auch in anderen Staaten wurde so verfahren. Alle Mitglieder des Sachverständigenrates und auch der Bundesgesundheitsminister sprachen sich heute für das „Opt-out“-Verfahren aus, um die Fehler zu vermeiden, die man in Frankreich erlebt hatte. Die ePA muss als Versorgungsmodul angesehen werden, nicht als beliebiges Format eines Zeitgeistes oder als „Unterhaltungsmedium“. Die ePA soll und wird Teil der Versorgungsplanung und schlussendlich ein wesentlicher Teil der Patientensicherheit sein. Der Patient soll eine Übersicht über seine eigenen Gesundheitsbelange bekommen, nicht vordergründig das Redaktionsrecht. Differenzierungskonzepte, denen zu Folge der Patient ohne Konsultationspflicht bei den involvierten Leistungserbringern Sichtbarkeiten über Dateninhalte steuert, sind indiskutabel. Das ist selbsterklärend bereits aus dem Haftungsrecht, dem Ärzte und Apotheker unterworfen sind. Trägt Arzt A eine Diagnose in die ePA ein und der Patient entscheidet - aus welchem Grunde auch immer - die Unsichtbarkeit, so entstehen Haftungsrisiken zu Lasten des Arztes. Kommt der Patient beispielsweise in eine Notlage und hat zuvor die Merkmale seiner vorliegenden Diagnosen in Teilen oder im Ganzen unsichtbar gemacht, ist an eine adäquate und dem Patientenwohl gerechtwerdende Notfalltherapie nicht zu denken, zumindest nicht ohne erneute und unnötige Anamnese und Diagnostik. Eine Umstellung von analoge auf digitale Geschäftsprozesse ist regelmäßig ein Vorgang, der Besorgnisse vor dem Neuen und mit sich bringt und die man schlussendlich beherzt durchsetzen muss. Es handelt sich um einen Geschäftsprozess, nicht um eine „Service“-Leistung. Leider existiert ein weitgehend falsches oder in Teilen gar kein Bewusstsein zur ePA, noch viel weniger fundierte Kenntnis. Die ePA ist kein „Nebenbei-Produkt“, kein „zusätzlicher Baustein“, sondern die ePA ist das zentrale Projekt zur Kommunikation in der Medizinwirtschaft im Sinne einer optimalen Versorgungssicherheit. Eine ePA, die dem Redaktionsrecht des Patienten unterliegt, wird von der Ärzteschaft niemals als wirklich zentrales, systemrelevantes Modul anerkannt. Leistungserbringer, die davon auszugehen haben, dass die ePA kein verlässliches und vollständiges Datenkompendium beinhaltet, werden die ePA noch nicht einmal lesen. Sie werden sich weiter in von der Herstellerwirtschaft offerierten Insellösungen bewegen, in den eigenen Praxis-Management-Systemen, in Cloud-Lösungen der Kliniken und in wettbewerbsgeeigneten Datenverbünden. Eine ePA, die keine sichere Informationsbasis anbietet, weil der Patient redaktionell Änderungen bewirkt und die Kostenträgerwirtschaft mit komplex wettbewerbsorientierten, verschiedenen Designs diese ePA als Litfasssäule ihrer digitalen Kompetenz präsentiert, wird nicht ins Laufen kommen. Der Minister setzt nachvollziehbar auf die digitale Identität als Recht eines jeden Bürgers von Geburt an, die als Grundlage für alle Lebensbereiche anzusehen ist. Jeder Bürger hat eine Steuer-ID, von Geburt an. Was spricht dagegen, dass jeder Bürger eine digitale Identität erhält und damit eine „eineindeutige“ Zuordnung möglich ist? Wir können, so der Minister, nicht mehr auf den Letzten warten. Beim Thema Gesundheit darf Deutschland nicht weiter in Abhängigkeiten von China und USA geraten, die bereits seit Jahren die alleinige Hoheit über die Benutzeroberflächen der Endgeräte inne haben. Die ePA muss jetzt und sofort ins Laufen kommen. Herr Prof. Gerlach wies darauf hin, dass die Gesellschaft mit „Restrisiken“ leben muss. In der digitalen Welt muss man - wie auch in der analogen Welt - Restrisiken eingehen. Das Strafrecht muss verschärft werden, um Missbrauch im Umgang mit Gesundheitsdaten zu verhindern. Übertritte müssen hart verfolgt werden, um Trust in Design zu schaffen. Wir müssen zu Ergebnissen kommen und dürfen uns nicht mit Datenschutzfragen selbst blockieren. 100%-ige Sicherheit gibt es nicht. Der Minister brachte es auf den Punkt: wenn der von Bauchschmerzen geplagte Patient vor dem Schild am Haus des Dr. ABC steht, glaubt er diesem Schild das für ihn ein „Trust“-Design verkörpert. Kein einziger Patient käme auf die Idee, dass dieses Emaile-Schild an der Hauswand ein Autentizitätsrisiko darstellen könnte und die Lebenswirklichkeit rechtfertigt das Vertrauen in die Praxisschilder regelmässig. In der Arztpraxis dann angekommen, wird jedoch alles bezweifelt: ob die Computeranlage zertifiziert ist, ob Sicherheits-Updates installiert sind, ob die Passwörter sicher sind, ob die Sprechstundenhilfe zu viel sieht und so fort. Dass der Patient wegen Bauchschmerzen zum Arzt geht, wird gerne vergessen. Wir sorgen uns mehr um die Datensicherheit, als um die Patientensicherheit. Dieses Defizit muss überwunden werden. Informationskampagnen müssen Interesse beim Patienten bewirken, sich mit den neuen Modulen zu beschäftigen. Im Finanzsektor hat das geklappt, wenn auch langsam und spät, inzwischen nimmt nahezu jeder Konsument am Online-Banking teil. Jeder Steuerpflichtige reicht seine Steuererklärungen online an die Behörden ein. Das alles geschieht heute selbstverständlich und bedenkenfrei. Es muss für die digitalen Module im Gesundheitswesen eine breit angelegte Image-Kampagne in den Markt installiert werden, um binnen kürzester Zeit jeden Bürger zu erreichen. Ein Gesundheitsdatennutzungsgesetz wäre eine denkbare Option. Der Minister würde das unterstützen. Ziel muss ein allgemein gültiger, allgemein verständlicher Kontext sein. Die ePA, das eRezept und die anderen Module müssen kostenträgerübergreifend gleiche Designs verkörpern. Eine heutige AU-Bescheinigung ist auch von Krankenkasse zu Krankenkasse und von Arztpraxis zu Arztpraxis gleich, ein Rezeptformular, eine Überweisung, eine Krankenhauseinweisung und so fort. Die ePA muss einen klaren, verlässlichen, einfachen und damit allseits einen Nutzen stiftenden Charakter haben. Dann wird es denkbar erscheinen, den annähernd 15.jährigen Rückstand in der Bundesrepublik Deutschland zeitnah aufzuholen. J.M.Mielert
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Schreibe gerne einen Extrakt zum Stand der Pharma Therapie. Wer macht mit?

https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)00218-X/fulltext?dgcid=raven_jbs_etoc_email

Es wäre für DOPANET Ehre und Verpflichtung, bei der Benennung von Subtypen der Parkinson-Krankheit einen Input liefern zu können. Ebenso, wie die Ursachen und vor allem die klinischen Erscheinungsformen von Patient zu Patient unterschiedlich sein können, muss auch die exakte Benennung des jeweiligen Erkrankungsbildes unterschiedlich sein. Das ist selbsterklärend, jedoch bezeichnenderweise noch nicht so geschehen, dass verschiedene Subtypen der Krankheit in jeweils zuordnungsfähigen ICD-10-Codes münden, um dann verifiziert und von Anfang an konsequent therapiert zu werden. Prof. Schmidt will an dieser ungelösten Problematik arbeiten. Es wäre ganz großartig, wenn wir das unterstützen dürfen und in diesem Sinne die bei LANCET publizierte Artikel-Serie inhaltlich Vervollständigung erfahren würde.
Danke. Nicht nur Subtypen, sondern Ursachen. Parkinson war ein Arzt, keine Krankheit. Parkinson ist ein Sammelbegriff und muss dringend in verschiedene Krankheits-Ursachen aufgesplittert werden. Wie andere Erkrankungen auch, z. B. Asthma.