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SIETAR Deutschland e.V. - Austausch für erfolgreiche interkulturelle Zusammenarbeit

Die größte Organisation für Personen im Beruf der interkulturellen Zusammenarbeit. http://tinyurl.com/sietar-deutschland

Adel Yusuf Warum ist Integration ein schwieriger Prozess und dafür Sprache, Arbeit u.Ä. nicht ausreichen?
Integration ist ein schwieriger Prozess.
Auch wenn man Wohnung und Arbeit findet, die deutsche Sprache beherrscht und seine Kinder in der Schule Platz haben u.Ä. zeigen unsere bisherigen Erfahrungen, dass Integration immer noch mit vielen Herausforderungen verbunden ist.
Mit Flüchtlingen stehen wir vor noch schwierigeren Situation: wir sprechen hier von der Integration zu 60% traumatisierter Menschen.
Was haben wir bisher in der Integrationsarbeit und -debatte vernachlässigt?
Warum sind Migranten und Deutsche so unterschiedlich?
Worin unterscheiden sie sich und wie können wir mit diesen Unterschieden komeptent umgehen?
Was macht die Integrationserfahrung mit der Persönlichkeit und Integrationsfähigkeit bzw - motivation eines Menschen?
Welche Ängste lösen Migranten und Einheimische bei eiander aus und deshalb Parallelgesellschaften enstehen?
Integration und Migration ist Vorteil für Migranten/Flüchtlinge und für die Menschen aus der Aufnahmekultur. Wie können wir diese Perspektive etablieren, anstelle nur auf Nachteile, Konflikte, Mängel hinzuschauen?
Interkulturelle Kompetenz &
Diversitätsbewusstsein
A - Für Fachkräfte und Ehrenamtliche, die mit Flüchtlingen und Migranten arbeiten
B- Für Flüchtlinge und Migranten (was oft übersehen wird)
1- „Warum sind wir so unterschiedlich“ und wie können wir einander verstehen?
1.1.: Staat als Feind versus Vater-Staat: Misstrauen gegenüber Behörden
Die meisten Flüchtlinge kommen aus Staaten, in denen es noch keine Demokratie, Schutz der Menschenrechte und soziale Leistungen gibt. In Kriegssituationen stellt sich der Staat sogar als Feind gegenüber seinen Bürgern, die er ausbeutet, unterdruckt, foltert, tötet und ihr ganzes Eigentum oder Familie zu zerstören bereit ist.
In solchen Staaten, die hauptsächlich in südöstlichen Ländern der Welt zu finden sind (vgl. Kulturvergleichende Psychologische Untersuchungen; u.a. Yusuf 2012), lebt der Mensch seit seiner Geburt in Angst vor dem „korrupten“ Staat, dessen Behörden er deshalb betrügen, stehlen und ausnutzen möchte. So wie der Staat es mit seinen Bürgern macht. Deshalb sind auch Bestechungen und Korruption Alltag.
Darüber hinaus gibt es in diesen Ländern kaum soziale Leistungen: es gibt keinen Jobcenter, kein Arbeitsamt, keine Rente, keine Krankenversicherung, kein Bafög u.Ä.
Dagegen leben die Menschen in nordwestlichen Kulturen (europäische, nordamerikanische Ländern, sowie Australien und Neuseeland) überwiegend in demokratischen, Menschenrecht schützenden und sozialen Staaten. In diesem Staat sind die Rechte und Pflichten der Bürger, sowie der Behörden im Gesetzt verankert. In der Regel leben die Menschen hier nicht mit Angst vor dem Staat, sondern betrachten ihn als „Vater Staat“, der für ihre wichtigsten Sicherheiten (gesundheitlich, finanziell und oft sozial) sorgt. In diesem Staat gibt es Gesundheitsversorgung und -versicherung für alle Bürger, es gibt Arbeitsamt und Jobcenter, es gibt Sozialamt und v.a. Eine Rente, die dem Menschen ein würdiges Leben im späteren Alter garantieren sollte (auch wenn wir noch darüber viel debattieren, stellt keiner das Recht auf Rente in Frage).
Viele Migranten und insbesondere Kriegsflüchtlinge kommen also nach Deutschland mit der Erfahrung, dass der Staat und die meisten Organisationen oder Unternehmen Feinde sein können. Sie glauben nicht, bzw. haben keine Erfahrung damit, dass Organisationen, Unternehmen, Jobcenter, Arbeitsamt, Schulamt und andere Behörden entsprechend bestimmten Rechten und Gesetzen sie beschützen, helfen, oder fördern wollen.
Sicherlich haben Sie oft diese Erfahrung gemacht, dass Migranten und Flüchtlinge Ihnen nicht vertrauen.
Bisherige Integrationsansätze, sei es auf dem Arbeitsmarkt oder Gesellschaft, vernachlässigen diese Erfahrungen. So gibt es keine Kurse/Seminare für Migranten und Flüchtlinge, damit sie Vertrauen in das neue System in Deutschland aufbauen. V.a. fehlen hier Ansätze, die den Sinn für das demokratische und soziale system vermitteln, damit Akzeptanz und Sicherheit hergestellt wird.
1.2.: Lebenslange Abhängigkeit von der Familie als Norm/Glückszustand - versus- Unabhängigkeit des Individuums als Norm/Glückszustand
Dadurch, dass der Staat in den meisten südöstlichen Kulturen keine Demokratie erlaubt, keine Menschenrechte schützt, und keine sozialen Leistungen gibt, übernahm die Familie und insbesondere die Großfamilie in diesen Kulturen die sicherheitsstiftende Rolle im Leben des Individuums: sie löst Konflikte, sie Gibt finanzielle Hilfe, wo es nötig ist, sie vermittelt Arbeit, sie bezahlt die Kosten für die Schule oder Ausbildung, sie baut das Haus, sie garantiert die „Rente“ für ihre Mitglieder usw.
Dafür verlang die Großfamilie jedoch eine lebenslange Abhängigkeit zwischen ihren Mitgliedern.
So wie Erwachsene den Kindern geben, geben die heranwachsenden Kinder später ihren Eltern, wenn diese älter und schwach werden (Rente). Die Großfamilie unterstützt also Lebenslang in emotionalen, sozialen und finanziellen Angelegenheiten.
Daher gilt in diesen Kulturen die Abhängigkeit des Menschen von Anderen als Norm und als gesunder, angebrachter und sogar geförderter Zustand. Glücklich sind diejenigen, die diese Abhängigkeit akzeptieren und mit ihr gut leben. Nachteil davon ist, dass der Mensch nicht autonom wird, wie in westlichen Kultur.
In den letztgenannten Kulturen dagegen erlaubte der demokratische, Menschenrechte schützende und soziale Staat, dass die Menschen voneinander unabhängig wurden. In Deutschland gilt daher als eins der wichtigsten Sozialisationsziele aller Menschen, dass sie sich zu unabhängigen und autonomen Individuen entwickeln.
Diese unterschiedlichen Lebensgestaltungen führten zu umfassenden Unterschieden im Denken, Fühlen und Handeln der Menschen in diesen Kulturkreisen.
Während in der einen Kultur die Gleichheit Aller als Norm gilt, gehört Hierarchie und Ungleichheit der Menschen in Beziehungen in der anderen Kultur als angebracht. Während die Menschen in einer Kultur die schriftliche Mitteilung als wichtig betrachten und ernst nehmen, nehmen die Menschen aus der anderen Kultur eher die verbale Mitteilung (weil sie persönlich ist) ernst und schriftliche unernst wahr (bspw. warum viele Flüchtlinge Migranten den Inhalt von Briefen nicht ernst nehmen). Ebenfalls gilt auch „Nein“ zu sagen in einer Kultur als angebracht und normal, während in der anderen Kultur dies verboten ist: man sagt ja, um die Harmonie zum Anderen zu bewahren, aber meint es nicht. Ebenfalls wird in einer Kultur von Menschen erwartet, dass sie selbständig und autonom Entscheidungen treffen, während in der anderen erwartet wird, dass der Mensch Anweisungen befolgt.
Solche Unterschiede, von denen hier nur paar Beispiele genannt wurden, spüren Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in ihrer Interaktion oder in ihrem Leben miteinander täglich. Doch wenigen ist es bewusst, warum wir uns so unterschiedlich entwickelt haben und in welchen Punkten/Aspekten. Ebenfalls erfordern die zahlreichen Unterschiede (die ich in Seminaren darstelle) von Einheimischen und Flüchtlingen/Migranten neue Kompetenzen, damit wir gut miteinander leben können.
1.3.: Integration ist deshalb schwierig: weil ein Migrant sich von einer lebenslang abhängigen Person zu einer lebenslang unabhängigen Person entwickeln sollte: also zum Gegenteil. Ist das möglich und wie?
Auch nach 60 Jahren Integration haben wir noch Parallelgesellschaften, und obwohl viele Migranten und Flüchtlinge schon Arbeit gefunden haben und die deutsche Sprache beherrschen.
Nach meinen langen Erfahrungen liegt dies, wie oben beschreiben wurde, nicht nur daran, dass wir einander noch nicht genug verstehen, über einander nicht genug wissen und deshalb die Lebensform des anderen noch nicht wertschätzen, sondern und v.a. daran, dass unsere Erwartungen, wie schnell und in welcher Form ein gelungener Integrationsprozess realisierbar ist, falsch und unrealistisch sind.
Enttäuschungen, Hass, Ratlosigkeit, Parallelgesellschaften usw. sind nach meinen Erfahrungen ein Resultat davon, dass wir falsche Erwartungen in Bezug auf die Form der Integration und die Zeit, die man dafür braucht, um sich zu integrieren, haben.
Die Erwartungen von Flüchtlingen und Migranten in Deutschland werden von der Mehrheit nicht erfüllt. Weil sie falsche und unrealistische Erwartungen haben.
Ebenfalls sind die Erwartungen und Wünsche der Aufnahmekultur an Migranten nicht real und unerfüllbar?
1.4.: Interkulturelle Kompetenztrainings sollten auch Flüchtlinge/Migranten erhalten:
Der Inhalt von Integrationskursen von BAMF berücksichtigt die o.g. Aspekte nicht!
Nach meinen Beobachtungen werden interkulturelle Kompetenztrainings für einheimische Fachkräfte und Personen angeboten. Jedoch brauchen Migranten und Flüchtlingen ebenfalls interkulturelle Kompetenz, weil sie hier leben und es dringend benötigen, die Menschen in Deutschland zu verstehen.
Auch sie brauchen die o.g. Aspekte zu verarbeiten und neue Kompetenzen zu erwerben, wie sie konstruktiv mit Menschen und Behörden in Deutschland umgehen können.
1.5 Traumatisierte Flüchtlinge:
Nach Angaben des Psychotherapeuten-Kammers sind über 50% der Flüchtlinge traumatisiert. Die eigentliche Zahl kann großer sein, wenn man bedenkt, dass Kinder traumatisierter Eltern das Trauma übertragen erhalten.
Doch es fehlen Therapieplätze für sie und v.a. arabischsprachige Therapeuten. Auch Therapeuten, die sich mit der kulturvergleichenden Psychologie gut auskennen, fehlen.
All diese Aspekte gehören zur Integration. Wie können wir es schaffen, dass die Menschen diesen Prozess erfolgreich realisieren? Wie könne wir Menschen aus innerer Motivation dazu fördern, wohlwollend und respektvoll auf einander zu gehen? Wie schaffen wir eine innere Veränderung über interkulturelles Leben mit einander von "negativ" zu "positiv"?
Bei Interesse stehe ich gern für Beratung/Seminare/Vorträge zur Verfügung.
Gary Thomas
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Kinga Bogyó-Löffler 6.12.2018, Berlin: Mehrwert Vielfalt! Werkstatt-Veranstaltung zu Interkultur und Vielfalt im Betrieb
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleg*innen,
gerne möchten wir Sie auf die in Kooperation von der IQ Fachstelle Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung, der DIHK-Initiative „NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ und dem IQ Landesnetzwerk Berlin durchgeführte Werkstatt-Veranstaltung „MEHRWERT VIELFALT! FACHKRÄFTE MIT MIGRATIONSHINTERGRUND UND GEFLÜCHTETE ERFOLGREICH GEWINNEN UND BETRIEBLICH INTEGRIEREN“ hinweisen.
Datum und Zeit: Donnerstag, 6.12.2018, 12:00 – 17:30
Veranstaltungsort: Hotel Berlin I Lützowplatz 17 I 10785 Berlin
Der demografische Wandel und der wachsende Fachkräftebedarf stellen immer mehr kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vor neue personalpolitische Herausforderungen. Um Fachkräfteengpässe zu verringern, setzen immer mehr Unternehmen auf Fachkräfte mit Migrationsgeschichte, Geflüchtete oder aus dem internationalen Ausland.
Zentrale Fragen sind dabei:
• Wie können wir mit unseren Stellenausschreibungen verstärkt auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Migrationsgeschichte, Geflüchtete oder aus dem internationalen Ausland erreichen?
• Wie können wir mit dem Thema „Deutsch im Betrieb“ kompetent umgehen?
• Wie können wir eine betriebliche Willkommenskultur so gestalten, dass auch die bisherige Belegschaft gut mitgenommen wird?
• Und was für einen Aufwand und Kosten bedeutet das?
Die KMU-Werkstattveranstaltung wird dazu passende Antworten geben. In der Zusammenarbeit mit Unternehmen erfahrene Expertinnen und Experten aus dem Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“, der DIHK-Initiative „NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ und BQN Berlin vermitteln in kurzen Inputs und zwei Runden praxisorientierter Workshops eine Vielzahl konkreter Instrumente, Strategien und Wissen zur erfolgreichen Umsetzung im eigenen betrieblichen Alltag.
Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an Geschäftsführungen und Personalverantwortliche von Unternehmen, Multiplikatoren und Arbeitsmarktakteure im Themenfeld sowie die interessierte Fachöffentlichkeit.
Weitere Informationen zum Programm sowie zum Veranstaltungsort entnehmen Sie bitte dem Veranstaltungsflyer: https://www.netzwerk-iq.de/vielfalt-gestalten/fachstelle-interkulturelle-kompetenzentwicklung-und-antidiskriminierung/aktuelles.html
Wir bitten um Anmeldung bis spätestens 3. Dezember 2018 per Mail, Telefon oder Fax an: IQ Fachstelle Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung (VIA Bayern e.V.)
E-Mail: werkstatt2018@via-bayern.de
Tel.: 089 – 4190 2734
Fax: 089 – 4190 2727
Bitte nennen Sie uns zur besseren Koordinierung die beiden Workshops, die Sie gerne besuchen möchten.
Wir würden uns freuen, Sie bei der Werkstatt-Veranstaltung „Mehrwert Vielfalt“ am 6.12.2018 begrüssen zu können!
Schöne Grüsse
Dr. Kinga Bogyó-Löffler
Anja Siouda Neuerscheinung Interkulturelle Trilogie!
Seit kurzem im internationalen Buchhandel erhältlich: Interkulturelle Trilogie! Es geht um aktuelle Themen wie Zwangsprostitution, Migration, Homosexualität, Emanzipation und (sexuelle) Selbstbestimmung in der arabischen Welt und in Europa. Schauplätze Nordafrika und Innerschweiz.
Als E-Book und als traditionelles Buch auf Papier!
Leser- und Pressestimmen, Hör- und Lesproben siehe http://www.anjasiouda.com
Nur für XING Mitglieder sichtbar Buchtipp: Erin Meyer, Die Culture Map
Kerstin Brandes
Ich teile Ihre positive Bewertung voll und ganz. Mein Buch ist mindestens ebenso vielen Reitern versehen, weil ich es auch für eines der besten Bücher halte, wenn es um interkulturelle Kompetenz im Business geht.
Gerhard Hain FIRST STEPS INS AUSLAND - Mitarbeiterentsendung auch für den Mittelstand am 20.11.2018 in Regensburg
Was ist wichtig für das Unternehmen, für die/den MitarbeiterIn und last but not least: für die mitausreisende Familie? Wir laden Sie ein, diese Fragen mit uns gemeinsam zu diskutieren. Lassen Sie sich diesen spannenden INTERCHANGE Evening nicht entgehen und erfahren Sie, wie in Ihrem Unternehmen Personalentwicklungsmaßnahmen unter Berücksichtigung kultureller Einflussfaktoren praxisorientiert entwickelt werden können.
https://www.ticommunication.eu/aktuelles/interchange

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