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Mag. Petra Wimmer, MAS
Berufstätigkeit:
Seit 10/2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Donau-Universität Krems, Lehrgangsleitung „Wissensmanagement MSc“, „Strategisches Informationsmanagement MSc“, „Information Science MSc“(vormals „Bibliotheks- und Informationsmanagement“) sowie „Integrated Management Systems MBA“. Lehrtätigkeit im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens sowie des Wissens- und Informationsmanagements.
Davor: Wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem Bildungsforschungsinstitut, empirische Studien im Hochschul- und Fachhochschulsektor bzw. in der Erwachsenenbildung. Koordinationstätigkeiten für den Auf- und Ausbau des niederösterreichischen Fachhochschulwesens.
Ausbildung:
Diplomstudium der Soziologie (sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Studienzweig)
Master-Studium Telematik-Management.
Lehrgang für systemisches Coaching (in Ausbildung)
Martina Koch
Hallo liebe Petra!
Freu mich, dich hier in der "Wissenspartnerschaft"-Gruppe begrüßen zu dürfen!
Bestimmt sind viele der hier angeführten Themen auch bei dir und deinen KollegInnen aktuell - sei es Wissensarbeit, Wissen und Sicherheit und so weiter. Gibt es vielleicht noch Themen, die hier noch nicht aufgegriffen sind und deiner Meinung nach fehlen?
Liebe Grüße,
Tina
Martina Koch Wissen und Gesundheit oder doch eher Wissen und Krankheit??
Beim einfachen Drauf-los-Denken zu dem Thema hat es mich gleich in die Richtung „Wer muss was wissen“ verschlagen:
Patienten
• Wissen sie wo sie wann, welche Hilfe bekommen?
• Wissen sie ab wann sie „krank“ sind und wer zuständig ist im speziellen Fall?
• Wissen um Gesundheit und erhaltende Maßnahmen
• Wissen um die Wirkung und Wechselwirkung von Medikamenten und Behandlungen
– oder dem Arzt “ausgeliefert” sein
Multiprofessionelles Team (Ärzte, Pflege, Therapeuten, Sozialarbeiter,…)
• Fachwissen
• Weiterbildung
• Forschung und Wissen um Forschungsergebnisse
• Wissen über Patienten und deren Umfeld/ Vorgeschichte/ Ziele
• Wissensaustausch interdisziplinär
• Wissen um Behandlungsmethoden (nicht nur um Medikamente)
• Wissen um Kommunikation und Interaktion mit Menschen
• Wissen um Behandlungsziele und die Mittel, um diese zu erreichen
• Wissen um Kosten und Kostenübernahme von Behandlungen
• Schnittstelle und Beratung für Angehörige
Krankenkassen
• Informieren der Patienten und Ärzte über Leistungen und Nicht-Leistungen
• Verständliches Kommunizieren der Angebote
• Wissen um Zuständigkeiten
• Transparente Prozesse zur leichteren Orientierung für die Kunden
Angehörige
• Wissen um Zustand des Patienten, Entstehungsgeschichte - Fremdanamnese
• Wissen um Zuständige und Ansprechpartner für Patienten und für sich selbst
• Wissen um eigene Möglichkeiten (Selbsthilfegruppen, Übernahme/ Abgabe von Verantwortung)
Es scheinen in dem System alle beteiligten Gruppen jeweils Wissen zu haben, dass eine andere Gruppe benötigt. Wie wird also mit dieser Weitergabe des Wissens umgegangen? Gibt es im „Gesundheitsalltag“ genügend Ressourcen und auch Bewusstsein, dass ein erfolgreicher Wissensaustausch geschehen kann/ muss?
Wie ist das mit dem Wissensaustausch im Bezug auf die Schweigepflicht und die digitale Krankenakte? Hier kommen Sicherheitsfragen dazu.
Welche Rolle spielt eigentlich die Politik?
Beim Weiter-Denken fällt mir auf, dass ich mich bisher mit Wissen und Krankheit beschäftigt habe. Das ist aber nicht Ziel dieses Forums. Was ist also mit Wissen und Gesundheit?
Was Gesundheit ist, definiert die WHO wie folgt: “Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.”
„Complete physical, mental and social well-being”? – ist dann wirklich irgendein Mensch an jedem Tag der Woche tatsächlich gesund?? Wo ist da wieder die Grenze zwischen Gesundheit und zum Beispiel dem typischen „Wiener-Sudern“ (=maulen, meckern der Wiener, das nur zu gut jeden Montagmorgen in der U-Bahn beobachtet werden kann)?
Was tun wir für unsere Gesundheit?
Hier müssen wir Themen wie Ernährung, Sport, Ergonomie (zu Hause und am Arbeitsplatz -> brauchen Wissensarbeiter anderes gestaltete (Wissens-)Arbeitsräume?), soziale Interaktion, Bedürfnisbefriedigung (Schlaf, Zuwendung,…) und so weiter mit bedenken.
Bestimmt gibt es noch weitere Gebiete, die für das Thema unerlässlich sind. Welche? Und wenn das Thema so riesig ist, nach welchen Kategorien/ Kriterien könnte man es wieder eingrenzen?
Bin gespannt, was ihr dazu meint und bitte einerseits um Erweiterung aber auch gleichzeitig um Möglichkeiten der Eingrenzung des Themas.
Vielen lieben Dank und groetjes,
Tina
Manfred Kofranek Politische Steuerung von Wissensarbeit
Der aktuelle Rechtsrahmen für die Gestaltung von Arbeit stellt auf eine fordistische Arbeitswelt auf Basis des bestimmenden Vertragsverhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ab. Beide Seiten werden von etablierten Interessenvertretungen vertreten, die zur eigenen Legitimierung die herkömmlichen Strukturen verteidigen müssen. Der zunehmende Bedarf nach Wissensarbeit erfordert eine grundsätzliche Neugestaltung der politischen Steuerung von Wissensarbeit.
Die zunehmende Abhängigkeit der Auftraggeber vom informellen Wissen der Beschäftigten führt zu einer grundsätzlichen Umgestaltung der Arbeitswelt. Die bisher langfristigen und exklusiven Dienstverhältnisse werden zunehmend von temporären und flexiblen Vertragsverhältnissen abgelöst. Dazu trägt auf Seiten der Unternehmen die zunehmende Virtualisierung bei, wo nur noch wenige Kernkompetenzen vom Stammpersonal wahr genommen werden. Das hat auch einen steigendem Bedarf nach hoch qualifizierten wissensbasierten Arbeiten zur Folge, während die Nachfrage nach mittleren Qualifikationen sinkt. Längerfristig ergibt sich eine Zweiteilung des Arbeitsmarktes in einen hoch qualifizierten Sektor und einen Bereich von einfachen Dienstleistungsberufen.
Die WissensarbeiterInnen finden kaum Arbeitgeber, die den hohen Grad an Spezialisierung in vollem Umfang benötigen und die zusätzlich die nötigen Freiräume für selbständiges Arbeiten und für Weiterbildung gewähren. Nicht exklusive Auftragsverhältnisse mit einer begrenzten Anzahl von Auftraggebern sichern die inhaltliche Autonomie und begrenzen gleichzeitig das wirtschaftliche Risiko. Die bessere Möglichkeit zur beruflichen Selbstverwirklichung ist vielen Betroffenen wichtiger als die Nachteile aus der mangelnden sozialen Absicherung.
Der Rechtsrahmen muss den geänderten Anforderungen einer postfordistischen Arbeitswelt, bei dem das langjährige Vollzeitarbeitsverhältnis zur Ausnahme wird, Rechnung tragen. Bei der nötigen grundsätzlichen Neuordnung muss die strenge Dichotomie von (kapitalistischem) Arbeitgeber und (sinnentfremdet tätigen) Arbeitnehmer von einem umfassenden Verständnis von Erwerbsarbeit abgelöst werden. Sozialer und arbeitsrechtlicher Schutz sind nicht länger an ein Vertragsverhältnis gebunden sondern gelten für jede Form von Erwerbstätigkeit. Das Vertragsverhältnis selbst regelt – innerhalb der generellen gesetzlichen oder kollektivvertraglichen Bestimmungen – nur noch Leistung und Gegenleistung.
Manfred Kofranek Entwicklung wissensbasierter Märkte
Die Verwertungsbedingungen von Wissensarbeit werden primär durch die Bedingungen am Markt determiniert. Eine wesentliche politische Herausforderung besteht daher in der Steuerung dessen Entwicklung.
Die Wertschätzung für Wissensarbeit entspricht in Österreich kaum dem realen ökonomischen Stellenwert in einer globalisierten Wirtschaft. Die sozialpolitischen Systeme belohnen derzeit Normalarbeitsverhältnisse überproportional im Vergleich zu atypischen Tätigkeiten wie Sozial- oder Wissensarbeit. In Zukunft sollte daher ein differenzierteres politisches Verständnis von Erwerbsarbeit dazu führen, dass diese Arbeitsformen an Wert gewinnen.
Der klassische Arbeitsmarkt verliert in Zukunft für den Erwerb von Wissen an Bedeutung. Die Tauschrelation Zeit gegen Geld kann in Bezug auf Wissensarbeit nicht funktionieren und wird zunehmend durch die Vereinbarung einer Dienstleistung ersetzt. Der Wissensarbeiterin steht dann nicht mehr ein Arbeitgeber sondern ein Kunde als vertragliches Gegenüber entgegen. Daneben werden weitere Märkte für die Erbringer dieser Leistungen relevant, Märkte an denen Ausbildungen, Idee oder Kooperationen als Basiswissen erworben werden kann. Diese Märkte müssen einer Regulierung unterworfen werden, die den gesellschaftlichen Nutzen der Wissensarbeit über das private Interesse stellt.
Der Begriff des "geistigen Eigentums" wird missbraucht um die Verwertungsinteressen großer Unternehmen zu unterstützen. Die Produzenten dieses Wissens gehen dabei aber oftmals leer aus. Wissen ist ein Gemeingut unserer Ökonomie und braucht daher den freien Zugang aller, aber auch einen gerechten Lohn für seine Hersteller.
Durch massive Förderungen der öffentlichen Hand werden derzeit bestimmte Arbeits- und Organisationsformen gegenüber anderen bevorzugt. Wissensarbeit zählt nicht dazu. Der Hauptteil der Wertschöpfung in einem Land mit kleinteiliger Wirtschaft wie Österreich erfolgt nicht in der Großindustrie oder der Landwirtschaft, obwohl diese am meisten von Förderungen profitieren. Die Vergabe von Mitteln sollte sich vielmehr einerseits am Beitrag eines Vorhabens zur Entwicklung des Gemeinguts Wissen, andererseits an den Beteiligten orientieren, wobei eine Verschiebung von Mitteln zu wissensbasierten Dienstleistern anzustreben wäre.
Auch die Auftragsvergabe der öffentlichen Stellen hat einen wirtschaftspolitischen Lenkungseffekt. Unter dem aktuellen Sparzwang gehen auch diese vermehrt dazu über Vorleistungen ohne Bezahlung von Anbietern einzufordern. Für ein EPU kann dies in den Ruin führen, vor allem weil auch die Chancen, einen derartigen Auftrag zu erhalten aufgrund der Ausschreibungsbedingungen oftmals minimal sind. Hier braucht es ein Umdenken derart, dass sich öffentliche Stellen wieder ihrer umfassenden politischen Bedeutung bewusst werden und nicht primär als Wirtschaftsunternehmen agieren.
Manfred Kofranek Organisationsmodelle für Wissensarbeit
Kann man WissensarbeiterInnen nach den Erkenntnissen bestehender Führungstheorien führen, oder braucht es dafür neue Ansätze? Auf Grundlage der Systemtheorie lassen sich die Zusammenhänge sehr gut verstehen.
Führungskräfte werden künftig in der Rolle des Beraters bzw. systemischen Coaches zu sehen sein, die Netzwerke von WissensarbeiterInnen beobachten und durch Interventionen in dieses System steuernd einwirken. Das Netzwerk bildet ein temporäres Projektteam, das in hohem Maße autonom agiert und vom Berater/Coach nach den Erwartungen des Auftraggebers geführt/gesteuert wird.
Prozesse werden innerhalb des Netzwerkes durch Weitergabe der Rolle des „Teamleaders“ an die jeweils kompetenteste Person für die aktuelle Projektphase effizient am Laufen und dynamisch gehalten.
Gesteuert wird das vorhandene, neu entstehende und zu bewahrende Wissen, durch – den Erwartungen des Auftraggebers entsprechende – mit dem Projektteam ausgehandelte Zieldefinitionen.
Die Übertragung von Verantwortungen an die dafür kompetentesten Personen und eine schriftliche Vereinbarung mit diesen wird wesentlich sein. Ort und Zeit zur Erfüllung der jeweiligen Aufgaben können von den Mitgliedern des Projektteams weitgehend autonom selbst bestimmt werden, Treffen werden vorwiegend in virtuellen Räumen stattfinden. Eine laufende Dokumentation und Diskussion in dafür vorgesehenen Foren ist essenziell für das Überprüfen der Fortschritte der Projekte sowohl durch das Team selbst, als auch durch den Berater.
Bei Erreichung jedes Teilzieles soll eine zusätzliche monetäre Abgeltung erfolgen. Noch bedeutender wird es sein, die individuelle Herausforderung der Mitglieder, durch Zuteilung der richtigen Aufgaben und Übertragung der Verantwortung für deren Umsetzung, anzusprechen. Die Aufgabenstellung muss eine Heraus- und darf keine Überforderung sein.
Um den Wissenstransfer in der Organisation zu fördern, ist das Gestalten von „Wissensräumen“ – sowohl in der baulichen, in der technologischen, als auch der sozialen Architektur der Organisation – essenziell.
Anerkennung erwarten sich WissensarbeiterInnen auch dadurch, dass ihre persönlichen Beiträge zum Ganzen auch als solche erkennbar bleiben. Eine offene Kultur, die es WissensarbeiterInnen ermöglicht, ihre Kompetenzen voll einsetzen und ihre eigene Entwicklung laufend voran treiben zu können, wird diese verstärkt anziehen. Der Lerntrieb ist bei WissensarbeiterInnen in hohem Maße vorhanden, individuelle Unterstützung durch maßgeschneiderte Bildungsangebote und das Gewähren der dafür erforderlichen Freiräume sind notwendig, um den „Wissensdurst“ ausreichend stillen zu können.
Arbeitsrechtlich braucht es für WissensarbeiterInnen ebenfalls neue Rahmenbedingungen. Visionäre Ideen und kreative Phasen richten sich nicht nach vorher definierten Arbeitszeiten bzw. dem Zwang, seine Arbeit nur an einem dafür definierten Ort zu verrichten. So wird von vielen WissensarbeiterInnen das geltende Arbeitszeitengesetz nicht als Schutz, sondern ganz im Gegenteil als Schikane empfunden. Das „Günstigkeitsprinzip“ im Arbeitsrecht führt sich somit ad absurdum, divergiert völlig mit den Interessen von WissensarbeiterInnen. Vertragsklauseln zum Schutz der Organisation führen zu Blockaden im Umgang mit Wissen und zur Entwicklung von Gegenstrategien, um diese Klauseln zu umgehen. Je geringer die Zwänge durch Vertragsbestandteile sind, umso weiter nach außen können sich die Grenzen in den Köpfen der WissensarbeiterInnen verschieben, zum Teil sogar aufheben – „freier werden“ – und damit höhere Leistungen zulassen, ohne zu überfordern.
In kurzlebigen Kooperationen stellt sich zusätzlich die Herausforderung, ein Gefühl von gemeinsamer Identität zu entwickeln. Je höher die Anforderungen an das Projektteam, je stärker die gemeinsame Vision, je vielfältiger die entstehenden Synergien sein werden, umso stärker wird sich auch ein Gemeinschaftsgeist entwickeln. Letztendlich werden die Führungskräfte als Berater/Coach einen sehr großen Einfluss auf die Förderung intrinsischer Motivation sowie eines Gemeinschaftsgefühls haben.

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