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Reinhard Bartsch NEU in Emsdetten
Unsere neue pd Zweigstelle in Emsdetten ist seit dem 2. September am Start.
Ab sofort stehen wir regionalen Unternehmen mit unserem Dienstleistungsportfolio zur Verfügung.
Unser Team vor Ort freut sich auf eine Zusammenarbeit mit Ihnen und sieht Ihrer Anfrage mit gespannter Erwartung entgegen.
Ihr Reinhard Bartsch
pd Personaldienst
Lars Steinig Die Gefährdungsbeurteilung Psyche – Chance oder lästige Pflicht?
Das Arbeitsschutzgesetz ist an dieser Stelle eindeutig. Jeder Arbeitgeber ist angehalten Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen. Seit 2013 ist auch die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung am Arbeitsplatz verpflichtend – und das nicht ohne Grund. Die AU-Tage aufgrund psychischer Belastungen erreichen Spitzenwerte. Das Projekt ´psychische Gesundheit in der Arbeitswelt (psyga)` veröffentlicht zusammengefasst die Entwicklung der letzten Jahre. Psyga ist ein Projekt, gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Kooperation mit dem BKK Dachverband und der Bundesanstalt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz (BAUA) (https://www.psyga.info/psychische-gesundheit/daten-fakten/)
So verzeichnet die Wirtschaft zwar rückläufige Krankheitszahlen, gleichzeitig wird aber ein Wachstum der AU-Tage aufgrund psychischer Belastungen wahrgenommen. Um sich dies zu verdeutlich:
Nur ein paar keine Zahlen.
Der Anteil der Krankschreibungen aufgrund psychischer Belastungen hat sich in den letzten 40 Jahren von 2% auf 16,6% erhöht. (vgl. psyga) Die Dauer der Krankschreibungen ist mit 38,9 Tagen im Schnitt dreimal so lange wie für anderen Erkrankungen (vgl. psyga) und die Krankheitskosten betragen dabei rund 44,4 Milliarden Euro (vgl. psyga) „Psychische Erkrankungen sind außerdem die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Frühberentungen. In den letzten 22 Jahren stieg der Anteil von Personen, die aufgrund seelischer Leiden frühzeitig in Rente gingen, von 18,6 auf 43 Prozent“ (psyga)
Wie Sie sehen, sind psychische Belastungen am Arbeitsplatz nicht ausschließlich ein Privatproblem, sondern betreffen in einem hohen Umfang auch Betriebe und Unternehmen und damit auch die Wirtschaft.
Aktueller Stand – Wie siehts denn mit der Gefährdungsbeurteilung aus?
Das EO-Institut hat bereits 2016 eine Befragung veröffentlicht, die einen Überblick über den Stand der Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung am Arbeitsplatz bietet.
• So geben 27% der Befragten an, sie seien nicht über die gesetzliche Verpflichtung zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung informiert.
• 36% kennen zwar die Verpflichtung, setzen sie aber nicht um.
• 51% der Befragten beschäftigen sich systematisch mit psychischen Belastungen am Arbeitsplatz. (Diese Zahl ist erfreulich)
In der praktischen Umsetzung hält die Studie fest, dass in 38% der Fälle die Gefährdungsbeurteilung bereits durchgeführt wurden. In 28% der Fälle wird sie initiiert durch den Betriebsrat und im größten Teil der Fälle wird die Aufgabe der Fachkraft für Arbeitssicherheit oder der Personalabteilung verantwortet (62%). 36% der Befragten sehen sich mit der Aufgabe eine Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen am Arbeitsplatz durchzuführen überfordert.
Dies ist nur ein Ausschnitt der Studienergebnisse.
Wer sich weiter informieren möchte, findet die Studie über den folgenden Link: https://www.eo-institut.de/wp-content/uploads/2018/04/GB_Studie_2016_EO-Institut.pdf
Was ist denn eigentlich der Inhalt der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz?
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ist Herausgeber eines Handlungsleitfadens. Die Beschreibung der Belastungsfaktoren bei der Arbeit begrenzen sich demnach auf die…
• Arbeitsinhalte/Arbeitsaufgabe
• Der Arbeitsorganisation
• Soziale Beziehungen
• Arbeitsumgebung
Dabei wird der in der Durchführung in der Gefährdungsbeurteilung in der Regel ein Methodenmix eingesetzt. Dieser besteht aus Fragebögen, Interviews, Arbeitslatzbeobachtungen, Gesundheitszirkel oder Workshops. Welche Methoden sinnvoll sind, hängt dabei ganz vom Unternehmen ab. Kleine Unternehmen brauchen andere Methoden als Konzerne und auch die Unterbrechungszeiten im Arbeitsrhythmus sollten beachtet werden. Nach der Festlegung der zu beurteilenden Arbeitsbereiche, der Auswahl der Methode zur Datenerhebung sollten dann im Idealfall passende Maßnahmen abgeleitet werden, die zur Verringerung der psychischen Belastungen führen. Diese Maßnahmen können sowohl personenbezogen oder strukturbezogen sein.
Auch hier gibt es keine Patentrezepte. Die Maßnahmenauswahl und Durchführung ist immer Unternehmensbezogen.
Abgerundet wird die Gefährdungsbeurteilung durch die Evaluation der durchgeführten Maßnahmen und einer entsprechenden Dokumentation. Damit schließt sich der Kreislauf der Gefährdungsbeurteilung der sich dann periodisch wiederholt sollte.
Chance oder Hürde?
Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Möglichkeiten die Gefährdungsbeurteilung Psyche durchzuführen. Im Idealfall folgt sie dem eben beschriebenen Weg. Dies bedeutet, dass die Gefährdungsbeurteilung vor allem eins braucht – nämlich Zeit. Ein guter Kontakt zum Unternehmen und den Mitarbeitern, passgenaue Maßnahmen und der anhaltende Kreislauf von Datenerhebung, Maßnahmenplanung, Durchführung und Evaluation bieten doch eine hohe Qualität. Den anhaltenden Veränderungen, die im Unternehmen und auch außerhalb des Unternehmens zu beobachten sind, kann so Rechnung getragen werden. Ein „Change Management“ fällt so leichter. Ob die Gefährdungsbeurteilung als Chance oder Hürde betrachtet wird, hängt letztendlich von der inneren Haltung des Unternehmens ab. Ist sie lästige Pflicht, stellt sie mit Sicherheit eine Hürde dar, die den Alltag ausbremst. Wird sie aber strukturiert durchgeführt, lassen daraus sehr sinnstiftende Veränderungen ableiten, die dem gesamten Unternehmen Nutzen bringen.
Ich würde mich freuen, wenn auch Sie sich auf den Weg machen.
Lars Steinig

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