Workshop A (vormittags) - Welchen Sichtweisen auf "Wohnen|Leben|Arbeiten" werden die Teilnehmenden auf dem LernOrt Zukunft begegnen? Impulse aus der Praxis von Martin Herrndorf aus Köln ("Tag des guten Lebens" und "Colabor") und von Sabine H. Weineck aus Karlsruhe ("Architektur und Gestaltung"). Moderation: Peter Mlczoch aus Wien (Architektur, Stadterneuerung und Gebietsbetreuung).

>>Hintergrund: Am Samstag 29. April lebt das Zukunftswerkstätten-Jahrestreffens 2017 in besonderer Weise von acht Impulsen zum Thema "Leben Wohnen Arbeiten sinnhaft gestalten". Jeweils zwei Impulsgeber*innen, ein*e Moderator*in und etwa 25 Teilnehmende werden in einem 90-minütigen Workshop zusammenarbeiten, um unterschiedliche Herangehensweisen zu verstehen, miteinander zu vertiefen und nach gemeinsamen Antworten Ausschau zu halten. Hier werden einige Haltungen und Erfahrungen vorab skizziert, um vor Ort eine bewusste Entscheidung treffen zu können zur Teilnahme an zwei (!) der vier Workshops. Workshop A und B finden parallel am Vormittag ab 10:30 Uhr, Workshop C und D parallel am Nachmittag ab 15:00 Uhr statt. Alles wird gemeinsam ab 17:00 Uhr ausgewertet.
Befragt zu seinen Leitlinien, schrieb Martin Herrndorf: Wir müssen konsequent und kleinschrittig die Alternativen ausbauen, die wir als "Bausteine" für das gute Leben und langfristig tragfähige und gerechte Lebensstile brauchen. Diese Schritte müssen konkret, erfahrbar und positiv besetzt sein, sie müssen eine Ermutigungs- und Ermächtigungsgefühl produzieren und die Möglichkeitsräume zu erweitern, gedanklich und physisch. Der "Tag des guten Lebens“ erprobt neue Mobilität und neues Miteinander in einem Stadtteil und fokussiert an einem Tag. Dies rettet die Welt nicht, aber gibt ein Gefühl von Ermutigung und Ermächtigung und neue Möglichkeitsräume.
Befragt zu ihren Leitlinien, schrieb Sabine H. Weineck: Auf der Suche nach neuen Wohnformen haben sich die Wohnprojekte als eine reale Quelle für Vielfalt und Gemeinschaftsleben herausgestellt. Mit einer entwickelten Dialogkultur können die Themen, Nähe und Distanz, privat und öffentlich, Möglichkeiten und Grenzen, gemeinsam erarbeitet und im Vorfeld der Planung verbindlich mit dem gewählten Architekten kommuniziert werden. Dieser Prozess muss moderiert werden. So wird gewährleistet, dass die Ziele tatsächlich in die Ergebnisse des gemeinsam geplanten Gebäudes einfließen und die spätere Raumnutzung und -gestaltung für eine (im besten Fall ungewöhnliche) Umsetzung in der Architektursprache sorgt.
Befragt zu gesellschaflichen und politischen Perspektiven, schrieb Martin Herrndorf: Mittelfristig geht es dann darum, Bausteine und Insellösungen zu verknüpfen, erworbene Fähigkeiten, zum Beispiel in der Selbstorganisation, auf andere Bereiche zu übertragen und die erfolgreich umgesetzten Lösungen als Plattformen für größere Initiativen zu nutzen. Beim Tag des guten Lebens bieten wir zahlreichen Projekten eine Plattform, verknüpfen Anwohner, halten im Nachhinein in den Vierteln den Austausch am Leben. Im Colabor haben wir einen intensiven Austausch mit anderen Unternehmen, mit der Politik etc. Es gibt durchaus Interesse, nach neuen, auch kleinen, Lösungsansätzen sowie nach einer „Ermöglichungskultur“ zu suchen und dies in größere Systemzusammenhänge einzubauen.
Befragt zu gesellschaflichen und politischen Perspektiven, schrieb Sabine H. Weineck: Gesellschaftlich sind wir in der „Ich-Demokratie“ gelandet – müssen jedoch wieder in die „Wir-Demokratie“ zurückfinden, wenn wir in Zukunft weiterhin kulturelle Vielfalt, freies Denken und soziales Handeln als lebenswerte politische Ziele verfolgen wollen. Aus diesem Gedanken heraus beschreiten Wohnprojekte einen Weg, der das Miteinander in den Mittelpunkt des Geschehens stellt, Partizipation als unmittelbares Erleben von Aktivität aufzeigt und das reale „Produkt“ Haus als innovatives Element das Umfeld positiv prägen kann. Gemeinsam ein Haus zu planen und zu bauen hat das Poten­tial, um Eigenschaften wie Verbindlichkeit, Verantwortung und Vertrauen wieder mit Inhalten zu füllen und so­mit einen wertvollen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung zu leisten.

>>Zu welchen Gedanken regt das an? Welche Verbindungen gibt es zu eigenen Beobachtungen und Gefühlen, zum eigenen Handeln? Ich lade herzlich ein, sich in die Themen zu vertiefen, Kommentare zu hinterlassen und eigene Anknüpfungen zu ergänzen.
Mehr zu Martin Herrndorf, dem Tag des guten Lebens und dem Colabor Raum für Nachhaltigkeit: http://www.colabor-koeln.de und http://www.tagdesgutenlebens.de
Mehr zu Sabine H. Weineck und ihrem Büro "Archtiktur und Gestaltung": http://www.architekturundgestaltung.de
Mehr zu Peter Mlczoch (Moderator des Workshops A) und seinem Büro "Mann & Mlczoch Architekten": http://www.mann-mlczoch.com
Informationen zu den Workshops B, C und D folgen in Kürze.