Ein freundliches Hallo und Servus in die Gruppe !
Ich (wir) können Euch voller Stolz berichten, dass wir unseren ersten Alpen-X erfolgreich absolviert haben. Um eines vorwegzunehmen: wir können es nur jedem empfehlen der mit diesem Gedanken spielt- es lohnt sich! Und, es ist zu schaffen!
Die Erfahrungen sind so vielfältig und ich könnte wahrscheinlich stundenlang berichten. Ich versuche es mal so kurz wie möglich zu machen:
Tour: Albrecht Route (Garmisch- Torbole)
Dauer unserer Tour: 8 Tage + 2 Tage am Gardasee
Mitfahrer: 3 gute Kumpel
Kilometer: ca. 580
Höhenmeter: ca. 13.500
Verbrannte Kalorien/ Tag im Schnitt: ca. 5000 kcal !!!
Zeitrahmen: 21.07.- 31.08
Anreise : mit dem Zug nach Garmisch (von Schwetzingen)
Rückreise: mit dem Zug ab Rovereto (bis Schwetzingen)
Kosten für die An- und Rückreise komplett/Person:ca. EUR 160,00 (Sparpreise)
Kosten für die Unterkünfte, hier überwiegend Halbpension (alle vorgebucht): ca. EUR 670,00
Kosten für die tägliche Portion(en) Zusatzmampf: ca. EUR 25,00
In Summe kommt man also auf ca. EUR 1.100,00/ Person die man investieren kann.
So weit zu diesen Punkten.
Die Tour (Albrecht Route klassisch) ist normalerweise auf 7 Tage ausgelegt. Da wir aber vorhatten noch die Schlucht bei Val d`Uina anzuschauen, haben wir einen zusätzlich Tag eingeplant. Im Nachinein stellte sich heraus, dass wir den zusätzlichen Tag aber gebraucht haben um die ursprüngliche Tagesetappe zu schaffen und der Besuch der Schlucht viel leider flach.
An dieser Stelle schon mal ein Tipp: Die Fahrzeiten aus den diversen Berichten sind immer im Zusammenhang mit den Fahrern (Anzahl, Leistungsstand, ect.) zu sehen. Wir hatten in der Regel mehr Zeit benötigt. Das mag daran liegen dass wir hin und wieder anhielten um Fotos zu machen oder aber nur um die Landschaft zu genießen oder aber um kleinere defekte an den Rädern zu beheben.
Bei routinierten Alpencrossern sieht das vielleicht anders aus, da sie die Eindrücke schon kennen und sich mehr auf das Fahren konzentrieren. Auch ändern sich die Zeiten vermutlich wenn man nur zu zweit oder gar allein unterwegs ist. Anyway- letztendlich haben uns die 8 Tage ausgereicht.
Die Tour war leider geprägt von viel Regen, teilweise den ganzen Tag lang sodass man in dieser Zeit auch nicht viel von der Landschaft zu sehen bekam. Macht Euch keine Illusionen, selbst mit den teuersten Regenklamotten und den sauteuren Gore Tex Schuhen; nach 3-4 Stunden im Alpen-Regen ist keine Stelle mehr trocken !
Tipp an dieser Stelle: immer trockene Ersatzgarnitur in einer Plastiktüte mitnehmen damit man sich auf dem Pass dann umziehen kann bevor es wieder abwärts geht. Auch das Abwärts ist anders als in unseren heimischen Gefilden- da dauert es vielleicht mal eine halbe bis eine Stunde und man ist wieder unten. Auf unserer Tour dauerte die eine oder andere Abfahrt mehrere Stunden !!! Da kann es ganz schön ungemütlich werden wenn man nichts trockenes anhat.
Und der Regen hat noch einen Nachteil- das Fahren ist um ein vielfaches anstrengender. Aber auf den Tagen mit Regen folgten natürlich auch schöne Tage, die wir dann umso mehr geniesen konnten. Die Tour an sich brachte alle !!!, je nach Tagesform, auch mal ans Limit.
Fahrbar ist, je nach Willen und Kraft, eine Höhe bis ca. 2100-2200 Meter. Danach ist Schluss! Ausnahme der Gaviapass- dort führt eine geteerte Straße hoch.
Ansonsten hatten wir noch zwei 2600er Pässe zu fahren wobei ab ca. 2100 Meter dann Schieben oder sogar Tragen angesagt waren.
Auch das kostet enorm viel Zeit und Kraft. Ich würde sogar behaupten, dass diese Schiebe- und Tragepassagen das Anstrengenste überhaupt waren.
Aber trotz aller Schinderei haben sich alle durchgebissen und wir alle sind immer glücklich oben angekommen. Denn wer oben ist- vergisst die Strapazen im gleichen Augenblick. Was dann kommt, sind grandiose Abfahrten die im oberen Teil äußerst schwierig zu fahren und kräftezeerend sind aber im unteren Teil dann richtig Fun machen. Und die dauern...und dauern....und dauern ...einfach nur geil.
Die Albrecht Route ist für Hobbysportler durchaus machbar. Wir haben selbst keine übertrieben Vorbereitung gemacht und haben einmal zum Testen eine 2 Tagestour mit etwas Gepäck und ungefähr 180km unternommen. Das Fahren auf unserer Haustrecke (Wiesser Stein und Königstuhl) war sowieso immer Bestandteil aber wegen des Alpencrosses haben wir nicht unbedingt extra viel Trainingseinheiten eingebaut. Ich denke wer eine gewisse Grundlagenausdauer hat und Spass am Biken, der kann auch einen Alpencross angehen. Man muss sich nur über eines klar sein: Quälen gehört dazu und eine Umkehr oder Aufgabe sollte man gedanklich im Vorfeld für sich selbst ausschließen.
Die Tagesetappen bewegten sich im Schnitt bei ca. 65-75 km. Das klingt nicht nach besonders viel, aber die Höhenmeter machen den Bock fett.
Wir hatten immer vor, so spätestens gegen 8 Uhr mit der Tagesetappe zu starten. Losgefahren sind wir aber immer nicht vor 09:30 Uhr. Warum?
Das fragt Ihr mal besser unseren Langschläfer.
Das brachte uns ein paar mal in ein echtes Zeitdilemma. Also, schauen dass man rechtzeitig wegkommt. Denn auch wir hatten Defekte und benötigten mal Ersatzteile die wir natürlich nicht dabeihatten und wenn man dann erst gegen 6 oder 7 im Dorf ankommt, haben die Bikeläden schon dicht! Und öffnen tun die erst so gegen 10 Uhr.
Wir hatten GPS, Kartenmaterial und Roadbook dabei und haben auch alles gebraucht ! das GPS hat vereinzelt natürlich komfortabel die Richtung vorgegeben ist aber auch mal wegen Signalverlust mehrere Stunden! ausgefallen. dann kam die Roadbookbeschreibung natürlich ins Spiel. Das Roadbook haben wir auch immer mit den Angaben aus dem GPS vergleichen können was uns eine gewisse zusätzliche Sicherheit gab. Gerade wenn man noch im Tal unterwegs ist hilft das ungemein.
In den Bergen an sich war das Orientieren dann nicht mehr schwierig- die Beschilderung ist ziemlich gut.
Damit ich nicht immer das Roadbook aus dem Rucksack ziehen musste, habe ich mir eine kleiner Halterung gebaut und die Detailroutenbeschreibung raus-, auf eine kleiner Größe kopiert,anschließend einlaminiert und an der Halterung befestigt. Somit konnte ich immer einen Blick während des Fahrens darauf werfen. (siehe Bild). Das war echt hilfreich.
Das Kartenmaterial half uns mal eine Alternativroute wegen Unwetter aufzuzeigen. Aber auch hier haben wir uns trotzdem bei den Einheimischen durchgefragt.
Und noch ein kleiner Tipp wenn man den ganzen Tag im Regen fährt: Es ist verlockend in einer Hütte einzukehren wenn man schon 40 km im Regen hinter sich hat und sich ggf. etwas aufwärmen kann. Fahrt trotzdem weiter !!
Wenn man sich erstmal hinsetzt kommt man nicht mehr auf den Sattel und, die Klamotten trocknen sowieso nicht so schnell. Das ging uns so auf der Etappe von St. Maria nach Grosio. Nach stundenlangem Fahren im Regen kam eine kleine Gaststätte mit warmen Kamin. Zwei andere Biker haben sich entschlossen dort anzuhalten. Wir hatten aber noch ca. 35 km bis Grosio vor uns und mussten uns echt überwinden weiterzufahren. Letztendlich war es für uns die richtige Entscheidung. Wir wären vermutlich nie an diesem Tag angekommen wenn wir dort Rast gemacht hätten.
Ok, ich bin jetzt doch ein wenig ausführlicher geworden, sorry.
Alles in allem war die Entscheidung für die Albrecht Route genau richtig.
Die Eindrücke sind eifach unvergesslich und die Emotionen die erlebt werden unbeschreiblich.
Vorteil beim Vorreservieren der Hotels: man spart sich das lästige Suchen nach einem anstrengenden Tag. Nachteil: Man ist gebunden und muss die Etappe zu Ende fahren. Kann aber auch hier motivierend wirken!
Hadert nicht mit Euch rum was die Vorbereitungen betrifft (Training). Quält Euch nicht mit den Gedanken ob man so etwas schafft oder nicht. Macht es einfach. Es ist zu schaffen.
Ach so, noch etwas: unser Durchschnittsalter beträgt 38 Jahre. Wir sind also auch nicht mehr so frisch wie der Frühling.
Und zum Schluss noch etwas: Lasst es Euch nicht nehmen bei der Ankunft am Gardasee samt Klamotten (ohne Rucksack) in den See zu springen. Das muss einfach!
Ich wünsche Euch dabei viel Spass!!!
Wir hatten Ihn allemal. Und falls Ihr noch fragen zur Tour habt, meldet euch einfach. Ich beantworte sie gerne. Am besten folgende Adresse verwenden:
sn.angermann@t-online.de oder hier über XING-Gruppe.
Liebe Grüße
Swen