Gestern Abend hat der Gesprächskreis „Kommunikation“ der Berliner Wirtschaftsgespräche e.V. zum ersten Werkstattgespräch „Corporate Social Responsibility CSR“ eingeladen. Das Interesse an diesem Thema war bescheiden: 8 Podiumsteilnehmer und 12 Gäste!
Unternehmer von KMUs verweisen gerne bei solchen Zusammenkünften auf die Tradition des „ehrbaren Kaufmanns“, der sie sich, teilweise schon seit Generationen, verpflichtet fühlen. Ich bin allerdings der Meinung, das CSR und der oft zitierte “ehrbare Kaufmann“ grundsätzlich unterschiedliche Ansätze haben.
Während der ehrbare Kaufmann sich aufgrund seiner eigenen Tugend- und Moralvorstellung (und zur Festigung des Rufs des Unternehmens) den Stakeholdern verpflichtet fühlt, dreht sich bei CSR dieses Verhältnis um. Hier ist der Unternehmer den Ethik- und Moralvorstellungen der Stakeholder verpflichtet. Denn sie sind die rechenschaftsfordernde Instanz, für die das Unternehmen Antworten finden muss.
Das heißt CSR bedeutet im besten Falle auch die Bereitschaft, eigene Macht mit Stakeholdern zu teilen und sie in die unternehmerischen Entscheidungsprozess zu involvieren. So ist ein Stakeholder-Dialog, der diese Bereitschaft nicht beinhaltet, reine Makulatur und führt früher oder später nur zu Frustration auf beiden Seiten. Der ehrbare Kaufmann sieht allerdings keine Verschiebung der Machtverhältnisse vor, sondern setzt die eigene Tugend- und Moralvorstellung und damit auch die eigene Vorstellung von Verantwortung a priori.
Wie sehen Sie das? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?