Die hohe Verschuldung und Arbeitslosigkeit bleiben aber weiterhin problematisch. Der montenegrinische Außenhandel ist seit der Unabhängigkeit des Landes defizitär, eine industrielle Basis nur rudimentär vorhanden. Die Importe sind sechs Mal höher als die Exporte mit steigender Tendenz, d.h. die Importe steigen viel stärker als die Exporte, die momentan fast stagnieren. Die Importe werden durch die rege Bautätigkeit im Straßeninfrastrukturbereich und im Tourismus weiter angetrieben. Montenegro hat 2002 den Euro als Währung eingeführt, ohne Teil der Eurozone zu sein. Damit ist das Land bei der Regulierung seiner Kapitalflüsse auf ausländische Investitionen, den Export von Gütern, Einnahmen aus dem Tourismus sowie Überweisungen der montenegrinischen Diaspora angewiesen.
Für eine kleine, offene Volkswirtschaft wie Montenegro sind natürlich Auslandsdirektinvestitionen von großer Bedeutung. Investiert wird vor allem in Immobilienprojekte. Echte Greenfield-Investitionen in Produktion und Industrie sind praktisch nicht vorhanden. Bis vor kurzem gab es auch keine echte Investitionsförderpolitik in Montenegro. Seit 2016 geht man nun andere Wege. Je nach regionaler Lage und Anzahl von neuen Arbeitsplätzen werden diese mit EUR 3. 000 bis 10.000 pro Arbeitsplatz gefördert. Allerdings sind die Direktinvestitionen im vergangenen Jahr wegen Korruption und Nichtdurchsetzung des Rechtsstaates rückläufig. Obwohl Montenegro ein eigenes Programm zur Vergabe von Staatsbürgerschaften an Investoren hat, wird auch für die kommenden Jahre mit einem Rückgang der Direktinvestitionen gerechnet.
Wie in anderen Ländern Südosteuropas stellt auch die im Ausland lebende Diaspora einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Sie erwirtschaftet etwa 10% des BNP. Die montenegrinische Regierung schätzt, dass mit ca. 650.000 Menschen noch einmal so viele Montenegriner im Ausland leben wie in Montenegro selbst. Mit Sorge betrachten internationale Geldgeber die wachsende Staatsverschuldung, die vor allem durch das sogenannte „Jahrhundertprojekt“ (die erste montenegrinische Autobahn vom Adriahafen Bar in Richtung Boljare/serbische Grenze) vorangetrieben wird, auch wenn man die positiven Wachstumsimpulse, die daraus entstehen können, in Betracht zieht. Anfang 2014 wurde ein chinesisches Unternehmen mit dem ersten Bauabschnitt nahe der Hauptstadt beauftragt. Dieser wird größtenteils durch einen Kredit der chinesischen Eximbank finanziert. Tatsächlich besteht beim Ausbau der Infrastruktur großer Bedarf: speziell bei der Erneuerung und dem Ausbau des Straßen- und Eisenbahnnetzes und der Modernisierung des Trinkwasser- und Abwassernetzes hinkt die Entwicklung dem Bedarf vor allem durch den steigenden Tourismus nach.