DFV: eigenes Zertifizierungsverfahren für Experten angedacht

Der Deutsche Franchise-Verband (DFV) wurde 1978 gegründet und versteht sich als Spitzenverband der deutschen Franchise-Wirtschaft. Vor zehn Jahren hatte der DFV mit dem System-Check bereits ein Zertifizierungsverfahren für Franchise-Systeme eingeführt, die Vollmitglied im Verband werden wollen. Jetzt wurde ein eigenes Zertifizierungsverfahren für Franchise-Experten angedacht.

Wie der Verband in seinem Newsletter mitteilt, wurde vor wenigen Tagen der erste Round-Table für mit dem DFV assoziierte Franchise-Berater abgehalten. Im Rahmen des Treffens befassten sich rund 15 Franchise-Berater und aufs Franchising spezialisierte Rechtsanwälte unter anderem mit der Frage, wie jüngere und kleinere Franchisegeber besser im Aufbau unterstützt werden könnten, da viele Franchisegeber in der Anfangsphase unterkapitalisiert seien. Auch die Öffentlichkeit sollte verstärkt über die Gesamtkosten informiert werden, die beim Aufbau eines Franchise-Systems anfallen. Darüber hinaus haben sich die Teilnehmer für ein eigenes DFV-Zertifizierungsverfahren für Franchise-Experten ausgesprochen.

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Was bitte soll es bringen ein eigenes Zertifizierungsverfahren für Experten einzuführen, wenn das Problem eine Unterkapitalisierung der Franchisegeber ist? Wäre es nicht sinnvoller hier einen eigenen Franchise-Fonds zu schaffen um die Finanzierung für erprobte Geschäftsmodelle einfacher zu machen und direkt bei der Finanzierung von Systemen anzusetzen? Hier geht es zur Originalmeldung http://franchise.blog.de/2015/06/16/erster-round-table-berater-dfv-experten-sprechen-eigenes-zertifizierungsverfahren-20553000/
Die Diskussion über den Franchise-Fond ist doch alter Wein in neuen Schläuchen. Ich erinnere an meinen Vortrag auf dem Bonner Tag des Franchiserechts im letzten Jahr - da habe ich konkret die Quellen genannt, aus denen meine Gesellschaft jungen Franchisesystemen Investorenkapital zuführt. Das war ein Bericht aus der Praxis für die Praxis und kein Round-Table-Geplauder. Und der Gedanke, die " Öffentlichkeit verstärkt über die Gesamtkosten " zu informieren ist völlig realitätsfern und schon fast peinlich. Wenn ein seit Jahrzehnten etabliertes Unternehmen sein Filialsystem in ein Franchisesystem wandelt oder ein Industrieunternehmen ein klar definiertes Geschäftsfeld franchisiert sind das völlig andere Voraussetzungen als wenn ein Start-Up sofort als Franchisesystem starten will und damit auch die Kosten. Mir kann auch kein Architekt sagen, was ein Haus kostet. Stadtvilla in München-Grünwald mit 350 qm Wohnfläche ? Fertighaus auf dem flachen Land in Brandenburg mit 120 qm ? Eigenes Grundstück vorhanden oder nicht ? Mal sehen, welche Aufgabe sich der DFV als nächstes stellt.
Danke, Du sprichst mir aus der Seele! Round-Table sind zum plaudern und feiern schön, aber hier sind Macher und Praktiker und keine Berater, Theoretiker oder Anwälte gefragt! Reinhard, wir sollten unsere Idee aus dem vergangenen Jahr nochmal aufgreifen!
Ich kann auch der Gedankenkette Zertifizierung > Experte > Unterkapitalisierung Franchisegeber nicht folgen. - So ich lese 'Start-Up will sofort als Franchisesystem starten' bekomme ich Bauchschmerzen. Wie verhält sich das mit dem Motto des 'etablierten, duplizierbaren Geschäftsmodells' und der 'höheren Wahrscheinlichkeit für einen Franchisenehmer mit einem Franchisesystem erfolgreicher zu sein als mit der Eigengründung'? - Und wer solle aus einem 'Franchise-Fond' nutzen tragen? Eine Unternehmung, die sich nicht oder noch nicht oder nicht mehr selber tragen kann ...? - Beste Grüße, Andreas Boenisch
Hallo Herr Ewald, es ist gut, dass Sie den Link zum ursprünglichen Blog-Beitrag angefügt haben. Denn da wird klar, dass die Themen "FG-Finanzierung" und "Berater-Zertifizierung" zwei komplett unterschiedliche "Paar Schuhe" darstellen. Grüße Torben Brodersen