Die „aut idem“-Regel im Arzneimittelhandel diskreditiert die Expertise von Fachärzten und Therapiezentren, potenziert vorsätzlich den ohnehin bestehenden Pflegenotstand, ist gegenüber Apothekern ungerecht und gegenüber unheilbar Erkrankten und Pflegebedürftigen absolut unzumutbar. Sie widerspricht jedem kalkulierbaren Therapieansatz und überdies auch dem erwartbaren Qualitätsstandard in Deutschland. Gleiches ist nie gleich!
Würde ein Gastronom einen Riesling Hochgewächs anbieten und diesen "aut idem" mit Hinweis auf den "gleichen" 12,5% - Alkoholgehalt und die "gleiche" Wirkweise nach Alkoholgenuss gegen einen billigen "Fensterbank-Fusel" austauschen, würden Verbraucherschutz, Gerichte, Finanzämter und die Presse in Wallung kommen, als habe der arme Wirt den Gast vergiftet.
Im Arzneimittelhandel ist das tragischerweise nicht der Fall. Im Arzneimittelhandel gelten Rabattverträge, deren Wertschöpfungsintensionen den Konsumenten vorsätzlich vorenthalten werden. Das ist skandalös. 90% der bundesdeutschen Patientenschaft hat nie eine Stunde Latein gelernt und versteht die "aut idem"-Regel nicht ansatzweise. Hier müssen Ross und Reiter genannt werden. Das Thema muss auf "Boulevard-Niveau" herunter gebrochen werden.
Es widerspricht jedem denkbaren Kodex ehrbarer Kaufmannschaft, an unheilbar erkrankten, schwer pflegebedürftigen und ahnungslosen Patienten im Wege von Rabattabsprachen Dividenden zu erwirtschaften.
Es ist überdies scheinheilig in der politischen Diskussion, einen Pflegenotstand zu beklagen, der jedoch ganz häufig durch ankündigungslose Präparatewechsel überhaupt erst entsteht.
Ärzte und Kliniken setzen maximales Knowhow und aufwändigste Apparatemedizin ein, um im Ergebnis für Patienten zielführende Medikationspläne zu erstellen. Anschließend kommen dann aber per gesetzlicher Regulation und Definition und regelmässig gegen die Expertise und sogar ohne Wissen der behandelnden Medizinerschaft "Generika" aus Fernost zum Einsatz, die in allererster Linie nicht dem Patienten, sondern den Handelsbilanzen der Kostenträger- und Herstellerwirtschaft dienen. Dieser Impetus ist ethisch unhaltbar.
Es ist das Recht und die Pflicht auch und insbesondere der Akademikerschaft, eine klare und allgemein verständliche Sprache zu wählen: die "aut idem"-Regel bewirkt unverhältnismässige Risiken!