Die kulturelle Schere

Wenn ich mich in den diversen Repräsentationen umschaue, sehe ich einzig Inbetrachtnahmen von Verhältnissen und Ausschnitten, worin elementare Bestandteile gar nicht in Erscheinung treten und somit daraus auch gar nicht das tatsächliche Sein selbst ersichtlich wird. Es wird aus dem jeweiligen Ausschnitt ein Bildnis des Ganzen gebildet. Ich möchte hier einmal diese Gegebenheit veranschaulichen.

Aktuell erfahre ich dies in meiner Beschäftigung mit der Präsenz von Customer Relationship Management (CRM). Hierin werden reine 'Verkaufsdaten' analysiert (Leistungsdaten des Unternehmens), in welcher der Kunde in Person gar nicht in Erscheinung tritt. Auf dieser Basis werden die Geschäftsverfahren eingerichtet. Der Kunde als Person (der Einzelne selbst!), wie auch das Geschäftswesen, stehen sich 'in der Realität' des Seins einzig als ein jeweiliges isoliertes Etwas gegenüber. Der 'Kunde' erscheint hierin nämlich einzig 'als' Verkaufszahlen. Darauf basiert der Sachstand des Verbrauchers, welcher nämlich einziger Inhaltsbestand ist und zwangsläufig auch beiderseits daraus wird. Hieraus ergibt sich unter anderem auch die Entwicklung hin zur Wegwerfgesellschaft und weitläufige anderweitige Veränderungen. Dieser Vorgang, wie auch der darüber ausgeblendete Sachstand von 'Kunde' als solches führt damit verbunden auch zu einer generellen Verblendung der Inbetrachtnahmen.

Einen weiteren dieser vielfältigen 'Fortschritte' trifft man in der Entwicklung der Wissenschaft an. Ursprünglich noch das Sein im Bezug einer Differenzierung von Materie und Energie in Betracht ziehend, hat sich aufgrund deren Maßregel der Bedingung des Physikalismus auch ein reiner Physikalismus entwickelt, worin es keine solche Unterscheidung mehr gibt. Aufgrund dessen existiert hierin auch endgültig keine dem gemäße Unterscheidung von Körper und Physis mehr. Darüber hinaus existiert aber aufgrund dessen auch keine Psyche mehr. Ursprünglich noch als Geisteswissenschaften abseits der Naturwissenschaften gehändelt, verdrängt mittlerweile die Neurowissenschaft gänzlich eine Beschäftigung einer solchen Präsenz. Das Resultat daraus ist, daß der Mensch aus diesem Verhältnis heraus sein Händling erfährt und somit auch seine Menschlichkeit rein aus diesem Verhältnis seine Erachtung erlangt. Aus diesem Teilverhältnis bildet man 'angeblich' das Ganze ab. Der Mensch tritt darüber nur noch rein physikalisch in Erscheinung. Ist dieser jedoch eine reine Physikalität? In keiner Weise und somit kann dieser als solches auch gar nicht darin in Erscheinung treten, denn diesen gibt es nur in seinem Ganzen.

Egal, wo ich hinschaue, treffe ich auf das immergleiche Verhältnis, fußend auf der immergleichen Funktionalität an. Als elementare Bestandteile zeigen sich mir hierin der Reduktionismus und Monismus, in Verbindung mit dem Materialismus. Und gravierenderweise als Instrument des Ganzen der Imaterialismus und die Ausblendung. Und somit gelangt man auch gerade über das sich ersichtlich machen dessen, was nicht darin in Erscheinung tritt, zum wahren Sein der Gegebenheiten.