Die Stellung des Autodidakten in der Gegenwart

Wie steht es eigentlich um den Autodidakten in dieser bis ins letzte Detail durchstrukturierten Wirtschaftswelt?

Wenn ich mich so umschaue, dann macht sich da allgemeine Unkenntnis darüber breit, welches sich demonstrativ über die Kurzdefinition im Lexikon zeigt: "Person, die sich ihr Wissen im Selbststudium aneignet." Weiter heißt es: "Im Laufe des 19. Jahrhunderts setzte sich die Schulpflicht allgemein durch. So gab es weniger Menschen, die zwangsweise zum Autodidakten wurden, wenn sie sich bilden wollten."

Nun, in meinem Leben mußte ich erleben, daß der Sachverhalt für einen Autodidakten demgegenüber äußerst mies heute ausfällt, denn wie ich immer wieder die Erfahrung machen mußte, fehlt es da prinzipiell an sachlichen Verständnis dafür und überhaupt wird einem Autodidakten heute das Fremdlernen doch aufgezwungen, schon alleine aus dem Grund, um die notwendigen Papiere zur Ausweisung seiner Fähigkeiten zu erlangen. Sachlich geht es jedoch in erster Linie darum, daß es sich beim Autodidakten um die substanzielle Gegebenheit der eigenständigen 'Lern-Fähigkeit' geht. Dafür gibt es keine formular ausweisende Papiere und stellt sich darüber dementsprechend.

Wie viele Menschen haben somit einst ihr persönliches Potential genutzt, um es in der Praxis zu einer Perfektion heranreifen zu lassen und wie vielen ist das heute überhaupt noch möglich? Ist es nicht so, daß sich das Verhältnis umgekehrt hat, sodaß die darin Fähigen heute eingegrenzt werden, wohingegen den anderen sämtliche Bahnen geöffnet wurde.

Ich habe in meinem Leben eine Reihe von Autodidakten kennen gelernt und wie ich daraus und der prinzipiellen Gegebenheit von Künstlern, Musikern, Sportlern usw. ersehe, bleibt ihnen allen heute nur noch ein Weg offen, nämlich in der Umsetzung der selbständigen Tätigkeit in Bereichen, welche nicht statusmäßig als solches besetzt sind. Leider ergibt sich darüber aber auch nicht nur eine Eingrenzung der Betätigungsfelder, sondern auch des Nutzens dessen und gerade die fehlende Nachfrage danach und die mechanisierten Ausschreiben für 'Fähigkeitspotential' sind das eigentliche Händikap.

Schade eigentlich, könnte man sagen, jedoch wenn ich bedenke, wie viel Potential darüber brach liegt und gar nicht zur Umsetzung und Anwendung gelangt, komme ich nicht drum herum, generell einmal darauf hinzuweisen, damit zumindest das, was da übrig geblieben ist, ein mehr an Aufmerksamkeit erfährt und vor allem seine Wertschätzung.

Euer Jörg

http://www.sya.de/

Autodidakten haben es in der Tat in unserem Land, in dem es doch sehr stark auf amtliche Stempel auf Ausbildungszertifikaten ankommt, nicht gerade leicht, und die Bemerkung, dass sie am ehesten noch Chancen als Selbständige bzw. Freiberufler haben, ist sicher auch richtig. Dass die amtlichen Ausbildungsstempel ein sehr hohes Gewicht haben, gilt sogar für den künstlerischen Bereich, für den diese Stempel eigentlich (Stichwort: Kunst-Freiheit) herzlich sachfremd sind. Ich bin selbst in einigen Bereichen autodidaktisch unterwegs - eine "amtliche" Fachausbildung habe ich als Historiker, Sprachwissenschaftler und Politologe. In philosophischen Angelegenheiten bin ich sogar ziemlich froh, die universitäre Fachausbildung nicht zu haben, da sie in den mir sichtigen Themenfeldern wohl doch mehr Hindernisse aufgetürmt als Forschungswege geebnet hätte. Im Feld der Geistes- und Kulturwissenschaften habe ich allerdings den Eindruck, dass das Gewicht der Autodidakten aufgrund der Veroberflächlichung des akademischen Betriebs durch den Bologna-Prozess und der gleichzeitigen allgemeinen Sparpolitik in diesen Bereichen in Zukunft deutlich zunehmen wird. Es steht zu befürchten, dass in diesen Bereichen Forschung zunehmend entweder nicht oder durch Autodidakten stattfinden kann, da der akademische Betrieb die nötigen Ressourcen einfach nicht mehr zur Verfügung stellt. Davon ausgehend kann die Achtung vor der Leistung der Autodidakten dann auch wieder wachsen. Auch für Autodidakten gilt allerdings, dass sie sich der fachlichen Kontroverse und inhaltlichen wie methodischen Kritik stellen müssen. Der Umgang mit der Kritik unterscheidet Dilettanten (unter den Autodidakten genauso wie unter den "Zertifizierten") von ernstzunehmenden Wissenschaftlern.
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>> In philosophischen Angelegenheiten bin ich sogar ziemlich froh, die universitäre Fachausbildung nicht zu haben, da sie in den mir sichtigen Themenfeldern wohl doch mehr Hindernisse aufgetürmt als Forschungswege geebnet hätte. ... Auch für Autodidakten gilt allerdings, dass sie sich der fachlichen Kontroverse und inhaltlichen wie methodischen Kritik stellen müssen. Ich bringe diese beiden Ihrer Aussagen einmal zusammen, denn dies steht gegenwärtig als geisteswissenschaftlicher, wie auch wissenschaftskontroverser Sachverhalt meiner fast 30-jährigen autodidakten Erforschung gegenüber. Demgegenüber scheine ich wohl der Einzige zu sein, welcher jemals in sich selbst erforscht hat, wie es sich damit verhält und funktioniert bezüglich der von der Physis differenzierten Psyche und dem damit Zusammenhängenden. Hier trete ich einer Maßgabe entgegen, bei welchen einzig die 'Dritte-Person-Perspektive' (von außen) und Theorien als solches Maßstab des Händlings sind. Von der Sache her, meine Erkenntnisse auch anderen zugänglich zu machen und darüber gleichzeitig auch mein Potential darzulegen, hat sich mir zwangsläufig ergeben, meine Erkenntnisse und Verständnisse in Worte zu fassen, um es darüber zu vermitteln. Schon alleine darüber mußte ich mich des Gegenüber der Inhaltlichkeiten konfrontieren, worüber die Begrifflichkeiten gefaßt sind, sodaß man auch darüber schon der 'äußeren Kritik' ausgesetzt ist. Wobei ich zu bedenken gebe, daß die Selbstkritik bereits ein wesentlicher Antrieb des Autodidakten ist, sich überhaupt zu entwickeln/entfalten. So muß ich in meinem Fall dazu sagen, daß es mir gar nicht möglich ist, mich der Kritik der eigentlichen Fachschaft gegenüber zu stellen, sondern ich stehe mittlerweile mehr oder weniger neben den Kritikern aus den Disziplinen, über welche ich nämlich die sachlichen Bestätigungen für meine Andersartigkeit erfahre über deren Ausführungen. Der Punkt ist, und das hängt hauptsächlich auch mit der Verhältnismäßigkeit zusammen, daß wir heute immer mehr mit 'erlernten' Theorien überhäuft werden, sodaß der Autodidakte darin sachlich kaum noch in Erscheinung tritt und daß dieses massenhafte Theoretisieren ihn als den Unzulänglichen brandmarkt. Dieses Verhältnis wiederum hat in weiten Teilen dazu geführt, daß immer mehr Theorien nicht mehr den tatsächlichen Verhältnissen entspricht und nur noch als Maßgaben im Raum stehen. Es sind doch die autodidakten Pragmatiker, welche einen objektiven Blick dafür haben. Und insofern diese sich den fachlichen Kontroversen gegenüber stellen, bekommen diese kalte Füße und entziehen sich dem ;) Letztendlich ist der Autodidakt von der Sache her schon der Prüfung unterzogen, denn er kann sich gar nicht umsetzen, ohne das sein Handeln funktioniert. Damit könnte er höchstens ein Hobby betreiben, jedoch kein Business. Ich möchte auch einmal den Blick in Richtung Vergangenheit lenken. Haben die großen Gelehrten, wovon heute alle lernen und sich alle darauf beziehen, das was daraus entstanden ist, von der Schulbank gelernt? Autodidakt und Lehranstalt bilden einander Gegensätze, insofern der Autodidakt nicht der Lehrende ist ;)
>>> In philosophischen Angelegenheiten bin ich sogar ziemlich froh, die universitäre Fachausbildung nicht zu haben, da sie in den mir sichtigen Themenfeldern wohl doch mehr Hindernisse aufgetürmt als Forschungswege geebnet hätte. ... Auch für Autodidakten gilt allerdings, dass sie sich der fachlichen Kontroverse und inhaltlichen wie methodischen Kritik stellen müssen. > Ich bringe diese beiden Ihrer Aussagen einmal zusammen, denn dies steht gegenwärtig als geisteswissenschaftlicher, wie auch wissenschaftskontroverser Sachverhalt meiner fast 30-jährigen autodidakten Erforschung gegenüber. Demgegenüber scheine ich wohl der Einzige zu sein, welcher jemals in sich selbst erforscht hat, wie es sich damit verhält und funktioniert bezüglich der von der Physis differenzierten Psyche und dem damit Zusammenhängenden. Sie sind damit weder der erste noch der einzige - es gibt in dieser Hinsicht eine über 100jährige "Tradition". Die Akademischen Wissenschaften haben es mit dieser Tradition allerdings nicht so ... Dass sich der Autodidakt der fachlichen Kontroverse und inhaltlichen wie methodischen Kritik stellen muss, bedeutet übrigens nicht, dass der Kritiker in dieser Hinsicht von der Kontroverse und Kritik befreit wäre. Wissenschaftliche Kritik ist, solange sie in der Wissenschaftlichkeit bleibt, immer Kontroverse und nie Dogmatik. > So muß ich in meinem Fall dazu sagen, daß es mir gar nicht möglich ist, mich der Kritik der eigentlichen Fachschaft gegenüber zu stellen, sondern ich stehe mittlerweile mehr oder weniger neben den Kritikern aus den Disziplinen, über welche ich nämlich die sachlichen Bestätigungen für meine Andersartigkeit erfahre über deren Ausführungen. Selbst das ist ein Resultat von Belang. Wobei ich mit der Neigung der "Schulwissenschaft", Ungewohntem und vor allem Unbequemem einfach aus dem Wege zu gehen (zumindest in der Philosophie und den Nachbarwissenschaften), durchaus vertraut bin. > Der Punkt ist, und das hängt hauptsächlich auch mit der Verhältnismäßigkeit zusammen, daß wir heute immer mehr mit 'erlernten' Theorien überhäuft werden, sodaß der Autodidakte darin sachlich kaum noch in Erscheinung tritt und daß dieses massenhafte Theoretisieren ihn als den Unzulänglichen brandmarkt. Dieses Verhältnis wiederum hat in weiten Teilen dazu geführt, daß immer mehr Theorien nicht mehr den tatsächlichen Verhältnissen entspricht und nur noch als Maßgaben im Raum stehen. Die 'erlernten Theorien' neigen dazu, sich von der Wissenschaft zur Dogmatik zu entwickeln - der Blick von außen (sei es der Blick anderer Wissenschaftskreise oder auch der Blick von Autodidakten und 'Laien') kann solche dogmatischen Tendenzen durchaus aufbrechen. > Es sind doch die autodidakten Pragmatiker, welche einen objektiven Blick dafür haben. Und insofern diese sich den fachlichen Kontroversen gegenüber stellen, bekommen diese kalte Füße und entziehen sich dem ;) Letztendlich ist der Autodidakt von der Sache her schon der Prüfung unterzogen, denn er kann sich gar nicht umsetzen, ohne das sein Handeln funktioniert. Damit könnte er höchstens ein Hobby betreiben, jedoch kein Business. Es ist nicht selbstverständlich, den wissenschaftlichen (oder auch künstlerischen) Bereich, für den man brennt, auch zum Broterwerb nutzen zu können. Franz Kafka war Angestellter einer Versicherungsgesellschaft, Goethe hatte als Brotberuf die längste Zeit das Amt eines Superministers von Sachsen-Weimar-Eisenach, die er unter anderem auch für seine wissenschaftlichen Studien in Geologie, Optik und Botanik genutzt hat, und dem Dicherfreund Friedrich Schiller hat er eine Brot-Stelle als Geschichts-Professor in Jena besorgt. Dieser Brot-Stelle Schillers verdanken wir nicht nur sein Werk über den "Abfall der Niederlande" von Spanien, sondern auch einige Anregungen zu seinen Dramen. > Ich möchte auch einmal den Blick in Richtung Vergangenheit lenken. Haben die großen Gelehrten, wovon heute alle lernen und sich alle darauf beziehen, das was daraus entstanden ist, von der Schulbank gelernt? Von den von mir eben Genannten hat Goethe studiert, und zwar Jura. Seine geologischen, botanischen und optischen Studien hat er als Autodidakt betrieben und dabei in einigen Bereichen (Zwischenkieferknochen) auch bis heute gültige Neuentdeckungen gemacht. So weit ich mich erinnere, hat Schiller Medizin studiert und nicht Geschichte, in der auch er Autodidakt war. Autodidaktische Karrieren waren bis weit ins 19. Jahrhundert mehr die Regel als die Ausnahme - was etwas mit dem eher konventionellen Charakter der Universitäten vor Humboldt zu tun hat (die strukturell durchaus als Vorbild für die Bologna-Reformen herhalten könnten). Nicht zufällig war das 18. Jahrhundert ein Jahrhundert der Wissenschafts-Akademien - die Universitäten dieser Zeit haben für Forschung einfach nicht getaugt. > Autodidakt und Lehranstalt bilden einander Gegensätze, insofern der Autodidakt nicht der Lehrende ist ;) In dem Maß, in dem die Substanz aud der Lehranstalt verschwindet, muss sich der Lernende sie woanders besorgen. Lehren und Lernen muss nicht in der Anstalt stattfinden ;-)
>> Wissenschaftliche Kritik ist, solange sie in der Wissenschaftlichkeit bleibt, immer Kontroverse und nie Dogmatik. Genau da stehe ich an der Grenze, mich 'wissenschaftlich' (als solches inhaltlich) zu positionieren, denn ich habe zwar eine ganze Reihe von Kritikern und Veröffentlichungen ausfindig machen können, welche das Meinige indirekt bestätigen, jedoch sind diese in ihrer Wissenschaftlichkeit befangen, sodaß sie meine logische Schlußfolgerung selbst nicht anwenden/aussprechen 'dürfen', um wissenschaftlich zu bleiben. Das Erleben und die damit verbundene Schlußfolgerung basiert darauf, daß sich mir nicht nur eine formelle Trennung von Physis und Psyche ergibt, sondern eine substanzielle und ich somit den substanziellen Trialismus aufbringe (Körper, Physis, Psyche). Ich gehe den Weg, welcher dort nicht sein kann, nämlich in Klarheit auszusagen, daß die Psyche nicht der Physikalität angehört. >> Die 'erlernten Theorien' neigen dazu, sich von der Wissenschaft zur Dogmatik zu entwickeln - der Blick von außen kann solche dogmatischen Tendenzen durchaus aufbrechen. So wie ich das sehe, ist das wohl der einzige Weg, denn in der Wissenschaft selbst sind die diskrepalen Verhältnisse umfangreich bekannt. Die Tendenz ist jedoch eher, daß sich darin die Dogmatik als 'Glaubenseinheit' durchsetzt. Was der Wissenschaft verloren gegangen ist, ist was sie zu dem gemacht hat, nämlich die Maßstabsetzung der 'exakten Wissenschaften' mit ihrer Beweisführung. Das hatte sie nämlich einst von der Mystik differenziert. Ihr Bestreben, 'alles' in sich zu vereinnahmen, bedingt ihren daraus sich ergebenden Zerfall. Somit wäre einzig die Isolierung der exakten Wissenschaften ein Weg, aber das wird man nicht zulassen, es darauf zu beschränken. In meinem Bezug geht es nämlich genau um diesen Aspekt. Insofern nämlich die Wissenschaft sich 'einzig' darauf beschränken würde, was physikalisch nachweisbar ist, dann würde allgemein hervortreten, was dem nicht angehört. Mir hat diese Verfahrensweise Klarheit verschafft und selbst die Qualia ist mir darüber nachvollziehbar. >> Es ist nicht selbstverständlich, den wissenschaftlichen Bereich, für den man brennt, auch zum Broterwerb nutzen zu können. In meinem Fall geht es jedoch genau darum. Mir ist eigentlich mehr das Verhängnis, daß ich über die Jahre derart vielfältiges Potential zusammen getragen habe, daß ich gar nicht weiß, in welche Richtung ich mich überhaupt anbieten soll, sodaß ich mich gegenwärtig einmal rein auf meine Präsentation konzentriere, um über die entstehenden Ressonanzen Klarheit darüber zu schaffen. Hierbei denke ich jedoch nicht an die wissenschaftlichen Varianten, sondern wie sich Derartiges wirtschaftlich umsetzen läßt, denn es enthält ja prinzipiell den Forscher, Analytiker, Berater und Produzent und hierzu gibt es im Gegensatz zu damals heute mannigfaltige Möglichkeiten. >> Autodidaktische Karrieren waren bis weit ins 19. Jahrhundert mehr die Regel als die Ausnahme ... Im Handwerk ist dies durch Entstehung der Zünfte im Mittelalter in Gang gesetzt worden, sodaß gewisse handwerkliche Leistungen nur noch in Folge der Ausbildung in einem Zunftsbetrieb ausgeführt werden durfte. Damit verbunden empfehle ich einmal das Erbe in Betracht zu ziehen, denn darüber wird klar, was eigentlich dahinter steckt. >> Lehren und Lernen muss nicht in der Anstalt stattfinden Ist alles eine Frage des Geldes. Da draußen ist das sich lehren lassen unbezahlbar für Diejenigen, welche sich da drinnen befinden. Und insofern die Lehrer dort draußen lehren, was sie drinnen lehren, bekommen sie noch weniger oder gar nix. Also wird dort alles beim Alten bleiben. Nur wird halt das Geld dafür als solches immer weniger und so wird sich einzig quantitativ der Sachverhalt anpassen (da drin!).