Die weitreichende Wirkung der Handlungssprache

Es ist mir heute nicht mehr verwunderlich, daß ich bezüglich eines spezifischen Miteinanderverhältnisses erst einmal einen Begriff schaffen mußte, weil die Vorhandenen den mir erfahrenen und tatsächlichen Inhalt nicht erfassen.

Mein Erleben damit wurde schon früh geprägt, denn wir hatten eine Gastwirtschaft auf dem Lande und wenn sich ein Gast aus dem Dorf an den Stammtisch setzte, bereitete mein Vater dessen Stammgetränk und servierte es diesem ohne, daß dabei Worte fielen. Überhaupt war mein Vater sehr wortkarg und so war auch mein Zusammenarbeiten beim renovieren, An- und Umbau des Hauses und anderen Gelegenheit über die reine Handlungsweise auch kommunikativ vollzogen worden. Zumeist arbeitete ich ihm zu, aber auch koordiniert funktionierte dies ohne Worte. Später erlernte ich den Beruf Koch und da war es ebenfalls Gang und Gebe, daß man Hand in Hand arbeitet, ohne großartig darüber zu reden.

Später in meinem Leben wurde das Mensch sein als solches zu ergründen zum tragenden Inhalt und darin geht es seitdem um das Selbst-Sein, Anders-Sein und auch das wie andere sind und all das erfährt man über das Wahrnehmen der Gegebenheiten und Abläufe. Damit verbunden wurde mein Blickwinkel immer weiter darüber, was alles involviert ist darin, nämlich alles, was einen informativen Inhalt vermittelt und sich nur darüber einschränkt, inwieweit man was wahrnimmt.

Dies hat sich mir ja über die Jahre schrittweise entwickelt und so habe ich mich relativ daran gewöhnt, aber es ist eigentlich schon erschreckend, wie viele Menschen einzig das Verbale und Schriftliche wahrnehmen und nicht mehr. Und wenn ich mir die Beschreibungen und Händlings von Körpersprache betrachte, dann muß ich mich schon fragen, wie dies hilfreich sein soll, wo eigentlich Jedem klar ist, daß ein Körperausdruck relativ ist - eine Katze, wenn sie faucht es ein Unterschied ausmacht, ob es im eigenen Revier oder in einem Fremden stattfindet.

Und so hoffe ich, daß ich mit dem Einbringen des Begriffes und der Sache von Verhaltenssprache zumindest einmal den Aspekt ausweiten kann, dessen zu erachten im kommunikativen Miteinander. Ich denke, daß deutlich wird, daß sich dies vor allem auch auf den betrieblichen Ablauf positiv einwirkt, insofern es dort Eingang findet, den Horizont derart zu weiten.

Vielleicht bekommen wir dann zumindest in unserem Stammcafe unseren gewohnten Cappuccino serviert, ohne daß wir ihn jedesmal erst bestellen müssen und wenn wir die Geldbörse zücken, ist man parat zum kassieren.

Euer Jörg

Hallo Jörg, Du hast ja gewiss viel Erfahrung in Kommunikation und im Leben, daher nehme ich an, dass Du Dir keine großen Hoffnungen darauf machst, dass viele Xing-Mitglieder auf Deinen Text antworten und Dich somit zu einem Disput einladen? Gäbe es hier ein Messinstrument, welches aussagte, bis zu welcher Textstelle ein Besucher Dein Werk las, prophezeite ich Dir, dass der mehrheitliche Teil bereits in der Mitte des zweiten Absatzes die Lektüre abbricht. Damit meinem Text nicht das gleiche passiert, ändere ich jetzt meinen Schreibstil schnell von "vorgestern" auf "heute", denn ich wollte Dir nur zeigen, dass ich auch fähig bin so altmodisch, gestelzt und "intellektuell überlegen" zu schreiben. Und das sage ich nicht, um Dich zu beleidigen, sondern weil ich Dir die Augen dafür öffnen möchte, dass eine Botschaft nicht ankommen kann, wenn die Empfänger sie nicht verstehen oder sie schlicht unsympathisch finden. Wahrscheinlich wirst Du gleich argumentieren, dass ich ja schließlich auch gelesen und geantwortet habe. Das stimmt zwar, aber vor mir haben 221 Besucher innerhalb von über 12 Stunden Deinen Eintrag zumindest kurz besucht und NICHTS hinterlassen! Und davon abgesehen bin ich vielleicht ein wenig anders gestrickt in solchen Dingen, also eine Minderheit. Aber auch für mich gilt: Ich lese keine Beiträge, die schon Wochen alt sind und die ich erst lange suchen muss, weil es einfach zu viele neue gibt. Das heißt, dass.... 1. ein Beitrag mein Interesse in wenigen Sekunden gewinnen muss, damit ich die Zeit investiere ihn zu Ende zu lesen. 2. ein Text mich in meiner Sprachgegenwart abholen muss, damit es nicht anstrengend ist ihm zu folgen. 3. das Lesen möglichst nicht länger als 2 Minuten dauern sollte, weil ich sonst am Ende den Anfang schon beginne zu vergessen. Übertragen auf Dein Beispiel mit dem Wirtshaus: 1. Der erste Eindruck beim Betreten eines Gasthauses ist entscheidend dafür, ob der neue Gast nicht gleich wieder kehrt macht. 2. Du wünschst Dir einen Wirt, der Deine Wünsche erahnt oder kennt, und Dir einfach das serviert, was Du gern hast. 3. Wenn der Kaffeebecher zu groß ist, wirst Du schlingen müssen oder die Hälfte wird kalt, bevor Du zu Ende genossen hast. Was Punkt 3 angeht, muss ich auch weiterhin an mir arbeiten, ansonsten bin ich auch nur ein Besserwisser; wie eigentlich jeder, der Spaß daran hat im Internet der Welt zu erklären, wie man Dinge machen kann oder sollte. Ein schönes Wochenende!
Hallo André, vielen Dank, daß Du dir die Mühe machst, mir diese Beschreibung zu liefern. Es verhält sich jedoch damit genau so, wie ich es bezüglich der Handlungssprache zum Ausdruch zu bringen suche. Es gibt in jeder Situation eine Unmenge an Informationsgehalt, jedoch wird dies nur bedingt genutzt - im Relationsverhältnis gesehen, zumeist nämlich überhaupt nicht ;) Der Punkt ist, daß ich in all den Jahren mir selbst ein Potential entwickelt habe, welches ich mittlerweile auch nach draußen hin umsetze. Das Aufzeigen geschieht über die Abbildung von 'Ausschnitten' dessen, wie auch oben ausgeführt. Das was Sie und viele andere mir raten, würde überspitzt bedeuten, daß ich nicht den Kotflügel meines Rolls Royce präsentiere, sondern den eines VW Käfers. Ich denke, diese Worte dürften Ihnen das Entsprechende vermitteln. Zentraler Aspekt ist generell, daß es eine Stufenleiter gibt, man sich überhaupt erst einmal der Dinge bewußt sein bzw. werden muß, daraufhin ein Nachvollziehen und daraus dann auch ein vERStEHEN erfolgt bzw. erfolgen kann. Somit dürfte klar werden, wie es sich damit verhält, wenn ich da etwas Unbekanntes hervorbringe. Daraufhin ist auch die Gestaltung meiner Darlegung ausgerichtet. Ich möchte dem gegenüber jedoch einmal einen die Punkte deiner Ausführung herausgreifen, da Du ja, wie Du es hervohebst, den Disput suchst. >> Das heißt, dass.... > 1. ein Beitrag mein Interesse in wenigen Sekunden gewinnen muss, Tut mir leid, aber mein Interesse gilt nicht Denjenigen und würde auch zu nichts führen, denn es geht um die Tiefe des Verständnisses, welches oberflächlich nicht erlangt werden kann. Auch betreibe ich keine Werbung bzw. Bussiness, sondern Aufklärung (in dem Bezug!). Aus Erfahrung kann ich sagen, daß Menschen, die derartig gehaltvolle Inhalte suchen, dies hingegen anzieht (das Andere langweilt diese). > 2. ein Text mich in meiner Sprachgegenwart abholen muss, damit es nicht anstrengend ist ihm zu folgen. Du hast es in deinem Text ausgeführt, daß meine Ausführung altbacken ist. Das ist richtig, denn einst hatte man noch einen tieferen Bezug, welcher in der heutigen Zeit verloren gegangen ist, weil alle Schreiber dazu 'genötigt werden', sich dem Publikum anzupassen. Ich tue dies nicht (in diesem Bezug!), denn ich bringe Neues und Unbekanntes auf und sich dem Publikum anzupassen wäre diesbezüglich ein Paradoxum. > 3. das Lesen möglichst nicht länger als 2 Minuten dauern sollte, weil ich sonst am Ende den Anfang schon beginne zu vergessen. Mit Lesen alleine ist es wie oben beschrieben nicht getan. Wer nur Worte liest und nicht den Inhalt 'entfaltet', erfährt eben nur Worte. Dies kann im Bezug auf Unterhaltung praktikabel sein, jedoch von meiner Warte aus, ... Auch Dir noch einen schönen Sonntag.
Hallo Jörg, ich halte mich zwar mithin nicht für oberflächlich, aber die Tiefen in denen Du Dich wohl fühlst, sind nicht mein Revier. Ich finde auch, dass ein Netzwerk wie Xing zwar hin und wieder mehr Tiefgang und Inhalt gebrauchen kann, aber dennoch halte ich es nicht für den richtigen Ort für Philosophie in Deinem Maßstab. Insofern halte ich einen Disput zwischen uns für sinnlos. Viel Spaß in Deiner Welt, die nicht meine werden wird. Grüße, André
Vielen Dank für deine offenen Worte, André. Es verhält sich damit wie mit der Kunst (an der Sache): es ist prinzipiell substanziell kontrovers. Da es sich jedoch um meine Wenigkeit im Verhältnis zur Masse der XING-Aktivitäten handelt, dürfte es an sich auch gar nicht auffallen.