Hallo in die Runde und gleich einige Gedanken von mir ...
Noch wenige Tage und die DSGVO ist voll und ganz für uns Europäer bindend. Die Angebote zu Webinaren und Infoblättern ringen um ihr bestes Ranking auf den Suchplattformen und dennoch bleiben viele Fragen unbeantwortet bzw. werden neu aufgeworfen.
Ich verstehe nicht, warum wir im Zeitalter der Digitalisierung alles und jeden doppelt und dreifach dokumentieren und protokollieren sollen. Zum einen sind Daten notwendig, um ein Angebot oder einen Vertrag an den Anfragenden zu senden und zum anderen verpflichtet uns das Steuerrecht ohnehin zu Mindestangaben, mit wem wir Geschäfte eingehen und Geld umsetzen. Soll heißen, es existieren bereits zahllose Gesetze und Vorschriften, die uns neben der Akquise, Kundenpflege und Auftragsabarbeitung - das eigentliche Tagesgeschäft eben - abverlangen.
Glaubt man den Datenschutzprofis, brauchen wir uns nicht ganz so viel Stress mit der Dokumentation wie größere Unternehmen machen. Gleich darauf folgt dann die Folgeeinschätzung bei relevanten Daten, die nun mal beim Coaching auftreten.
Allein schon für die Verarbeitungsverzeichnisse existieren etliche Muster, von denen sich keins von ihnen leicht lesen, geschweige denn auch noch vervollständigen lassen.
Und dann kommen auch noch die technischen organisatorischen Maßnahmen (TOM), die in ihren Mustern im Web sehr unterschiedlich und dennoch eines gemein haben: Sie scheinen sehr komplex und umfangreich zu sein. Ich soll also festhalten, wo der Schrank in welchem Zimmer verschließbar steht, in dem ich die Visitenkarten der Kontakte aus persönlichen Treffen erhalten habe.
Theoretisch geht es mir ehrlich gesagt zu weit. Selbst schon beim ersten Telefonat auf die Datenschutzhinweise bereits nach der Begrüßung zu verweisen und jeder Mail als Anhang im Zeitalter der mobilen Kommunikation ranzuhängen, scheint mir arg übertrieben. Ich würde zumindest jemandem, der meine Internetflat fürs Smartphone mit Dateianhängen überstrapaziert, schnell wieder aus meinem echten Leben streichen.
Datenschutz hin, eigene Rechte her, wir sind alle mündig genug, um zu entscheiden, wem wir Namen, Anschrift und ggf. Bankverbindung übermitteln. Ohne SEPA-Mandat könnte ich z. B. so manchen Onlinekauf gar nicht erledigen. Wer mir seine Adresse nicht nennt, wird kein Angebot von mir erhalten. Die Kette ließe sich sicher noch endlos weiter schmieden. Sie reißt jedoch an mehreren Schwachstellen: Der Mensch mit seiner freien Interpretation der Vorschriften. So können wir alle gespannt darauf sein, ob und wie viele Abmahnungen über den Postweg mit eigenen riesigen Paketen zum Datenschutz übers Land getragen werden.
Mal ehrlich, wer hat eigentlich den ganzen Inhalt verstanden und gibt es für Freelancer, die nicht 15 T€ im Monat umsetzen, bezahlbare externe Expertenhilfe, die jenseits der monatlichen Büromiete liegt? (Damit meine ich die Unterschreitung ... ;-) )
Nicht nur, dass wir im deutschen Protokollierungswahn immer an der Grenze der Legalität bewegen und unwissend auch sicher überschreiten, sondern auch auf unsere Kosten den Behörden ihre Daseinsberechtigung sichern.
Auf Ihre / Eure Anregungen und Ideen bin ich jetzt sehr gespannt und freue mich auf die Einlassungen.
Viele Grüße
Marco Teschner