Am Mittwoch gab es beim BMC in Berlin vor „ausverkauftem“ Haus einen richtungsweisenden Vortrag von Trencoach: Gesundheit 2025 – Eigenoptimiert und rundum versorgt in die Zukunft?
Zusammenfassend: die eigenständige Suche nach Gesundheits-/Krankheitsinformationen, Gesundheitsmonitoring via Apps wird weiterhin kräftig wachsen und ist nicht mehr rückgängig zu machen. Hard- und Softwaretechnologien werden unser Leben zunehmend steuern, indem sie in unseren Alltag zunehmend unauffällig und einfach zu handhaben integriert werden. Darüber hinaus werden Dienstleistungen zu den generierten Daten zunehmend zu einem Geschäftsmodell.
Andererseits sehe ich durch die unübersichtliche Vielzahl von Apps/Applikationen eine Überforderung auf allen Seiten: für die Anwender zu komplex, zu wenig oder zu viel Information, nicht personalisiert oder nicht wirklich verstanden. Die Datenerfassung beruht nicht notwendigerweise auf kompatiblen, anerkannten medizinischen Verfahren, Authentizität und Validität sind fraglich – zumindest beim Krankheitsmanagement. Eine Interoperabilität mit PVS und KIS ist derzeit nicht gegeben – Mehraufwand für die Leistungserbringer.
Der Trend wird aber nicht mehr aufzuhalten sein, und eHealth wird sicher große Fortschritte bei Prävention und Krankheitsmanagement leisten, vor allem wenn eine adaptive automatische Personalisierung erfolgt.
Aber: Kassen, Ärzte, Klinken, Behörden stehen diesem Trend anscheinend hilflos gegenüber. Die Patienten erscheinen bem Arzt mit ihren App-Daten, Informationen aus dem Internet – aber die Fachwelt kann damit nicht umgehen. Ja wo bleibt denn die Vergütungsziffer für die Sichtung von Patienten-generierte Daten???!!! Denn ohne EBM läuft ja nichts im deutschen Gesundheitswesen ;).
Die Entscheider im Gesundheitswesen sind eine andere Generation als die neuen Forderer. Entscheidungen werden mit Kapazitätsproblemen vertagt, das Thema aufgrund anderer Prioritäten hergeschoben – weil auch die Kompetenz dafür inhouse eher selten vorhanden ist.
Dabei kann eHealth bei sinnvoller und nachhaltiger (keine Gimmicks) Ausschöpfung des Potentials definitiv Prävention und Disease Managementergebnisse verbessern, indem Ansprache, Monitoring, Kommunikation an die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben der jeweiligen Nutzer angepasst werden. Das ist relevant für das gesamte Gesundheitssystem.
Um dies zu erreichen, ist es aber notwendig, dass die unkontrollierten, Technologie-getriebenen Ansätze in bedarfsorientierte, medizinisch sinnvolle und in Behandlungsprozesse integrierbare Lösungen umgesetzt werden.
Da wie vorstehend gesagt die Antworten der Entscheider eher zurückhaltend sind, kaum diesbezügliche Projekte gefördert werden, proprietäre IT-Schnittstellen sektübergreifendes Disease-Management verhindern und der Gesetzgeber nichts dagegen unternimmt, ist eine Überforderung der Ärzte, Kassen und gewaltiger Frust bei den Anwendern vorprogrammiert. Aber jetzt gibt es ja die Möglichkeit des Shitstorms – nicht unwahrscheinlich, dass sich der Frust irgendwann mal entleert. Dem sollte man vorbeugen.
Interessanterweise denkt da unsere Regierung schon weiter: wie kann ich durch personalisierte Informationen die Bürger dazu bringen, das zu tun, was (nach Meinung der Regierung) sinnvoll für sie ist: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verhaltensforschung-am-buerger-politik-per-psychotrick-1.2386755. Aber vom online-Handel, Google und Facebook kennen wir das alles schon...nur im Gesundheitswesen wird Information (Kommunikation ist dort leider noch ein Fremdwort) wie im letzten Jahrtausend betrieben. Und dies zu ändern ist im Prinzip lebenswichtig und ökonomisch sinnvoll – hier und heute und von mir mit Absicht provokativ formuliert.
Auf Antworten bin ich gespannt.