Das Interview führte Peter Braune, Moderator der Gruppe Weiterbildung Hessen e.V., mit Hannelore Möllenhoff, Leiterin der Weiterbildung, Institut für Bildung und Management im Gesundheitswesen, ein Unternehmen der F+U Rhein-Main-Neckar gGmbH.
„Danke Herr Braune, dass Sie mir durch das Interview die Gelegenheit geben unsere Bildungsarbeit darzustellen und das von Ihnen vorgegebene Thema zu reflektieren. Wir sind ein staatlich anerkanntes Institut der beruflichen Bildung, für das Gesundheitswesen, speziell für Pflegefachkräfte. Unsere Lehrgänge sind überwiegend staatlich anerkannt!“
„Frau Möllenhoff, die Weiterbildung von Beschäftigten wird deutlich weniger gefördert als die Erstausbildung und die Bildungsmaßnahmen für die Arbeitslosen. Welchen Beitrag würde hier eine staatliche Weiterbildungsoffensive leisten?“
„Genau diese Frage beschäftigt seit einiger Zeit unter anderem die Weiterbildungslandschaft. Besonders mit Blick auf die notwendige Digitalisierung. Hier könnte eine staatliche Förderung mehr Menschen motivieren, sich dem Thema zu öffnen. Die Lebenshaltungskosten steigen und immer weniger Menschen haben finanzielle Mittel frei um in die eigene Weiterbildung, trotz Interesse, zu investieren!“
„Viele Menschen arbeiten als Fachkräfte, jedoch ohne den formalen Nachweis ihrer Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen. Wie könnten diese besser anerkannt werden?“
„In die Pflege arbeiten wir mit staatlich geprüften dreijährig ausgebildeten Pflegefachkräften sowie Pflegehelfern mit der sogenannten einjährigen Ausbildung und Pflegehilfskräften ohne pflegerische Ausbildung. Um eine Weiterbildung nach WPO-Pflege Hessen zu absolvieren ist die dreijährige Ausbildung Voraussetzung. Angelernte Kräfte, sogenannte Pflegehilfskräfte, haben zur Weiterbildung keinen Zugang, themenbezogene Fortbildungstage können sie jedoch belegen. Außerdem können angelernte Kräfte in die pflegerische Ausbildung einsteigen. Dies ist jedoch nur mit finanziellen Einbußen möglich, eine bessere staatliche geförderte oder geregelte Einkommenssituation kann das Problem, Umsteigen in die Ausbildung, beheben!"
„Im Zeitalter der Digitalisierung müssen die Menschen mehr Chancen haben sich weiterzubilden. Durch welche Angebote müsste das geschehen?“
„Was verbirgt sich hinter dem Schlagwort „Digitalisierung“, wenn es, wie bei uns, um die professionelle Pflege geht? Diese Frage steht im Raum. Gefragt ist nach wie vor der Umgang mit dem PC, diese Fähigkeiten bringen noch nicht alle Pflegenden mit. Bedarfsgerechte Schulungen, die über Standardprogrammen hinausgehen, hin zu den speziellen Bedarfen, zum Beispiel der elektronischen Pflegedokumentation, technischen Assistenzsystemen, besonders im häuslichen Bereich oder dem Pflege unterstützenden Telecare, was in der Pflege in Deutschland noch Neuland bedeutet. Das Robitik ist dafür schon auf dem Vormarsch. Robotik ist als Pflegeunterstützende Maßnahme gedacht!“
„Herr Braune, Sie sehen, es gibt große Felder, die in der Weiterbildung der Pflegenden außerhalb der jetzigen Regel-Weiterbildung anstehen. Hier wäre, insbesondere durch die Politik, beim Betrachten des Fachkräftemangels in der Pflege, zu investieren, um auch Anreize für das Berufsfeld zu liefern. Siehe auch in der Literatur, BGW + Offensive Gesund Pflegen, Initiative Neue Qualität der Arbeit - Digitalisierung in der Pflege!“
„Wie könnten Beschäftigte, die keinen formalen Berufsabschluss haben, während der Erwerbstätigkeit, durch eine geeignete Weiterbildung, schrittweisen zu einem Abschluss geführt werden?“
„Im Gesundheitsberuf, Pflegefachkraft ist über die Weiterbildung kein Berufsabschluss erreichbar, hier muss die Pflegeausbildung, wie schon beschrieben, angestrebt werden. Im Rahmen der Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege wurde die Weiterbildungsförderung in der Altenpflege angepasst. Teil der Offensive war unter anderem die Änderung des Altenpflegegesetzes mit der Ausweitung der Möglichkeit zur Verkürzung der Ausbildung zur Altenpflegefachkraft, bei entsprechenden Vorkenntnissen in der Altenpflegehilfe. Kann die Ausbildung nicht verkürzt werden, besteht, befristet bis zum 31.Dezember 2019, die Möglichkeit einer Förderung der Ausbildung zur Altenpflegefachkraft, über die vollen drei Jahre. Ab 2020 tritt die Pflegeberufe-Ausbildungs- und Prüfungsverordnung in Kraft. Dann werden Sie Herr Braune zum Thema ein gesondertes interview führen müssen!“
„Die Unternehmerinnen und Unternehmer, aber auch die Beschäftigten selbst, beteiligen sich an den Kosten für die Weiterbildung. Durch welche Anreize könnte dieser Einsatz erhöht werden, um die Bildungsbeteiligung zu verbessern?“
„Neben den von Ihnen genannten Finanzierungen steht der Weg des Aufstiege BAföG oder der Bildungsgutsscheine sowie der Qualifizierungsschecks offen. Um die Beteiligung anzuheben sollte festgelegt werden, dass ausgebildete und auch weitergebildete Pflegende einen jährlichen, finanzierten Anspruch, das ist eine Verpflichtung, drei Tage Fortbildung bekommen. Dies ist jetzt im neuen Pflegeberufegesetz ab 2020 für Praxisanleitungen festgelegt!“
„Nur 12,2 Prozent der Bevölkerung hatte in den letzten 12 Monaten eine Weiterbildung besucht. Bei von den von Armut gefährdeten waren es 7,7 Prozent und bei den Menschen ohne formalen Berufsabschluss 5,6 Prozent. Wodurch könnte die Teilnahme an einer Weiterbildung erhöht werden?“
„Berufstätige-Pflegende suchen Zufriedenheit bei der Arbeit und nach der vormals von mir zitierten Arbeit, Gemeinschaftsprojekt „Pflege 4.0“, gibt es so genannte „Wertewelten“, die wir in der Weiterbildung bedienen sollten. Zu den meist genannten, von 7 gehören: 1. Balance zwischen Arbeit und Leben finden 2. Sorgenfrei von der Arbeit leben können 3. Sich in der Arbeit selbst verwirklichen 4. In einer starken Solidargemeinschaft arbeiten!“
„Die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland soll die Fachkräftelücke schließen. Welche Weiterbildungsangebote werden in diesem Zusammenhang erforderlich sein?“
„Die Praxis mit Fachkräften aus dem Ausland hat bereits gezeigt, dass neben der unbedingt guten Sachkenntnis die Themen Lebensbedingungen, Mentalität und Selbstverständnis der pflegerischen Arbeit in Deutschland vermittelt werden muss. Auch wurde das Thema „Heimweh“ öfters formuliert und wenig beachtet. Auf dieses Thema bin ich bisher schon eingegangen, weil es unser Alltag!“
„In den nächsten Jahren werden im Informations- und Kommunikationssektor, bei den unternehmensnahen Dienstleistungen oder im Gesundheits- und Sozialwesen Millionen Fachkräfte fehlen. Was würden Sie in dieser Situation in der politischen Verantwortung unternehmen?“
„Neben der Fort- und Weiterbildung, ausländische Fachkräfte rekrutieren und neu geregelte Berufsausbildung haben nach meinem Verständnis die Gesundheitspolitiker das Kernproblem im Pflegebereich nicht erkannt. Siehe Wertewelten in Pflegesektor. Es geht um die Akzeptanz und Wertschätzung der Arbeit, die Imageverbesserung und das Einkommen, das der hohen Qualifikation vergleichbar entspricht!“
„Die Beschäftigungschancen von Arbeitslosen und von Arbeitslosigkeit bedrohten soll verbessert werden. Welchen Beitrag kann Ihr Institut hierzu leisten?“
„Arbeitslose Pflegefachkräfte und von Arbeitslosigkeit bedroht, eher unwahrscheinlich. Ausgebildete Arbeitsfähige und Arbeitswillige finden im Pflegebereich Arbeit. Ohne pflegerischen Abschluss ist die Möglichkeit der Ausbildung zu ebnen. Unser Weiterbildungsinstitut, unter Trägerschaft von FuU, hat am Standort Darmstadt die „Altenpflegeschule“ nebenan!“
„Nach der Meinung von Sachverständigen sollte die Erwerbsbeteiligung erhöht werden, vor allem durch Maßnahmen, die den Wiedereinstieg von Müttern in das Erwerbsleben oder den längeren Verbleib älterer Menschen im Erwerbsleben fördern. Wie beurteilen Sie diese Forderung?“
„In der Pflege haben wir natürlich Aussteigerinnen, besonders nach der Kinderphase. Kampagnen für Berufsrückkehrerinnen müssten mehr gefördert werden. Seminare, um den Einstieg leichter zu machen und Weiterbildungen, fachbezogen, sind dann nötig. Ältere Pflegende sind selten bereit länger im Berufsleben zu bleiben. Dazu sind die Arbeitsbedingungen eher schlecht, wie häufiges Einspringen, Wechselschichten und körperliche Belastbarkeit.
„Vielen Dank für Ihre Zeit, das Gespräch und die Informationen, aus der Praxis für die Praxis!"
Hier geht es zum Institut für Bildung + Management im Gesundheitswesen http://www.ibmg-darmstadt.de
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Moderator
Peter Braune