Verehrte Community,
im kürzlich erschienenen fm benchmarking Bericht 2010/2011 werden erstmals Kennzahlen konventioneller Gebäude mit Werten von Green Buildings verglichen. Damit ist eine Grundlage geschaffen worden, mit der es gelingen kann, klare Richtlinien für Optimierungspotenziale zu schaffen. Kein Wunder also, dass dem Bericht innerhalb der Immobilien- und Finanzwirtschaft grosse Aufmerksamkeit zuteil wird.
Grund genug für die XING-Gruppenmoderatoren, sich mit dem zuständigen Leiter und Herausgeber des Berichts, Prof. Uwe Rotermund, zu unterhalten. Lesen Sie hier unser Interview:
Moderatorenteam "Zukunftssicher investieren":
Was ist fm.benchmarking?
Prof. Uwe Rotermund:
Benchmarking ist eine Managementmethode, mit der sich durch zielgerichtete Vergleiche unter mehreren Kennwerten der jeweils beste als Referenz zur Kostenoptimierung herausfinden lässt. Hierzu clustern wir die Daten von Immobilien zunächst in Gebäudetypen und anschließend die Struktur der Daten. Ziel des fm.benchmarking ist es, klare Richtlinien zu schaffen, mit denen sich Optimierungspotenziale aufdecken lassen, um Kosten zu reduzieren und Immobilien wirtschaftlicher zu betreiben. 
Moderatorenteam "Zukunftssicher investieren":
Welche Daten vergleichen Sie?
Prof. Uwe Rotermund:
Wir vergleichen die Daten auf Vollkostenbasis, also IGM, TGM, KGM, Ver- und Entsorgung und Errichtungskosten. Aber auch Flächenkennzahlen werden gebildet.
Moderatorenteam "Zukunftssicher investieren":
Was fängt der Teilnehmer mit dem Ergebnis an? Wozu kann er die Daten verwenden?
Prof. Uwe Rotermund:
Die Teilnehmer des fm.benchmarking nutzen die vorliegenden Kennzahlen als Orientierungswert für die Einordnung der eigenen Kosten im Vergleich zu den Durchschnittswerten anderer Immobilien des gleichen Typus. Weiter können sie als grobe Einschätzung für die Kostenermittlung in den frühen Planungsphasen für die Betreiber genutzt werden. Auch für Investoren können die Kennzahlen zur Plausibilitätsprüfung herangezogen werden. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass die Teilnahme kostenlos ist. Jeder Teilnehmer erhält ein kostenfreies Exemplar des fm.benchmarking Berichtes.
Moderatorenteam "Zukunftssicher investieren":
Lassen sich aus Ihrem Benchmarking-Ergebnis für eine Immobilie auch ökonomische Größen ableiten, z.B. Energiekosten, etc.?
Prof. Uwe Rotermund:
Selbstverständlich, da wir, wie oben schon gesagt, die Daten auf Vollkostenbasis erheben.
Moderatorenteam "Zukunftssicher investieren":
In 2010 haben Sie begonnen, Green Buildings in Ihr Bewertungssystem mit einzubeziehen und vergleichen „grüne“ Gebäude mit konventionellen. Was genau vergleichen Sie? Und lassen sich die beiden Varianten überhaupt miteinander vergleichen? Besteht nicht die Gefahr einer Verzerrung?
Prof. Uwe Rotermund:
Nein, es kann da keine Verzerrungen geben, da wir die Daten auf Plausibilität prüfen. Zu beachten sind dabei die Baualtersklassen der Gebäude und die unterschiedlichen Ausstattungsstandards der Immobilien. Z.B. ist es ein Repräsentations- oder ein Zweckbau? Die „Green-Buildings“ sind ein Gebäudecluster, wie auch Bürogebäude oder Schulen. Wir haben uns allerdings im ersten Jahr auf die Kennzahlen zum Stromverbrauch, Energieträgerverbrauch (Wärmeträger), Frischwasserverbrauch, Primärenergiebedarf, Netto-Grundfläche, Verkehrsfläche, Energiebezugsfläche und Errichtungskosten beschränkt. Diese Verbrauchskosten werden mit den Kennzahlen der nicht zertifizierten Gebäude verglichen. Ganz einfach ausgedrückt: Stromverbrauch zertifiziertes Gebäude vs. Stromverbrauch herkömmliches Gebäude.
Moderatorenteam "Zukunftssicher investieren":
Was haben Ihre Untersuchungen hinsichtlich der Performance von Green Buildings ergeben? Wo sind sie besser im Gegensatz zu konventionell errichteten Immobilien bzw. wo können u. U. noch Potenziale gehoben werden?
Prof. Uwe Rotermund:
Für uns war die Frage besonders spannend, ob die Green-Buildings hinsichtlich ihrer Lebenszykluskosten besser abschneiden als nicht zertifizierte. Das Ergebnis war, dass diese Aussage grundsätzlich bestätigt werden konnte. Die zertifizierten Objekte nehmen beim Primärenergiebedarf oft eine vordere Position ein. Interessant ist auch, dass nicht, wie oft befürchtet, die zertifizierten Gebäude in der Errichtung teurer sein müssen. Allerdings hat sich auch gezeigt, dass ein zertifiziertes Gebäude kein Garant für ein kostenoptimiertes Gebäude sein muss. Somit ergibt sich, dass selbstverständlich Potenziale nach oben bei einigen Kostenarten vorhanden sind.
Moderatorenteam "Zukunftssicher investieren":
In der Immobilienbranche herrscht mittlerweile Einigkeit über die Notwendigkeit von Green Buildings, auch über die Anwendung von Zertifikaten zur Dokumentation der Gebäudequalitäten. Soweit es um die Neuerrichtung von Gebäuden geht. Allerdings ist die Branche zögerlich, wenn es darum geht, den Immobilienbestand auf Herz und Nieren zu überprüfen. Welches Verfahren ist denkbar, um möglichst schlank und schnell festzustellen, ob die Immobilie eine „grüne“ Zukunft hat?
Prof. Uwe Rotermund:
Meines Erachtens sollte nicht ausschließlich die „grüne“ Zukunft im Vordergrund stehen. Bestandsimmobilien haben oftmals andere Probleme, wie Flächeneffizienz, Umnutzungsfähigkeit, schwer änderbare technische Infrastruktur etc. Ein Zertifizierungssystem für Bestandsimmobilien muss daher variabel sein, auf unterschiedliche Gebäudetypen eingehen können und zur Problemlösung beitragen.
Im fm.benchmarking werden wir den Bereich Nutzungskosten das rotermund.performance.ranking einführen. Hiermit bestimmen wir, wo das Gebäude im Vergleich zu anderen Gebäuden mit gleichen Nutzungsstrukturen liegt. Im Hintergrund analysieren wir dann mittels Regressionsanalysen unsere Datenbanken und können schnell auf Optimierungspotenziale schließen. Unser FM-Check offenbart zudem Schwächen im Gebäudebetrieb und gibt Hinweise zur Optimierung.
Moderatorenteam "Zukunftssicher investieren":
Wo muss ein Portfoliomanager, Eigentümer oder Bestandshalter Ihrer Meinung nach ansetzen, um zügig Klarheit über die Zukunftsfähigkeit seiner Gebäude zu haben?
Prof. Uwe Rotermund:
Da die Beteiligten sehr unterschiedliche Anforderungen und Ziele haben kann diese Frage nicht standardisiert beantwortet werden. Für alle stehen sicherlich eine lange Nutzbarkeit, hohe Mieten/niedrige Kosten und ökologische Kriterien im Vordergrund.
Moderatorenteam "Zukunftssicher investieren":
Eine letzte Frage: Sie arbeiten aktuell am Benchmarking-Bericht für 2011/2012. Wie ist die Resonanz auf Ihre bisherigen Aktivitäten gewesen?
Prof. Uwe Rotermund:
Der Verkauf des Berichtes 2010/2011 hat all unsere Erwartungen übertroffen. Was die Anzahl der teilnehmenden Unternehmen anbelangt, so geht es tendenziell noch weiter nach oben. Unsere Marke fm.benchmarking setzt sich als Marktstandard durch und wir entwickeln uns ständig weiter. Mit anderen Worten, die Resonanz ist hervorragend.
Moderatorenteam "Zukunftssicher investieren":
Herr Prof. Rotermund, wir danken Ihnen für das Gespräch.
WEITERFÜHRENDE INFO:
Webseite zum fm benchmarking: http://ht.ly/6AkVc