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Ausschnitt aus der "Amtlichen Verlautbarung von 1872"

Es gilt, dem Weibe eine der Geistesbildung des Mannes in der Allgemeinheit der Art und der Interessen ebenbürtige Bildung zu ermöglichen, damit der deutsche Mann nicht durch die geistige Kurzsichtigkeit und Engherzigkeit seiner Frau an dem häuslichen Herde gelangweilt und in seiner Hingabe an höhere Interessen gelähmt werde, daß ihm vielmehr das Weib mit Verständnis dieser Interessen und der Wärme des Gefühles für dieselben zur Seite stehe.

aus: wikipedia

Ausschnitt aus „Die Zeit“ 2014:

„Apple und Facebook versprechen ihren weiblichen Angestellten, künftig die Kosten zu übernehmen, wenn sie ihren Kinderwunsch auf Eis legen. Bis zu 20.000 Dollar zahlt Apple für die Entnahme und Lagerung von Eizellen, dem sogenannten „Social Freezing“. Frauen sind also jetzt flexibler in der Wahl des Zeitpunktes zwischen Kind und Karriere. Oder: liefern sie sich jetzt endgültig den Druck der Selbstoptimierung bis ins tiefste Privatleben hinein aus?

(in Anlehnung an: www.zeit.de – „Ein Kind für Apple“,44/2014,23.10.2014,Kolja Rudzio)

Was ist passiert? Im frühen Mittelalter war die Möglichkeit für Frauen, sich Bildung anzueignen, fast nur auf Klöster beschränkt – und auf Mädchen aus „gutem“ Hause. Das erste deutsche Mädchengymnasium wurde 1893 in Karlsruhe eröffnet. Das Studium für Frauen setzte sich nur zögerlich und deutschlandweit erst nach dem 1. Weltkrieg durch. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand die Gymnasialbildung der Mädchen und Jungen ausschließlich in getrennten Institutionen statt, für Mädchen in sogenannten „Lyzeen“. Das Ganze lockerte sich erst in den späten 60ern. Diese Entwicklung mit all ihren Fragen, die noch lange nicht geklärt sind, ist nicht zuletzt der Bildung zu verdanken oder besser gesagt: dem Engagement der Frauen, sich zu bilden.

Heute sind Frauen selbstbewusst, beruflich erfolgreich und müssen mehr denn je mit dem Wunsch nach Familie und Beruf hadern. „Ich habe doch nicht Abitur gemacht, studiert, gearbeitet und noch einmal gearbeitet, um jetzt zu Hause zu bleiben und nach 1 Jahr keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt zu haben“ , so eine Frau, die nicht genannt werden will, weil Sie eventuell als „karrieregeil“ gelten könnte. Der alte Geist sitzt in den Köpfen immer noch tief. Als wäre der Druck der Vereinbarkeit nur Akademikern überlassen. „Ob ich morgens in den Supermarkt gehe und verkaufe oder in der Chefetage Entscheidungen treffe – das macht in den Fragen der Kinderbetreuung doch keinen Unterschied.“

„Ich will gar nicht sagen, dass Frauen sich mehr bilden als Männer. Sie bilden sich anders. Männer holen sich viel Wissen aus ihren Netzwerken. Die Teilnahme an Seminaren wird nicht öffentlich diskutiert, denn das wird oft interpretiert als Na, das kannst Du wohl nicht? “ so Ellen Kokaras, Mitbegründerin der APT Marketing für Bildung GbR. „Frauen haben damit kein Problem. Hier heißt es Toll, Du tust was für Dich. Was hast Du gelernt? Auch die Themen, die gewählt werden, sind unterschiedlich. Frauen tendieren eher zu sogenannten „sanften“ Themen wie Kommunikation, Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, Sprachen – Männer zu Themen mit „Hard Facts“ wie IT, Controlling, Management.“

„Frauen trauen sich in den Seminaren mehr: während Männer die erste Stunde des Seminars damit verbringen, die Rangordnung zu klären, fangen Frauen an Fragen zu stellen. Sie bevorzugen ganzheitliche Lernansätze – Männer klare Aussagen zu „Falsch und Richtig“. Und wenn es heißt: Gruppenübung! sind Männer geneigt zu sagen Nicht schon wieder!

Auch unterscheiden sich Seminarteilnehmer in der Argumentationskultur sowie im Umgang mit Schwächeren in einer Gruppe oder auch im Zugeben von Qualifikationsbedarfen. Nicht „Besser“ oder „Schlechter“ – anders. An der Uni bei den jetzt 20- bis 25-Jährigen ist die Differenzierung „Mann – Frau“ aber gar kein Thema mehr. „Das gibt Anlass zur Hoffnung“ sagt Silke Wöhrmann. Sie könnte es wissen. Nach 25 Jahren in der Personalentwicklung, im Training, Coaching, als Lehrbeauftrage mit zahlreichen Vorträgen und Veröffentlichungen hat sie jetzt zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Ellen Kokaras die „Nächte der Bildung“ ins Leben gerufen.

Die Broschüre: http://nacht-der-bildung.de/images/pdf/BROSCHUERE_HNDB_2015.pdf

Bildung zur Begegnung machen

„Wir haben festgestellt, dass es eine Kommunikationslücke zwischen denen, die Bildung anbieten, und denen, die Bildung suchen gibt.“ Menschen, die Bildung suchen, wissen nicht, an wen sie sich mit ihren ganz persönlichen Fragen wenden können. Wir möchten mit dem Projekt bewirken, dass die teilweise noch vorhandene Scheu einfach mal zu einem Institut oder einer Uni zu gehen und seine Fragen zu stellen, abgebaut wird. Hinter den Türen der Unis, Schulen, Institute arbeiten auch nur Menschen – und das sehr engagiert und mit viel Wissen. Diese Menschen freuen sich, wenn man sie fragt. Wenn mit unserem Projekt Bildung beweglicher, zugänglicher wird und als modernes Instrumentarium der Lebensgestaltung gesehen wird, haben wir viel erreicht“.

Bildung öffnet Türen

Die Nacht der Bildung ist also für Frauen und Männer gleichermaßen eine Chance, sich zur Entwicklung einer individuellen Strategie im Bereich der Aus- Fort und Weiterbildung zu informieren. Am 20.03.2015 von 17 bis 23 Uhr erleben Besucher in Hamburg auf zahlreichen Veranstaltungen vor Ort bei den teilnehmenden Instituten, Universitäten und Unternehmen die ganz persönliche Seite der Bildung kennen.

„Wir möchten zeigen, dass jeder Mensch sein Leben durch Bildung noch mehr selbst bestimmen und prägen kann. Bildung ist mehr als „Mittel zum Zweck“ – sie ist lebendig, kommunikativ und bietet jeden Tag neue Eindrücke und Gedanken. Sie sorgt dafür, dass wir nicht stehen bleiben“ so Wöhrmann.

Auf der Hamburger Nacht der Bildung kann jeder sein individuelles Programm selbst zusammenstellen und mit seinem „Bildungsfahrplan“ unterschiedlichste Themen und Bildungsanbieter besuchen. „Wir wissen, dass sich viele Menschen auf diesem Abend kennengelernt haben und sogar später ihre Bildungsziele gemeinsam angegangen sind. Dieses zu erfahren, freut uns ganz besonders. „Wissen macht besser“ ist dann nicht mehr nur ein Slogan, sondern wird zu einer bereichernden Aufgabe.

Foto: zur Verfügung gestellt von Dietlind Wöhrmann, Schülerin der Klosterschule Hamburg um 1950