Wer gute Arbeit abliefert, soll auch gut bezahlt werden. Das scheint im webbasierten Umgang mit selbstständigen Freelancern aus der Kreativbranche, um es vorsichtig auszudrücken, nicht immer der Fall zu sein. Schildert man konkrete Negativerfahrungen mit Auftraggebern im Bekannten- oder Freundeskreis, erntet man oft ein mitleidiges Lächeln, verbunden mit einer Bemerkung wie dieser: „Ist eben moderner Sklavenhandel.“ Alle wissen es. Viele erleben es. Einige scheinen das Billig-Billig leider mitzumachen. Kaum jemanden scheint es wirklich zu stören.
Wenn etwa auf einem beliebten Freelancer-Portal ein so genannter „Ghostwriter Service“ freischaffende Texterinnen und Texter per Projektangebot zum Ghostwriting für „wirtschaftswissenschaftliche/sozialwissenschaftliche (etc.) Hausarbeiten, Bachelorarbeiten und Masterarbeiten“ einlädt und dabei fragt: „Für welchen Preis pro Seite können Sie gute Arbeit liefern, so dass der Kunde den Zweitauftrag bei Ihnen bestellt und Sie den Abgabetermin halten?“ Seinerseits grenzt besagter „Ghostwriter Service“ das zu erwartende Honorar sogleich auf „5eu-14eu pro Seite Fließtext“ ein und sagt damit ganz unverhohlen, dass zwar gute Arbeit verlangt wird, gute Bezahlung indes nicht infrage kommt (vgl. https://www.freelance.de/Projekte/Projekt-604000-Ghostwriter).
Weist man den Anbieter dann auf „einen durchaus möglichen Euro-0,00-Verdienst eines für Sie tätigen Freelancers (nämlich: Ihr gezahltes Minimalsthonorar abzüglich durch den selbständigen Freelancer ggf. zu entrichtender Steuern sowie in jedem Fall aufzubringender Renten- und Krankenversicherungsbeiträge)“ hin und äußert gegenüber der Praxis des studiumbezogenen Ghostwritings für z. B. angehende Chirurgen oder Ökotrophologen ernste Bedenken, erhält man daraufhin digitale Post mit Beleidigungen übelster Sorte. Und das natürlich anonym, soll heißen: ohne absenderseits den Vor- und Nachnamen zu nennen.
So geschehen ist es dem Autor dieses Beitrages. – Ein Einzelfall? Hoffentlich. Die berüchtigte „Spitze des Eisberges?“ Ich fürchte es.