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Hallo an Alle!

Wer oder was ist "ICH"? Ich frage mich das immer wieder mal und wollte wissen: Was meint Ihr?

Wer bin ich? Mein Körper, mein Gehirn, meine Seele, meine Psyche, mein Unterbewusstsein, meine Emotionen? Oder ist es auch etwas, was man nicht als "mein" bezeichnen kann oder auch etwas, was (noch) gar keinen Namen hat? Und ist es überhaupt wichtig es zu wissen?

Die Ansichten aus dem Bereich der Neurobiologie/Hirnforschung sind für mich derzeit am nachvollziehbarsten. Der Mensch (also auch "Ich"?) hätte es ja gerne nachvollziehbar ;). Somit würde ich für mich definieren, dass ich die Kombination aus bereits messbarer wie greifbarer Materie (Körper inkl. Gehirn) und noch nicht kognitiv zu erfassender "Nicht-Materie" (so, noch ein Name mehr ;) ) bin, die Geist, Seele, Psyche, Unterbewusstsein oder noch ganz anders heißen kann. Die Namensgeber sind ja wir, die versuchen wollen es greifbarer (erklärbarer) zu machen.

Stirbt mein Körper inkl. meines Gehirns gehe ich davon aus, dass alles mit stirbt, egal ob es einen Namen hat oder auch keinen. Für mich ist die Annahme am griffigsten, dass das Zusammenspiel von dem was wir greifen können und dem was wir noch nicht oder niemals greifen können, nur dem reinen Überlebenszweck diente und sonst nichts. Und wenn es so ist, dann ist es auch nicht notwendig, dass wir unsere Herkunft wie Zukunft (ggf. auch noch nicht mal unser "Ich") entschlüsseln müssen. Auch wenn es uns noch so sehr reizt es entschlüsseln zu wollen, fürs reine Überleben dürfe eine Erkenntnis, wenn sie denn zu gewinnen ist, unerheblich sein. Sonst wäre die Menschheit eh schon längst ausgestorben. Dass wir nicht alles wissen, wissen wir! Also würde ich die Aussage, dass wir in unseren kognitiven Möglichkeiten begrenzt sind als wahr annehmen. Wir sind so angelegt, dass wir mit dem was wir vorfinden schön über einen sehr langen Zeitraum zurechtkommen. Trotzdem haben wir diesen Drang, begründen zu wollen, warum wir tun, was wir tun, wie wir es tun und wer wir sind.

Wir sind in der Lage zu lernen, uns zu hinterfragen und uns selbst zu beobachten. Es scheint hierzu zwei Ebenen zu geben, die zwar einander bedingen, aber doch losgelöst von einander existieren. Das, was wir schon verstanden haben, also das, was für uns schon greifbar ist, wie eben auch das Ungreifbare, was je nach Erklärendem einen Namen wie Geist, Seele, Psyche, Unterbewusstsein, … trägt. Wenn eine Entscheidung zu treffen ist, startet ein neuronaler Prozess, der offensichtlich bestimmten Regeln unterliegt, den wir bis zu einem bestimmten Punkt steuern können. Wir sind der Initiator, aber wir können nur einen eingeschränkten Teil unseres Bewusstseins einsetzen. Nicht immer ist alles abrufbar (hat jeder schon mal erlebt, wenn einem partout etwas nicht einfallen will vom dem man aber weiß, dass man es weiß, wie z. B. der Name eines Mitmenschen). Aber wir können zumindest sagen, dass wir unserem Gehirn im Bezug auf Entscheidungen weitestgehend vertrauen können. Gilt es bei der Autofahrt höher zu schalten oder zu bremsen, können wir davon ausgehen, dass auch genau diese Handlung erfolgen wird. Das Gehirn ist darauf ausgerichtet, dass wir überleben. Wodurch es schon mal zu Problemen kommen kann, ist meines Erachtens, dass unsere Gehirne noch Überlebensstrategien in sich tragen, die für heutige Begebenheiten (die wir selber in der Lage waren schon zu kreieren, ohne dass das Gehirn sich anpassen konnte) keine oder eine geringere Relevanz haben. Aus diesem Grund ist es dann auch nochmal interessant auf die Art der Entscheidungsfindung zu schauen. Ich kann es mir, wie u. a. von Singer beschrieben, vorstellen, dass bewusste Aspekte in eine Entscheidungsfindung einfließen. Wobei wir aber selbst bei den bewussten Aspekten nicht immer in der Lage sind, alles was wir schon mal erfahren haben und eigentlich wissen, in den jeweiligen Momenten abzurufen und mit einbringen zu können. So kann es passieren, dass wir Entscheidungen treffen mit denen wir uns gut und frei in der Entscheidungsfindung fühlen, oder eben nicht. Mal kann es dazu kommen, dass wir rational eine Entscheidung für richtig halten, es sich aber schlecht anfühlt weil offensichtlich der unbewusste (nicht greifbare) Aspekt nicht stimmig ist zu dem bewussten. Genauso kann es sein, dass sich eine Entscheidung für uns gut anfühlt, sich aber rational ganz falsch zeigt. Dann gibt uns der unbewusste Aspekt, den wir nicht greifen können, das Gefühl, dass es gut ist aber es steht im Widerspruch zu dem, was wir erfassen können. In beiden Fällen haben wir dann das Gefühl gesteuert zu werden ohne es beeinflussen zu können. Wir fühlen uns machtlos über das, was ins Bewusstsein fließt und was nicht.

An der Stelle finde ich immer ganz entscheidend, dass ich mich grade bei schwerwiegenden, auswirkungsreichen Entscheidungen in eine stabile Emotionslage begebe. Durch meditative Vorgänge, die situationsabhängig ganz unterschiedliche Stufen, wie auch Arten, bei mir haben können, versuche ich einen Blick auf meine Gedanken und Emotionen zu werfen, was je nach Situation sehr herausfordernd und schwer sein kann. Bezogen auf die Frage nach dem „Wer bin ich“ könnte ich schon mal sagen, ich wäre ungern eine Emotion. Ich möchte nicht, dass Emotionen mich (wer auch immer ich bin) bestimmen. Ich will damit nun nicht sagen, dass ich Emotionen nicht zulasse (wie das ginge wüsste ich gar nicht), aber ich erlaube mir festzulegen, wie viel Raum sie einnehmen dürfen. Es macht für mich im Erleben einen sehr großen Unterschied, ob ich von einem grade bestehenden Gefühl und einem Istzustand aus denke, oder von dem Ergebnis aus, welches ich haben möchte. Wenn ich es schaffe meine Gedanken vom Istzustand wegzulenken (was mir nach einem meditativen Prozess am besten gelingt) und sie zum Sollzustand bewegen kann, kann ich ein anderes Gefühl aktivieren, welche mich zu einer anderen Entscheidung/Handlung bringt, als wen ich in den Gedanken und Emotionen des Istzustandes verbleibe. Die meditativen Prozesse brauche ich um die Gedanken und Emotionen, von denen ich mich ggf. "gefangen" fühle, los lassen zu können. Für mich persönlich empfinde ich es so, dass ich durch die eigene Fähigkeit mich in eine stabile Emotionslage bringen zu können, auch das Gefühl habe viel mehr "Herr" meiner Entscheidungen zu sein. Ich fühle mich weniger "ferngesteuert".

Eine zufriedene Lebenseinstellung gewinne ich für mich dadurch, dass ich die Naturgesetze akzeptiere wie sie sind und mit ihnen lebe und nicht versuche gegen sie zu leben und dadurch, dass ich mich entschieden habe mich nicht von meinen Emotionen bestimmen zu lassen, sonder mich aktiv durch meditative Einleitung und bewusste Betrachtung meiner Gedanken und Emotionen dahin bringe, was ich (auch ohne zu erfassen: Wer ist eigentlich "Ich"?) leben möchte. Und was ich leben möchte habe ich ganz bewusst entschieden. Da kommt bei mir wieder der Gedanke der Indianer ins Spiel, die sagen, dass zwei Wölfe (der eine mit den angenehmen Gefühlen und der andere mit den unangenehmen Gefühlen) in uns wohnen und er Wolf gewinnen wird, den wir füttern. Ich habe mich bewusst entschieden, dass ich in mir den Wolf füttern werde, der für Freude, Frieden, Liebe, Hoffnung, Menschlichkeit, Freundlichkeit, Empathie, Wahrheit, … steht, wohlwissend, dass es auch den anderen Wolf gibt, der mir aber nicht behagt.

Was denkt Ihr? Wie definiert Ihr für Euch "ICH"?

Herzliche Grüße

Bettina