Introvertierte/Erzeuger - Extrovertierte/Händler

Schon seit langer Zeit setze ich mich mit dem Umstand auseinander, daß ich meine Entwicklungen nun auch professionell anwende/einsetze, welche ich in 30 Jahren hervorgebracht habe. Jedoch will es mir nicht gelingen. Die Betonung liegt hier auf dem Willen, denn es ergibt sich mir, daß es der Wille nicht vermag, dies zu vollziehen.

In der Auseinandersetzung damit bin ich zunächst auf mein Lebensverhältnis gestoßen, daß ich ursprünglich auf dem Bauernhof aufgewachsen bin und mit meinem Vater alle möglichen Arbeiten verrichtet habe. So auch Renovierungsarbeiten, Um- und Ausbauten des Hauses. Später wurde aus dem Bauernhof eine Gaststätte und mit dem Ableben meines Vaters war auch nur noch dies für mich umsetzbar. Damit konnte ich mich jedoch nicht identifizieren, sodaß ich dann auch einen völlig neuen Lebensweg einschlug, in welchem ich rein auf die Entwicklungen meines persönlichen Potentials fixierte.

Ich habe aus den Erfahrungen damit, und vor allem meinem späteren Werdegang, ersehen können, daß ich mich als Erzeuger ideal umsetzen kann und darin meine Erfüllung finde. Das Händler- und Verkaufswesen hingegen ist nicht meine Welt. Das war meine Feststellung, warum ich mich selbst 'willentlich' nicht dazu bewegen kann, dies zur Ausführung/Umsetzung zu bringen.

Heute vormittag bin ich jedoch auf einen Beitrag über Introvertierte gestoßen, worüber sich mir jetzt dann auch der eigentliche tragende Bestandteil 'der Funktionalität' dieses Verhältnisses bewußt wurde. Introvertierte (so auch ich) funktionieren auf die Weise, daß sie vor allem den Blick nach innen richten, auch wenn sie (darüber nämlich) nach draußen schauen. Das Händling der Resonanz mit der Umwelt und damit verbunden mit den Mitmenschen ist somit generell damit verknüpft, sodaß sie nicht willkürlich demgegenüber handeln, sondern grundlegend immer das Innenleben berücksichtigend. Bei Extrovertierten verhält es sich anders. Bei diesen findet der Blick nach draußen statt, ohne das Innenleben darin zu involvieren.

Hierbei handelt es sich aufgrund der Funktionalität vor allem auch um ein Schutzgebahren, worin Introvertierte die Umwelt sondieren und demgegenüber ihre Handlungen einrichten und somit auch einschränken, um sich zu schützen, wohingegen Extrovertierte über einen derartigen Schutz verfügen, indem das Innenleben nicht (grundsätzlich) involviert ist.

Darüber ergibt sich dann auch der eigentliche 'existenzielle' Aspekt, daß Introvertierte sich eventuell zur Repräsentation eignen, aber nicht für den Handel/Verkauf, wohingegen dies für Extrovertierte der ideale(re) Standort der professionellen Umsetzung ist. Zwar sind im Detail noch andere Faktoren wesentlich, vor allem das 'Human Capital', nämlich die persönlichen Fähigkeiten (Begabungen/Talente) und damit die verbundenen Ambitionen (des inneren Antriebes). Jedoch erscheint mir dieser Aspekt als der Kernpunkt dieser Gegebenheit.

Hallo Herr Lenau, interessanter Beitrag, den ich gerne ergänzen möchte: Auch ich bin ein eher introvertierter Mensch, aber genau deswegen ein guter Verkäufer. Ich beobachte meine Umgebung und nehme viele Signale meines Gegenübers auf, die ich für die Verkaufstätigkeit nutze. Extrovertierte Verkäufer, die nur sich und ihr Produkt in den Mittelpunkt stellen, sind doch eigentlich out, oder? Diese haben alle Mal den Vorteil, dass sie die Möglichkeit haben, schneller ein Netzwerk aufzubauen, über das sie verkaufen. Ich denke aber, dass der introvertierte Mensch viel besser intrinsisch, also aus sich selbst heraus handeln kann, im Verkauf. Und deshalb auch langfristig mehr Erfolg haben kann, als der extrovertierte Mensch. Aber was genau ist für Sie die Konsequenz? Ein Extrovertierter, der Ihnen ein Netzwerk knüpft? Ich bin an einer ähnlichen Stelle... Viele Grüße Andrees Backer
Hallo Herr Becker, sie sagen, sie seien 'eher' introvertiert. Herzlichen Dank, daß Sie mir diesen Input liefern. Der Beitrag ist spontan entstanden und mir geht es wie immer darum, 'primär' die Dinge auf den Punkt zu bringen. Darum auch die Kürze des doch umfangreichen Themas. Diesbezüglich ist einzubringen, daß auch hierin entsprechend jeglicher persönlichen Merkmale, Kapazitäten, Veranlagungen, etc. vor allem auch die 'Ausgeprägtheit' dessen eine zentrale Rolle spielt. Die Inbetrachtnahme der Ausgeprägtheit findet an sich nur im Bezug auf den Charakter statt, gilt meiner Erfahrung nach jedoch grundsätzlich als Maßstab. Bei mir ist dies extrem ausgeprägt, wohingegen Ihre Worte mir vermitteln, daß dies bei Ihnen nicht so ausgeprägt ist. Man könnte auch sagen, daß Sie beides zum Teil verkörpern und somit beides für sie möglich ist. Dieses Verhältnis ist selbstverständlich ebenfalls zu beachten.