Der Logistiker ist für den Warenfluss verantwortlich, dass die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt am Richtigen Ort vorhanden ist und das es weder einen Warenstau noch einen Mangel gibt. Eine interessante und verantwortungsvolle Aufgabe.
Hat der Logistiker hier aber auch den wichtigsten Faktor mit eingerechnet? Den Faktor Mensch? In der Produktion ist der Faktor Mensch leicht zu kalkulieren, hier kann ein Mensch leicht durch einen anderen Menschen ersetzt werden. Viele Menschen mit dem gleichen Ausbildungsstand sind auswechselbar. Auch wenn in der Fertigung heute ein Spezialist ausfällt, muss eine Maschine nicht sofort still stehen, der Spezialist wird von einem anderen schnell ersetzt.
Wie ist das aber in der Praxis, im Segment Warentransport, einem wichtigen Teil der Logistik das m. E. sträflich in der Planung vernachlässigt wird? Wie sieht es mit der Ersetzbarkeit des LKW-Fahrers aus? Langfristig ist jeder Mensch austauschbar, aber wie ist das kurzfristig?
Macht sich ein Logistiker in der Planung überhaupt einen Gedanken darüber, dass der Faktor Mensch im Warentransport, insbesondere der LKW-Fahrer ausschlaggebend für die Durchführbarkeit seiner Idee ist?
Der Transport als solcher kann geplant werden. Hierzu braucht der Logistiker nur einen Frachtführer; der seiner Planung entsprechend den Warentransport durchführt. Der Frachtführer muss den entsprechenden LKW vorhalten, der die geplante Ware am geplanten Ort, zur geplanten Zeit übernimmt und in der geplanten Zeitspanne, vom geplanten Beladeort zum geplanten Entladeort transportiert und dort planmäßig ankommt.
Die Faktoren die hier eine Rolle spielen, ist die zu bewältigende Strecke (Entfernung), die Tageszeiten (Verkehrsaufkommen), sowie die störenden Faktoren, die man nicht wirklich einplanen kann, wie Staus durch Baustellen (bei guten Planungen vorhersehbar) und Staus durch Unfälle (auch bei guter Planung nicht vorhersehbar, vor allem, wenn eine Umfahrung auf Grund der Position im Stau nicht möglich ist), Grenzübergänge, Kontrollen durch Polizei und BAG (nicht vorhersehbar, aber durch richtige Ausführung der Ladungssicherung und ordentlichen Papieren, etc. nicht ins Gewicht fallend.). Ferner einzurechnen sind die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Lenkzeitunterbrechungen des Fahrers. Diese sind in die Kalkulation des Warentransportes von Seiten des Frachtführers mit einzuplanen und sollten auch dem auftraggebenden Logistiker bekannt sein oder ehrlich bekannt gegeben werden, damit dieser den Warentransport in seine Planung mit einbeziehen kann.
Was nicht vorhersehbar ist, ist die Verfassung des LKW Fahrers.
Auch wenn es Logistikern unmöglich erscheinen mag, bei LKW Fahrern, auch Trucker genannt, handelt es sich um Menschen. Menschen deren Leistung, außer im Fernsehen und in Statistiken, tagesformabhängig sind. So gibt es Tage, wo LKW Fahrer rund um den Globus fahren könnten und gerne auch würden (hier hat der Gesetzgeber einen Riegel vorgeschoben – die Lenk- und Ruhezeiten), aber es gibt auch Tage an denen ist der Mensch, so auch der LKW Fahrer, schon nach dem Aufstehen müde. Jeder kennt diese Tage und diesen Zustand, nicht nur nach einer durchzechten Nacht, sondern auch nach scheinbar ausreichendem Schlaf. An einem solchen Tag ist der LKW Fahrer, dann aber trotz allem guten Willen, nicht in der Lage seinen Aufgaben konzentriert und verantwortungsvoll nachzukommen, sondern macht seinen Job rein aus Verantwortungsbewusstsein seiner Firma und deren Auftraggeber gegenüber und versucht, den ihm vorgegebenen Termin, gem. einer Planung, die diese kleine Unwägbarkeit (seine körperliche Verfassung) vergessen oder einfach nicht berücksichtigt hat, einzuhalten.
Hieraus erwachsen Situationen für den Fahrer selbst, für dessen Familie, für dessen Firma, für deren Auftraggeber und für unbeteiligte Passanten, die wir jeden Tag in den Nachrichten hören. Kleine Unfälle aus Unachtsamkeit bis hin zu den persönlichen Katastrophen, wo unbeteiligte Menschen zu Schaden kommen.
Es liegt aber nicht daran, dass der LKW Fahrer, aus rücksichtslosigkeit seine Lenk- und Ruhezeiten überschreitet oder aus selbstüberschätzung überhaupt nicht einhält, sondern in der Regel an einer Logistikplanung, die den wichtigsten und unberechenbarsten Faktor, den Faktor Mensch als LKW Fahrer und dessen Tagesform, nicht berücksichtigt hat.
Ich plädiere dafür, dass zukünftig der LKW Fahrer mehr in die Überlegung der Planung einbezogen wird und man eine Kulanzzeit von mind. 3 Stunden allein für den Fahrer einbaut, unberührt von Standzeiten im Stau, an den Grenzen und bei Kontrollen. 3 zusätzliche, dem Fahrer für notwendige Pausen frei zur Verfügung stehende Stunden sollten in der Regel genügen, wenn der Fahrer nicht gerade mit Fieber oder sonst schlechtem gesundheitlichen Zustand hinter dem Lenkrad sitzt und nur eben einen schlechten Tag hat.
Sicherlich werden jetzt viele mit dem Argument der Wirtschaftlichkeit kommen, dass meine Vorstellungen weltfremd und nicht realisierbar wären. Dagegen halte ich, dass die gesamten Kosten die hier eingespart werden können, die durch Fahrzeugausfall nach Unfall, Transportschäden, Strafen, etc. zusätzlich anfallen, nicht die Gesundheit und das Leben eines einzigen Menschen aufwiegen.