Marie Kurz (1826-1911) gehörte zu den wenigen württembergischen Frauen, die sich schon in der Revolutionszeit von 1848/49 öffentlich für mehr Freiheit und Menschenrechte einsetzten. Als frühe Sozialistin und radikal-republikanische Pazifistin war sie dabei nicht nur eine Vorsprecherin der revolutionär-liberalen Esslinger Jugend zur Zeit des Vormärz, sondern auch eine der ersten politischen Frauengestalten im 19. Jahrhundert überhaupt. Den einflussreichen, Ende 1848 von der Frankfurter Nationalversammlung angenommenen Grundrechtekatalog begrüßte sie mit den Versen:
Dem neuen Wein gebühren neue Schläuche,
Der neue Geist erfordert neues Licht,
Drum fort nun die veralteten Gebräuche,
Wo die Vernunft in Flammenworten spricht.
Marie Kurz wurde am 6. August 1826 als Eva-Maria von Brunnow in Ulm geboren. Ihr adeliger Familienhintergrund ermöglichte ihr eine aus zeitgenössischer Perspektive ausgezeichnete Bildung: Neben den Unterricht im Königin-Katharinen-Stift traten Privatstunden bei verschiedenen Gouvernanten, die sie insbesondere für Literatur und klassische Schriften begeisterten.
Politisches Engagement
Schon in ihrer Jugendzeit führte Marie Kurz ein aufgeschlossenes und politisch aktives Leben: Sie pflegte regen Umgang mit der bürgerlichen und adeligen Nachbarschaft, nahm an studentischen Debatten teil und veröffentlichte politische Gedichte. Während der Revolution von 1848/49 war sie im demokratischen Lager aktiv. Sie trat mit republikanischen Reden an die Öffentlichkeit, verteilte politische Manifeste und brachte ihre Gesinnung auch äußerlich zum Ausdruck, indem sie sich den bürgerlichen Kleidervorschriften provokant widersetzte und ländlich-bäuerliche Kleidung trug.
Schon vor dem frühen Tod ihrer Eltern hatte sich das Familienvermögen durch schlechtes Wirtschaften stark vermindert; das restliche Erbe steckte Marie Kurz zu erheblichen Teilen in die Unterstützung politischer Flüchtlinge. Im Februar 1848 lernte sie den ähnlich gesinnten Redakteur und Schriftsteller Hermann Kurz kennen, den sie 1851 unter demonstrativer Ablegung ihres Adelstitels heiratete. Das Ehepaar bekam insgesamt fünf Kinder und lebte zunächst einige Jahre lang in Stuttgart, später in Oberesslingen und Tübingen. Wegen aufrührerischer Reden musste sich Marie Kurz im Sommer 1853 kurzzeitig vor dem Stuttgarter Schwurgericht verantworten, wurde aber freigesprochen. Das Ehe- und Familienleben war dominiert von liberal-demokratischen Idealen, zahlreichen Haushaltspflichten und einer über weite Strecken äußerst kargen Finanzsituation.
Vier Jahre nach dem Tod ihres Mannes, der bereits 1873 gestorben war, zog Marie Kurz gemeinsam mit ihren Kindern nach Italien. 1910 kehrte sie zusammen mit ihrer Tochter Isolde, die mittlerweile als Dichterin bekannt geworden war, nach Deutschland zurück.
Sie starb am 26. Juni 1911 in München.