Modernes Interior Design nicht fotogen
Raumgestaltung als ganzheitliche Mediengestaltung
Beim Auswerten mehrer tausend Fotos von mehreren Jahrestagungen in der gleichen Location fiel auf: Trendig durchgestaltete Veranstaltungsräume versagten als Hintergrund der Fotodokumentation. Ganz abgesehen von dem störenden und falschen Licht, das auf alles im Raum abstrahlt, verdarb die trendige Eiche dem Fotografen definitiv das Geschäft. Was man als Teilnehmer nicht im geringsten bemerken mag, spätestens auf dem Foto wird es offenbar.
Beim aktiven Schauen fokussiert das Auge Geschehen und Person/en, alles andere außerhalb des engen Gesichtsfeldes verschwindet in Unschärfe und entzieht sich der Aufmerksamkeit. Von der Raumausstattung reflektierte Farbstiche werden durch unseren automatischen Weißabgleich subjektiv weggefiltert (Das Phänomen der Farbkonstanz sorgt dafür, dass man gleiche Farben im unterschiedlichen Licht als gleiche wahrnimmt). Auf dem kleinen Fotoformat ist jedoch beides objektiv vorhanden und scharf. Plötzlich sieht es gar nicht mehr gut aus. Man darf nicht nur vermuten, dass wir unbewusst auch in der realen Situation unangenehm berührt sind. Was uns auf dem Foto stört, verdirbt uns auch in Wirklichkeit die Stimmung.
Damit Personen bei Tagungen, Konferenzen, Podiumsdiskussionen usw. optimal zu fotografieren sind, muss die Raumgestaltung zu aller erst auf die Personen, auf die aktuellen Kleidungsfarben, Haut- und Haarfarbe eingehen. Im Zeitalter des World Wide Web läuft Kommunikation immer mehr über Bild und Medien, deshalb wird Raumgestaltung zukünftig Teil einer ganzheitlichen Mediengestaltung – ein Ansatz für ganz neue Trends in der Innenarchitektur.