Das amerikanische Sandwich-Imperium "Subway" bekommt Konkurrenz. Einige ehemalige Franchise-Partner des Unternehmens haben sich zu einer Genossenschaft in Karlsruhe zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Die Gründung einer bundesweiten Sandwich-Kette. Die Gründer der neuen Imbiss-Marke rechnen mit einem raschen Zuwachs weiterer unzufriedener Subway-Filialenbetreiber und könnten so die Marktführung in Deutschland übernehmen.
Der Beginn einer neuen Sandwich-Ära?
Frieder Dreher war einer der ersten deutschen Franchise-Partner des amerikanischen Sandwich-Unternehmens "Subway". Im Jahr 2001 eröffnete er seine erste Subway-Filiale am Kronenplatz in Karlsruhe, das insgesamt zehnte Subway-Restaurant in Deutschland.
Heute betreibt der Unternehmer vier Restaurants in Karlsruhe, zwei in Pforzheim und eines in Gaggenau. Doch seit Ende November ist der Schriftzug der Sandwich-Kette "Subway" an seinen Filialen verschwunden. Die Anzeigetafeln sind mit Bannern verdeckt, das Logo wurde entfernt.
Karlsruher Franchise-Partnerschaft ist gekündigt
"Die Franchise-Partnerschaft mit Subway ist gekündigt", sagt Dreher gegenüber ka-news (c) http://www.ka-news.de. "Die Restaurants in Karlsruhe werden zukünftig nicht mehr unter der Marke Subway am Markt aktiv sein und keine Subway-Sandwiches mehr anbieten", bestätigt auch Subway-Sprecherin Christina Westerhorstmann auf ka-news-Anfrage.
Franchise-Partnerschaften sehen vor, dass die sogenannten Lizenznehmer gegen eine Lizenzgebühr das Geschäftskonzept einer bestimmten Marke nutzen dürfen. Im Gegenzug soll die Firma die einzelnen Unternehmer bei Organisation und Werbung unterstützen. So wirbt auch Subway Deutschland auf seiner Internetpräsenz um weitere Franchise-Partner. Die Partner sind als selbständige Unternehmer für Mitarbeiter, Investitionen und den Umsatz der Restaurants allerdings selbst verantwortlich.
Lizenznehmer beklagen zu hohe Gebühren
Doch die Lizenz- und Marketinggebühren seien viel zu hoch, beklagt Dreher. Jeder Franchise-Partner müsse vom Umsatz insgesamt zweistellige Prozentbeiträge an Lizenzgebühren und Werbekosten an das Unternehmen entrichten, egal ob er Gewinn macht oder nicht, empört er sich.
Zudem müssten die Franchisenehmer die Einrichtung und den Umbau der Restaurants aus der eigenen Tasche bezahlen. Gleichzeitig habe sich das Unternehmen nicht ausreichend um die Belange der einzelnen Lizenznehmer gekümmert, wie es bei einer Franchise-Partnerschaft üblich sei.
Deutscher Franchise Verband entzieht Subway die Mitgliedschaft
In jüngster Zeit mehrten sich die Klagen unzufriedener Franchisenehmer der Subway-Kette. So wird immer wieder über mangelnde unternehmerische Unterstützung und fehlende Beratung geklagt, wodurch die wirtschaftlichen Ziele nicht erreicht würden, heißt es in Kreisen der Lizenznehmer. Auch um das Marketing kümmere sich der Konzern nicht professionell genug. Viele unzufriedene Restaurantbetreiber würden sich daher weigern, die Lizenzgebühren an das Unternehmen zu zahlen. Wegen der Unzufriedenheit zahlreicher Lizenznehmer hatte der Deutsche Franchise Verband (DFV) Subway Mitte 2009 in die assoziierte Mitgliedschaft zurückgestuft.
Der Branchenverband lässt seine Vollmitglieder vor Aufnahme anhand seines Ethikkodexes und eines bestimmten System-Checks von neutraler Stelle überprüfen. Ein wesentliches Element des System-Checks sei die Franchisenehmer-Zufriedenheitsbefragung, teilte der Verband auf eine Anfrage von ka-news mit. Nachdem bei einer Überprüfung im Jahr 2008 dem Unternehmen Subway Optimierungsbedarf bescheinigt wurde, wurde die Franchisenehmer-Befragung im ersten Halbjahr 2009 wiederholt. "Das Ergebnis zeigte jedoch, dass sich die Partner-Zufriedenheit verschlechterte. Aufgrund dieser Entwicklung entschied der DFV-Vorstand, dass Subways vorläufige Mitgliedschaft nicht in eine drei Jahre gültige DFV-Vollmitgliedschaft umgewandelt wird", teilte ein Verbandssprecher gegenüber ka-news mit.
Restaurantbetreiber gründen neue Sandwich-Kette
"Schlechtes Marketing, negative Presse und dann noch der Ausschluss aus dem Verband, das war einfach zu viel", empört sich der Karlsruher Sandwich-Gastronom Dreher. Im letzten Jahr seien die Umsätze des Unternehmens extrem eingebrochen, so Dreher. Das weniger optimale Management des Unternehmens sei dafür verantwortlich. Das Unternehmen verliere nun einen Lizenznehmer nach dem anderen.
Viele - nach ka-news-Informationen eine höhere zweistellige Zahl - frustrierte Restaurantbetreiber, die sich bereits von der Marke Subway gelöst haben, schließen sich jetzt zu einer neuen Sandwich-Kette zusammen. Hierfür wurde eigens eine Genossenschaft gegründet. Der Sitz der Genossenschaft ist Karlsruhe, Dreher einer der beiden Vorsitzenden. Durch den genossenschaftlichen Zusammenschluss wollen sich die Restaurantbetreiber gemeinsam unternehmerisch organisieren. Die Betreiber unterstützen sich gegenseitig bei Einkauf, Logistik und Werbung. "Jeder Betreiber bleibt aber nach wie vor sein eigener Chef", erklärt Dreher.
"Wir wollen Subway nicht verdrängen"
Unter neuem Namen wollen die Betreiber unabhängig vom Subway-Imperium weiterhin Sandwiches anbieten. Eine neue bundesweite Sandwich-Kette soll entstehen: "Wir werden weiterhin Sandwiches nach den individuellen Wünschen der Kunden vor deren Augen belegen", berichtet Dreher. Der Restaurantbetreiber versichert, jeden seiner 50 Mitarbeiter auch weiterhin zu beschäftigen.
Bei der neuen Sandwich-Kette handele es sich nicht um eine Kopie des Subway-Konzeptes, betont Dreher. "Wir wollen Subway weder verdrängen noch ersetzen, sondern eine neue selbstbewusste eigene Marke mit qualitativ hochwertigen Produkten an den Markt bringen. Wir können das besser als Subway", ist sich der Restaurantleiter sicher.
Befinden sich 200 Restaurants in der Kündigungsphase?
Das Interesse, der Genossenschaft beizutreten, sei extrem hoch, meint Dreher. Allerdings würden nur ausgewählte Betreiber in die Genossenschaft aufgenommen. "Wir sind kein Auffangbecken für gestrandete Subway-Unternehmer, sondern bieten Unternehmern die Möglichkeit in mehr Eigenständigkeit zu wechseln", betont Dreher.
Nach Insider-Informationen befinden sich in Deutschland derzeit etwa 200 Restaurants in der Kündigungsphase - das wäre fast ein Viertel der etwa 750 Subway-Restaurants in Deutschland. In einigen Monaten könnten sich über 100 Restaurants der neuen Marke angeschlossen haben, prognostiziert Dreher.
Die Notwendigkeit für die Gründung der Genossenschaft entstand nach zwei unbefriedigenden Treffen enttäuschter Franchisenehmer beim Deutschen Franchise Nehmer Verband (DFNV) in diesem Jahr in Bonn. Bei den Treffen hätten die Restaurant-Betreiber gegenüber der Subway-Unternehemensspitze ihren Unmut über die aktuelle Situation geäußert, so Dreher. Auch in direkten Gesprächen mit der Geschäftsleitung des Konzerns hätten die Betreiber ihre Situation bemängelt und Vorschläge gemacht, wie das System verbessert werden könnte. Zwar habe das Unternehmen daraufhin mit Hans Fux einen neuen Deutschland-Chef eingesetzt, aber sonst hätte sich nicht viel verändert, schildert Dreher, der bis vor kurzem auch Sprecher der Subway Lizenznehmer in Deutschland war.
Subway fürchtet keine Konkurrenz
Das sieht man bei Subway anders: "Das Unternehmen stellt den Lizenznehmern sämtliche Hilfsmittel für den Betrieb eines Restaurants bereit. Erst im Oktober wurden auf der Deutschland-Konferenz gemeinsam mit den Franchise-Partnern ein neuer Marketingplan mit Maßnahmen auf nationaler und lokaler Ebene sowie ein Operations-Plan mit umfangreichen Trainingsmaßnahmen festgelegt", sagt Subway-Sprecherin Westerhorstmann gegenüber ka-news. Auch sollen die Unterstützungsleistungen der 13 Regionalbüros ausgebaut werden, um die Franchise-Partner in der Führung ihrer Restaurants weiter zu stärken.
Eine Konkurrenz der aufbegehrenden Restaurantbetreiber befürchtet Subway bisher nicht. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass die meisten Versuche, ein beliebtes Restaurantkonzept zu kopieren und eine neue Marke zu etablieren, gescheitert sind", erklärt die Unternehmenssprecherin.
Den Namen der neuen Sandwich-Kette möchte Dreher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten. Der Slogan der neuen Kette hingegen lautet: Gestatten lecker. (c) http://www.ka-news.de