Skip navigation

Vielleicht hätte man den Film von Ken Loach (I, Daniel Blake - sozialkritische Auseinandersetzung über den Umgang mit den Armen in Großbritanien) etwas eher gebraucht. Er greift auf, was viele nicht sehen oder wenn sie es sehen nicht wahrhaben, bzw. lieber ignorieren wollen.

Entscheidungsträger wissen gar nicht mehr was an der Basis los ist! Anders ist auch die Überraschung wohl nicht zu interpretieren! Der Brexit kam für sie wohl aus dem Nichts, dabei hatte er sich lange angekündigt ... wenn man denn zugehört hätte. Ich erinnere mich grad an einen Spruch meiner Oma: "Wer nicht hören will, muss fühlen!"

Vor zwei Jahren als der Armutsbericht Großbritaniens im Parlament vorgelegt wurde, sagte eine Adlige darauf, dass Arme hungern müssten, weil sie nicht wüssten wie man kocht. Sie ruderte später zurück und relativierte ein bisschen. Aber ihre Aussage machte eins klar, sie hatte überhaupt nicht verstanden wie schlecht es vielen Menschen aus ihrem Volk wirklich geht.

Das lateinische Wort Minister bedeutet übersetzt Diener. Mir scheint es so, dass es gar keinen Minister mehr gibt, der das überhaupt noch weiß ...

Man kann ja von Norbert Blüm halten was man will. Aber er hat etwas gemacht, was amtierende Minister ihm nachtun sollten. Mit seinen 80 Jahren begab er sich im Frühjahr eine Nacht mit in das Flüchtlingslager Idomeni, einfach um mal eine Idee davon zu bekommen, was das heißt.

Wenn ich wissen will, wie es um mein Land bestellt ist, dann muss ich mich genau in die Regionen und zu den Menschen begeben, die unter dem System meines Landes offensichtlich leiden. Als Minister also als Diener meines Volkes müsste es mir bereits ein menschliches Bedürfnis sein, dass in meinem Land niemand hungern muss. Wenn ich diese Empathie nicht aufbringen kann, warum auch immer, dann sollte es zumindest eine strategische Entscheidung sein, dass ich auf die "Schwachen" achte.

Fakten und die Stimmen aus dem Volk zu ignorieren ist das Schlimmste, was man als Minister machen kann.

Wenn man es sich bildlich vorstellt, dann ankert ein Minister mit seinem Boot an einem besonders schönen Flußabschnitt und schaut auch nur in die Richtung, wo alles besonders schön blüht und einfach nur herrlich ist - DER Flußabschnitt, der einem alles bietet, sofern man dort vor Anker gehen kann. Die Menschen, die schreiend hinter seinem Boot von einem Sog mitgezogen werden, die hört er zwar, aber er schaut nicht hin. Es sind schließlich Menschen mit denen er sich nicht so gerne umgibt. Wahrscheinlich hält er sie auch für dumm, sie haben ja keine Boote und noch nicht mal schwimmen können sie. Lästig einfach! Hätte er sich gekümmert als der erste schreiend an ihm vorbeischwomm, dann hätte er bemerkt, dass der Sog direkt zu einem mächtigen alles in die Tiefe reißenden Wasserfall führt. Und hätte er den Fluß hinauf geschaut, um zu verstehen, warum dieser Mensch in den Sog geraten war, dann hätte er die Flutwelle von Menschen verhindern können, die ihn kurz darauf für ihn absolut überraschend samt seinem Boot Richtung Wasserfall und dann mit in die Tiefe nahmen.

Ich bin froh über den Brexit, liegt in ihm doch die große Chance des Aufwachens! Die schallende Ohrfeige hat jetzt erstmal für Irritation gesorgt, hoffentlich sorgt sie im nächsten Schritt für eine Ursachenanalyse!

Teilen des Volkes Bildung und Brot zu entziehen ist ethisch nicht vertretbar und macht auch wirtschaftlich (was ja das Wichtigste ist! - man darf es gerne als Ironie auffasssen) keinen Sinn.

Entziehe ich Bildung (passiert in Deutschland bereits seit Jahrzehnten: http://bit.ly/1Q7ZVaM), nehme ich mir als Minister selbst die Möglichkeit mein Volk hinter mich zu bringen, wenn die Zeiten schwierig werden.

Mit Bildung meine ich übrigens nicht das Schulsystem und auch keinen Hauptschulabschluss oder Abitur, sondern die Förderung des Denkens in Zusammenhängen sowie das eigenständige lösungsorientierte Denken.

Und entziehe ich dann noch Brot, weil ich das dafür vorgesehene Geld für etwas anderes einsetzen möchte, dann muss ich mich nicht wundern, wenn sich mein Volk von mir als ihrem Diener verarscht fühlt.

Diejenigen, die von dem entzogenen Brot nicht betroffen sind, verstehen ggf. ebenso wenig wie die Minister, was mit dem "Pöbel" los ist. Schließlich soll der "Pöbel" doch froh sein, dass er noch ein paar Krümel hat ... aber was macht man, wenn dann auch noch die Krümelchen auf einmal weg sind ...

Dieser Tage twitterte Hamburg online, dass 95 % des Hamburger Wohnraums nicht mehr bezahlbar sind. Darauf fragte ich, ob diese Leute, die in den nicht mehr bezahlbaren Wohnungen wohnen zu den Tafeln gingen. Man antwortete mir, dass die Tafeln in Hamburg und Norderstedt derzeit auf Betteltour sind, es gibt nicht mehr genug abgelaufene Lebensmittel, um alle Bedürftigen zu bedienen ...

‪#‎JedesElementZählt‬: Die Stimme der "Schwachen" zu ignorieren bedeutet, sie später als schallende Ohrfeige im Gesicht zu haben!

Der Brexit ist die erste schallende Ohrfeige!

Regeln, die von Menschen gemacht sind, können auch von Menschen wieder aufgehoben werden!!

Der Schaden für das "Konstrukt EU" erscheint mir höher als der Schaden den Großbritanien nun erleiden wird. Der einzige Wert durch den die EU zusammengehalten wird, ist der €, das war's. In guten Tagen mag das reichen, in schlechten definitiv nicht!

Wenn wir uns nicht um das kümmern, was wirklich wichtig ist, brauchen wir uns bald eh um nichts mehr kümmern!

Oder? Was denkt Ihr?

Fragende Grüße

Bettina