In meinem aktuellen Blog-Beitrag schreibe ich über die Second-Hand-Branche als Gründungs- und Arbeitsmarkt.
RÜCKBLICK DER ANDEREN ART
Secondhand -Beiträge gibt es in meiner Rückblick-Tour in 2.0. Auflage. Bereits in 2009 auf verschiedenen online-Portalen gestartet, sind die Beiträge immer noch Grundlagenliteratur für alle, die sich kurz und gut recherchiert zum Thema informieren möchten. Aktuellere Daten auch zu Gründungs- und Arbeitsmarkt in der Secondhand-Branche scheint es noch nicht zu geben. Auch wenn (Stand 21.05.2018) der Suchlauf neben meinen Beiträgen immerhin vom 23.06.2017 diesen Beitrag zeigt Second-Hand-Laden eröffnen – mit gebrauchten Produkten in die Selbstständigkeit: So geht’s von firma.de. Dennoch ist das kein Beleg für eine Änderung gegenüber Status 2009. Und wohl auch hier war ich die nicht genannte Informationsquelle ergänzt um den Hinweis auf Förderung der Gründung durch Agentur für Arbeit.
Gründer und Unternehmer denken bei der Beschaffung überwiegend an den 1. Markt für neue Produkte, Arbeitsplätze, Herstellungsverfahren, etc. Das ist der klassische Weg. Doch es gibt auch einen 2. Markt. Dieser Secondhand-Markt ist eine vielfältige Ergänzung des 1. Marktes. Aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht betrachtet ist der 2. Markt der ganzheitlichere und oftmals – aus Sicht der finanziellen und persönlichen Ressourcen-Schonung – sogar der sinnvollere. Diese sechsteilige Serie möchte einen Einblick über den Gebrauchtmarkt mit seinen Kennzahlen, Funktionsweisen und auch Stolpersteinen geben und soll dabei helfen, „neue“ Beschaffungswege für die Ausstattung (Material, Personal, Verfahrenstechniken, etc.) eines Unternehmens kennenzulernen.
ÖFFENTLICHES IMAGE DES SECONDHAND-ARBEITSMARKTES
Der Arbeitsmarkt Secondhand bewegt sich noch als 2.Markt im Grenzbereich von Karitativem und Abfallwirtschaft – hochwertiges Beispiel dafür ist HUMANA Secondhand & Vintage. Hier wird das Image neben deutschlandweiten Läden auch mit facebook und wertigem Marketing „aufgepeppt“. SO geht Marketing – wir gehen auch mit der Erlebnistour „Bekleidung“ zum größten Humana Kaufhaus in Berlin.
Ansonsten ist das öffentliche Image des Secondhand-Arbeitsmarktes-Marktes geprägt von Sozialkaufhäusern, Recyclingwerkstätten für Elektronik, Bekleidung, Möbel, etc und von Einrichtungen für Bedürftige wie „Die Tafel“, Beschäftigungsinitiativen für Ein-Euro-Jobber zur Wiedereingliederung in den 1. Arbeitsmarkt, etc. In dieser Form hat noch 2007 das Bayrische Landesamt für Umwelt auf einer Fachtagung den aktuellen Branchenstand beschrieben.
Doch es gibt bereits Ansätze, dass auch auf dem Arbeitsmarkt der Secondhand-Branchen die Regeln des 1. Marktes gelten.
GRÜNDUNGS- UND ARBEITSMARKT IN DER SECONDHAND-BRANCHE
Macht es nun Sinn in der Secondhand-Branche zu gründen? Der „Gebrauchthandel“ wird immer mehr als einträgliches Geschäftsmodell aufgegriffen, was bedeutet, dass die Branche a) als solche wahrgenommen wird und b) es einen Markt mit Angebot und Nachfrage gibt.
Dennoch gibt es bisher aus den bereits in den vorherigen Beiträgen genannten Gründen keine Gründungsleitfäden speziell für die Secondhand-Branche. Man orientiert sich immer noch an Gründern aus dem Firsthand-Handel. Einerseits ist das zwar nachvollziehbar, andererseits gibt es aber doch viele spezifische Unterschiede. Genannt seien hier die für diese Branche wichtigen speziellen Bereiche: Preispolitik, Sortiment, Beschaffung, Entsorgung, Marketing.
BESONDERHEITEN DES SECONDHAND-MARKTES AM BEISPIEL DER PREISPOLITIK
Sie möchten einen Handel mit Ladengeschäft für Gebrauchte Ware (u.a. Möbel, Kleidung, Haushaltswaren) eröffnen. Da der Erfolg in der Geschäftswelt zentral am Preis bemessen wird, stelle ich diesen in den Mittelpunkt meines Beispiels. In der Neumöbelbranche geht es nach dem klassischen Muster aus Einkaufspreis + Fixkosten+ Handelspanne = Verkaufspreis. Der Neumarkt unterliegt keinem Beschaffungsengpass, der Gebrauchtmarkt schon. Im Gebrauchtmarkt bestimmt die Beschaffungssituation das Warenangebot. Warum? Was muss man beim Secondhandmarkt berücksichtigen und was muss man mitbringen?
• Preisfindung: die Preisfindung erfolgt durch Marktbeobachtung ( siehe bspw. terapeak.de für Ebay-Preisanalysen).
• Neumarktbeobachtung: Mann muss die aktuellen Vergleichspreise für die eigenen Produkte kennen.
• Trendbeobachtung und Markenimage: Welche Waren sind gefragt und welche sind derzeit knapper und deshalb teuerer?
• Gute Produktkenntnisse: Herstellungsinformationen, Verwendung, Montage, Kombination des Artikels etc.
• Warenpräsentation: Die Preisakzeptanz beim Kunden wird durch die Lage im Regal beeinflusst – unten ist günstig, oben ist hochpreisig; Lager ist billig, Boutique ist teuer.
• Gestaltung der Preisschilder: handschriftlich heißt billig oder auch individuell je nach Verkaufsambiente; Sonderaktionspreise auf orangem oder gelben Hintergrund; etc.
• Image des Geschäftes und Kundenstruktur: die Lage in einem sozialen Brennpunkt braucht günstige Preise und Massenabsatzprodukte (günstige Schreibtische, Schränke, Stühle, etc.) und eine Kundenstruktur aus Familien mit Kindern braucht ein breites Angebot rund um Familien (Kinderschreibtische, Kinderbürostühle, Home-Office-Möbel, etc.)
WAS MÜSSEN GRÜNDER IM SECONDHANDBEREICH BESONDERS BEACHTEN?
• Sie sollten genau wie im First-Markt eine genaue Standortanalyse mit allen Eckdaten machen.
• Sie sollten die Besonderheiten des Gebrauchtmarktes als Gründungs- und Arbeitsmarkt in den Bereichen Beschaffung, Preispolitik und Marketing berücksichtigen.
• Sie sollten wissen, dass ein nachhaltiger Gebrauchthändler den Bereich „Entsorgung“ nicht als Müll betrachtet. Entsorgung ist hier vielmehr Recycling mit Weiterverwendung durch Umnutzung (Winkelschreibtisch wird Schulungstisch), Wiederverwertung (Aufarbeitung durch Neupolstern und Beziehen), Weiterverwertung (Materialrecycling oder ReDesign)
Abschließend sei darauf hingewiesen, dass der Secondhand-Verband eine sogenannte „Handreichung zur Überprüfung Ihres individuellen Betriebskonzeptes von A-Z“ bereithält. Zusätzlich bietet der Verband auch Verweise auf Fördermöglichkeiten und Hilfestellungen durch die Verbandsmitgliedschaft an.
SECONDHANDMARKT ALS AUSBILDUNG MARKT
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle ganz erfreut von den Erfolgen berichten bei der Etablierung eines IHK-Abschluss für „Einzelhandelskaufleuten in der Gebrauchtgüterbranche“ im Rahmen des EQUAL Projekt zur Professionalisierung der Secondhand-Branche. Doch: Zwar gibt es Auszubildende in den Betrieben der Secondhand-Branche, doch das sind ganz klassische Einzelhandelskaufleute, Bürokaufleute, Industriekaufleuchte, etc. ohne spezifischen Ausweis auf dem Abschlusszeugnis „Gebrauchtgüterbranche“. Das ist schade. Denn ein Ausbildungs-Curriculum dafür ist bereit entstanden.
Grundsätzlich kann man sagen, dass Auszubildende in der Gebrauchtgüterbranche quasi Allrounder sind: Lagerlogistik, Transportwesen, Reparatur, Montage in dem Fachrichtungs-Mix aus Möbel, Hausrat, Textilien, Elektroartikel und Maschinen sind je nach Betriebsart indirekt immer auch Teil ihrer Ausbildung. Diese Flexibilität wird gerade heute auf dem Arbeitsmarkt neben Fachwissen immer wichtiger. Als Ansprechpartner und Förderer der Ausbildung in der Gebrauchtgüterbranche ist auch der Secondhand Verband.
AUSBLICK
In der nächsten Folge geht es um ReDesign – 1. Markt-Produkte in 2.Markt-Gestalt.
Hast du schon mal überlegt in auf dem 2. Markt zu gründen oder zu Arbeiten? Schreiben mir entweder an hallo@mueller-christine.de oder diskutier mit in meiner XING-Gruppe. Ich werde in meinem nächsten Beitrag auf deine Antworten eingehen. Ich bin gespannt von euch zu hören.
Eure Christine