85 reiche Menschen besitzen so viel wie die halbe Weltbevölkerung - meldet am 20. Januar 2014 die Deutsche Presseagentur http://www.dpa.de unter Bezugnahme auf einen Bericht über die Verteilung des Wohlstands auf der Erde, den die unabhängige Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam veröffentlichte. Oxfam http://www.oxfam.de setzt sich ein "Für eine gerechte Welt. Ohne Armut."
Mein Ansatzpunkt, einen - zugegebenermaßen nur kleinen - Beitrag gegen Armut und Ausgrenzung zu leisten, ist es, durch Moderation von Partizipationsprozessen denjenigen Menschen zu einer Stimme in der öffentlichen Wahrnehmung zu verhelfen, denen aufgrund ihrer sozialen Lage in Armut selten zugehört wird. Ihnen soll damit die Aufmerkamkeit und der Respekt entgegengebracht werden - als eine Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.
* Ein Partizipationsprojekt in einer Zeit der sich öffnenden Schere zwischen Arm und Reich *
In der Absicht, aktiv zu werden gegen Armut und sozialer Ausgrenzung, habe ich mich gemeinsam mit Wiebke Claussen (aus Dortmund) , Petra Eickhoff und Fred Gimpel (beide aus Köln) im Jahr 2013 am luxemburgischen Projekt "Zesummen an'd Zukunft" beteiligt.
In einer "therapeutischen Wäscherei" zur Wiedereingliederung von arbeits- und obdachlosen Menschen in eine Berufsausübung, die Selbstwirksamkeitserfahrungen ermöglicht, moderierte ich eine Zukunftswerkstatt. Arbeitsergebnisse bezogen sich sowohl auf die Wäscherei als auch die Nachbarschaft und die eigene Bildungsbiografie und zeigten bald schon positive Folgen auf die persönlichen Entwicklungen. Empowerment http://de.wikipedia.org/wiki/Empowerment war spürbar, nun leichter selbstbestimmt, autonom und gemeinsam aktiv werden zu können, anstatt auf Almosen zu warten. Beeindruckend war für mich, wie intensiv die kreative und wertschätzende Zusammenarbeit alle bewegte - die Professionellen der sozialen Organisation eingeschlossen. Einblick in die Dokumentation: http://www.zwteam.de/Datas/Zukunftswerkstatt-Protokoll-Waeschbur.pdf
* Die durch Obdachlosigkeit gezeichneten Lebensschicksale sind unerkannte Ressourcen *
Auch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Notschlafstelle für wohnungslose Menschen ("Foyer Ulysse" http://lb.wikipedia.org/wiki/Foyer_Ulysse ) mitten im Herzen des Finanzplatzes Luxemburg (http://de.wikipedia.org/wiki/Luxemburg_%28Stadt%29 ) habe ich im Rahmen dieses Projektes zwei Tage verbracht und viel Vertrauen aufbauen können. Es zeigte sich einmal mehr, dass es sich lohnt, Ideen und Visionen gemeinsam auszusprechen und den Gefühlen von Ausgrenzung und gesellschaftlichen Spaltung Bilder zu geben. Auch hier war es möglich, eine kurze Zukunftswerkstatt zu moderieren - mit Menschen, denen manche andere weder die Ausdauer noch die Auffassungsgabe zutrauen, sich zu artikulieren und einander zuzuhören.
Die Arbeit mit Zukunftswerkstätten soll die direkt betroffenen Menschen einbeziehen, zu eigenem Handeln ermutigen und jede Form von Bevormundung, was sich Menschen für die Zukunft wünschen, vermeiden. Leider konnten in dieser Notschlafstelle nicht alle Vorbehalte der Einrichtungsleitung zu einem offenen Arbeitsprozess überwunden werden, so dass der Partizipationsprozess in diesem Hause zunächst ausgebremst wurde.
* Partizipation als Ansatzpunkt einer veränderten sozialen Arbeit gegen Armut *
Etliche "Professionelle" der sozialen Arbeit in Luxemburg durchliefen 2013 eine sechstägige Schulung in der Moderation von Zukunftswerkstätten. http://www.xing.com/net/zwnetz/weitblick-neuigkeiten-kurzportraits-austauschbar-welche-moglichkeiten-bietet-mir-das-netz-von-zukunftswerkstatten-741684/luxembourg-ville-letzebuerg-aktuelle-zukunftswerkstatt-moderationsausbildung-44037018 . Damit wurde ein Grundstein gelegt, damit sich langfristig ein Umdenken im Umgang mit Klientinnen und Klienten dauerhaft durchsetzen kann. Es erschien ein zweisprachiges, 64-seitiges Skript "Zukunftswerkstätten kompetent moderieren - Savoir faciliter les Ateliers de l‘Avenir". Ein Auszug daraus steht zur Vertiefung zur Verfügung: http://www.zwteam.de/Datas/Moderationsausbildung-Luxemburg-2013.pdf
Die dabei frisch Ausgebildeten moderierten dann gemeinsam mit den erfahrenen Zukunftswerkstatt-Moderatorinnen und -Moderatoren aus Deutschland in Hesperange (südlich der Hauptstadt von Luxemburg) http://www.hesperange.lu eine nationale Armutskonferenz unter neuen Rahmenbedingungen. Das jährliche partizipative Treffen zur sozialen Inklusion (REPIS: Rencontre participative pour l'inclusion sociale) wurde vom European Anti Poverty Network Lëtzebuerg http://www.eapn.lu 2013 erstmals als Zukunftswerkstatt durchgeführt.
Anfang 2014 geht nun die Dokumentation der REPIS-Konferenz von Luxemburg in Druck. Ich veröffentliche nachfolgend einige Abschnitte daraus vorab, um anzuregen, Ähnliches in anderen Orten und Ländern zu erproben und durch Partizipation gegen Armut und Ungerechtigkeit zu handeln:
* Wie eine Konferenz zu Armut mit Betroffenen als Zukunftswerkstatt funktioniert: *
* Mit Kreativität gegen Routine und Resignation *
* Partizipation *
Die Zukunftswerkstatt « Atelier de l'Avenir » ist bekannt als partizipative Arbeitsmethode. Zukunftswerkstätten begleiten Menschen mit unterschiedlichsten Erfahrungen in einen fruchtbaren Dialog, in dem jeder wertvoll ist, egal ob jung oder alt, neu dabei oder reich an Erfahrung, ob mehr oder weniger formal gebildet oder sprachgewandt. Eine Zukunftswerkstatt will Resignation überwinden und Ermutigung verbreiten. Dies ist deshalb so wichtig, weil Menschen, die resignieren, träge werden. Zukunftswerkstätten wecken die Vorstellungskraft davon, was sein könnte, und regen so dazu an, aktiv mit anderen gemeinsam zu handeln.
Gerade diejenigen Menschen, denen nur wenige etwas zutrauen, können in Zukunftswerkstätten befähigt werden, über neue gesellschaftliche Verhältnisse und andere produktive Möglichkeiten nachzudenken. Denn wer die Zukunft im Voraus erfindet, kann hoffen, sie wirksam selbst zu beeinflussen, schrieb der Methoden-Erfinder Robert Jungk in einem Buch « Projekt Ermutigung ». http://zwnetz.de/Jungk/80.html#Anchor-Mut
* Moderation *
Alle Teilnehmenden sind Experten ihrer Lebenswelt. Es kommt nicht darauf an, wie lange man schon dabei ist, wie alt man ist oder wie gut man reden kann. Nicht das Moderations-Team entscheidet, sondern die Teilnehmenden wissen selbst, was wichtig ist. Die Moderatoren schenken jedem gleichermaßen Aufmerksamkeit. Sie vertrauen darauf, dass jeder im Raum etwas Wichtiges zum Ergebnis beitragen kann. In einer Zukunftswerkstatt wird jeder gebraucht, um Konzepte für eine gute gemeinsame Zukunft zu entwickeln.
Rational-analytische Methoden (z.B. Stichworte sortieren und auswählen) und emotional-intuitive Methoden (z.B. eine Collage plakatieren) wirken wechselseitig und motivieren zu neuen Sichtweisen und Ideen. Erfahrungen mit Zukunftswerkstätten bestätigen, dass Menschen mit unterschiedlichen Meinungen und mit verschiedenen Lebensgeschichten sehr gut miteinander arbeiten können. Alle können gleichberechtigt mitreden und in drei Arbeitsphasen gemeinsam herausfinden, welcher Ärger in Zukunft verschwinden soll, welche Träume eines besseren Lebens alle verbindet und welche Veränderungen man bald schon gemeinsam voranbringen kann.
* Kreativität *
In der Zukunftswerkstatt wird die Kreativität aller Teilnehmenden angeregt, um ungewöhnliche Vorschläge und neue Ideen zusammenzutragen. Wer nicht gut schreiben kann, drückt seine Ideen wie ein Künstler mit Farben aus, oder zeigt den anderen seine Sichtweise in einer Zukunfts-Szene wie im Theater. Am Schluss einer Zukunftswerkstatt wird gefeiert, wenn alle guten Ideen aufgeschrieben sind und jeder weiß, was für die Zukunft miteinander verabredet wurde. Indem Menschen nach der Zukunftswerkstatt an ihren Themen und Projekten weiterarbeiten, entstehen aus den Erfahrungen von Zusammenarbeit auf « Augenhöhe » oft permanente Werkstätten.
Weiterlesen in der REPIS-Dokumentation: http://www.zwteam.de/Datas/REPIS2013-Dokumentation.pdf
* Gemeinsam soziale Arbeit gegen Armut mit Zukunftswerkstätten weiterentwickeln *
Diskutieren Sie mit mir, mit Petra Eickhoff und Wiebke Claussen öffentlich die genannten Projekte: Am Sonntag 26. Januar 2014 in "Kana Dortmunder Suppenküche" http://www.kana-suppenkueche.de , unweit des Hauptbahnhofs Dortmund, geht es um "Zukunftswerkstätten mit Menschen am Rande der Gesellschaft", siehe http://www.xing.com/net/zwnetz/uberblick-methoden-links-praxis-was-finde-ich-bei-den-zukunftswerkstatten-741683/betroffene-zu-beteiligten-machen-zukunftswerkstatten-mit-menschen-am-rande-der-gesellschaft-45807199 .
Und lassen Sie sich unterstützen durch die Arbeit des gemeinnützigen Vereins Zukunftswerkstätten e.V. für Partizipation und gegen soziale Ausgrenzung http://www.zukunftswerkstaetten-verein.de . Ich freue mich auf gemeinsame Schritte.