Der größte Stahlhersteller der Welt, ArcelorMittal, kämpft weiter um Anteile am Weltmarkt. Gestern gab der Konzern mit Sitz in Luxemburg bekannt, dass er gemeinsam in einem Joint Venture seiner Tochter „ArcelorMittal India Private Limited“ (AMIPL) mit dem führenden japanischen Unternehmen Nippon Steel & Sumitomo Metal (NSSMC) ein erneutes Angebot für die insolvente Essar Steel India Limited abgegeben hat. Essar ist ein integrierter Flachstahlproduzent und der viertgrößte indische Stahlkonzern. NSSMC arbeitetet laut ArcelorMittal eng mit dem größten Stahlhersteller zusammen.
Es geht um den indischen Stahlmarkt, der als der „vielversprechendste der Welt“ gilt, wie NSSCM-Präsident Kosei Shindo festhielt. In Indien läuft derzeit eine Welle von Übernahmen zahlungsunfähiger Hersteller, nachdem die Regierung mit einem neuen Insolvenzgesetz den Weg frei gemacht hatte. Erst Ende März hatte Tata Steel den Rivalen Bhushan Steel übernommen.
Essar Steel verfügt unter anderem über ein komplett integriertes Werk in Hazira im indischen Bundesstaat Gujarat mit einer Kapazität von rund zehn Millionen Tonnen Stahl jährlich. Darauf kommt es den Bietern offenbar an. Mit Blick auf Hazira kommentiert CEO Lakshi Mittal: „Wir planen signifikante Investitionen, um es zu vergrößern, unsere Patente und Prozesse einzubringen und neue, qualitativ hochwertige Produkte für Branchen wie Automobil oder Fotovoltaik in Indien anzubieten.“ Bei diesen Sätzen dürfte der Wunsch der indischen Regierung nach Wachstum der Industrie eine Rolle spielen. Die Rohstahlerzeugungskapazität in Indien soll bis zum Jahr 2030/31 auf 300 Millionen Tonnen steigen - von heute 125 Millionen Tonnen.
Allerdings dürfte es nicht so einfach werden. Zum einen gibt es Konkurrenten wie Tata Steel, Vedanta Resources sowie die Gründer von Essar, Shashi Ruia und Ravi Ruia, die gemeinsam mit der russischen Bankengruppe VTB Group als Konsortium Numental Mauritius bieten. Zum anderen werden ArcelorMittal Anteile am westindischen Stahlproduzenten Uttam Galva vorgeworfen. Diese will ArcelorMittal jedoch vor Angebotsabgabe veräußert haben.
journal.lu