Emden/Essen Der Industriekonzern ThyssenKrupp will seinen Standort in Emden mit 220 Mitarbeitern schließen. Alle Beschäftigten der Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) sollten Arbeitsplatzangebote an anderen Standorten bekommen, sagte ein Thyssen-Sprecher am Freitag. Die Umstrukturierung sei Folge des verschärften Wettbewerbsdrucks bei einer steigenden Nachfrage nach Marineschiffen.
Am Vormittag hatte das Unternehmen die Emder Belegschaft bei einer Betriebsversammlung informiert. Gewerkschafter kritisierten anschließend die Schließungspläne als wirtschaftlich nicht sinnvoll und nachvollziehbar.
„Das Kalkül ist, dass damit nur der Personalabbau vorangetrieben werden soll“, sagte der Geschäftsführer der Emder IG Metall, Michael Hehemann. Viele in Ostfriesland verwurzelte Mitarbeiter wollten die Region nicht für einen Umzug nach Kiel oder in andere Standorte verlassen. Thyssen-Krupp habe den Standort nach und nach zerschlagen und verbrannte Erde hinterlassen, sagte er.
Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD/Sande) kritisierte die Pläne. „Für diese Entscheidung habe ich kein Verständnis“, sagte er. In Zeiten der Digitalisierung und des Fachkräftemangels sei es überhaupt nicht nachvollziehbar, warum der Standort Emden aufgegeben werden müsse.
TKMS-Geschäftsführer Rolf Wirtz zeigte in einer Erklärung Verständnis, dass für die Mitarbeiter jetzt viele Unwägbarkeiten entstünden. Das Unternehmen wolle und könne auf die qualifizierten Mitarbeiter nicht verzichten. „Die strategische Entscheidung ist jedoch nötig, um in einem harten Wettbewerb auch in Zukunft bestehen zu können“, so Wirtz.
Thyssen hatte am Donnerstag die Streichung von zusätzlich bis zu 1000 Stellen in Deutschland angekündigt. Schwerpunkt sollte der Großanlagenbau sein, zu der auch der Marineschiffbau gehört.
TKMS Emden mit Technikern und Schiffskonstrukteuren ist der letzte Unternehmensteil von Thyssen-Krupp auf der ehemaligen Traditionswerft Nordseewerke. Thyssen hatte die 1903 gegründete Werft 1974 übernommen und 2010 verkauft. Nach dem letzten Stapellauf 2009 und zwei Insolvenzanträgen wurde der Schiffbau eingestellt. Inzwischen sind zwei Nachfolgefirmen auf dem Werftgelände aktiv, die nicht zu Thyssen gehören.
Schattenseiten des Booms
Quelle: https://www.nwzonline.de/wirtschaft/emden-essen-schiffbau-thyssen-krupp-schliesst-standort-in-emden_a_32,0,3116339699.html