Typographisches Desaster

Mit Empfehlung von Herrn Handner, Moderator der Gruppe Deutsch für Profis, in welcher ich schon seit längerem aktiv bin, trete ich auch einmal dieser Gruppe bei, da ich aufgrund meiner persönlichen Entwicklung neben den dafür notwendigen Sprachkenntnissen mich mittlerweile auch mit dem Verfassen und Gestalten von Büchern auseinandersetze. Und somit vor allem auch mit der Typographie, da ich bisher allumfassend alles selbst ausführe.

Somit zunächst auch einmal einen 'Angekommenengruß' an die Moderatoren und Mitglieder.

Ich möchte auch gleich einsteigen mit einer 'brennenden' Thematik, auf die ich gestoßen bin, nämlich den Sachverhalt, daß bei der Vielzahl an Fonts, welche ich im Laufe der Zeit zusammengetragen habe, bei vielen das Kerning gar nicht funktioniert. Dies betrifft die Anwendung derer in Windows.

Soweit ich bisher ermitteln konnte, werden die Fonts weitestgehend an Apple-Computern und -Systemen entwickelt, jedoch nicht die differenzierenden Maßnahmen zur Nutzung auch an Windowssystemen bedacht. Ich habe dazu einige Fontenwickler dazu kontaktiert und es wird mir entsprechend auch von dort bestätigt.

Ich würde diese Thematik gerne einmal weiträumiger in Umlauf bringen, damit man die entsprechenden Korrekturen vornimmt.

Freundlichst

Jörg Lenau

Dass ein Zusammenhang zwischen »Kerning funktioniert nicht auf Windows« und »Font wurde auf Apple-Computer entwickelt« besteht, halte ich mit Verlaub gesagt für Unsinn. Es mag sein, daß manche Textverarbeitung nicht auf im Font implementierte Kerningtabellen zugreift, aber was hat das mit der Plattform zu tun, auf der der Font entwickelt wurde? Professionelle Schriftgestaltungs-Software wie Fontlab Studio läuft auf Mac und Windows – ich kann mir nicht vorstellen, daß es sozusagen einen eingebauten Bug gibt, der das Kerning bei der digitalen Fontproduktion auf der einen Plattform quasi aushebelt. In welcher Software funktioniert das Kerning bei Ihnen denn nicht? Vielleicht unterbreiten Sie ihre Entdeckung ja auch einmal in einschlägigen Foren wie www.typografie.info oder www.typedrawers.com, dort kann man Ihnen dann vielleicht weiterhelfen.
Herr Schumacher. Mit Verlaub möchte ich auf meine Aussage verweisen und damit verbunden, daß ich aufgrund 'praktischer' Erfahrung 'und' Rücksprache mit Entwicklern diesen Sachverhalt aufbringe. Hier auch einmal eine Beschreibung bezüglich der Differenzierung für Windows: https://docs.microsoft.com/de-de/typography/opentype/spec/kern
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Hierin gilt zunächst einmal zu unterscheiden, daß (wie dort ebenfalls beschrieben) für 'Windows' die Kerningangaben entsprechend den dortigen Spezifikationen vorgenommen werden müssen - dies bei Windows (teils) andere Spezifikationen sind (wie man dort entsprechend hervorhebt), wie für andere Systeme (Beispiel: Apple). Dies wird, wie die Erfahrung aufzeigt von 'vielen' nicht berücksichtigt. Es handelt sich primär sehr wohl um einen systembedingten Sachverhalt. Was den 'system level support' betrifft, so besagt dies, daß die Systemoberfläche von Windows 'das Kerning' nicht umsetzt, sondern die jeweilige Anwendungssoftware, welche die entsprechenden Daten ausliest und darüber zur Anwendung gelangt. Das ist bei anderen Systemen nicht anders.
Herr Lenau, die von Ihnen verlinkte generelle Differenzierung für Windows ist vermutlich kaum etwas, was der auch Typedesigner genannte Fontentwickler berücksichtigen kann. Dieser ist, wie die meisten Software-Anwender, auf die Optionen angewiesen, die diese bietet. Adressat der Spezifikationen sind wohl eher die Entwickler einer Typedesign-Software. Im Forum von Glyphs – dies ist eine populäre Software für Typedesigner, die tatsächlich nur für Mac verfügbar ist – bin ich unter zahlreichen Diskussionen zum Thema Kerning genau auf einen Thread gestoßen, der sich mit Kerning-Problemen im Zusammenhang mit einem Microsoft-Programm beschäftigt … https://forum.glyphsapp.com/t/no-kerning-in-office/3205. Die beiden Software-Entwickler von Glyphs äussern sich darin eingehend zum aufgetretenen Problem, das in MS Word auf Mac OS X El Capitan und MS Word '10 auf einem Windows 7 PC auftritt – also nicht nur auf einem Windows-Betriebssystem, sondern auch auf einem Mac OS, allerdings in einem Office Programm von Windows. In der Diskussion, die vertiefte Kenntnisse in der Anwendung voraussetzt, wurden offenbar praktikable Lösungen gefunden und das Problem der Eingangsfrage gelöst.