Folgender launiger Vortrag eines Wiener Schuhproduzenten macht deutlich, mit welchen Schwierigkeiten heute Unternehmen konfrontiert sind, die die Beziehungsqualität auch auf der Ebene der Beziehung zu ihren Geldgebern beachten und ernstnehmen:
https://www.youtube.com/watch?v=JlTTFf3oUCE
(Der für das Thema hier relevante Teil beginnt ca. ab Minute 28:15 - Wenn man sich an den besonderen Duktus des Redners gewöhnen kann, macht aber auch der ganze Vortrag Spaß und gibt auch noch zu ganz anderen Themen zu denken)
Trotz den von Heini Staudinger geschilderten Schwierigkeiten wünsche ich jedem Unternehmen, dass es sich sehr genau überlegt, von wem es Geld annimmt, um sich die Energie zu verschaffen, die es zur Realisierung seiner Vorhaben braucht, die es aber zum jetzigen Zeitpunkt aus den Zahlungen seiner Kunden (noch) nicht gewinnen kann.
Denn nach wie vor werden die Folgen auf die ganze Unternehmung unterschätzt, die es hat, wenn ein Unternehmen bereit ist, Kapital von Geldgebern anzunehmen, denen das Unternehmen, seine Identität und sein Lebensbejahender Zweck völlig gleichgültig sind. - Geldgebern also, die tatsächlich NUR an der Rendite ihres Investments interessiert sind (oder von Institutionswegen nur an diesen interessiert sein dürfen), an den drei verfehlten Fragen bei einer Investitionsentscheidung:
a) Wie hoch ist die Rendite?
b) Wie sicher ist die Rendite?
c) Wie bald kann ich mein vermehrtes Geld wieder abziehen?
Ein positives Bild geben dagegen all jene, die derzeit schon so etwas wie "Impact Investing" betreiben. Die Ihr Geld also genau jenen Unternehmen geben, mit denen sie etwas anfangen können. Die mit "ihren" Unternehmen in Beziehung gehen.
Aber Beziehungen sind eben - so banal es klingt, so oft vergessen wir es -, zweiseitige Geschichten: Auch von Unternehmensseite wird (oder wird eben nicht) "ein Schuh draus": Unternehmen haben durchaus die Wahl, zu WEM sie eine Unternehmens-Investor-Beziehung eingehen, von WEM sie bereit sind, überhaupt Kapital anzunehmen. Und sich zu überlegen: "Was sind denn unsere Kriterien hinsichtlich unserer Investorenbeziehung, um zu entscheiden, von wem wir Geld annehmen wollen und von wem nicht?"
Und auch hier geht es dann wiederum NICHT oder zumindest nicht an erster Stelle um diese drei sinnentleerten Fragen:
a) Wie hoch ist die Renditeerwartung?
b) Wie sicher können wir eine solche Rendite erwirtschaften?
c) Wie bald kann der Investor sein von uns im Stress unseres Angesichts vermehrtes Geld wieder abziehen?
Sondern es geht um ein Beziehungsangebot, das ein Unternehmen, das etwas auf sich hält, nicht JEDEM machen sollte, der mit seinen Scheinchen um die Ecke biegt.
Ich habe den Eindruck, dass ein gutes Kriterium dafür, wen man sich mit seinem Geld mit an Bord holt, das Kriterium ist, ob derjenige mit dem Unternehmen etwas anfangen kann, ob er wirklich am Unternehmen, an seinen Menschen, an seinem Fortbestand und seinem Gedeihen interessiert ist. - Oder ob es ihm eben schnurzegal ist, woher seine wundersame Geldvermehrung her stammt und wie diese von statten geht, solange nur die Risiken sauber durchkalkuliert sind.
Kurz: Ist der jeweilige Geldgeber bereit oder überhaupt interessiert, sich auf eine echte Beziehung zu unserem Baby (unserem Unternehmen) einzulassen? Liegt im etwas an uns oder liegt ihm nur etwas an seiner Kapitalvermehrung? Sind wir für ihn nur Mittel zum Zweck oder sind wir für ihn auch Zweck in sich selbst? - Ein Zweck, der ihm ebenso wichtig ist oder ihm mit der Zeit so wichtig werden kann, wie er uns schon heute ist?
Das gilt meines Erachtens übrigens nicht nur für AGs, für Venture-Capital-getriebene Unternehmen und Co. - Das gilt ganz genauso für Familienunternehmen, "inhabergeführt" oder nicht, wie folgende Überlegungen deutlich zu machen versuchen: