Auch von mir ein Dankeschön für die Aufnahme in der Gruppe. Aus gegebenem Anlass möchte ich sofort einen Kommentar zu einem aktuellen Ereignis abgeben.
Viel Spaß beim Lesen und kommentieren.
„DHL stellt den Paketkasten ein“
Der Gelbe Riese hat sich geräuspert und ein kleines Beben erzeugt.
Schaut man sich die vielen Kommentare in verschiedenen Medien zu DHL‘s Entscheidung, den Paketkasten einzustellen an, so spricht daraus der Wunsch, nach einer einfachen Lösung: „Es kann doch nicht so schwer sein, ein offenes Paketkasten System in den Markt bringen. Die Chinesen haben es doch schon allen gezeigt!“ (Aus verschiedenen Quellen zusammengefasst)
“So einfach ist es nicht”
Der Paketmarkt ist in Europa historisch gewachsen, hat aber seit der Marktöffnung einen spürbaren Wandel erfahren. In China haben wir einen ganz anderen Markt, der sehr stark politisch gelenkt wird. Daher beginnen JD und Alibaba auch erst jetzt, die ländlichen Regionen einzubinden.
Ein allen Ansprüchen genügendes System zu schaffen, kommt der Quadratur des Kreises nahe: Software- und Hardwareintegration, Coopetition, Bündelung und Schulungen (auf keinem Fall!). Alles muss passen. Und es muss billig sein für alle, die die Boxen benutzen. Am liebsten gratis! Ah ja, die DSGVO muss ja auch eingehalten werden.
Hermes und DPD, und am Anfang GLS und UPS, haben es probiert und mitbekommen wie schwierig es ist, alle unter einen Hut zu bekommen. Aber sie haben es versucht, weil auch sie wissen, dass sich einiges ändern muss, um die Paketmengen der Zukunft mit einem erhöhten Anteil an Food, Medizin, Same Day und FSK16/18 Produkten, zu bewältigen.
Je nachdem woher sie kommen, ist der eine KEP führend in Paketshop-Logistik, der andere hat die bessere Tracking App, und so weiter. Man macht bei Feldversuchen mit, um die neuen Lösungen zu testen, aber nicht jede Erfindung oder Lösung macht in der Realität Sinn.
Der Frust der Kunden über die KEPs wächst. Allein bei post-aerger.de gab es im letzten Jahr 11.800 Beschwerden. Eine stolze Zahl! Allerdings entspricht das 0,0003% der Zustellungen (Nur auf Pakete bezogen). Welche andere Branche kann so niedrige Prozente vorweisen?
“Die Arbeit geht weiter”
Die „traditionellen“ Hersteller, wie Renz, Burg-Wächter oder Knobloch, um einige zu nennen, und eine sehr große Anzahl Startups, darunter auch wir von Sesam, sind seit Jahren dabei, die Grundlage für offene und barrierefreie Paketboxen zu entwickeln. GS1, DIN, CEN und jede Menge Verbände wie BdKEP, BIEK, bevh, Händlerbund, ecommerce Europe - alle arbeiten täglich daran, die Vision, von leicht zu bedienenden Paketboxen, die für alle offen sind, zu realisieren. Ich persönlich bin seit 20 Jahren dabei.
Durch die Innovationskraft von DHL, sind viele der heutigen Letzte Meile-Lösungen entstanden. Dabei hat DHL alle anderen Player im Markt inspiriert. DHL Packstation, DHL Paketbox, DHL Paketkasten, elektrische Lieferfahrzeuge, um nur einige Innovationen zu nennen.
Heute haben alle neuen Projekte unterwegs. Intern und extern wird nach Lösungen gesucht und wir sehen neue Partnerschaften die vor ein paar Jahren nicht einmal denkbar waren.
“Alle sind aufgerufen”
Eins wird in den Kommentaren überall klar: Kein Unternehmen kann allein die (Paket) Wende schaffen. Alle müssen an einem Strang ziehen: die KEPs und eTailer müssen zusammenarbeiten. Nur so kann eine Lösung entstehen, die der Kunde akzeptiert.
Andernfalls werden die angekündigten Preiserhöhungen, mit Zuschlägen für Heimzustellung, Abendzustellung, Landaufschläge etc., dazu führen, dass die Sendungsmengen nicht weiter in dem bisherigen Umfang anwachsen. Die letzte Meile wird so teuer und für den Verbrauchern unüberschaubar, dass die Umsätze auch bei den eTailern stagnieren könnten oder zumindest langsamer wachsen. Also liebe Internetshops, macht mit - sonst wird Deutschland irgendwann ein Teil des Amazonas.
Mehr über Sesam erfahren auf http://www.sesam-homebox.de