Neulich war ich bei einer Projektvorstellung im Bereich "Online lernen" eingeladen. Dort durfte ich bestaunen, was Pädagogen hervorbringen können, wenn man sie von der Leine lässt. So war, oder besser ist, das Projekt von der pädagogischen Seite her mit Sicherheit gut durchdacht und wird deshalb die Leistung der Zielgruppe deutlich verbessern. Doch leider hat das Ding einen konzeptionellen Fehler.
Die Zielgruppe sind Jugendliche oder junge Erwachsene. Tendenziell eher männlich. Nimmt sich als cool und selbstbestimmt wahr, äußerlich sehr von sich überzeugt, innerlich jedoch von Zweifel und mangelndem Selbstwertgefühl geplagt. Hinzu kommt noch, dass diese Zielgruppe auf alles Lust hat, nur nicht auf Lernen.
So weit so gut. Das wäre ja noch nicht so schlimm, wenn da nicht der konzeptionelle Fehler wäre, den fast jede Lern-Software hat, egal ob online oder offline.
Fast jede Lern-Software die ich kenne, geht davon aus, dass der Lernende die Software nutzt. Aber genau das ist nicht der Fall. Das mag am Anfang noch so sein, doch speziell die angesprochene Zielgruppe lässt sich sehr leicht ablenken. Was nicht blinkt, blitzt und keine Aktion verspricht wird schnell wieder vergessen.
Mit einem Marktkenner habe ich bereits in dieser Angelegenheit gesprochen. Er hat meinen Eindruck mit folgenden Worten bestätigt: “Der Verkauf von Selbstlernkursen mit CDs basiert auf der Hoffnung, dass die irgendwie funktionieren. Sehr wenige lernen damit tatsächlich. Der ganze Fortbildungsbereich lebt eher von der Hoffnung als von der Leistung.”
Nachdem ich meine Bedenken bei der anfangs erwähnten Projektvorstellung geäußert und damit auch noch die Projektumsetzung ins Wanken gebraucht habe, darf ich jetzt die Sache in Ordnung bringen und das Projekt so umbauen, dass das Verhalten der Zielgruppe berücksichtigt und ein Lernerfolg möglich ist.
Meine Frage hierzu ist, ob sich hier schon mal jemand mit dieser Problematik auseinandergesetzt hat?
Und wenn ja, in welche Richtung Lösungen erarbeitet wurden?
Viele Grüße von Patrick Schnabel