ZUGFeRD - elektronischer Datenaustausch halbherzig umgesetzt

Ist auch mal Kritik erlaubt? Meiner Meinung nach nutzt ZUGFeRD das aktuell technologisch mögliche sowie das organisatorisch/inhaltlich sinnvolle Potential des elektronischen Datenaustauschs zwischen Unternehmen nur ansatzweise aus.

1. Die Datenübertragung

Die Art der Datenübertragung ist zwar im ZUGFeRD-Format gar nicht definiert, in der Praxis werden die Rechnungen aber als PDF-Anhang per eMail übertragen. Dies ist bereits langjähriger Standard, lediglich die rechtlichen Grundlagen haben sich durch Gesetzesänderungen verbessert. Anstatt des Versands über ein Postfach, das in einem separaten Schritt abgerufen werden muss, bietet sich heute die Direktübertragung über das Internet an: Die Datenübertragung per AS2 über das HTTP-Protokoll. AS2 setzt sich im klassischen EDI immer mehr durch, es erfüllt die Anforderungen an Authentizität und Integrität der Rechnungen und ermöglicht die Belegdatenübertragung in Echtzeit.

2. Der Nachrichtenstandard

Bei dem gewählten Format UN/CEFACT handelt es sich im Gegensatz zu UN/EDIFACT um ein nicht sehr weit verbreitetes Format. Lediglich die Tatsache, dass es sich um ein weltweit gültiges, "modernes" XML-Format handelt, gab hier vermutlich den Ausschlag für die Auswahl. Das XML-Format ist mit Standard-Programmen zwar relativ einfach lesbar, genauso wie die Datenübertragung per PDF-Anhang aber für eine automatisierte Weiterverarbeitung nicht besonders gut geeignet. Um das Format schlank zu halten, ist außerdem die Datenstruktur inhaltlich begrenzt worden und wird dadurch unweigerlich mittelfristig an seine Grenzen stoßen.

3. Die Nachrichtenart(en)

Das "Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD)" beschränkt sich - wie der Name schon andeutet - alleine auf die Übertragung von Rechnungen. Wieso werden - immerhin mit dem Anspruch, einen neuen Standard zu definieren - bei der Einführung von ZUGFeRD nicht von Anfang an ALLE Nachrichtenarten unterstützt ?

Der Nutzen durch die Integration der XML-Daten in die PDF-Rechnungen liegt beim Empfänger, sofern diese automatisiert weiterverarbeitet werden können. Da Kosten und Aufwand vor allem beim Belegversender anfallen, ist dessen Ansporn gering. Eine Erweiterung auf alle gängigen Nachrichtenarten, von Produktkatalogen bzw. Preislisten über Angebote und Bestellungen bis hin zu Liefermeldungen, würde beiden Seiten zugute kommen.

Fazit:

Nun können Sie sagen, kritisieren kann ja jeder, man soll es erstmal selber besser machen. Genau das haben wir getan! Mit unserem Produkt "ediware DDI" ermöglichen wir elektronischen Datenaustausch zwischen allen Unternehmen - in Echtzeit - und zu günstigen Konditionen!

Aus Sicht der öffentlichen Verwaltung: verschlüsselte Übertragung geht z.B. mit De-Mail. XML-Standards bestehen für viele Fachanwendungen. ediware DDI müsste bei öffentlichen Vergabeverfahren einen Wirtschaftlichkeitsvorteil zeigen.
Noch ein Verfahren? Dazu zwei Aspekte: 1) Primärer Anlass für den elektronischen Rechnungs-Austausch ist dessen Potenzial für die automatisierte Verarbeitung von Eingangsrechnungen bei allen Teilnehmern der Wirtschaft. Also auch bei KMU und der öffentlichen Hand. Automatisierung über Unternehmens-Grenzen hinweg braucht Standards und zwar möglichst einfache. Für die zwei Mio Klein- und Kleinstunternehmen in Deutschland bietet ZUGFeRD mehr als die meisten brauchen, für manche mehr als sie bedienen können. Wenn sie von ihren großen Kunden auch in Zukunft akzeptiert werden wollen, müssen sie sich damit arrangieren. Leider sind Einsicht in den Nutzen und die Bereitschaft zur Einführung noch zu wenig verbreitet, bzw. ausgeprägt. Das liegt aber bestimmt nicht an ZUGFeRD, auch nicht an der Form der Datenübertragung. Ein weiteres Verfahren wird eher verunsichern als verbessern. 2) Warum sollte ZUGFeRD nur Rechnungen transportieren können? Heute wären alle Beteiligten froh, wenn ihm davon genug aufgeladen würden. Konzepte für den Austausch anderer Nachrichtenformen liegen in diversen Schubladen. Dort werden sie hervorgeholt, sobald sich der Rechnungs-Austausch durchgesetzt hat. Zur Nutzenbetrachtung in Absatz 3 der Kritik: Welcher Rechnungsempfänger ist nicht auch Rechnungs-Sender oder umgekehrt? Nutzen ist immer eine Sache von Geben und Nehmen.
Bitte nicht verwechseln: "ediware DDI" nutzt etablierte Nachrichtenformate (EANCOM) und Kommunikationsmethoden (AS2), die im EDI-Bereich absolut Standard sind. ZUGFeRD ist das neue Format !
ZUGFeRD ist ja vor allem ein Standard. Ihre Kritik daran möchten Sie aber mit einem Produkt lösen. Das Charmante an ZUGFeRD ist ja, dass Sie es ohne Absprachen einsetzen können - die beste Chance auf eine breite Akzeptanz.
ediware DDI ist ein Modell, das auch die Schnittstellen zur Warenwirtschaft abbildet. Diese sog. DDI-IO-Module werden von den Softwareherstellern bereitgestellt. Daneben gibt es das DDI-CT-Modul (Converting und Transmission). Hierfür können beliebige AS2-Systeme und EDI-Konverter eingesetzt werden, wie z.B. unsere Softwarelösung, die "ediwareBOX".