Bisweilen werden die Begriffe Zukunftswerkstatt und Zukunftskonferenz synonym verwendet, obwohl es sich um ganz unterschiedliche Konzepte der Partizipation handelt. Zwar kann auch eine zielführende Mischung beider Methodenkonzepte hilfreich sein. Dennoch möchte ich mich für eine klare und fachgerechte Verwendung der Begriffe aussprechen und dazu einladen, in diesem Forum konkrete Erfahrungen mitzuteilen.
Zukunftswerkstatt
Oft verharren Menschen in Resignation, weil sich Zukunftsentwicklungen nicht beeinflussen lassen und von mächtigeren Kräften vorgeplant werden. Als Antwort darauf fordert der deutsche Wissenschaftsjournalist, Zukunftsforscher und Friedensaktivist Robert Jungk (1913-1994) Betroffene an der gesellschaftlichen Basis dazu auf, sich innerhalb eines sozialen Vorschlagswesens mit eigener Phantasie und eigenem Gestaltungswillen einzubringen.
Das Vorgehen umfasst drei Phasen: 1. Kritik und rationale Analyse, 2. Utopie und visionäre Zielfindung, 3. Verwirklichung und Aktionsplanung. Vier verbindende Arbeitsschritte kommen hinzu: Vor Phase 1 Wertschätzung des schon Erreichten, zwischen den Phasen 1/2 Positive Wendung der Blickrichtung und 2/3 Schlüsselmomente fürs Handeln, nach Phase 3 Permanente Umsetzung.
In der Anwendungspraxis bedeutet das für die Moderation einer Zukunftswerkstatt, in einem gemeinsamen Dialogprozess Menschen unterschiedlicher Meinungen, Haltungen und Vorerfahrungen zu begleiten und ihre Gefühle und Handlungen zu vernetzen. Zukunftswerkstätten sind eine Form des Zusammenkommens in vielfältiger Mischung, die dazu motiviert, selbstbestimmt aktiv zu werden. Die Moderation einer Zukunftswerkstatt sorgt mit Unvoreingenommenheit und Allparteilichkeit für ein Vertrauen, sich auch mit unkonventionellen Ideen frei zu äußern und diese gemeinschaftlich zu durchdenken.
Ziel ist es, dass sich emotional gestärkte Gruppen bilden, die nach der Zukunftswerkstatt dauerhaft am Thema weiterarbeiten wollen.
Es braucht eine starke Phantasiebewegung, ist eines der Grundprinzipien von Zukunftswerkstätten. Daran sollen nicht ausgesuchte Experten, sondern alle Interessierten Menschen beteiligt werden, die konkret über neue gesellschaftliche Verhältnisse und andere produktive Möglichkeiten nachdenken wollen. Der Fokus liegt dar­auf, die Vielfalt an Zukunftsmöglichkeiten zu erkennen. Wer die Zukunft im Voraus selbst "erfindet", so die Hal­tung, kann sie wirksam beeinflussen.

>>Video (7 Minuten) "Die Schule sind wir - Zukunftswerkstatt und Fundraising": http://www.youtube.com/watch?v=Wqy8OLpWFds
>>"Wegweiser Bürgegesellschaft" der Stiftung Mitarbeit zur Zukunftskonferenz: http://www.buergergesellschaft.de/mitentscheiden/methoden-verfahren/visionen-entwickeln-zukunft-gestalten/zukunftswerkstatt/
>>"Das Besondere der Zukunftswerkstatt" beim Team Zukunftswerkstatt Köln (heute: parto gUG Köln): http://www.zwteam.de/zukunftswerkstatt.html
>>Methodenerfinder Robert Jungk in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Jungk