CSR Professional

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  • Achim Halfmann
    Achim Halfmann    Premium Member   Group moderator
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    Hamburg > Am Freitag wird der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (kurz B.A.U.M.) seinen B.A.U.M.-Umweltpreis in Hamburg an den Unilever-Chef, Harry J. M. Brouwer, vergeben. Nun wenige Meter entfernt wird der kampagnenorientierte Verein „Rettet den Regenwald“ demselben Unternehmer seinen BAUM-AB-Preis verleihen. B.A.U.M. zeichnet Brouwer aus, weil er die „Nachhaltigkeitsaktivitäten des Konzerns entscheidend geprägt und vorangetrieben“ hat. „Rettet den Regenwald“ verleiht dem Unilever-Chef seinen Anti-Preis „für Beihilfe zur Umweltzerstörung und Missachtung der Menschenrechte in Indonesien“.

    Den Anti-Preis für Unilever verbindet Reinhard Behrend, Vorsitzender von „Rettet den Regenwald“, mit heftiger Kritik am Arbeitskreis: „B.A.U.M. ist ein Verein, in dem 500 Wirtschaftsbetriebe sitzen, die sich gegenseitig medienwirksam auf die Schulter klopfen.“ Der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management ist eine Umweltinitiative der Wirtschaft, seine Mitglieder erkennen den B.A.U.M.-Ehrenkodex für umweltbewusste Unternehmensführung an. Der Verein bietet Unternehmern eine themenbezogene Zusammenarbeit in seinem Netzwerk an, aber auch die „Mitwirkung bei politischen Gesprächen“ – also Lobbying – sowie die „aktive Medienarbeit von B.A.U.M. über das vorbildliche Engagement seiner Mitgliedsunternehmen“ – das sind PR-Leistungen.

    Einerseits eröffnet die Zugehörigkeit zu einem solchen Verein den Umwelt- und CSR-Verantwortlichen in Unternehmen Chancen für einen fachlichen Austausch und Argumentationen für die Vertretung ihres Anliegens in ihrem Unternehmen. Andererseits liest sich die Mitgliederliste von B.A.U.M. wie das Who is Who der deutschen Wirtschaft und es darf bezweifelt werden, dass es sich bei allen Mitgliedsunternehmen um Umweltchampions handelt.

    Der B.A.U.M.-Vorsitzende Maximilian Gege reagierte auf den Anti-Preis mit einer Presseerklärung, in der er auf die vielen Preisträger aus kleinen und mittleren Unternehmen verweist. Ausgezeichnet würden nicht Unternehmen, sondern Verantwortungsträger in Unternehmen. „Wir verleihen den Preis an Herrn Brouwer, weil wir uns persönlich davon überzeugt haben, dass er das Thema Nachhaltigkeit bei Unilever zur Chefsache gemacht hat“, so Gege.

    Diskutieren Sie mit uns:

    Macht die Verleihung des B.A.U.M.-Umweltpreises Sinn?
    Richten Kampagnenorganisationen wie „Rettet den Regenwald“ mehr Schaden oder mehr Segen an?
    Was bedeutet der Disput für das betroffene Unternehmen Unilever?

    Auf Ihren Beitrag freuen wir uns!

    Auf CSR NEWS lesen Sie einen ausführlichen Beitrag zum Thema unter der Überschrift „Zwei Preisverleihungen und drei Verlierer: B.A.U.M. gegen Rettet den Regenwald“:

    http://csr-news.net/main/2011/09/22/zwei-preisverleihungen-u...
  • Riccardo Wagner
    Riccardo Wagner    Premium Member   Group moderator
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    Hallo,

    ob B.A.U.M Preis oder nicht - wenn die CSR-Branche die Fehler und das Misstrauen überwinden will, welche Sie von der PR geerbt hat, sollte Sie sich auch von Preisen und Awards emanzipieren.

    Diese können schon aufgrund bloßer Quantität keine flächendeckende Qualität liefern und bieten damit immer wieder Angriffsfläche, die die der CSR-Branche und allen ernsthaft agierenden Unternehmen unnötig schaden.

    Der Hang zum Siegel auf der Webseite und schickem Pressefoto im Smoking ist keine gute Strategie und die Liste von Preisträgern mit diskussionswürdiger Bilanz ist sehr lang - was zu einer weiteren Entwertung beiträgt.

    Gruss

    Riccardo Wagner
    BetterRelations CSR Strategy & Communications
    http://www.betterrelations.de
    This post was modified on 22 Sep 2011 at 09:22 am.
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  • Dr. Ralf Resch
    Dr. Ralf Resch
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    Ich stimme zunächst Herrn Wagner zu: die Inflationierung von Preisen führt zu deren Entwertung.
    Sodann ist die von Herrn Gege vorgenommen Unterscheidung zwischen "Person" und "Unternehmen" wenig sinnvoll und glaubwürdig, zumal es sich immerhin um den CEO und nicht irgendeinen Mitarbeiter handelt.
    Schließlich ist Unilevers Nachhaltigkeitsleistung insgesamt durchschnittlich (Oekom-Research-Rating von C+ auf einer Skala von A+ bis D-): Stärken in Umwelt-Kategorien wie Energie- und CO2-Effizienz stehen Schwächen im sozialen Bereich und eben in der Verwendung zweifelhafter Rohstoffe gegenüber - neben Palmöl auch solche mit GMO-Einsatz.
    Demgegenüber erweckt Unilevers Nachhaltigkeitskommunikation den Eindruck eines rundum nachhaltigen Konzerns. Anspruch und Wirklichkeit klaffen also auseinander, und das wird durch diese Preisverleihung eher noch verstärkt.
    This post was modified on 25 Sep 2011 at 11:19 am.
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  • Dr. Ralf Resch
    Dr. Ralf Resch
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    Hallo Herr Timme,

    beim Vergleich verschiedener Ratings ist sicher auch zu fragen, welche und wieviele Stakeholder befragt werden und wer die Studie bezahlt.
    Ich negiere nicht Unilevers Bemühungen und finde sein Ziel ebenfalls anspruchsvoll, aber es täte dem Unternehmen gut, auch seine noch vorhandenen Schwachpunkte einzuräumen, statt allzu sehr auf die Nachhaltigkeitsmarketing-Trommel zu schlagen.
    Transparenz im Sinne von "dies haben wir erreicht, auf jenen Gebieten haben wir noch Verbesserungsbedarf" führt zu einer besseren, glaubwürdigeren Darstellung und bietet m.E. eher weniger Angriffsflächen (da die Schwachpunkte ja bereits eingeräumt werden und Kritiker zum Stakeholderdialog eingeladen werden können) als das Verschweigen.
 
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